Das 2009 des PhanThomas.

Donnerstag, 31. Dezember 2009 § 2 Kommentare

silvester Das 2009 des PhanThomas.Nachdem ich mich in Sachen Buch, Film und Musik bereits über die Crème de la Crème des inzwischen doch recht abgelaufenen Jahres 2009 geäußert habe, fehlen wohl noch die abschließenden Worte zu dem, was ich da sonst so sterbend hinter mir zurückgelassen habe. Denn zu Themen wie Politik äußern sich schon die Zeitungen und der Rest der Welt zu genüge. Außerdem will ich mich ja nicht dauernd aufregen. Ahem. Nun ja, egozentrisch, wie ich jedenfalls bin, flechte ich die hiesige Rückbetrachtung einfach mal um meine eigene Person, ganz so, als wäre ich unheimlich wichtig. Und da ich ziemlich zur Schwarz-weiß-Sicht neige, bietet sich’s doch an, die ganze Sache dieses Jahr auch genau auf diese Art aufzuziehen. Denn letztlich war 2009 ein Jahr wie jedes andere auch: eines, das mal schwarz und mal weiß war.

… weiß …
Wenn ich mich nicht irre, habe ich auch diese Jahr eine ganze Menge Leute kennen gelernt. Huh. Zwar waren’s nicht mehr so prägend viele wie noch 2008, wo ich allein in der Ursuppe beginnen und mich aus einem gescheiterten Dasein zurück in eine gesellschaftliche Existenz kämpfen musste [Drama, Baby!], aber dennoch freue ich mich, dass auch dieses Jahr wirklich interessante Menschen mein Leben bereichert haben. Und da ich ja irgendwie ohnehin zur Hälfte digital bin, habe ich nicht nur die gemeinsam verbrachten Tage und Abende in diversen Lokalitäten genossen, sondern mich auch an so manch abendlicher Chat-Orgie erfreuen können.

… schwarz …
Schlecht lief aus Sicht meines Soziallebens eigentlich nur wenig. Dass ich noch immer Single bin [Bitte eine Dose Mitleid für mich...], davon war ohnehin auszugehen. Sieht man davon ab, dass die wenigen Versuche, etwas an diesem Tatbestand zu ändern, kläglich zum Scheitern verurteilt waren, muss ich aber auch zugeben, dass ich gar nicht willens war, mich der Sache adäquat anzunehmen und so eine Lösung zu erwirken. Und weniger hochtrabend: außer Spesen nichts gewesen, und ich lebe trotzdem noch.

… weiß …
2009 war ein Jahr der Neuausrichtung, was meine Interessen betrifft. Nur noch selten hockte ich am PC und spielte meine Lebenszeit in Grund und Boden. Stattdessen frönte ich exzessiv der Schreiberei diverser Geschichten und Erzählungen und tippte meine Lebenszeit in Grund und Boden. Diese Entwicklung begann bereits 2008, gewann allerdings erst in diesem Jahr so richtig an Fahrt. Maßgeblich dazu beigetragen hat wahrscheinlich auch die Community der Seite [mySTORYs], wo man all das Zeug, das mir so entfleucht, tatsächlich zu lesen scheint. Oder zu überfliegen. Oder ach, was weiß ich!?

… schwarz …
Vieles hat mich 2009 frustriert. Ist weniger ein Ärgernis, sondern viel mehr wohl ein Wesenszug. Und so war es irgendwie, hm, am Ende wohl einfach die Gesamtsituation. Der Stillstand in Sachen persönliche und berufliche Entwicklung quasi. Bis zur Jahreshälfte etwa, hatte ich das Gefühl, alles wäre in Butter und eben einfach bestens, wie’s ist. Beständigkeit kann ja auch eine feine Sache sein, in der es sich herrlich ausharren lässt. Ein Weilchen zumindest. Denn dann merkte ich, was mir fehlte und wurde rastlos. Unschön an alledem war besonders, dass ich die zweite Jahreshälfte eigentlich gar nicht mehr genießen konnte und mir eher wie ein Fremdkörper in meinem eigenen Umfeld vorkam. Aber das soll sich ziemlich bald ändern, wenn’s nach mir geht.

… weiß …
Womit wir auch wieder bei »weiß« wären. Man soll ja mit was Gutem enden. Tatsächlich habe ich den Stillstand nicht auf sich beruhen lassen und damit letztlich irgendwie alles umgeworfen, was mir in der Zeit davor Sicherheit und vor einer ganzen Weile auch eine Art Geborgenheit geboten hatte. Soll heißen, ich werde im kommenden Jahr vor allem meine Koffer packen und Neuland erkunden. Von Bonn geht’s für mich nach Berlin. Vom kleinen ins große »B«. Mit allem drum und dran. Damit schätze ich, dass ich erst zur Jahreshälfte wieder so zur Ruhe kommen werde, dass ich mich gemütlich in einen Schaukelstuhl setzen und einen Tee trinken kann, ohne dabei in alle Richtungen gleichzeitig denken zu müssen. Ob all das gut ist und ich mich dann vollkommener fühle oder ob ich den Lebenswandel in einem Jahr unter »schwarz« einsortieren muss, weil ich schlagartig ergraut bin, wird sich erst noch zeigen. Bis dahin möge man mir die Daumen drücken. [Ach ja, »iThought« zieht natürlich mit um. So viel Beständigkeit muss dann doch sein.]

… und sonst?
Wie jetzt? Vorsätze und so? Hm, habe ich im letzten Jahr welche gemacht? Ja? Und habe ich sie eingehalten? Nein? Nun ja, neuerdings pflege ich zu sagen, dass Vorsätze von Anfang an nichts anderes sind als Gräber. Wir setzen sie, nur um am Ende den Grabstein umzuschmeißen, draufzupinkeln und dabei lachend den Kasatschok zu tanzen. In diesem Sinne, lasst die dämlichen Vorsätze gleich weg, genießt den feuchtfröhlichen Ausklang des Jahres und rutscht mir gut geölt in die nächste Runde. Prost.

Sinniges aus 2009.

Sonntag, 27. Dezember 2009 § 2 Kommentare

silvester Sinniges aus 2009.

