Wir schreiben das Jahr 2023 im Land von Schwarz, Rot und Gold. Trotz jährlich zunehmenden Sonnenscheins im Angesicht eines kaum beachteten Klimawandels, macht der Deutsche seinem international anerkannten Ruf alle Ehre und motzt seinen Stimmungsmüll über die heimischen Kiefernwälder und märkischen Heiden, dass die städtischen Deponien vor Neid geradezu erblassen. Das Jahr hat ruhig und friedlich mit Frau Merkels Neujahrsansprache begonnen, in der jeder Deutsche auf eine Zeit der einschneidenden Reformen eingeschworen wurde. Nichts neues im Europa der Mitte also, wo die erste und bisher letzte weibliche Regierungschefin der Deutschen mittlerweile ihrem Ziehpapa Helmut Kohl den Rang abgelaufen hat – nicht eben in Sachen Größe und Körperfülle, wohl aber, wenn es um die Länge der Amtszeit und das Ausmaß der Abgabenerhöhungen geht.
Der Grund für die nicht enden wollende Ära Merkel ist denkbar einfach: Ein voranschreitender demographischer Wandel hat die Bevölkerung vom Land mittlerweile in die längst übervölkerten Städte getrieben. Und während man sich in Berlin und Co. nun gegenseitig auf die unfreundlichen Füße tritt und eifrig überlegt wird, ob man nicht einfach eine zweite Wohnebene oberhalb der städtischen Skylines errichten soll, ist auf dem Land, dort wo einst die Agrarwirtschaft als Standbein eines funktionierenden Staates beschworen wurde, wieder der gemeine Wolf zu Hause. Hier, im versteppten Sperrgebiet, stellt die von bösen Zungen gern als Wespenregime titulierte Regierung Merkel-Westerwelle alle vier Jahre die Wahlurnen auf. Weil nun aber der Lowerclasspöbel kein Geld übrig hat, um flüssiges Gold in die Tanks seiner verrotteten Fahrzeuge zu füllen und ebenso wenig geneigt ist, sich vom bösen Wolf die Gesäßbacken halbieren zu lassen, zieht nur noch der gut betuchte Mittelstand und die Armani tragende Obrigkeit aus gut geföhnten Schleimbeuteln aufs Land hinaus, um die gewohnten Kreuzchen bei Schwarz und Gelb zu setzen.
Und während nun überall dort, wo einstmals der militante Russe vor neunzehnfünfundvierzig keine teuren Armbanduhren klaute, dem ungezügelten Kapitalismus gefrönt wird, dümpelt der Osten noch immer dort herum, wo er sich befand, als Papa Kohl die blühenden Landschaften versprach. Blühende Landschaften gibt es in der postsozialistischen Zone tatsächlich zwar zu genüge, zumindest wenn man sich dabei auf frei wuchernde Birken und wilde Rapsfelder bezieht, doch werden diese alle Jahre wieder vom dauerunzufriedenen Ostdeutschen abgefackelt. Gern würde man mit dieser Aktion dem Wunsch nach der 28-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich Nachdruck verleihen, doch würde es hierfür eben überhaupt erstmal gezahlte Löhne erfordern. Und die sucht man dort, wo es vorwärts immer und rückwärts nimmer gehen sollte, seit jeher vergebens.
