Ein frohes Halloween!

Samstag, 31. Oktober 2009 § 4 Kommentare

musik Ein frohes Halloween!Ja, ich weiß, es ist kein deutsches Fest. Und ja, es ist ganz böse und kommerziell und überhaupt, das beides auch noch gleichzeitig. Aber hey, jeder sollte sich zumindest einmal im Jahr richtig gruseln dürfen. Was bietet der Herbst denn sonst noch? Eben. Und weil ich leider auf keine Halloweenparty gehe, gibt’s von mir eben nur passende klangliche Untermalung, die ich gestern mal wieder aus der Versenkung geholt habe. Huh, brennende Gitarren, Säurespucker, Ketten und so. Cool.

Windows – Oder eine Beziehung fürs Leben?

Donnerstag, 29. Oktober 2009 § 2 Kommentare

tastatur Windows   Oder eine Beziehung fürs Leben?Kürzlich [schrieb ein Herr Tuma] auf Spiegel Online recht süffisant über die aktuelle Regierung Merkel 2.0 und verglich sie dabei ziemlich passend mit dem neuen Windows 7. Und wie ich mich heute auf dem Laufband so abstrampelte, fiel mir der Artikel prompt wieder ein. Er kreiste ein wenig durch meinen arg verknoteten Kopf, vermischte sich mit anderen Themen, die so an der Innenwand meines Schädelknochens zu kleben scheinen, und heraus kam letztlich der Gedankenblitz, dass sich so eine neue Windows-Version doch irgendwie auch wie eine Beziehung zwischen zwei, sich mehr oder weniger liebenden, Menschen verhält. Klingt nach Quatsch? Na dann mal aufgepasst:

Klar, anfangs ist alles gaaanz wunderbar. Man installiert das neue Betriebssystem, freut sich, wie chic das doch wieder aussieht, was es alles schon von Haus aus kann und ist nicht zu Unrecht ein wenig stolz, dass man’s vor so manch anderem auf der heimischen Festplatte hat. Aber ach, kaum hat man sich an all den neuen Features satt geklickt, stellt man schon die ersten Ecken und Kanten fest, die einem nicht gefallen, und meint, dass das Ding an der ein oder anderen Stelle doch ruhig etwas flotter arbeiten könnte. Also nimmt man natürlich die ersten Umbauten vor, stellt hier und da was ab, optimiert noch ein bisschen und lebt dann irgendwie weniger glücklich aber dafür auch weniger genervt mit dem Mittelmaß.

Tja, und hier scheiden sich dann die Geister: Die erste Nutzergruppe wird tunlichst alles vermeiden wird, was das System auf Dauer bremsen könnte. Bloß nicht zu viel Zeug installieren, nicht zu viel bunten Kitsch aktivieren, alles unbedingt pragmatisch halten. Man arrangiert sich miteinander, und weder das System darf zeigen, was es kann, noch wird der Nutzer auch nur annähernd lernen, was das Ding zu leisten vermag, wenn man ein wenig Ahnung hat. Aber dafür ist’s letztlich eine sichere Sache ohne viel Stress. Never change a running system. Und so leben sie zu zweit, aber irgendwie doch nicht so recht zusammen, bis ans Ende ihrer Tage.

Die zweite Nutzergruppe schert sich um derlei nicht. Sie reizt das System aus, installiert auch gern mal den größten Käse und bekommt als schnelle Antwort den ein oder anderen Fehler vom beleidigten Windows präsentiert. Also optimiert man weiter, schraubt und werkelt und hofft, dass das verdammte Ding dann irgendwann doch bitte einfach mal tut, was man möchte. Leider jedoch wird’s nur selten besser, und eines schönen Tages verabschiedet sich entweder das zermürbte Windows mit dem größten aller Fehler auf Nimmerwiedersehen, oder aber der Nutzer selbst schmeißt das Dreckssystem, Gift und Galle spuckend, von der Platte. Anschließend ersetzt er die alte Mühle entweder gleich durch einen schnittigen Apple Mac, auf dem das Betriebssystem schnurrt wie ein handzahmes Kätzchen, oder aber er versucht sich an was ganz Neuem und installiert sich ein Linux, an dem er noch mehr werkeln muss, das aber eben immerhin kein Windows ist. Vielleicht wird er so glücklicher, der Nutzer, doch wird auch er ab und an wehmütig feststellen, dass das gute alte Windows gar nicht immer so fürchterlich war.

Tja, und wie sieht’s bei mir aus? Ach, ich probier mich überall mal durch und komm doch irgendwie nirgends so ganz an.

Unerkannt per Post.