So, die großen Fressgelage sind beendet. Damit macht die Speiseröhre ihrem direkten Nachbarn, der Luftröhre wieder Platz, worauf wir alle endlich wieder kräftig durchatmen können, ohne bunt flackernde Lichter vor den Augen zu sehen, die garantiert keine Lichterketten sind.

Damit bekommen die Sinne auch endlich wieder Gelegenheit, Dinge aufzunehmen, die nicht mit ordinär viel Bratensauce übergossen und/oder großzügig gepuderzuckert wurden. Schöne Filme, zu dicke Bücher oder musikalische Ergüsse, bis die Ohren bluten. Und weil das Jahr nun tatsächlich vorbei ist und sicherlich in keinem der drei genannten Bereiche in den nächsten Tagen noch das Ei des Columbus auf den Markt gerotzt wird, preise ich doch eben mal so ganz uneigennützig meine diesjährigen Favoriten an.

Gelesen… 41HQFK8thvL. SL500  Sinniges aus 2009.Bücher gab es in diesem Jahr so einige, über die meine Augen flogen. Aber keines hat mich so gefesselt wie der, hm, recht dick geratene King-Roman mit dem grottigen Titel »Wahn« (Orig. »Duma Key«). Eine, alles in allem, sehr spannende Geschichte voller Dämonen, Geister und solcher, die’s mal werden wollen. Viel faszinierender als die flotte Handlung jedoch, und das ist seit jeher schließlich Kings (Achtung, Kalauer!) Königsdisziplin, gestaltet sich die Entwicklung des Hauptcharakters Edgar Freemantle, einem verunfallten und verlassenen Bauunternehmer, der auf der recht einsamen Insel »Duma Key« zurück ins Leben findet. Ich habe das Buch größtenteils im Urlaub auf Rhodos verschlungen und muss sagen, das Ding ist eines der großartigsten des »neuen« Stephen King.

Gesehen…watchmen4 Sinniges aus 2009. Klar, für die Empfehlung kriege ich wieder mächtig eins auf den Sack, aber hey, es gab dieses Jahr eben keinen besseren Film als »Watchmen«. Kurzzeitig überlegte ich, ob mir Tarantinos schrullige Nazi-Klamotte wohl noch besser gefallen haben könnte, doch nein! Zack Snyders Comicverfilmung besticht durch die werkgetreue Umsetzung, präsentiert in brillanten Bildern, kommt mit durch die Bank weg perfekter Besetzung und einem so unglaublich passenden Soundtrack daher, dass man meinen möchte, der 300-Mann Snyder hätte den Streifen, so wie er ist, aus einem Jahrtausende alten Fels gemeißelt. So und nicht anders will ich Filme künftig sehen. Großes Kino, große Kunst und über alledem mit besserem Ende als im Comic.

Gehört… cover3 Sinniges aus 2009.Und jetzt gibt’s noch mal was auf die Zwölf, fürchte ich. Da Metallicas »Death Magnetic« bereits 2008 erschienen ist, muss ich nun mal Green Days aktuelles Studioalbum »21st Century Breakdown« zur besten Platte des Jahres erheben. Das Ding macht beim Anhören immer wieder unheimlich viel Spaß, der Sound ist so perfekt, dass die Ohren vor Hörgenuss zu sabbern beginnen, und Längen sucht man sowieso vergebens. Dass die Atmosphäre des genialen Vorgängers »American Idiot« nicht ganz erreicht wird, lässt sich da doch ganz gut verschmerzen.

Die »Düsseldorfer Katze« und ich.

Donnerstag, 24. Dezember 2009 § 4 Kommentare

katze Die »Düsseldorfer Katze« und ich.Ho ho ho! Frohe Weihnachten euch allen! Mögen wahre Geschenklegionen auf euch herniedergehen und euch die Luft zum Atmen rauben. Ach ja, und möge auch was Gescheites drin sein. Nicht unbedingt eine Fantastillion Stricksocken von der Urgroßmutter oder so. Lieber was Teures. Ahem. Was es für mich heute hagelt, weiß ich nicht, aber ich habe ohnehin etwas viel Besseres hier, gegen das alle Geschenke vor Neid in sich zusammen schrumpfen würden. Nämlich – Trommelwirbel – die erste patentierte und qualitätsgeprüfte »Düsseldorfer Katze«. Ein kleines, anhängliches Tierchen, irgendwann mal heimlich von meinen Eltern ins Haus geschafft, als ich gerade auswärts war. Und so überraschte man den Sohnemann mit der Katzenhaarallergie dann eben ganz einfach mit dem neuen Mitbewohner. Aber das ist eine andere Geschichte.

Nun ja, es ist erstaunlich, aber so allmählich hab ich das System des schleichenden, grauen Fellknäuels verstanden. Wir, also die Katze und ich, haben uns ja mittlerweile schon ganz gut angefreundet, und so lässt sie sich manchmal hier bei mir, im mittlerweile ansonsten verwaisten Zimmer, das ich früher mal im Hause meiner Eltern bewohnte, blicken, um es sich gut gehen zu lassen. Was daran aber tatsächlich ziemlich erstaunlich ist: Sie kommt nicht immer. Nee, das Viech kommt tatsächlich nur dann, wenn ich, man höre und staune, die Toten Hosen höre. Vorzugsweise übrigens »Auf dem Kreuzzug ins Glück«.

Kein Scherz! Ich habe es mit den Foo Fighters probiert. Die ignoriert sie konsequent. Metallica? Drauf geschissen. Was Poppigeres? Green Day? Nö. Nur die Toten Hosen und nichts sonst. Die »Düsseldorfer Katze« hat also nicht nur einen erlesenen Futtergeschmack, sondern achtet auch in Sachen Musik auf ihre Vorlieben. Unglaublich cool, diese Katze. Ob ich ihr ‘nen Totenkopf ins Fell rasieren soll? Hmm, ich überlege noch.

23122009219 Die »Düsseldorfer Katze« und ich.

Lesestoff aus dem Niemalsland.

Montag, 21. Dezember 2009 § 0 Kommentare

mannschnee Lesestoff aus dem Niemalsland.

