Wer hätte gedacht, dass eine durchzechte Nacht inklusive Kater danach dafür sorgen können, dass ich mich noch mal richtig jung fühle? Möchte nicht wissen, um wieviele Tage ich meine Daseinsberechtigung hier mal wieder verkürzt hab. Fühlt sich jedenfalls gerade nicht gesund im Kopf an. Aber hey, was soll’s? Schließlich könnten schon morgen fiese Marsianer beginnen, die Erde zu erobern. Das soll’s dann aber auch erst mal gewesen sein, was die Feierei betrifft. Ich konzentrier mich jetzt wieder auf die wichtigen Dinge des Lebens: Nutten und Crack. (Ist natürlich nur ein schlechter Witz, so wie die Verhornballung in der Überschrift.)
Nockt aut!
Sonntag, 31. August 2008 § 0 Kommentare
Samstagsgemurmel
Samstag, 30. August 2008 § 0 Kommentare
Ich weiß, dass Hätte-wäre-wenn-Gedanken die Büchse der Pandora darstellen, in denen man sich hoffnungslos verlieren kann, wenn man keine Mittel und Wege kennt, sich selbst wieder davon zu befreien. Da ich den Trick jedoch meisterhaft beherrsche, schrecke ich nicht davor zurück, mich hin und wieder diesem Spielchen hinzugeben.
Was mich dieser Tage ein wenig beschäftigt, ist die Beeinflussung des eigenen Lebenslaufs durch diverse “zufällige” Ereignisse. Interessant dabei sind vor allem die Zusammenhänge, die dafür sorgen, dass ein eng verzahntes Ganzes entsteht. Besonders frage ich mich hierbei gerade, ob alle Zufälle auch wirklich welche sind. Klar, ich bin ein Verfechter der Ansicht, dass die Dinge einfach so laufen, wie sie laufen, eben weil sie laufen wie sie es möchten. Soll heißen: Alles ist Zufall – keine Vorhersehung, keine Wahrscheinlichkeiten.
Andererseits will sich mein herkömmlich menschliches Gehirn der Vorstellung, sich in einer von keiner höheren Macht beeinflussten Welt zu wissen, nicht ganz ergeben. Damit meine ich keinen Gott, beileibe nicht! Ich denke eher an das gehässige Wort “Schicksal”. Das Unvermögen meines Verstandes, Zufälle als solche zu akzeptieren, führt wohl erst zu solchen Gedanken. Und das kommt nicht ganz von ungefähr…
Kleines Beispiel aus meiner Biographie: Ich hab vor einigen Jahren begonnen, mich auf dem Gebiet der Poesie zu betätigen – einfach, weil plötzlich Poesie in meinem Kopf war und rausgelassen werden wollte. Meine Machwerke hab ich online veröffentlicht, viel positives Feedback bekommen und nebenbei nur dadurch letztlich ein Mädchen kennengelernt, das, was ich nie erahnt hätte, meine Freundin werden sollte. Die wiederum hat mich nach zwei mal mehr und mal weniger schönen Jahren dazu bewogen, nach Bonn zu ziehen, um mir dann sarkastischerweise auf nimmer Wiedersehen zu sagen. Tatsächlich hab ich sie auch nie wieder gesehen. Ohne all diese Abfolgen wäre ich also nicht hier, wäre nicht, wer ich heute bin und würde ein völlig anderes Leben führen.
Nun wäre all das nicht passiert, wenn ich nicht mit dem Dichten begonnen hätte. Was mich ich auf dieses Beispiel bringt, ist die doch etwas nachdenklich stimmende Tatsache, dass ich keine Gedichte mehr schreiben kann. Geschichten und dergleichen gehen mir gut von der Hand, doch Gedichte gelingen mir nicht mehr, so oft ich es auch versuche. Das bringt mich unweigerlich dazu, dass ich denke, ich hätte nur deswegen plötzlich ein Talent dafür bekommen, damit mein Leben einen Schubs in eine völlig andere Richtung kriegt. Soll ich das jetzt glauben oder mir einfach klar machen, dass all das Unsinn ist und ich ‘ne Macke habe? Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß, ist, dass ich es bei genauerer Überlegung weit gruseliger finde, mir vorzustellen, dass ich gelenkt werde – vor allem, wenn es auf so offensichtliche Art und Weise ist…
Noch mal Kino
Samstag, 30. August 2008 § 0 Kommentare
Oha, bin gerade aus dem Kino zurück und noch etwas gaga. Ist ja auch schon spät, und ein paar Bier sind auch drin. Allerdings war der zweite Batman-Film von Christopher Nolan unglaublich gut. Meine Güte, was wurde da die Moralkeule geschwungen, dass es einem förmlich dämmerte. Der ganze Film hangelte sich von einer Entscheidung zur nächsten, als wäre alles einer der Münzwürfe von Harvey Dent. Hab ich jetzt zu viel verraten? Ach was! Wer Batman kennt, weiß eh, wer Harvey Dent ist. Insofern ist das kein Spoiler.