Wo keine Löhne sind, da ist bekanntlich keine Wirtschaft, schließlich gilt der giftig rote Kommunismus unlängst als ausgemerzt. Doch wo keine Wirtschaft ist, da kann auch der Herr Westerwelle seine marktradikalen Neoliberalismusdogmen nicht verbreiten. Und das wurmt ihn so arg, dass er damit der werten Frau Kanzlerin tagtäglich aufs Kanzleramtsdach steigt um zu wettern wie ein Kastenteufel, dass der kapitalistische Putz von der Decke bröckelt. Der ständige Lärm trägt wiederum nun nicht gerade dazu bei, das halbjährlich nachgeglättete Gesicht der Dauerkanzlerin glatt wie Babys Popo zu halten, und so kommt sie dem Wunsch der Marktradikalen nach, als die Kanzlerin der deutsch-deutschen Teilung in die Annalen der Geschichtsschreibung einzugehen. Sogleich steht sie im olivgrünen Sakko mit gefalteten Händen vor der versammelten Meute, die längst Lunte gerochen hat, und verkündet mit aufgenähtem Perlweißgrinsen, dass natürlich niemand die Absicht habe, eine Mauer zu errichten. Der eifrige Herr Westerwelle sagt dazu freilich nichts, denn der ist bereits im Hinterzimmer im Takt zu Geiersturzflugs »Bruttosozialprodukt« dabei, den Mörtel anzurühren.
Da sich die Ingenieurskunst seit dem letzten übereilten Mauerbau deutlich weiterentwickelt hat, steht der quasi unüberwindbare Schutzwall gegen den antikapitalistischen Sozialversager binnen fünf Tagen wind- und wetterfest in der Landschaft, so dass auch garantiert niemand die Zeit gefunden haben dürfte, zwischendurch über den provisorisch aufgestellten Stacheldraht zu hechten. Während die soeben in der Mikrowelle aufgetauten Scorpions den »Wind Of Change« rückwärts spielen, übergibt das diabolisch-dynamische Duo Merkel-Westerwelle feierlich den goldenen Schlüssel zum nicht vorhandenen Tor an die neu eingesetzte Regierung Gysi und Lafontaine. Letzterer schimpft, trotz seines mittlerweile doch recht greisen Geisteszustandes noch immer dermaßen über die Sozialisierung der Finanzmarktverluste, dass selbst die heimischen Rotspechte tot von den Bäumen fallen. Die frisch organisierte Einheitspartei reibt sich in der »Deutschen Demokratischen Republik Reloaded«, der DDRR nun in kindlicher Vorfreude die Hände, schließlich kann man jetzt endlich ungestraft den Mindestlohn durchboxen, ohne als elender Demagoge oder Populist beschimpft zu werden.
Schnell stellt man im Land, in dem die Plattenbauten gerade erst wieder zusammengesetzt wurden, fest, dass Mindestlöhne irgendwie nicht so wirklich finanzierbar sind, was die junge Republik in ihre erste Krise stürzt. Zunehmende Restriktionen der staatlichen Führerschaft, die sich, abgeschottet von der Weltöffentlichkeit, noch immer als heroischer Bezwinger des Steuerbauchs feiert, lassen den Volkszorn hochkochen. Nach dem taktischen Fehler, das Westfernsehen abzuklemmen, erhebt sich unter einer zunehmenden Demokratieromantisierung eine neue Volksbewegung, die auf abendlichen Dienstagsdemonstrationen den endgültigen Niederwurf des hierzulande proklamierten Sozialismus fordert. Die Anführer des Widerstandes werden dabei finanziell von einem zuerst geheimnisvollen Mann aus dem fernen Russland unterstützt, wo man übrigens noch immer den Bruderkuss für den Handschlag von morgen hält. Schnell offenbart sich der militante Kopf aus Moskau, der sich selbst gern als der nächste »Maximo Leader« ehren lässt, als niemand anderes als der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder, der mit Guerillakleinkriegen die Mauer zum Einsturz bringen möchte, um durch die offene DDRR eine nagelneue Hochglanzpipeline in den europäischen Westen zu verlegen, damit der Genuss von Kaviar und Markenwodka im Gegensatz zu Westerwelles Renditeträumen auch langfristig gesichert bleibt.