Ach ja, da bin ich also wieder. Angekommen in der brandenburgischen Pampa, quasi im Schnee feststeckend und derzeit noch relativ eventlos vor mich hin gammelnd. und selbstverständlich bereite ich daher gerade den Jahresabschlussbericht vor, nach PhanThomas’schem Rezept zubereitet, versteht sich. Okay, war gelogen. Ich leg derzeit die Beine hoch und tue mehr oder minder nichts. Es sei mir gegönnt, schätze ich. Daher schmeiße ich dem nach Lesestoff gierenden Volk einfach mal mein aktuellstes Geschichtlein hin, das heute Morgen aus meiner zehnfingrigen Feder entschlüpft ist. Mal wieder was Weihnachtliches. Nun ja, ich hab mich wohl ein wenig anstecken lassen. Grmpf! Na ja, hm, viel Spaß!

Der Pfefferkuchenmann

Hey Kumpel! Ja, du da! Wenn ich noch öfter auf die Hupe haue, ruft irgendjemand die Polizei. Hör auf damit, so traurig in den Schnee zu glotzen, sonst färbt der sich wegen dir noch schwarz, und ich muss dir eins auf die Nase geben. Denn weißt du, ich mag Schnee zur Weihnachtszeit. Wusstest du überhaupt, dass es im Schnitt nur alle sieben Jahre zu Weihnachten schneit? Tendenz abnehmend! Wusstest du nicht? Du weißt nicht wirklich viel, oder? So wie du aus der Wäsche guckst, hab ich mir das eigentlich schon gedacht. Dann sag ich dir jetzt mal was, Bürschchen: Du solltest dich, verdammt noch mal, freuen, dass du Schnee zu Weihnachten geboten bekommst. Aber Weihnachten ist wahrscheinlich auch nicht dein Ding, was? Meine Fresse, kann ja keiner mit ansehen! Los Junge, steig ein! Mach nicht so ein verdutztes Gesicht, du musst nichts bezahlen. Auf meiner klapprigen Karre steht zwar Taxi drauf, aber du hast Glück, denn du bekommst von mir eine astreine Freifahrt geboten. St. Phan hat heute seine weihnachtlichen Spendierhosen an. Ob das mein Name ist? Tut das denn was zur Sache? Nenn mich, wie du willst und frag nicht so viel! Schnall dich lieber an und halt die Augen offen! Los geht’s!

Hier, schau mal meinem Zeigefinger nach. Siehst du das Haus da hinten? Ja, das heruntergekommene, das ein wenig so aussieht, als hätte es dort ziemlich gebrannt. Hat es nicht, aber weißt du, die Leute, die dort wohnen, haben nicht wirklich das Geld für teure Renovierungsarbeiten. Ach, was rede ich! Die haben überhaupt kein Geld. Das sind die Webers: Eltern seit Jahren arbeitslos und über alledem auch noch drei Kinder und die pflegebedürftige Großmutter im Haus. Manchmal ein echtes Trauerspiel, sag ich dir. Aber nee, Junge, seufz jetzt nicht so, sondern schau mal durchs Fenster! Ich fahre mal eben etwas langsamer. Siehst du das Leuchten dort im Zimmer, ja? Das ist ein Christbaum, verdammt! Haben sie vor einigen Tagen im Wohnzimmer aufgebaut. Himmel, ich hab keine Ahnung, was die Webers alles an den Baum gehängt haben. Wahrscheinlich sogar Großmutters alte Socken. Auf jeden Fall alles, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Aber du verstehst das Wesentliche, oder? Die Leute mögen nicht viel Geld haben, wohnen in einer Hütte, die so zugig ist, dass jede Hechtsuppe vor Neid erblassen würde und essen zum Mittag womöglich eingelegte Handtücher. Aber sie haben einen echten Christbaum aufgestellt, damit die Familie sich daran erfreuen kann. Das ist es, worauf es im Leben ankommt. Worauf es zumindest ankommen sollte. Aber das verstehst du derzeit nicht, oder? Du schaust ja schon wieder weg.

Was ist eigentlich mit dir los, hm? Ich schaue in den Rückspiegel und glaube fast, der fleischgewordene Trauerklos persönlich hockt auf meiner schmutzigen Rückbank und fettet meine alten Sitzbezüge ein. Keine Ahnung, was los ist? Lass mich raten, du bist gebeugt von den Schatten deiner Vergangenheit, suhlst dich im Schlamm der Gegenwart und knickst vor den Zweifeln der Zukunft ein. Vielleicht noch ein wenig Pessimismus oben drauf und mit einer Prise Liebeskummer verquirlt, was? Fertig ist der Pudding, der du bist. Der du zu sein glaubst. Weißt du, so wie dir geht’s uns allen mal. Wir alle müssen irgendwann die Paddel auspacken und gegen den Strom rudern. Und das ist unendlich schwer, doch ist die Hauptsache, dass wir rudern. Aber du lässt dich treiben und versteckst dich. Läufst vor dem davon, was du zulassen solltest. Willst du ein Bon Bon? Hier, ich hab allerdings nur Eukalyptus. Ist mein letztes, und jetzt ist es deins. Frohe Weihnachten, Junge!

Scheibenkleister, jetzt wäre Onkel Phan wegen dir doch fast dem dämlichen Laster hinten drauf gefahren. Mein Taxi, ein Schrotthaufen zur Weihnachtszeit! Das wäre es ja nun noch gewesen. Da hätte ich mir zu Hause eine Standpauke anhören können, dass der Nachbarschaft die Ohren vom Stamm gefallen wären. Ha! Was quatsche ich auch so viel? Und warum geht’s eigentlich nicht weiter? Ist da vorn eine Ampel? Siehst du vom Rücksitz aus irgendwas, Junge? Beug dich mal zur Seite. Nichts? Na ja, warte, ich steig eben aus und schaue nach.