Ein wenig missmutig stimmt mich nur die Tatsache, dass Heath Ledger verstorben ist. Ich hab den immer für ‘nen Idioten gehalten. Kam wohl davon, dass er in so beschissenen Filmen wie “Ritter aus Leidenschaft” mitgespielt hat. Aber als Joker… Heiliges Kanonenrohr, dagegen ist Jack Nicholsons Joker ja die reinste Kinderkacke. Fazit in diesem Fall: Daumen rauf! Also los, angucken gehen. Aber zack, zack!
Kinoooooo! Und andere Dinge…
Donnerstag, 28. August 2008 § 0 Kommentare
Mensch, ich freu mich wie’n Schnitzel! Endlich mal wieder Batman im Kino. Yeah! Kann’s kaum erwarten…
In diesem Sinne fällt mir übrigens mal wieder auf, wie sehr ich mich mittlerweile mental von daheim entfernt habe. Meine Eltern haben irgendwie, so lange wie ich sie kenne, also quasi mein ganzes Leben lang, nie so wirklich begriffen, wie man das Leben genießt. Die haben immer alles für meine Schwester und mich gegeben und sich selbst niemals was gegönnt. Jetzt allerdings sind wir beide aus dem Haus, doch noch immer hat sich nichts geändert. Mich wundert fast, dass meine Eltern wissen, dass es keine Mauer mehr gibt. Und wenn sie doch mal Spaß haben, dann tun sie so, als hätten sie ein Wunder erlebt oder reden alles einfach wieder mies.
Dummerweise haben sie uns Kindern natürlich unabsichtlich auch ihre Spießigkeit dem Leben gegenüber vorgelebt. Ich glaube, so einige Verhaltensweisen, die ich auch heute noch an den Tag lege, liegen in dieser Tatsache begründet. Doch wie gesagt, die Entfernung zu daheim verändert mich mehr und mehr. Mittlerweile hab ich einen großen Teil meiner früheren Schwermütigkeit abgelegt und kann leichtfüßiger durch’s Leben schreiten. Lebt sich übrigens irgendwie angenehmer. Na ja, und wer weiß? Vielleicht geschieht eines schönen Tages so gar noch das Unvorstellbare, und ich fahre in den Urlaub. Zugegeben, so weit bin ich noch nicht ganz, aber mein Weg ist hell erleuchtet.
Zusatz zum Thema YES!
Mittwoch, 27. August 2008 § 0 Kommentare
Da sich hier scheinbar kaum jemand meine Geschichten durchlesen mag, weil man da ja (Zitat:) scrollen muss, will ich heute mal keine Perlen vor die Säue werfen und stattdessen einfach darauf hinweisen, dass ich Recht hatte, was diese YES-Törtchen betraf.
Siehe HIER…
Die Dinger haben nämlich tatsächlich Alkohol enthalten. Allerdings wurden sie scheinbar eher deswegen vom Markt genommen, weil sich niemand bereit erklärt hat, die für Rentabilität nötigen zusätzlichen 8000 Tonnen von dem Zeug im Jahr zu verdrücken. So hat sich dann die Produktion der kleinen Ekelklötze nicht mehr gelohnt. Wem sollte man’s verübeln…
PS: Danke für die Info, Nacki.