Montag, 26. Oktober 2009 § 8 Kommentare

fragezeichen Unerkannt per Post.Okay, raus mit der Sprache. Wer war’s? Aber gut, alles von vorn. Da komme ich eben vom ersten Arbeitstag nach meiner reichlich apokalyptischen Urlaubswoche und entdecke ein kleines Kärtchen im Hausflur. Eine nachträgliche Geburtstagskarte quasi. Hübsch geschrieben mit feschem Schwung im Schriftbild, einigen kleinen, witzigen Zeichnungen und einem roten Fingerabdruck als Unterschrift. Daneben der Satz: »Wer bin ich?« Kein Name natürlich. Grmpf!

Nun bin ich natürlich sofort sämtliche Kontakte im Kopf durchgegangen, die mir so einfallen und von denen ich mir vorstellen könnte, dass sie sich die Freiheit herausnehmen, mir eine Karte zum Vierteljahrhundertsten zu schicken. Aber der Groschen wollte bisher einfach nicht fallen. Und nun grüble ich immer und immer wieder. Und das, wo doch der Grübler schon in meiner Natur liegt. Daher, lieber Schreiber: Bitte, wer bist du? Falls du das hier liest, bitte melde dich, damit ich mich bedanken kann. Sonst werde ich paranoid, errichte Sandsackbarrieren in der Wohnung und gehe nur noch vor die Tür, um kommunistische Igel zu verscheuchen. Danke!

Weiter, weiter… II – Eine Begegnung

Samstag, 24. Oktober 2009 § 0 Kommentare

blase Weiter, weiter... II   Eine BegegnungWährend er wie ein Besessener die Scherben vom Boden kehrte, pfiff St. Phan wild durcheinander diverse Gitarrensoli aus alten Guns N‘ Roses-Songs. Er liebte den guten alten, dreckigen Sound, der immer auf alles zu scheißen schien, ganz egal, ob nun Regenwolken den Tag verfinsterten oder die Sonne den Himmel schmückte. Meine Fresse, dacht er, wie konnte ein einziger Mensch nur ein solches Chaos verursachen? Hier musste wirklich das größte luftgefüllte Glasschloss gestanden haben, das jemals ein vernebelter Verstand jenseits der realen Welt, hier, wo man sich an Gefühlen schneiden konnte, ausgeschissen hatte. Und so kehrte St. Phan all die großen Scherben und auch die kleinen an den Rand, bahnte sich einen schmalen Weg durch die unzähligen Trümmer, um wenigstens etwas Ordnung in all das Wirrwarr zu bringen. Außerdem war er auf der Suche. Wenigstens war die Luft mittlerweile nicht mehr allzu dunstig von dem vielen Schutt, der erst kürzlich hier produziert und aufgewirbelt worden war. Später würde St. Phan all den, an den Rand gekehrten, Müll fein säuberlich in die vielen gigantisch großen Container befördern müssen, die niemals jemand zur Entleerung abholen würde und die stets wie eine große eiserne Welle aus der Ferne drohten, auf dass man sie niemals ganz vergessen sollte. All diese Arbeit würde sicher ihre Zeit einfordern, aber hier drüben lief die Uhr doch ohnehin ein wenig anders.

Gerade pfiff er einige Noten aus »Sweet Child O Mine«, als St. Phan ein besonders schönes Bruchstück ins Auge fiel. Er bückte sich und hob es auf. Es schillerte in allen erdenklichen Farben, so dass für keine einzige Sekunde auch nur eine einzelne Farbe wirklich greifbar war. Doch gerade das machte dieses scharfkantige Mauerstück so schön. St. Phan legte den Kopf bewundernd auf die Seite, begutachtete die Scherbe noch einmal von allen Seiten und steckte sie dann schulterzuckend in die linke Hosentasche seines Blaumanns. Dann fegte er weiter, kehrte Schutt um Schutt an den Rand und erarbeitete sich so einen Pfad mitten durch die vollkommene Zerstörung.

Als er nun abermals die Lippen spitzte, um »Think About You« anzustimmen, blieb ihm die Luft jedoch in den Lungen stecken, denn endlich hatte St. Phan gefunden, wonach er neben der eigentlichen Arbeit Ausschau gehalten hatte. Er zog seine Kappe mit dem großen Schirm etwas tiefer ins Gesicht und räusperte sich.

»Hier bist du also, Junge. Deine Arbeiten sind vorbei, und eigentlich solltest du schon längst nicht mehr hier in den Resten herumlungern. Bist doch kein streunender Straßenköter, man«, sagte er zu dem jungen Mann, der mit hängenden Schultern vor ihm im Dreck saß. Sein Gesicht, das Haar und auch die Kleidung waren grau und schmierig von all dem aufgewirbelten Schutt.