Pah, das hätte ja was gegeben, wenn ich den dicken Laster geknutscht hätte. Wirst es nicht glauben, aber das Ding selbst hat so einen heruntergekommenen Kombi erwischt. Jetzt stehen sie da, ein Mann und eine Frau, und schauen sich den Schlamassel ratlos an. Komm, wir ziehen ganz vorsichtig dran vorbei. Siehst du das? Es scheint im ersten Moment, als würde der Brummifahrer mit der Frau aus dem Kombi streiten. Aber schau mal genauer hin! Sie lächeln ab und an. Ich glaube, die unterhalten sich über irgendwas. Und wenn du noch etwas genauer hinsiehst, erkennst du auch, dass der Schaden eigentlich nur ganz klein ist. Guck mal, auf dem Rücksitz des Kombis hocken zwei Kinder, die ihre unbeaufsichtigte Zeit nutzen, um sich zu kabbeln. Ist das nicht schön? Was? Nein, nicht der Unfall, du Miesepeter! Die Tatsache, dass eigentlich nichts passiert ist. Wer weiß? Eine Mutter die zur Weihnachtszeit allein mit ihren Kindern unterwegs ist, könnte praktisch alleinerziehend sein. Und der Lastwagenfahrer hatte doch ungefähr ihr Alter. Wer weiß, wer weiß? Ha! Zu Weihnachten ist alles möglich, Junge. Kannst du mir ruhig glauben.

Du glaubst jedoch nicht viel, ich weiß. Hast deinen Glauben verloren oder vielleicht auch nie wirklich gefunden. Und das liegt daran, dass du die Augen vor dem verschließt, was sich um dich herum abspielt. Was sich für dich abspielt. Während du durch dein zerbrechliches, kleines Leben hastest, schaust du dich dauernd um, in der Angst, die vergangenen Tage könnten dich einholen. Doch dabei blickst du eigentlich nur auf verblasste Ansichtskarten. Nach vorn schaust du dagegen nicht, weil du deine verdammten Augen ja hinten hast. Das macht dich zum Maulwurf, denn so siehst du eben gar nichts. Sehen heißt glauben, Junge. Du solltest dir ein paar Weihnachtsmärchen ansehen. Von denen kannst du noch was lernen.

Da, deine Chance, auch mal etwas zu sehen: Schau mal links zum Fenster raus! Ist der Park nicht die reinste Idylle? Da vorn spaziert ein altes Pärchen den verschneiten Weg entlang. Arm in Arm. Bei meinem weißen Barte, stell dir nur vor, die kennen sich schon seit über vierzig Jahren. Haben geheiratet, als die Welt noch eine völlig andere war. Und sie haben alles erlebt: Freude, Lachen, Trauer, Streit, Wut. Aber immer war Liebe dabei. Ja, das gibt’s auch heutzutage noch hin und wieder. Man erkennt das jedoch nur, wenn man die Augen offen hält! Woher ich das alles weiß? Ach, tut doch nichts zur Sache. Ich weiß es eben. Und jetzt schau mal weiter nach rechts. Da baut ein Vater mit seinem Sohn einen Schneemann. Hey, der besteht ja aus vier Kugeln! Wie sieht das denn bitte aus? Denen sollte ich glatt mal zeigen, wie’s richtig geht. Ha! Aber darauf kommt’s eigentlich gar nicht an, schätze ich. Schau dir mal die Augen des Jungen an! Siehst du, wie sie leuchten? Sie haben den Zauber inne, der dir scheinbar abhanden gekommen ist. Denn deine leuchten ungefähr so stark wie zerschlagene Scheinwerfer. Und warum? Weil du immer nur wegschaust. Sieh dir all das hier an! Dieser wunderbare Märchenpark mit seiner weißen Schneedecke, der wirkt, als hätte man ihn direkt aus einer Bilderbuchwelt hierher geholt. Die vielen Bäume sehen aus, als wären ihre Kronen aus Zuckerwatte. Und unter ihnen genießen Menschen Frieden, Ruhe und Besinnlichkeit.

Nur du bist nicht dabei, denn schon wieder schaust du weg. Willst du’s nicht sehen? Weil es dir selbst anders ergeht? Du glaubst zumindest, dass es dir anders geht, doch das ist deine eigene Schuld. Ja, du bist selbst schuld daran, dass du traurig bist. Weißt du, Freude und Trauer wohnen Tür an Tür. Wie die Liebe und der Hass. Und manchmal kommt einer von den Beiden besoffen nach Hause und irrt sich in der Hausnummer. Bei dir irren sie sich dauernd, was? Und so hocken sie alle bei Genosse Trauer und kloppen die ganze Nacht Skat. Doch solange du sie spielen lässt, wird der Morgen wohl nicht anbrechen. Kalte Nächte können sehr lange dauern, Junge. Und wenn du nicht aufpasst, geht die Sonne bald gar nicht mehr auf, weil du erfroren bist. Verstehst du das wenigstens ein bisschen? Na ja, endlich nickst du mal. Ist doch ein Anfang.

Ich glaube, ich hab dir ohnehin genug erzählt, was? Zwar glaube ich nicht, dass ich dir deine kostbare Zeit gestohlen habe, denn mit der hättest du ohnehin nichts Gescheites angestellt, aber nun wirst du Zeit brauchen. Um in dich zu gehen. Ordne deine Emotionen, schick sie alle in ihre Häuser zurück und zeige ihnen, dass du der Herr über ganze, verdammte Nachbarschaft bist. Du bist Mensch! Es ist dein Leben! Also lass nicht zu, dass du in der kalten Trostlosigkeit erfrierst.

So, wir sind wieder da. Hier wohnst du, nicht wahr? Na dann, raus mit dir! Und nicht in den hübschen Schnee pinkeln! Wie gesagt, die Fahrt war für dich gratis. Hast du das denn kapiert? Ich habe meine Zeit freiwillig für dich hergegeben. Habe dir diese wunderbaren Dinge gezeigt. Mit dir geredet. Und weißt du was? Ich mag dich, Junge. Du kannst noch so sehr dreinschauen, als würden alle Sorgen der Welt auf deinen Schultern lasten. Man erkennt eben doch, dass du eigentlich ein toller Kerl bist. Und die Feststellung gibt’s auch gratis vom Weihnachtsmann. Oh, hab ich Weihnachtsmann gesagt? Ach, da hab ich mich wohl versprochen. Ich meinte natürlich St. Phan. Hey, endlich lächelst du mal. Weißt du, ich betrachte dein Lächeln hier und jetzt als dein Geschenk an mich. Und ich glaube, dass du es auch so meinst, denn ich sehe es. Sehen heißt glauben. Denk an die Weihnachtsmärchen! Dein Geschenk macht jetzt auch mich glücklich. Und darauf kommt es an. Verschließ dich nicht, lauf nicht davon, versteck dich nicht. Du bist, verdammt noch mal, nicht der Pfefferkuchenmann! Merk’s dir ein für allemal!