Im Bett mit einer Leiche
Dienstag, 26. August 2008 § 0 Kommentare
Ruckartig wurde Herbert aus seinen Träumen gerissen. Auf der Seite liegend starrte er mit weit aufgerissenen Augen auf die rot strahlende Digitalanzeige seines Funkweckers. 4:37 war darauf zu lesen. Das bedeutete, dass eigentlich noch fast vier Stunden verblieben, bis Herbert aufstehen musste. Als er gerade die Augen wieder schließen wollte, bemerkte er jedoch, dass hier etwas nicht stimmte und dass ihn dieses Etwas offensichtlich geweckt hatte. Es stank! Ja, es stank sogar gewaltig. Und dann dieses schnaufende Geräusch…
Mit einer reflexhaft schnellen Handbewegung knipste Herbert die Nachttischlampe an und drehte sich herum. Wo vorher eine leere Doppelbetthälfte war, lag nun eindeutig jemand, und sein Herz begann augenblicklich, zu rasen. Vorsichtig beugte er sich näher zu der Person hinüber, die, das verriet das schleppende Atemgeräusch, tief und fest schlief. Nach näherer Betrachtung erkannte Herbert hinter dem glatten dunklen Haar, das wie wild am Kopf dieser Gestalt klebte, vage das Gesicht einer Frau.
Herberts Stirn legte sich in tiefe Falten und für einen Moment klappte seine Kinnlade hinunter. Nachdem einige Sekunden der Stille vorüber gezogen waren, fragte er schließlich laut aufgeschreckt: “Beate?”
Ein kurzes Grunzen deutete an, dass Herbert nun nicht mehr der einzige war, der mitten in der Nacht in seinem Schlafzimmer wach lag. “Mensch Herbert, kannst du mich nicht ein klein wenig sanfter wecken?” maulte die Nebenliegende müde und klappte allmählich die Augen auf. “Was ist denn passiert, dass du hier rumbrüllst wie ein Bär?”
Herbert, der jetzt so allmählich wieder zu sich fand, schaute Beate noch immer staunend an. “Warum ich brülle? Beate, solltest du nicht tot sein?” fragte er und war selbst schon fast belustigt, als ihm auffiel, wie dumm diese Frage eigentlich klang.
“Herbert, du bist aber auch charmant wie eh und je. Wie wäre es mal mit ‘Beate, schön dass du da bist.’?” entgegnete die Frau, die also tatsächlich Beate war, in mürrischem Tonfall. “Wir haben uns schließlich schon eine Weile nicht mehr gesehen, oder?”
“Ja, eine Weile ist gut. Seit zehn Jahren! Du bist vor zehn Jahren ums Leben gekommen, verdammt. Autounfall, direkt auf dem Heimweg nach dem Urlaub. Du erinnerst dich?” sagte Herbert und kratze sich am Kopf, als hätte ihm jemand eine ordentliche Kopfnuss aufgegeben, die nur für Querdenker lösbar ist.
“Natürlich erinnere ich mich, du Spinner. DU bist schließlich gegen den Baum gefahren und hast-”, wollte Beate gerade ausführen, als sie energisch unterbrochen wurde: “Beate, du weißt genau, dass das nicht meine Schuld war, also ich… ich glaube jedenfalls, dass du das weißt, denn das hast du doch bestimmt… ähm, noch mitbekommen?” Darauf leckte sich Herbert, der nun so hellwach war, wie man nur sein kann, hektisch über die Lippen, schüttelte den Kopf und begann erneut: “Was, was rede ich denn hier überhaupt? Mensch, du bist tot, verflixt! Schau dich doch nur mal an. Deine Haut ist faulig, dir fehlen Zähne und du stinkst nach Erde. Ich bin nur froh, dass dies einer der Träume ist, von denen man weiß, dass man nur träumt.”
Plötzlich begann Beate schrill zu lachen, und mit ein wenig Ekel erkannte Herbert, dass ein loser Hautlappen an ihrer Stirn im Rhythmus dazu vor und zurück schwang. “Herbert, du Dummerchen”, kicherte sie. “Wie würdest du wohl aussehen, wenn du zehn Jahre in einer madenzerfressenen Holzkiste gelegen hast, hm? So wie ich das sehe, siehst du jetzt schon nicht mehr viel besser aus. Und überhaupt, was redest du hier von Träumen?”