»Wer bist du jetzt, und was willst du?«, fragte der Mann, während er St. Phan nun mit seinen roten und geschwollenen Augen ansah. Über seine Wangen mussten unzählige Tränen geflossen sein. Ihre Bahnen konnte man in all dem Schmutz erkennen wie ausgetrocknete Flussbetten.

»St. Phan heiß ich momentan, weil ich das so will«, sagte St. Phan und nahm langsam die Kappe vom Kopf, so dass sein Gesicht nicht länger im Schatten lag. Der Mann, der am Boden saß, blickte für einen Moment verwundert drein und erkannte dann – sich selbst. »Du- du siehst genau aus wie ich«, stammelte er, während seine Stirn sich in schmutzige Falten legte.

St. Phan, der sich auf seinen Besen gestützt hatte, lachte schallend und sagte: »Junge, woran mag das wohl liegen? Hm? Scheiße man, ich bin du, du dummes Schafsviech. Ein Teil von dir, könnte man gewissermaßen sagen.«

Diese Auskunft vermochte die Verwirrung des schmutzigen Mannes nicht gerade zu lösen, denn sein Gesichtsausdruck schien sich zu einem einzigen, großen Fragezeichen verzogen zu haben. »Ich bin du? Du bist ich? Wie jetzt? Ich heiße Thomas, du nennst dich St. Pan. Was soll der Quatsch? Und was willst du überhaupt von mir?«

St. Phan grinste hämisch. »Ist schön, in seinem eigenen Saft zu schmoren, was? Oder sollte ich sagen, in den Trümmern seiner eigenen Wünsche und Träume zu baden und sich dann zu wundern, dass man eine elende Heulsuse ist?«, warf er dem Mann, der Thomas hieß, spöttisch zu.

»Was soll der Scheiß?«, fragte Thomas, ohne auch nur zu versuchen, ein gewisses Maß an Nachdruck in seine Stimme zu legen. »Lass mich einfach in Ruhe.«

»Meine Fresse, guck dich doch mal an. Du sitzt mit Dreck im Gesicht auf dem Boden herum und ersäufst bald an deinen eigenen, dämlichen Tränen, während ich deinen Scheiß hier wegräumen darf. Weißt du, im Selbstmitleid baden hat noch niemanden wirklich sauber gewaschen.«

»Ach, altkluge Sprüche hat er auch drauf, der Herr St. Phan, was? Oder soll ich dich Fuck-Off-Thomas nennen, wo wir doch eh schon ein und dieselbe Person sind?«, giftete Thomas zurück.

St. Phan legte den Besen beiseite und beugte sich hinab, um auf Augenhöhe mit Thomas zu kommen. »Sieh mir jetzt, verdammt noch mal, ins Gesicht«, sagte er leise und sah Thomas ernst an. »Sieh es dir genau an, mein Freund. Wir sind nicht ein und dieselbe Person. Wir sind überhaupt keine Personen, allenfalls Teile einer Persönlichkeit. Irgendwann geteilt, während wir beide immer wieder in diesem Pisszug namens Hoffnung herumgegondelt sind, der da hinten ständig vorbeirast. Während sie dich zum Luftpalasteinreißen verdonnert haben, fege ich schon eine ganze Weile all den Dreck wieder weg und pfeife das ein oder andere Liedchen. Aber weißt du, ich hab während des scheiß Kehrens hier sowieso nach dir gesucht. Hab mir doch gedacht, dass du noch in der Kacke kriechst, die du fabriziert hast. Wir beide, man, wir gehören zusammen. Kapierst du‘s?«

Thomas musterte aufmerksam St. Phans Gesicht, das seinem so unheimlich ähnlich sah und doch irgendwie falsch und verschoben wirkte.

»Du schaust dir die Narben an, was?«, fragte St. Phan und grinste wissend.

»Entschuldige bitte, ich wollte nicht-«, begann Thomas, bevor St. Phan eine Hand hob, die ihm Schweigen signalisieren sollte.

»Kein Ding, man. Die Narben, die ich trage sind die, die jeder sieht. Und sehen soll, verdammt. Und du? Du trägst die Kerben auf der Brust. So sieht‘s aus, Alter. Ach, da fällt mir was ein.« St. Phan griff in seine Hosentasche und zog die schillernde Glasscherbe heraus, die noch immer in allen möglichen Farben schimmerte und bunt verspielte Kaleidoskopmuster auf ihrer Oberfläche auftrug, um sie sogleich wieder zu zerstreuen. »Chic, was?«, sagte er grinsend.