Eine Falschdarstellung der Figur Schröder in den Medien führt letztlich rasch dazu, dass der vormals verhasste Exkanzler als neuer Che Guevara gefeiert wird. Diesen als Vorbild im Kopf, schleppt sich der hungernde Mob aus dem Westen endlich wieder an die gut versteckten Wahlurnen und sorgt so für ein Wiedererstarken der zur Untergrundpartei verkommenen SPD. Nachdem Schröder auch noch einem, angeblich prokapitalistisch motivierten, Attentat aus dem bösen deutschen Westen zum Opfer fällt, landet die SPD mit einem Erdrutschsieg erneut an der Spitze der Macht. Mit ihrem Privat-PKW reist die eilig bestimmte Kanzlerin Ulla Schmidt während einer Nacht-und-Nebel-Aktion in den abgeriegelten Osten, um die Wiedervereinigung durchzuboxen, für deren Finanzierung man lässig lächelnd einen kleinen Obolus aus der Portokasse vorgesehen hat. Die Aufgabe der Teilung gelingt schließlich, und unter den Mauergesängen von Freiheits-Evergreen David Hasselhoff, dessen leuchtende Jacke lediglich mit neuen Batterien bestückt werden musste, feiert das ganze Volk, dass die Schwarte kracht und die Mauer bröckelt.
Selbstverständlich hat man sich bei der Kostenrechnung um eine nicht näher bestimmbare Anzahl an Kommastellen vertan, was das neu geeinte Deutschland in eine schier unüberwindbare Krise treibt. Die SPD wird unter Fackeln und Forken aus dem Parlament gejagt, worauf eine neu gebildete CDU-Regierung, geführt von einem noch wenig bekannten Jungspund, den man nur als »Merkels Jungen« kennt, eingesetzt wird, die alsbald die so genannte Agenda 2040 aus dem Boden stampft und das Volk unter Durchhalteparolen darauf vorbereitet, dass auf die mageren Jahre noch viele klapperdürre folgen werden. Das Volk derweil, konkreten Déjà-vu-Eindrücken gegenüber vollkommen immun, murrt, buht, spuckt und protestiert fleißig weiter, dass auch der letzte Mohikaner noch vom miefigen Ruf des Deutschen Wind bekommt. Trotz allen Ärgernisses wird der Deutsche an sich das Gefühl nie so ganz los, dass sich im Land überhaupt nichts zu ändern und erst recht nichts zu bessern scheint. Macht aber nichts, denn inzwischen sind die Sommer wieder ein gutes Stück wärmer geworden, und so wird sich eines nicht mehr allzu fernen Tages einmal mehr zeigen, dass eben doch alles ein Ende hat, mal abgesehen von der zweiendigen Wurst.
Da komme ich also frisch von der Wahl und mache mich auf den kurzen Heimweg, um mich der Mittagszeit wegen zu verköstigen, als mich dieses junge Mädel anspricht, dem der dumme, dumme Kioskverkäufer einfach nicht glauben wollte, dass es schon alt genug für Zigaretten sei und fragt mich, ob ich diesen, hm, Job wohl netterweise übernehmen würde. Zugegeben, ich hab ihr auch nicht geglaubt, aber ach, ich bin eben ein Gönner. Und überhaupt sollte die Jugend von heute viel mehr rauchen. Dann klappt’s auch wieder mit mit der Finanzierung des Gesundheitssystems. Und mit Frau Schmidts Urlaub. Zumindest bis heute Abend. Und ach, überhaupt eben.
So stehe ich also da und verlange eine handliche Packung Sargnägel, sorgsam arrangiert in formvollendeter, roter Pappummantelung, als mich der Verkäufer tatsächlich nach meinem Alter fragt! Lässig werfe ich ihm ein süffisantes Lächeln zu und zische durch den Mundwinkel, dass für mich die vierundzwanzig Lenze eine Tatsache sind, mit der ich leben muss. Okay, ich hab es anders formuliert, klar, aber viel wichtiger war doch seine Antwort: Er pfiff anerkennend und meinte doch tatsächlich, ich hätte mich ziemlich gut gehalten. Na, das hör ich in letzter Zeit so erstaunlich selten, dass es mir eine Freude sondergleichen war, auf dass ich jetzt noch zufrieden gurren möchte wie die elenden Tauben auf meiner Satellitenschüssel. Hach, das Leben ist manchmal doch schön.