Wieder herrschte kurz Gesprächsstille im Raum. Lediglich Beates Kichern war noch immer nicht ganz verstummt. “Was ich von Träumen rede?” antwortete Herbert schließlich. “Ich bitte dich! So ganz alltäglich finde ich es nicht, dass ich neben meiner vermoderten aber noch immer unerträglichen Ehefrau aufwache und nächtliche Diskussionen mit ihr führen muss.”
Darauf zog Beate den Teil ihrer Stirn hoch, an dem sich früher einmal die Brauen befunden hatten und rollte mit ihren vertrockneten Augäpfeln, als würde sie sich das entnervte Gejammer eines kleinen Kindes anhören müssen. “Bevor du jetzt wieder mit deiner Besserwisserei anfängst”, schloss sie an, “könntest du mal auf deinen Wecker schauen.”
Herbert drehte sich verwundert herum und sah wieder auf den rot leuchtenden Funkwecker. Als er die Uhrzeit erblickte, verkniff er das Gesicht: Die Anzeige stand noch immer auf 4:37. “Muss stehen geblieben sein”, sagte er leise wie zu sich selbst, wurde dann jedoch wieder sicherer und schmetterte mit voller Stimme: “Ach, und warum sollten Uhren im Traum überhaupt richtig gehen?” Schon drehte er sich wieder zu Beate und grinste sie mit seinem besten Siegerlächeln an. “Das erklärt gar nichts”, sagte er schnippisch.
“Ich hab eine bessere Idee für dich, Columbo”, spottete sie. “Das hier ist kein Traum, Freundchen. Das hier ist die Hölle. Du bist genauso tot wie ich. Wahrscheinlich hat dein Herz keine Lust mehr auf den verfetteten Rest von dir gehabt. Klar soweit?” Nun begann Beates fauliger Mund, sich zu einer hässlich grinsenden Grimasse der Schadenfreude zu verziehen, während Herberts Siegerlächeln einfror.
“Was? Ich? Tot?” stammelte er und warf ungläubig den Kopf hin und her. Doch allein schon Beates aus verwesten Haut- und Fleischfetzen bestehendes, grinsendes Gesicht war zu unansehnlich, als dass dies hier noch ein Traum sein konnte. Mit nun deutlich zittriger Stimme fragte Herbert: “Aber warum sollte ich denn bitte in der Hölle landen? Ich hab mir doch gar nichts zu Schulden kommen lassen.”
Seufzend atmete Beate aus und richtete sich auf. Als sie sich dabei auf ihren von der Verwesung dunkel verfärbten Arm stützte, ertönte ein ungesundes Knarzen. Dann blickte sie Herbert in die Augen und entgegnete: “Ach Schatz. Erinnerst du dich, was ich immer gesagt hab, wenn mal wieder alles schief lief?”
“Herbert, du bist ein Vollidiot?” schloss Herbert missmutig an.
“Nein, das andere. Ich hab immer gesagt, Gott sei ein Zyniker. Und weißt du was? Ich hatte Recht. Er liebt sarkastische Scherze und den besten hat er uns allen bis zum Schluss aufgehoben”, erklärte Beate mit sichtlichem Vergnügen.
Herbert sah sie fragend an und wartete auf die Antwort. Doch als sie nach einigen Augenblicken noch immer nur gemein dreinblickend lächelte, hakte er nach: “Und der wäre?”
Auf die erhoffte Frage hin hellte sich Beates Blick weiter auf und mit lautem Klopfen auf die Bettdecke sagte sie endlich: “Es gibt gar keinen Himmel. Ha ha ha ha! Ist das nicht witzig? Ich fand es nicht soooo lustig, als ich da war, wo du jetzt bist. Aber wenn man eine Weile tot ist, entwickelt man einen gesunden, schwarzen Humor. Das kannst du mir glauben.”
Mit weit offenem Mund starrte Herbert erst seine Frau an und warf dann ungläubige Blicke durch sein Schlafzimmer. “Das- das darf doch nicht wahr sein”, murmelte er.
“Leg dich noch ein bisschen hin und schlaf, Herbert. Dann vergeht die Zeit vielleicht etwas schneller. Wir werden nämlich noch eine ganze Weile hier sein, weißt du?” sagte Beate in gähnendem Ton und drehte sich langsam auf die andere Seite. Doch dann blickte sie noch einmal hoch und fügte hinzu: “Ach, und reg dich nur nicht auf. Wenn jemand das Recht hat, wütend zu sein, dann bin eigentlich ich das. Dass deine eigene Frau zu deiner Höllenqual erwählt wird, müsste mir nämlich gehörig zu denken geben.”