Okay Junge, ich muss weiter. Ist spät geworden, und ich muss heute noch ein wenig Kleingeld verdienen. Sonst setzt es daheim kräftig was mit dem Nudelholz. Sollten wir uns demnächst wieder begegnen, will ich nicht noch einmal mit dir um die Häuser fahren müssen, sonst berechne ich dir den doppelten Fahrpreis. Vielleicht kann ich dich stattdessen beim nächsten Mal als lobendes Beispiel vorzeigen, wenn eine andere trübe Tasse auf meiner Rückbank hockt. Ha! Frohe Weihnachten, Junge. Leb wohl!

Fragen über Fragen. Alles an PhanThomas.

Freitag, 18. Dezember 2009 § 4 Kommentare

itsme Fragen über Fragen. Alles an PhanThomas.Ach ja, die Feiertage… Man kommt zu nichts mehr, nicht einmal zur frivolen Bloggerei. Und da mir auch heute eigentlich nichts wirklich Brauchbares einfällt, wie ich leider zugeben muss, da mir allerlei Gedöns durch den Kopf schwirrt, das keine so recht schmackhafte Suppe ergeben mag, habe ich beschlossen, mit Hilfe der Macht des Kommas einfach Schachtelsätze zu bauen, bis dem Leser vor Unverständnis der- Nun hab ich tatsächlich den Faden verloren und vollziehe daher einfach mal einen eleganten Schwenk in Richtung, hmm, meiner eigenen Person. Nicht erst beim [Herrn Kaliban] entdeckt [dort jedoch wieder ins Gedächtnis gerufen], habe ich doch kürzlich das schlichte aber amüsante Formspring ausprobiert.

Was das jetzt schon wieder für’n Mist ist? Na ja, wieder einmal Web 2.0-Zeuch. Klar. Und da ich in dieser Hinsicht bekanntermaßen alles mitmache, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, werde ich das auch hier tun. Über [Formspring] könnt ihr mir also – ganz anonym, versteht sich – Fragen stellen. Welcher Natur die sind, ist mir egal. Ich beantworte sie alle. Alles? Alle. Auf meine Art, versteht sich. Ahem. Sollte die Aktion, womit ich stark rechne, in die Hose gehen, weil keiner mitmacht, werde ich Pseudopersönlichkeiten erschaffen, die mir dann Fragen stellen und große Fans meiner Wenigkeit sind. Anschließend werde ich noch abgehobener und unerträglicher sein, als ich ohnehin schon bin. Wollt ihr das wirklich? Nein? Na dann, auf die Plätzchen, fertig, los mit der Fragerei! [HIER GEHT'S LANG...]

Oha. Wochenende schon rum?

Montag, 14. Dezember 2009 § 2 Kommentare

musik Oha. Wochenende schon rum?Uh, jetzt hab ich doch glatt meine Wochenendeinleitungsmusik vergessen. Das würde erklären, weshalb mir das ganze Wochenende irgendwie durch die Finger geglitscht ist wie ein Haufen ekliger Nacktschnecken. Hm. Aber gut, dann tue ich’s eben dem [Herrn Kaliban] nach und stimme die Woche mit hübschen Klängen ein. Okay, so hübsch sind sie nicht, und das zugehörige Album »Load« ist unheimliche Grütze, doch dieses eine Lied hat was. Finde ich wenigstens.

Besinnlicher Unsinn.

Freitag, 11. Dezember 2009 § 4 Kommentare

weihnachten2 Besinnlicher Unsinn.
»Nein, ich hab’s doch nicht so gemeint, ich- bitte, Johnny, leg doch die Axt weg, bitte!« Hysterisches Kreischen, dass man meint, die Fenster würden im nächsten Moment bersten. »Halt’s Maul, dämliche Hure!« Kurze Stille. Er holt wohl aus. Dann das dumpfe Geräusch, als die stumpfe Schneide den Schädel der Heulboje wie eine Walnuss knackt, damit die herumspritzende Hirnsuppe auch noch zu ihrem unansehnlichen Auftritt kommt.

»Kommt ihr dann langsam runter? Wir wollen Bescherung machen. Dann können wir auch bald essen. Der Papa hat nämlich schon Hunger«, tönt Mutters Stimme von unten aus dem Wohnzimmer nach oben zu meiner Schwester und mir. Der blecherne Klang ihres Brüllorgans lässt mich vage an das Gezeter vom letzten Jahr denken. Weihnachten in der Familie – immer der gleiche Kleinkrieg: Alle schmeißen so lange grinsend mit lieblosen Geschenken um sich, bis sich irgendjemand erdreistet, etwas Falsches zu sagen. Und schon geht’s los: Es wird gestritten und gekeift, bis irgendjemand heult. Vorzugsweise natürlich meine nah am Wasser gebaute Schwester. Hat die sich bereits entnervt verdrückt, springt mein Vater ein. Mutter dagegen kann nicht weinen. Zumindest ist nichts dergleichen überliefert. Und ich? Hocke mit einem lachenden und einem weinenden Auge im familiären Nuklearkrieg und wundere mich immer wieder über das mörderische Echo der belanglosen Meinungsverschiedenheiten. Damit ich nicht ganz leer ausgehe, gibt’s für mich stattdessen eine zünftige Magen-Darm-Grippe. Wenigstens war es im letzten Jahr so.