Und weil ich mich jetzt gerade für ‘ne ziemlich scharfe Nummer halte, gibt’s beim nächsten Mal tolle Dinge über mich, die ihr, äh, bestimmt schon immer wissen wolltet und so.
Ach, es ist die Ruhe vor dem Sturm, also der Abend vor den Wahlen, der das Weltgeschehen so irgendwie auf Sparflamme heruntergeschraubt hat. Zumindest kommt hier bei mir derweil nicht mehr Spannung an, als ein Arztroman hergeben könnte. Und nun könnte ich deshalb besonders schön verschnörkelt und ausführlich vom, hm, doch recht langen und abwechslungsreichen Freitag erzählen, doch will ich hier niemandem mit meinem gewööööhnlichen Privatleben langweilen, das vorwiegend aus Singleallüren zu bestehen scheint. Deswegen schwenke ich mal so ganz antidramaturgisch um und präsentiere die, meiner Meinung nach, beste Filmszene, die das Kino jemals hervorgebracht hat. Stammt aus dem grandiosen »Goodfellas«, gemacht von Altmeister Martin Scorsese. Man achte darauf, dass es sich um lediglich einen einzigen Take handelt. Zielsicher untermalt vom phänomenalen »Then He Kissed Me«, gespielt von The Crystals, soweit ich weiß. Bisschen beeindruckend, das Gesamtpaket.
Gut gut, weil sich am letzten Freitag alle Welt über das, hm, doch eigentlich recht eingängige »21 Guns« beschwert hat und sich so [manche(r)] die seligen alten Zeiten zurückgewünscht hat, will ich dem ausnahmsweise mal nachkommen. Deswegen zur, öhm, Steigerung der persönlichen Anerkennung bei gleichzeitiger Minderung der Reichhaltigkeit in Sachen Musik hier, noch mal Green Day. Dieses Mal das zeitlose »Welcome To Paradise«. Dürfte noch nicht einmal jeder kennen, ist aber wahrlich ein genialer Song. Und zudem einer der wenigen, die ich komplett auf der Gitarre nachspielen kann. Aber das nur am Rande. Ahem.
Nun ist dies hier gewiss kein politisches Blog, und ich selbst bin ebenso wenig politisch aktiv unterwegs. Aber Nachrichten lesen kann ich noch so eben, und eins und eins zusammenzählen klappt auch zumeist, wenn ich nicht gerade geladen hab wie’n Tanker. Doch irgendwie packt mich eben doch das Bedürfnis, dem Frust mal Luft zu machen, der mich zurzeit piesakt wie Akupunkturnadeln im Kopfkissen, seit unsereiner mit Wahlplakaten bombardiert wird wie das fleischgewordene Kanonenfutter im Ersten Weltkrieg.
In einer Folge der Serie »South Park« war irgendwann einmal die Moral von der Geschicht’, dass man prinzipiell eigentlich immer nur die Wahl zwischen einem Rieseneinlauf und einer Kotstulle habe. Ich denke, wahrer kann man es kaum ausdrücken. Ich selbst pflege auch gern zu sagen, dass wir letztlich doch nur wieder einen großen Haufen Scheiße in den Bundestag wählen. Entscheiden können wir allenfalls über den Farbton und die substanzielle Beschaffenheit. Vielleicht noch über den Gestank in der öffentlichen Wahrnehmung. Aber da hört’s dann auch wirklich auf.