»Ist das-«

»Ja, man. Das hast du erschaffen. Du mit deiner emotionalen Scheiße. Und das bleibt übrig von all deinen Träumereien. Tu mir den Gefallen man, und belass es nächstes Mal bei einem gemütlichen Eigenheim, ja? Bau dir einen verkackten Kamin ein, wenn du willst und leg von mir aus einen toten Bären davor, wenn du drauf stehst. Aber du musst hier nicht gleich den Kreml aus Glas nachbauen. Ich feg mir da echt die Finger wund und renn mir den Arsch ab. Und was krieg ich dafür? Blasen an den Pfoten und Narben im Gesicht.«

Thomas zog die Stirn kraus und fragte: »Warum kommen die Narben davon?«

In einer übertriebenen Geste schlug St. Phan sich die Hand vor die Stirn. »Meine Güte, du Volltrottel vergisst aber auch jedes Mal alles wieder, was?« Darauf hob er die Scherbe, setzte sie an der Stirn an und stieß sie durch die Haut, so dass augenblicklich ein dünnes Blutrinnsal über sein Gesicht lief. In einem halb runden Bogen zog er die Scherbe bis auf die Wange herunter. Das Blut tauchte mittlerweile einen großen Teil seiner linken Gesichtshälfte in ein tiefes Rot. »Na, Erklärung genug, du blökendes Häufchen Elend?«, stieß St. Phan frotzelnd hervor. »Und jetzt du.«

Bevor er sich wehren konnte, hatte St. Phan Thomas Hemd aufgerissen und ihm die Scherbe in die Brust gerammt. Mit einem kräftigen Ruck zog er sie herunter und verpasste der Haut damit einen tiefen Einschnitt. All das ging so schnell, dass Thomas noch nicht einmal Zeit zum Schreien blieb. »Verdammt, warum hast du das getan? Du hättest mir das Ding ins Herz rammen können!«, brüllte er und amtete heftig ein und aus.

Doch das brachte St. Phan nur zum Lachen. Er schüttelte mitleidig den Kopf und sagte: »Bengel, guck dich doch mal an. Sitzt da, mit Dreck und Tränen in der Fresse und erzählst mir was von kaputten Herzen? DU hast dir das Herz doch selbst längst zerstochen. Ich hab nur eine weitere Kerbe gesetzt. Auf dass du dich daran erinnerst. Auch wenn du‘s scheinbar nicht wirklich tust. Oder vielleicht bist du auch nur ein dämlicher Dickkopf und willst es gar nicht.«

Thomas blickte wehleidig auf. Seine Lippen zitterten, und neue Tränen wollten sich einen Weg über sein staubiges Gesicht bahnen. »Soll ich so sein wie du? Mir die warnenden Narben gleich im Gesicht verpassen? Als Garantie für das ewige Alleinsein? Nichts fühlen, dafür aber auch nichts erdulden, weil ich ein scheiß Angsthase bin?«, brachte er mit brüchiger Stimme hervor. Und wie auf Kommando kullerte eine einzelne Träne unaufhaltsam über seine schmutzige Wange, fiel lautlos vom Kinn und verendete im Scherbenstaub des eingerissenen Luftschlosses.

»Nein man, das sollst du nicht.«, sagte St. Phan mit gutmütiger Stimme und legte den Zeigefinger an Thomas Kinn. Langsam hob er mit einer Lockbewegung seinen Kopf ein wenig an, so dass er ihm wieder in die Augen schauen konnte. »Ich finde nur, du könntest ein klein wenig vorsichtiger werden. Wie gesagt, man. Eigenheime, keine Paläste. Weniger Arbeit für mich und weniger Herzblut für dich.«

St. Phan erhob sich darauf, atmete tief durch und sagte: »Pass auf, Junge. Ich räum den ganzen Scheiß hier noch eben weg. Von mir aus vergieß Tränen, bis deine Tränendrüsen verkrusten und dir die Backen platzen. Danach hol ich dich ab, und wir schmeißen zusammen ein paar fette Baumstämme auf die Schienen da hinten, damit diese Dreckshoffnungslok entgleist. Das Ding kotzt mich schon lange an. Und anschließend gehen wir beide eine fette Pizza essen.«

Plötzlich entwich Thomas ein Lächeln. »Pizza? Hier?«, fragte er zweifelnd.