Noch will ich heute jedoch keine allzu schlimme Schwarzmalerei betreiben. Schließlich kommt der Teufel persönlich zum Kaffee und Kuchen vorbei, sobald er seinen Namen vernimmt. Immerhin schaltet mein Schwesterherz nun endlich ihren abartigen Splatterfilm ab. Nicht mal zu Weihnachten hält sie es aus, ohne dass Organe und Hirnteile wie Konfetti über die Mattscheibe fliegen. Jetzt jedoch herrscht für einen Augenblick angenehme Stille. Die Ruhe vor dem Sturm, fürchte ich. Doch dann wirft Vater seine von Eunuchenchören eingesungenen Uraltweihnachtslieder in den CD-Player. Das ist schön, das hat Tradition, verkündet er feierlich, wenn jemand über seine musikalischen Gaumenfreuden nörgelt. Und schon säuseln schmalzige Stille-Nacht-heilige-Nacht-Klänge geschmeidig die Treppe herauf, um ihre schleimige Zunge in mein geschundenes Hörorgan zu schieben.

Das obligatorische Augenrollen später, raffe ich die hastig verpackten Geschenke für die Lieben zusammen: Viel zu teure Frotteehandtücher für mütterliches Wohlbefinden nach der zu heißen Dusche, den unheimlich handlichen Akkuschrauber, den Vater unbedingt haben will, um ihn in den Schrank zu seinen Artgenossen zu legen und natürlich einen Briefumschlag mit hübscher aber eigentlich überflüssiger Glitzerkarte und gebügelten Geldscheinen für das Schwesterlein. Ja, Geld. Denn kaum war das Kind aus Mutters Beckengegend entglitten, rissen eifrige Freiheitsfanatiker die Mauer ein, um sich vom Kapitalismus überrollen zu lassen. Meine Schwester leider inbegriffen.

Im Wohnzimmer angekommen, werfe ich einen angstgenährten Blick in die Runde und sauge ein gewohntes Bild auf: Mutter hockt auf der Couch neben dem falschen Weihnachtsbaum, der so sehr nach giftig ätzendem Kunststoff stinkt, wenn man ihm zu nahe kommt, dass selbst unsere beiden Katzen einen großen Bogen um die Satanstanne chinesischen Fabrikats machen. Vater steht noch immer wichtigtuerisch neben seiner Stereoanlage und fummelt an den für ihn völlig kryptischen Tasten der Fernbedienung herum, um das Klangbild zu optimieren. Und unbeteiligt von alledem, hockt Oma regungslos auf ihrem Lieblingsstuhl am Esstisch und starrt unmotiviert Löcher in die Luft. Wie ich sie so ansehe, mit ihren neunundachtzig Jahren, versunken in ihren tannengrünen Pulli, denke ich für einen kleinen Moment, dass Oma der bessere Christbaum gewesen wäre. Meistens stinkt sie weniger als das Synthetikgewächs aus der Giftbrauerei, jedenfalls solange sie den Mund geschlossen hält, und außerdem bewegt sie sich mindestens genauso selten. Eigentlich weiß man auch nie so recht, ob sie lebt oder schon verwest – bis sie dann schließlich einmal mehr eine ihrer Weisheiten aus der Zwischenwelt zum Besten gibt.

»Oh, ihr habt ja auch was für uns«, tönt Mutter und klatscht theatralisch in die Hände, als meine Schwester und ich mit den Präsenten anrücken, wie wir es jedes Jahr tun. Ha, da haben wir sie aber wieder überrascht.

»Danke schön, mein Schatz«, schmachtet Vater und drückt mir einen wenig appetitlichen Bieratemschmatzer auf die Wange, als ich ihm sein Geschenk hinhalte.  Seine naturgehärteten Bartstoppeln bohren sich in meine Poren, was die ganze Angelegenheit noch unangenehmer macht. Doch was tut man nicht alles für die liebe Erzeugerriege?

Während nun alle über ihren bunt verpackten Gaben  hocken und eilig das Papier herunterreißen, als gäbe es kein Morgen, glaube ich fast, dass dieses Jahr alles friedlich abläuft. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt, hin und wieder dringt sogar ein leises Freudenkichern durch das Tongemisch aus Papierrascheln und dem abstoßenden Kindergejaule von anno dunnemals aus der Stereoanlage. Auf mich wirkt der Abend, als würde sich niemand trauen, zuerst zu motzen, was mich sogleich frappierend an den kalten Krieg erinnert. Und so freut sich Mutter über ihre Handtücher, Vater dreht den neuen Akkuschrauber in den Händen herum, als hätte er den größten Diamanten bekommen, den die Welt je gesehen hat, und das Schwesterherz zeigt, freudig vor lauter Geldgeschenken, die raubkapitalistischen und nachgeweißten Zähne. Ich selbst befreie unterdessen die Bücher, die ich letzte Woche in einem Online-Shop bestellt habe, um sie mir dann unter den Baum legen zu lassen, aus ihrem Papiergefängnis.

»Und für die Großmutter gibt’s auch was Feines«, sagt Mutter schließlich zur Oma im selben Tonfall, in dem sie sonst nur mit den Katzen redet, wenn sie ihnen ein besonders leckeres Fressi Fressi mitgebracht hat. Aber wer soll’s ihr verübeln? Schließlich ist Oma ja doch irgendwie fast schon transzendent. Und obwohl sie kaum mehr vor die Tür geht, bekommt sie einen dicken Wollschal für ihren betagten Hals. Ihre gequollenen Augen schauen das gute Stück an, während alles ruhig ist und auf den erlösenden Kommentar wartet…

»Früüüher, da mussten wir uns Lappen um die Füüüße wickeln. Mussten wir. Laaappen. Weil wir ja keine Schuuuhe hatten«, krächzt Oma uns prophetisch von ihrem Stuhl zu und will uns damit wohl deutlich machen, dass sie sich über ihren neuen Schal sehr freut. So interpretiert das offenbar auch der Rest der Familie, worauf sich alle wieder wichtigeren Dingen zuwenden, nämlich sich selbst, und Oma zurück in ihre Dauertrance entlassen.

Tatsächlich haben wir es dieses Jahr also geschafft: Mutter räumt bereits die Unmengen an herumliegenden Geschenkpapierfetzen zusammen, und noch hat niemand das Kriegsbeil ausgegraben. Schwesterlein zählt ihr Geld, während sie sich wohl bereits ausmalt, welch sinnlosen Scheiß sie davon wieder kaufen wird, und auch ich bilde einen kleinen Geschenkstapel, damit im allgemeinen Aufräumchaos nichts versehentlich in der Abfalltonne landet.