Aber ist es denn nicht auch so? Voraussichtlich wäre das Beste für unser Land eine Regierung aus Gelb Schwarz. Sagt man zumindest so, wenn es wirklich der Volksmund gewesen sein sollte, den ich vernommen habe. Nun hat man allerdings das Gefühl, dass Schwarz nicht so recht weiß, wo es überhaupt hingehen soll. Also dreht man sich dort zusammen mit den bayrischen Verbündeten freudig im Kreis, bis einem schlecht wird und man die programmatische Kotze in die Menge sprühen kann wie ein Rasensprenger, während man noch behauptet, das alles wäre Glitzerstaub für die Massen. Steuersenkungen für die den kleinen Mann, klar. Das wird mit der FDP im Schlepptau auch sicher zu machen sein, den Marktradikalen, die mehr Netto vom Brutto versprechen – vermutlich für Herrn Ackermann und seine Freunde. Im gleichen Zuge gibt’s dann die Lockerung des Kündigungsschutzes und eine Drosselung sozialer Sicherungssysteme, bis hierzulande dann eines Tages hoffentlich die Leute mangels gesundheitlicher Absicherung verrecken wie in Übersee, wo die freie Marktwirtschaft noch immer nach Herzenslust wüten kann wie die Pest. Wo schwarze Politik für die Familie und gelber Neoliberalismus zusammenpassen sollen, ist mir bisher schleierhaft. Aber das Herumgeeiere der Führungsköpfe zeigt wenigstens, dass die es auch nicht besser wissen.
Doch was bleibt denn? Ja, da gibt es noch diese SPD, eine Ansammlung von uncharismatischen Pellkartoffeln, die, obwohl sie schneller Zustimmung verliert als die Telekom Kunden, sich noch immer Volkspartei nennen zu dürfen glaubt. Na ja, wenn Einbildung auch eine Bildung sein sollte, dann stimmt bei denen zumindest die. Ein Problem weniger im Land. Immerhin ist man ja schon mal in der Lage, grammatikalisch einwandfreie, als Sozialversprechen getarnte Lügen auf die Wahlplakate zu malen. Denken wir doch mal zurück. Was hat man denn damals zusammen mit den Grünen geleistet, als der Mann noch an der Macht war, der seine Kanzlerschaft als Sprungbrett ins russische Gasgeschäft genutzt hat – mal abgesehen vom Dosenpfand? Richtig, das feine Hartz-IV-Gesetz. Seitdem dürfen sich sozial schwache deutsche Bürger endlich wieder schämen, Kinder endlich wieder in Armut aufwachsen und die ganze Sippe auch endlich wieder in Altersarmut enden. Denn Ersparnisse sind ja nur noch jenen zugedacht, die ohnehin genug haben, seit man bei den Roten auf die glorreiche Idee kam, Gesetze zur Diskriminierung Schlechtergestellter von einem Viagrafresser aus Wolfsburg entwerfen zu lassen. Damit ginge also weiter mit der »Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen«-Politik.
Und ich fragte es eben bereits: Was bleibt denn? Wir hätten noch Wind von Links und die Freibeuter im Hafen. Beide mit netten Ansätzen in ihren Programmen – erstere sogar zum Teil so sozial, dass der SPD eine saftige, dunkelrote Scheibe davon durchaus gut tun würde. Aber letztlich ist das Land wohl weder bereit für rote Fahnen, noch für Totenkopfflaggen. Vielleicht sind deren Banner aber auch einfach nicht bereit für dieses Land. Tja.
Am Ende aller ärgerlichen Überlegungen stehe ich also als Jungwähler da, glotze wie der Papst im Puff auf den Wahlzettel und frage mich, wo ich denn jetzt bitte meine beiden wertvollen Kreuzchen machen soll. Vielleicht eine Frage an die Älteren, so sich welche meine Ergüsse durchgelesen haben sollten: Gab es diese Würgereize erzeugende Parteiproblematik in der BRD schon immer? Nehme ich das erst jetzt so wahr? Oder ist es tatsächlich an der Zeit für mich, auf den Mars überzusiedeln?