Wortlos blieb Herbert in seinem Bett zurück, als wäre er plötzlich zur Salzsäule erstarrt. Und schon kurz darauf setzte auch Beates lang gezogener Schnaufatem wieder ein. Als nach einer gefühlten halben Stunde noch immer keine Minute auf dem Funkwecker vergangen war, setzte in Herbert plötzlich eine Art Gleichgültigkeit oder doch einfach nur Müdigkeit ein. Eigentlich ist nun wieder alles genau wie früher, dachte er kurz, bevor er schließlich das Licht ausknipste, die Augen schloss und seiner Frau wieder den Rücken zu kehrte.
Keine Zeit…
Montag, 25. August 2008 § 0 Kommentare
Eigentlich sind sie ja nicht ganz übel, diese Tage, an denen man von morgens früh bis spät abends unterwegs ist und keine Zeit hat, sich über irgendwas dumme Gedanken zu machen. Keine Politik, die nervt, keine Langeweile, die frustriert, kein Fernsehen, dass zur Verdummung beiträgt. Leider bedeutet das aber auch, dass es keine tollen Sachen gibt, über die ich schreiben könnte. Dafür brauch ich nämlich leider Politik, Langeweile, Fernsehen und natürlich Zeit. Na, morgen sieht das bestimmt wieder ganz anders aus.
Und so kam der Tag…
Sonntag, 24. August 2008 § 0 Kommentare
„Hey Frank“, brummte Joe der Keiler seinem alten Freund zu, der gerade eilig den von Baumwurzeln übersäten Weg heraufgetrabt war. „Zigarette gefällig?“
„Nein danke, Joe. Mein Husten hat in letzter Zeit etwas nachgelassen, weißt du?“ entgegnete Frank und sah sich fragend um. „Warum hast du angerufen? Du klangst so aufgeregt, aber du bist ganz allein hier. Ist was passiert?“ fragte er schließlich nach einigem Zögern und scharrte nervös mit den Hufen.
„Es ist Billy“, sagte Joe mit kratziger Stimme und verzog das Maul zu einer schmerzverzerrten Grimasse, während er den Qualm seiner Zigarette durch die Stoßzähne blies. „Er liegt hinten im Feld, 300 Meter von hier. Gebrochene Hüfte. Hat wahrscheinlich noch vier bis fünf Stunden, dann werden die Füchse beginnen, sich gütlich zu tun. Dieses verdammte Schnorrerpack!“
„Heilige Scheiße“, grummelte Frank und schüttelte mit zugekniffenen Augen den Kopf. „Wieder die Felllosen, was?“
„Yeah. Bereits das verfluchte dritte Mal in dieser Woche“, entgegnete Joe verbissen und trat mit dem linken Vorderhuf energisch seinen Zigarettenstummel aus. „Ich sollte auch sehen, dass ich damit aufhöre, sonst kriegen sie einen alten Eber wie mich doch noch mal dran.“
„Wer sagt es Mary?“ fragte Frank und legte die Stirn in tiefe Sorgenfalten. „Und erst den Kindern? Sie hatte doch gerade erst einen ganzen Wurf“, schloss er an.
„Ich werd’s ihnen sagen und mich um sie kümmern, so gut ich kann – auf freundschaftliche Art versteht sich. Als diese felllosen Schweine Laura erwischt haben, hab ich mir geschworen, dass keine Bache jemals ihren Platz einnehmen wird. Und dabei bleib ich, zur Hölle!“ murmelte Joe mit leiser Stimme, während eine Träne mühsam aus seinem rechten Auge kroch und sich ihren Weg entlang seiner borstigen Wange bahnte.
„Ja, Laura. Nie werde ich sie vergessen“, seufzte Frank und blickte nachdenklich zur Erde. „Wenn das so weitergeht, dann kriegen diese felllosen Teufel uns noch alle“, knurrte er schließlich und rammte wütend die Hufe in den Waldboden.