Beruhigt will ich mich darauf zurücklehnen und die Besinnlichkeit wie einen wohltuenden Aufguss über mich ergehen lassen, als Vater den Kardinalsfehler begeht: Er zaubert ein kleines, buntes Schächtelchen aus dem Wohnzimmerschrank hervor und gibt es meiner Mutter in die Hand.

»Für dich«, sagt er, grinst dabei selbstzufrieden, und drückt auch ihr einen Schmatzer auf die Wange. Ob mein Gesicht wohl auch so seltsam verzogen aussieht wie Mutters, wenn ich angewidert dreinschaue, denke ich kurz, bevor eine glitschige Befürchtung in mein Bewusstsein kriecht, die mir sagt, dass es gleich ordentlich knallen wird.

Mit skeptischem Gesicht rupft Mutter das Geschenkpapier von dem kleinen Ding und zieht eine dunkelbraune Schatulle hervor. Oh oh! Die öffnet sie sogleich und hebt die Halskette zwischen Daumen und Zeigefinger mit einem dermaßen abstoßenden Blick an, dass man meinen möchte, Vater hätte ihr einen alten Fisch geschenkt.

»Du sollst mir doch nichts schenken. Wie teuer war das Ding denn jetzt schon wieder?«, wettert sie sofort wie eine Furie. Eine eisige Brise weht durchs Wohnzimmer. Damit hat der kommunistische Osten dem schwächelnden Westen offiziell den Krieg erklärt. Geschenke sind hier nicht gern gesehen. Mögen die Bomben fallen.

»Du bist unmöglich, weißt du das? Dir darf man nicht mal eine Freude machen«, mault Vater, leider ohne Nachdruck in der Stimme, zurück. Schwesterlein schiebt die Geldscheine in die Hosentasche und rennt die Treppe hinauf. Die Tür knallt, und gleich darauf meine ich zu hören, dass der Fernseher wieder läuft, damit Johnny Boy weiter fleißig Schädel knacken kann. Ich hocke derweil auf der Couch und schaue mir das traurige Spektakel noch ein wenig an.

»Eine Freunde? Du weißt genau, dass wir für solchen Quatsch kein Geld übrig haben«, zetert Mutter. Wo sie recht hat, hat sie recht. Wovon sollen die Beiden sich jetzt auch die vierte oder fünfte Luxuskaffeemaschine kaufen, die nicht nur Milchschaum auf die besonders exquisiten Kaffeespezialitäten spuckt, sondern sogar noch abgezählte Schokoladenstreusel oben drauf hustet? Da muss man schon Prioritäten setzen.

Dann kontert Vater: »Ach, weißt du was? Du kannst mich mal! Dir schenk ich nichts mehr!« Wenn er sich doch nur daran halten würde, denke ich und schaue zu Mutter. Ihr Konter wiederum, dürfte nicht lange auf sich warten lassen.

»Die Brööötchen mussten wir damals zerbröööseln und in die Wassersuppe tun, damit wir überhaaaupt was zu essen hatten«, kräht Oma dazwischen. Sie scheint mit der Situation auch nicht ganz dakor zu gehen. Leider hört Mutter nicht auf die Altersweisheit und motzt lieber Vater an: »Ich kann dich mal? Was schämen solltest du dich! Und das zu Weihnachten! Vor den Kindern! Sowas überhaupt zu mir zu sagen, ist ein Unding! Geh mir bloß aus den Augen!«

Tut er prompt. Die nächste Tür knallt, dann das Geräusch des Schlosses. Vater hat sich im Schlafzimmer eingeschlossen, um in seine Kissen zu heulen. Das ist schön, das hat Tradition. Derweil lässt er nun Oma, Mutter und leider auch mich mit seiner geliebten Weihnachtsmusik zurück. Die furchtbaren Sänger wollen gerade verkünden, dass der Schnee leise rieselt und der See still und starr herumliegt, als Mutter energisch auf alle Tasten hämmert, bis sie zufällig die Stopptaste erwischt. »Kann sich ja keiner anhören, den Scheiß«, gibt sie bissig zu Protokoll und verdrückt sich darauf wutschnaubend in die Küche, um  zur Beruhigung ihre Kaffeemaschinensippe zu säubern.

Ich hocke noch immer auf der Couch und überlege, ob ich weinen oder lachen soll. Ich weiß es nicht. Irgendwie bin ich ein Gemisch aus meinen Eltern geworden: mitunter emotional, dass ganze Welten in mir untergehen, bei alledem aber mit verkümmerten Tränendrüsen ausgestattet. Wenigstens bin ich nicht ganz allein, denke ich, als neben mir ein lautes Poltern ertönt. Dann ist wieder alles ruhig. In der Stille werfe ich einen Blick zu Oma, von der das Geräusch kam. Zuerst kann ich sie nicht entdecken, dann sehe ich sie. Ihr Kopf liegt mit dem Gesicht nach unten auf dem Tisch. Die hat’s endgültig hinter sich. Mal sehen, wie lange es dauert, bis das jemand bemerkt. Ich bin nun also doch allein.

Ich hätte jetzt zumindest diese weihnachtliche Eskalation auch gern hinter mir, doch so leicht wollen es mir die Weihnachtsgeister natürlich nicht machen: Nun, da ich eben so allein im Wohnzimmer hocke, verkündet das erste krampfhafte Bauchgrummeln, dass auch mein Verdauungstrakt noch ein paar Takte zu sagen hat. Die Magen-Darm-Grippe ist tatsächlich pünktlich wie die Maurer, denke ich und erhebe mich langsam, um mir einen kurzen aber beschwerlichen Weg durch das verstrahlte Krisengebiet zu bahnen und mich schließlich auf eine gemeinsame Nacht mit der Kloschüssel einzustellen. Immerhin hält die gänzlich die Klappe.

Saunabesuche – Part II…

Mittwoch, 9. Dezember 2009 § 6 Kommentare

sauna Saunabesuche   Part II...