Ich überlege gerade, ob es tatsächlich an meinem zunehmenden Alter liegt, oder ob meine früheren Lieblingsserien wirklich immer schlechter werden. Gerade habe ich festgestellt, dass Pro7 scheinbar zumindest dienstags gewillt ist, »Die Simpsons« zur besten Sendezeit zu zeigen. Werden also neue Folgen sein, denk ich und lehn mich sichtlich entspannt zurück. Wolldecke und Joghurt im Anschlag, der Kaffee dampft vor sich hin. Klar. Und dann kriege ich doch tatsächlich solchen Murks präsentiert, dass mir die Pellkartoffel von heute Mittag hochkommen möchte! Hab jetzt den Ton abgestellt und hör nebenbei lieber ein wenig gute Musik. Die Lacher könnte man nicht mal mit dem Elektronenmikroskop entdecken, so man denn wollte. Wie schrieb Kurt Cobain einst, bevor es ganz kurz sehr laut in seiner Garage wurde? »It’s better to burn out than to fade away.« Trifft wohl so manches Mal auch auf ehemals geliebte Serien zu. Ach, manchmal ist die Welt doch einfach nur traurig.
Was bietet sich für einen mittlerweile doch recht wolkigen Sonntag besseres an, als eine kleine Anekdote aus meinem nur leicht angestaubten Leben, denke ich mir. Und so schlage ich, gekleidet in Pyjama und karierte Wohlfühlschlappen das Album der vergangenen Geschichten auf.
Es war irgendwann im Herbst des seligen Jahres 1999, dem Jahr, das so ziemlich alles in mir veränderte, was ich bis dato emotionalerweise gekannt hatte. Und weil sich Emotionen am besten mit Musik ausdrücken und erleben lassen, begann ich just in diesem Jahr, MTV zu schauen. Zuvor, das muss ich noch anmerken, lebte ich gänzlich frei von Melodien und Rhythmen – sah man mal von den Synthieklängen aus diversen Computerspielen ab.
Und dann, wie gesagt, es war Herbst, kaufte ich, man höre und staune, meine allererste Musik-CD. Die allererste in meinem Leben! Dabei handelte es sich übrigens um »The Offspring – Americana«. Heute mag man das belächeln, doch damals fand ich deren Musik ziemlich fesch. Okay, ich hör sie auch heute noch ganz gern, das geb ich zu. Der wirklich amüsante Teil dieses Kaufs offenbarte sich dann aber erst daheim. Meine Eltern waren völlig erstaunt und zugleich begeistert, als ich ihnen das CD-Radio entwendete, hastig in meinem Zimmer wieder aufbaute und die neu erworbene CD einwarf. Als hätte ich den Heiligen Gral gefunden, stand die neugierige Familienbande um mich herum und wartete frohgemut darauf, welch wohlige Klänge ihr Wundersohn wohl mit nach Hause gebracht haben mochte. Nun ja, ich komme aus einer, hm, Schlager- und Volksmusikfamilie, und als erstes schmetterte das kleine CD-Radio ihnen dann [DAS HIER] entgegen. Zugegeben, das ist jetzt nicht gerade die Härte schlechthin, aber im Vergleich zu Hansi Hinterseer und Konsorten war es eben doch ein ziemlicher Kulturschock für meine werten Eltern. Meine Mutter schlug sogleich die Hände über dem Kopf zusammen, um sich anschließend unter »Um Gottes Willen«-Rufen die Ohren zuzuhalten, während mein Vater nur grinste und ungläubig den Kopf schüttelte. Das bestätigte mich als jungen Rebellen mit Hoffnungen und Träumen natürlich und machte mich sehr stolz. Tja.
Dass die Leidensfähigkeit der elterlichen Probanden durchaus ausbaufähig ist, hat die kommende Zeit dann übrigens bewiesen. Wenn ich heute mal daheim bin, dann kann ich getrost den ganzen Tag Metallica laufen lassen, während meine Mutter im gleichen Raum hockt und fleißig ihr Online-Banking betreibt. Nun gut, sie dulden es, meine Eltern, denn es ist nicht so, dass meine Eltern heute mögen würden, was ich mag, aber das wäre wohl auch der Untergang des Abendlandes für mich.