„Dazu wird es nicht kommen, Frank. Dazu wird es nicht mehr kommen“, warf Joe mit leicht zittrigem Ton ein und zündete sich eine neue Zigarette an. Er zog den Qualm tief in seine Lungen und stieß ihn genüsslich mit geschlossenen Augen aus. Nach einem Moment der völligen Stille sagte er: „Ich will, dass du die anderen zusammenrufst. Alle, die du kriegen kannst. Hast du verstanden? Denn ich hab einen Plan.“
Darauf lehnte Frank sich verwundert nach vorn. „Ja Mann! Aber was in Gottes Namen hast du vor?“ fragte er und stellte mit Erschrecken fest, dass Joe nun eine bitterböse Miene aufgesetzt hatte.
„Der Tag ist gekommen, Frank. Wir schlagen zurück. Mit ihren eigenen Waffen werden wir diese Wichser niederwerfen“, grunzte Joe entschlossen. Sprachlos stand Frank ihm gegenüber, das Maul vor Erstaunen weit aufgerissen. Und allmählich schlich sich ein Kribbeln in seine Magengegend – ein Gefühl, dass etwas Großes kommen würde…
Trübes Gedankengut
Samstag, 23. August 2008 § 2 Kommentare
Ach, es ist um die 14 Uhr spät, ich hab endlich was gegessen, und dennoch bin ich weit davon entfernt, nüchtern zu sein. Und da gerade niemand zugegen ist, den ich mit meiner noch immer sehr gelähmten Zunge zulallen könnte, schreib ich’s halt hier rein. Durch mein Fenster sieht die Welt immer noch so trüb aus, als würde man durch Milchglas blicken, und ich mach mir so meine Gedanken. Genau gesagt überlege ich seit einigen Tagen, ob es überhaupt Sinn machen kann, sein Singleleben aufzugeben, um sich in eine Partnerschaft zu stürzen. Wie ich darauf komme? Na ja, ich hab mich selten so gut gefühlt wie in der letzten Zeit, und wenn’s nach mir ginge, könnte alles immer so bleiben. Klar, mit jemandem an seiner Seite hat man sicher viele tolle Höhen, die einem Alleinstehenden verwehrt bleiben, aber letztlich wird es doch immer darauf hinauslaufen, dass Alltag und Routine sich einschleichen, oder? Mir ist bisher jedenfalls noch nicht untergekommen, dass das bei irgendjemandem anders gewesen wäre. Irgendwie ist das schon ein beängstigender Gedanke, der mich auch ziemlich abschreckt.
Selbst wenn man versucht, sich immer vor Augen zu halten, dass man mit einer ganz besonderen Person zusammen ist und sich bewusst macht, dass man die irgendwann doch drohende Routine vor der gemeinsamen Welt aussperren muss, finden die wirklich schlechten Augenblicke und Gedanken nach und nach doch einen Weg hinein. Genau so war’s bei mir beim letzten Mall dann auch, und so kam alles, wie es kommen musste. Und wenn ich ganz ehrlich bin, dann habe ich dazu einen nicht unerheblichen Teil beigetragen. Während ich mir die eben genannten guten Vorsätze immer wieder ins Bewusstsein gerufen habe, sind selbige zur Farce verkommen. Kann die Beziehung zu einer Frau dann überhaupt noch anders verlaufen? Ich weiß es nicht, und der unendliche Wolkenschleier hinter der Glasscheibe antwortet mit einem hoffnungslosen Nein. Da ich aber nicht auch noch meine Laune in ein trübes Grau kleiden will, verweile ich jetzt einfach in dem Gedanken, dass die Sonne sich bestimmt bald wieder zeigt – nicht nur in einer Hinsicht.
Ernährungswissenschaften
Donnerstag, 21. August 2008 § 0 Kommentare
“Essen soll nicht schmecken, es soll satt machen”, meinte ein Freund von mir zu Schulzeiten, wenn er in der Kantine vor seinem übervollen Teller saß und man ihm gebannt dabei zuschauen konnte, wie er versuchte, gigantische Portionen undefinierbarer künstlich gefärbter Moppelkotze in sich hineinzuschaufeln, ohne dabei die wenig genießbare Brühe über den Tellerrand schwappen zu lassen. Wirkte immer, als würde er versuchen, mit sich selbst Jenga zu spielen. Aber so waren wir eben in meiner Heimat: Das gemäßigte Essen lag uns Brandenburgern nicht. Und das Speisen auf gehobenerem Niveau schon mal gar nicht.