Damals, zu meinen seligen WG-Zeiten, soll heißen, als das gesellige Miteinander noch so einigermaßen Spaß machte und unser Vierergespann sich noch nicht in zwei zutiefst verfeindete Lager zerschlagen hatte, war ich, hm, nun ja, ein wenig in meine Mitbewohnerin verschossen, wie ich mal eben zugeben will. Ich meine, sie war klug, sie war niedlich, exzentrisch und, uh, vor allem eine ziemliche Augenweide. Und sie nahm mich natürlich nie so ganz ernst, wie’s die Frauen eben für gewöhnlich tun, sobald ich Interesse an ihnen hege. Tja.

Es war später Frühling, als ein gewisser Freund der besagten Mitbewohnerin unsere traute WG-Höhle besuchte. Netter Typ, unkompliziert, lustig und irgendwie cooler als Clint Eastwood beim Pinkeln. Fräulein Mitbewohnerin und er hatten jedenfalls spontan beschlossen, ins Mineralbad zu fahren. Und weil wir uns damals noch so unglaublich gut verstanden, wurde ich gefragt, ob ich mitkommen möchte. Meine Mitbewohnerin im Bikini angucken? Fünf Minuten später stand ich abfahrbereit an der Haustür.

Das Mineralbad an und für sich war eine feine Sache. Zwar kam ich mir an allen Ecken und Enden vor wie ein Rentner, der versucht, seine alten Knochen mit pseudogesundem Sprudelgebräu zu verjüngen, doch war’s wirklich sehr entspannend. Und dann kam’s: ab in die Sauna! Nackt und so. Keine Geschlechtertrennung. Uh!

Ich kann nur sagen, es gab keinen Tag in meinem Leben, an dem ich mir mehr gewünscht hätte, dass mir doch bitte jemand temporär die Augen entnehmen möge. Wie ein reich gedecktes Buffet hatte meine sehr ansehnliche Mitbewohnerin sich vor mir und dem unsagbar coolen Typen, der selbst in dieser Hitze noch Eiswürfel schwitzte, ausgebreitet. Insgesamt, ein Anblick, der in mir nicht nur das Schweißtreiben anregte. Also die Mitbewohnerin meine ich, nicht Mr. Cool. Ahem. Lassen wir das.

Ergebnis des Ausflugs: Ich lag noch spät abends mit offenem Mund in meinem Bett und hatte dieses fleischgewordene Kunstwerk vor Augen [etwas pathetisch formuliert, ich weiß]. Schlimm. Noch schlimmer jedoch sollte es letztlich dem lässigen Freund ergehen, den Frau Mitbewohnerin schon soooo lange kannte und der ganz gewiss niemals mehr von ihr wollen würde. Klar. Denn der hatte ihr am nächsten Morgen beim Frühstück seine Liebe gestanden, blitzte sowas von ab und ließ sich niemals wieder bei uns blicken. Wie überrascht sie tat. Dabei hatte ich’s ihr doch gleich gesagt. Der arme Knilch wurde von ihr eben nicht so ganz ernst genommen, so wie’s die Frauen eben für gewöhnlich tun, sobald man Interesse an ihnen hegt. Tja.

Saunabesuche – Part I…

Montag, 7. Dezember 2009 § 4 Kommentare

sauna Saunabesuche   Part I...

Heute auf Arbeit [Ja, auf Arbeit!]: Kollege N. fabulierte über die Vorzüge entspannender Saunabesuche, worauf Kollege T., seines Zeichens Sparfuchs vor dem Herrn, darauf hinwies, dass man ihm bei einem früheren Saunabesuch mal die Autoschlüssel geklaut habe. Das Auto selbst habe später auch ganz woanders gestanden. Scheinbar kam Kollege T. gerade noch rechtzeitig, denn sonst wären die diebischen Nacktschwitzer mit der Karre schließlich entschwunden. Ähm, ja.

Kollege N. wusste von derlei Erlebnissen nicht zu berichten. Lediglich ein einziges Mal sei ein Feuer ausgebrochen, worauf alle Saunagäste natürlich die Beine in die Hand nehmen mussten. Ganz selbstverständlich, dass Kollege T. sofort akribisch nachfragte, ob Kollege N. denn sein Geld wenigstens wiederbekommen habe. Da bewahrheitet es sich doch: Nur Bares ist Wahres. Ähm, ja.

Weihnachten und das, was mal war.

Samstag, 5. Dezember 2009 § 0 Kommentare

musik Weihnachten und das, was mal war.Es ist jedes Jahr dasselbe mit mir. Erst fluche ich wie ein Rohrspatz auf die weihnachtliche Reizvergewaltigung meiner armen Sinne, und dann komme ich so allmählich doch in sündige Stimmung. Ist ja nicht so, dass ich plötzlich glühweinschlürfend allein über die Weihnachtsmärkte dieser Welt hüpfe und meine, ein neuer und viel besinnlicherer Mensch geworden zu sein. Denn ich bin mir viel zu bewusst darüber, dass das dicke Ende, nämlich das eigentliche Weihnachten, im familiären Kreis viel zu, nun ja, zu dick eben wird. Dennoch, an manchen Tagen, so wie heute halt, denkt man zurück, und dann fallen einem die Dinge ein, die man in besseren Zeiten mit Weihnachten assoziiert hat. Spaziergänge im Schnee. Uh! Oder hübsche Musik. So etwas hier zum Beispiel: Weezers wunderbarer »Christmas Song«. Und an die Unkenrufer: Ja, ich mag den und hab deswegen auch bereits meine Facebook-Kontakte damit geärgert! So bin ich nun mal.

Wo bin ich denn jetzt gelandet?

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    PhanThomasPhanThomas ist der nicht ganz anonyme Autor dieses Weblogs. Er befasst sich laienhaft mit allem, was gesellschaftspolitisch oder sonst wie von Interesse sein könnte. Sein schlecht recherchiertes Halbwissen kaschiert er durch die willkürliche Einstreuung von mäßig verschnörkelten Artikeln zu seiner eigenen Wenigkeit, die er mit Vorliebe in der dritten Person verfasst.
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