Bevor die Diskussionen um das He-Man-Franchise grotesk überproportionale Züge annehmen, sei an dieser Stelle einfach mal so kurz vor freitäglichem Kassensturz die eigentlich obligatorische Freitagsmusik in den Raum geworfen. Weil es für das ganz nette Video kürzlich Unmengen Awards gehagelt hat und das recht aktuelle Lied an sich auch generell kein schlechtes ist, stelle ich es einfach mal eben hier hin. Zum Angucken, Anhören, Mitsingen und natürlich zum Anschließenden Nachsummen unter der Dusche: Green Day – »21 Guns«.
[Ach ja, man achte darauf, dass der Schlagzeuger immer mehr wie Robin Williams aussieht. Huh.]
Ja, okay, die Idee hab ich dem guten [Herrn Kaliban] geklaut, aber die ist einfach zu gut, um sie nicht selbst mal, hm, experimentellerweise, umzusetzen. Ich meine, wie war das mit den tausend Affen und den tausend Schreibmaschinen? So ähnlich ist’s jedenfalls auch beim Micro Blog Twitter. Man schmeißt im Akkord Minibotschaften unters gelangweilte Web-Volk, und nun ja, wenn man ehrlich ist, muss man schon zugeben, dass das meiste ganz hochoffiziell ziemlicher Rotz ist. Dennoch ist ab und an ein kleines Sternstündlein dabei. Vielleicht ja sogar bei mir. Daher gibt’s heute hier an dieser Stelle quasi ein »Best Of«, lose kategorisiert, dafür aber liebevoll ausgewählt.
Lernen von den Alten [von mir quasi]
»Egal, wie teuer der Regenschirm auch war, er ist völlig unnütz, wenn er vortags im Büro vergessen wurde.«
»Kaffee – Kürzt das Leben auf’s Wesentliche zurecht.«
»Gerade gelernt, dass “klar wie Kloßbrühe” gar nichts mit trüber Kloßbrühe, sondern mit tatsächlich klarer Klosterbrühe zu tun hat. Mist.«
»Kalaueralarm: Ein Singlehaushalt kocht selten allein.«
»Die Zeit ist reif für einen Mann im Kanzleramt.«
»Let’s face it: Bloggerei ist nichts weiter, als intellektuelle Masturbation. Geld verdienen ist damit nie drin. «
»Gelesen: “Ich bin so positiv eingestellt, dass ich die ganze negative Scheiße anziehe.”«
»Zitat: “Alle sind irre. Doch wer seinen Wahn zu analysieren versteht, wird Philosoph genannt.”«
»Frauen, die He-Man & Sheila geschaut haben, gehören eindeutig zur Kategorie Traumfrau. Woah.«
»“Ein Mädchen ohne Sommersprossen ist wie ein Himmel ohne Sterne.” <-- Wundervoll.«
»Die Erinnerung ist am schönsten, wenn sie Vanille-Eiscreme an einem heißen Sommerabend ist.«
»Manchmal kommen sie wieder. Und irgendwann kommen sie alle zurück.«
»Das “Händchenhalten” ist die haptisch empfundene Symbolisierung des Nichtloslassenwollens eines glücklichen Augenblicks. Jawoll.«
Das Leben und ich
»hat Rührei in die Bohnen getan, was nun aussieht wie eine gut gegarte Plazenta. Yummy!«
»Ach ja, und hört endlich auf, nach Rauchbomben zu googlen! Sonst hab ich bald noch ein SEK im Schlafzimmer!«
»Beobachte, wie der Kollege mit dem Telefon verwächst. Langsam, jedoch kontinuierlich…«
»Gerade am Überlegen, ob ich den Eimer mit Dreckwasser vor dem Badezimmer zum Kunstwerk aufwerte.«
»Und wieder ist ein Tag ohne Masterplan zerronnen.«
»Mein Erholungsakku hängt bei ca. 70%. Lange schon. Hab definitiv ‘nen Memoryeffekt.«