McDonald’s etwa war für uns Provinzler kein Schnellimbiss mit Katzenhack auf Burgern, sondern ein wohlüberlegtes Event, zu dem man im Reich der “Blühenden Landschaften” unübertrieben wirklich sehr weit fahren musste. Und ein Besuch mit den Eltern im regionalen Akropolis-Restaurant, oder wie sich der jeweils einzig überlebensfähige lokale griechische Fresstempel gerade auch immer nennen mochte, war das höchste Gut der kulinarischen Gefühle. Gierig schlang man dort die als Lammfleisch getarnte Steinkohle hinunter und betäubte die geschmackliche Verwirrung des sonst so vorlauten Mundwerks mit Gallonen an Ouzo, als gäbe es kein Morgen.
So war das damals im schönen Neufünfland. Und heute? Sieht’s nicht anders aus. Denn da bin ich nun, längst angekommen in der Bundesstadt Bonn, die für unternehmungslustige junge Menschen absolut NICHTS bereithält, außer Essen – das dafür jedoch in schier unendlichen Mengen und Tarnungen. Dass Quantität nichts mit Qualität zu tun hat, stört den genügsamen Bauerntrampel in mir dabei wenig. Döner, Pizza, Nudelpampe, dem Primitivling ist alles recht, solange es zum einstelligen Europreis zu bekommen ist und dabei von der Menge her etwa das Gesamt-Magenvolumen einer ausgewachsenen Kuh ausfüllt.
Geschlagen geben musste ich mich bisher lediglich der berüchtigten Nummer 39 auf der Karte des selbstbetitelten Pizza-Spezialisten. Dieses, leider durchaus schmackhafte, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, bestehend aus Gyros mit Krautsalat und Tsatsiki, umgeben vom Calzone-Teigmantel, dazu mit einer Fantastillion Kilo Käse überbacken, ließ mich über Stunden dermaßen schreckliche Füllequalen erleiden, dass ein untersuchender Arzt ohne Umschweife Leichenstarre diagnostiziert hätte. Wurde damit zu Recht anschließend von meiner persönlichen Speisekarte verbannt, das Ding. Trotz alledem bleib ich meiner Devise der kosteneffizienten Ernährung gern treu. Einfaches Prinzip: Viel hilft viel.
Nur ab und an reißen mich eher weniger freiwillige Besuche in besseren Restaurants aus dieser wohligen Unkompliziertheit heraus. Und obwohl ich mich dort stets so fehl am Platz fühle wie ein Kachelofen im Iglu, muss ich doch zumindest in diesen Momenten mit den Wölfen heulen, da man an jenen unheiligen Fressstätten üblicherweise in Begleitung auftritt. Würde ich es mir etwa beim Date im chicen Restaurant erlauben, den kulinarischen Einzeller mit einer Vorliebe für gekringeltes Viehzeug aus dem Wasser raushängen zu lassen, heißt, einen Riesenteller, einzig mit Garnelen, zu bestellen, statt vornehm tuend selbige mit grünem Spargel an Austernsauce zu ordern – ein zweites Treffen würde theoretisch zur Utopie verkommen. Praktisch tut es das allerdings auch so.
Noch schlimmer sind Betriebsausflüge, an denen dann bestenfalls auch noch der Firmenvorstand teilnimmt. Einst so geschehen, bestellte ich ein unaussprechliches Zandergericht – keine Garnelen, aber immerhin war es etwas ehemals Lebendes aus dem Wasser. Meine Entscheidung bereute ich in dem Augenblick, als mir ein vom Zug geplätteter Zahnarztspiegel neben die Serviette gelegt wurde. Noch während ich das komische Ding ungläubig beäugte, half mir ein Kollege auf die Sprünge und erklärte mir, dies sei ein Fischmesser. Man lernt ja nie aus, denn nur fünf Minuten zuvor wäre, so man mich gefragt hätte, ein Fischmesser für mich eine machetengroße, gezackte Klinge gewesen, mit der teutonische Jagdmänner sich noch eigenhändig in die Fluten stürzen, um die ganz dicken Brocken im fairen Zweikampf zu erlegen. Glücklicherweise hatte man mich nie gefragt.
So harrte ich also bibbernd der Dinge, die da, vielleicht gar zappelnd, auf mich zukommen mochten und wartete darauf, dass ich, von den Umsitzenden belächelt, mit diesem unförmigen Gerät einen Zander fachgerecht zerlegen sollte. Da sich mir jedoch nicht einmal erschließen wollte, wie man dieses so genannte Fischmesser in der Hand zu halten hatte, würde ich dem garstigen Vieh wohl einfach das Weißbierglas so lange auf den schuppigen Pelz donnern, bis einige halbwegs kaubare Teile von ihm abfallen, anschließend unauffällig die Beilagen verputzen und den Rest gesättigt tuend zurückgehen lassen. So zumindest war der Plan.
Was mir letztlich tatsächlich vor die Nase gesetzt wurde, war ein weichgekochtes, komplett grätenfreies, quadratisches Fischstäbchen, das ich ohne Mühe einzig unter Einsatz eines handelsüblichen Vierzinkers hätte verputzen können. Selbst die Zähne hätte ich für das matschige Klotzfischelend theoretisch daheim lassen können. In diesem Fall kam ich somit glimpflich davon: Das nicht notwendige, einer Maurerkelle nicht unähnliche, Messerding konnte ich letztlich souverän bedienen. Die Portion ging in Ordnung, das Bier sowieso. Es hätte also schlimmer kommen können.
So dann auch geschehen – bei der Weihnachtsfeier nämlich: Es gab verordnetes Bühnenprogramm mit Zwischenpausen zum munteren Mampfen. Jedes Mal, wenn während dieser Futterphasen eine Kellnerarmada die gigantischen metallenen Glocken von den ebenso monströsen Tellern hob, verzog sich mein Mund enttäuscht nach unten, als hätte ich Barbies zu Weihnachten bekommen: Statt reichlicher Manneskost wurden zusammengewürfelte Trauerhäufchen serviert, deren verspieltem Arrangement man deutlich ansah, dass dem zuständigen Koch eine echte Kindheit durch regelmäßige Prügel des Vaters verwehrt geblieben sein musste.
Während die Mausehappen jedoch sogar schmackhaft waren, grauste es mich vor den Unmengen an verschiedenen Werkzeugen, die sich neben den Tellern fast schon zu einer metallenen Perversion auftürmten und mich eher an die Instrumente eines Pathologen als an Essbesteck erinnerten. Nach anfänglich aufkommender Verzweiflung ergab ich mich allmählich der Devise: “Wenn ein Bauer schon fressen muss, was er nicht kennt, dann nicht auch noch mit Hilfe von Dingen, die er nicht kennt.” Und so hielt ich mich einfach an Löffel, Gabel und Messer. Den Rest des, im Stile eines Uri Geller, kreativ geformten Metalls ignorierte ich fortan konsequent.
Glücklicherweise hält sich die Häufung solcher Anlässe in Grenzen. Denn letztlich geht es mir doch einzig darum, die vielen Hohlräume innerhalb meines höchstwahrscheinlich bereits unweigerlich verdorbenen Magens befriedigend zu füllen, wie ich es einstmals als einer der unzivilisierten Vorstadthelden meiner Heimat erlernte. Und reicht das Futter nicht aus, schüttet man eben so lange Flüssiges hinterher, bis dem Nahrungsaufnahmquälgeist das Gequengel vergällt. Meine Mama nannte das früher “satt trinken” und fand es wenig lustig, ließ doch diese Methode keinen Raum mehr für den liebevoll angerichteten Rosenkohl. Und der ging und geht nun wirklich nicht. Wir Provinzler mögen unkultiviert sein, doch auch wir haben eine Schmerzgrenze. Ich zumindest. Alles taugt dann eben doch nicht zur Sättigung.
PhanThomas ist der nicht ganz anonyme Autor dieses Weblogs. Er befasst sich laienhaft mit allem, was gesellschaftspolitisch oder sonst wie von Interesse sein könnte. Sein schlecht recherchiertes Halbwissen kaschiert er durch die willkürliche Einstreuung von mäßig verschnörkelten Artikeln zu seiner eigenen Wenigkeit, die er mit Vorliebe in der dritten Person verfasst.