»Seit ich unter die Twitterer gegangen bin, hab ich das Gefühl, als wäre mein Leben Open Source. Seltsame Marotten gewöhnt man sich an.« »Der nächsten, die mir das Herz bricht, brech ich die Beine. Versprochen.«
»Der Deutsche und sein Grill. Eine Dusche und eine Nacht später meine ich, noch immer nach Grillkohle zu riechen.«
»Letztens: Reportage zu Swinger-Clubs auf RTL2. Das Ausmaß der Hässlichkeit faszinierte mich. Musste es anschauen.«
»Uh, Vatertag vergessen. Zeit, sich in Schweigen zu hüllen und einmal mehr von nichts zu wissen. *pfeif*«
»Woohoo! Hab die nächst höhere Sphäre der Existenz erreicht und strecke der Welt den blanken Arsch entgegen.«
»Kollege beschwert sich gerade über unsere Lautstärke, weil er nicht in Ruhe Fußball schauen kann. Was sind wir unverschämt…«
»It’s manic monday and I’m drowning in the flood.«
»Heute Abend: Die Couch und ich gegen den Rest der Welt. Unsere Chancen stehen gut.«
»Ich bin so verspannt, dass ich glaube, gleich kracht’s im Rücken. Verdammte Metallica-Cover-Band. Uh.«
»Aufräumen für Fortgeschrittene: Zwei benutzte Teller übereinander stellen.«
Sinnvolles Gedankengut für den Moment
»Zynisch: Dem Messdiener des Kapitalismus sind die billigen Chinalatschen während der Messe kaputt gegangen.« »Ach, die Zeit, die Zeit. Wo will sie so schnell hin? Hab doch eben noch Lego-Männlein auf Weihnachtsbäume gesetzt.«
»
Auf jeden Topf passt ‘nen Deckel? Nun, dann nehm ich an, wird mein Deckel wohl der Sargdeckel, oder aber ich bin ein Wok.«
»
Ich kann zwar nichts, bin dafür aber ein riesiges Arschloch. Eindeutige Unique Selling Proposition, würd ich sagen.«
»
Ich bin Atheist, also morde ich. Äußere mich mal nicht dazu.«
»
Das Christentum verbannte den Analsex aus den Gewohnheiten der Gesellschaft. Na gut, dass ich das jetzt weiß.«
»
Leben fetzt. Lasst uns feierlich Redewendungen verbiegen, Scheiße als Stilmittel draufklatschen. Servieren.«
»
Oft wird die OHG Netto Supermarkt GmbH & Co. mit der Netto Marken-Discount GmbH & Co. OHG verwechselt. Komisch, die Sache ist doch so klar!«
»
Als sie sich eine Zigarette ansteckte, schien ihm der drohenede einsame Couchabend plötzlich eine äußerst attraktive Alternative zu sein.«
»
Weshalb scheint man mit Leck-mich-am-Arsch-Haltung tatsächlich immer interessanter zu sein? Wir sollten aussterben gehen.«
»
Witz des Tages: Mann beim Bäcker: “Ich hätt gern 30 Brötchen.” Der Bäcker: “Kaufen Sie doch 40. Dann platzt die Tüte.”«
Ach, wie oft hab ich die ganze komplizierte Beziehungskiste zwischen Mann und Frau schon auseinander genommen? Wie oft habe ich darüber philosophiert, was ich selbst in Sachen holde Weiblichkeit falsch mache, während andere den Bogen scheinbar raus haben? Ich bin es leid, und dabei ist doch alles so unglaublich einfach. Hm, offensichtlich wenigstens…
Du wühlst auf iThought 2 gerade in den Archiven zum September, 2009.
Phan-Who?
PhanThomas ist der nicht ganz anonyme Autor dieses Weblogs. Er befasst sich laienhaft mit allem, was gesellschaftspolitisch oder sonst wie von Interesse sein könnte. Sein schlecht recherchiertes Halbwissen kaschiert er durch die willkürliche Einstreuung von mäßig verschnörkelten Artikeln zu seiner eigenen Wenigkeit, die er mit Vorliebe in der dritten Person verfasst.