»Ja, was denkst du denn, wo wir sind? Zurück in der sowjetischen Besatzungszone, wo selbst das Scheißhauspapier in Einzelblättern zugeteilt wird?«, rief St. Phan. »Heiliger Bimbam, ich kann dir auch ein beschissenes Fahrrad herzaubern, wenn du eines haben willst. Das hier ist unser gemeinsames Gedankenreich. Hier und da ein bisschen kaputt, okay. Es stinkt, es klebt, es ist verstaubt, und wahrscheinlich ginge hier bis in alle Ewigkeit jede Pflanze ein. Aber hey, das Ding gehört uns, okay? Vergiss doch mal das Mädel, und streng deinen Schafskopf an, du Nuss. Wie sieht‘s also aus mit der Pizza?«

Thomas schnaufte, verzog den Mund zu einer nachdenklichen Miene und grinste schließlich zaghaft. »Geht klar, Chef.«

»Ha! Na also«, brüllte St. Phan und schlug sich belustigt auf den Oberschenkel. »Ganz verloren ist dein Erbsenverstand dann wohl doch nicht. Aber hey, ich geb die Bestellung auf, und du hältst mal schön bis auf weiteres die Fresse. Bei deinem Gejammer liegen sich sogar Käse und Wurst heulend in den Armen. Überlass mir das Ruder und halt dich zurück. Vergiss nie: Ich bin der Ballon, du das Halteseil. Ich brauch dich, um nicht ganz nach oben zu steigen, du brauchst mich, um überhaupt ein wenig Höhenluft schnuppern zu können und nicht an deinen eigenen Fürzen zu ersticken. Klar soweit?«

»Glaub schon«, sagte Thomas und wischte mit der Hand über seine schmutzigen Wangen.

»Na geht doch. Also ich werd dann mal noch ein wenig deinen Abfall wegkehren. Tu du mir derweil bitte den Gefallen, lass alles liegen, fass nichts an und steck dir bloß nichts in die Taschen! Wenn ich fertig bin, komm ich sofort wieder. Nicht bewegen!«

Thomas legte die Hand an die Stirn. »Aye aye, Captain«, rief er laut und im zackigen Tonfall. St. Phan nickte ihm freundlich zu und schwang sogleich wieder den Besen, während er energisch den Refrain zu »Don‘t You Cry« pfiff.

Weiter, weiter…

Donnerstag, 22. Oktober 2009 § 2 Kommentare

blase Weiter, weiter...Das gleichmäßige Rauschen des Zuges versucht immer und immer wieder, meine Gedanken zu umhüllen, mich zum Schlaf zu bekehren, denn geschlafen habe ich nicht. Doch welch unsinniges Unterfangen, denn ich kann ohnehin keinen klaren Gedanken fassen, geschweige denn, festhalten. Stattdessen habe ich die Stirn an die kühlende Fensterscheibe gelegt und starre mit leeren Augen in den grauen Oktobertag hinaus, der ebenso an mir vorbeirauscht wie sie an mir vorbeigerauscht ist. Noch eben habe ich sie zum Abschied umarmt, hätte sie am liebsten ganz festgehalten, und schon war sie fort. Derweil ich versuche, nichts zu spüren, warte ich auf die ersten Tränen, die ihre salzig warme Bahn über meine ausgekühlten Wangen legen werden. Doch es fließen keine Tränen.

Man lebt sein Leben locker in den Tag hinein und fühlt sich gut, weiß, dass es immer weiter und weiter vorangehen wird. Es mangelt einem an wenigen Dingen, und selbst die zwischenmenschlichen Bande vermisst man nicht oder nur sehr selten, denn Beruf und Leben füllen die Leere. Und immer dann, wenn die Dinge so sauber dahingleiten wie der Zug auf seinen Schienen, in dem ich mich nun befinde und der mich von ihr hinfortträgt, bricht ein Sturm herauf. Und man meint immer, er käme ohne Vorankündigung, würde die Dächer von den rationalen Gedanken fegen wie ein wahnsinnig gewordener Tornado, doch das stimmt nicht. Alles beginnt mit einem lauen Lüftchen, das hier und da ein wenig Frische ins Leben trägt und den alten Mief von der Anrichte mit all den aufgestellten, beständigen Werten bläst. Und erst dann, wenn man den Wind der Veränderung auch tatsächlich im Gesicht zu spüren bekommt, dreht er auf und verwandelt sich in jenen Sturm, gegen den man sich letztlich nicht mehr erwehren kann.

Ich überlege, ob ich die Musik einschalten soll, doch lenkt sie mich von ihr ab? Wahrscheinlich nicht, und so lausche ich weiter dem Rauschen des Zuges. Vielleicht ist das auch besser so und ich sollte mich daran gewöhnen, denn ein Rauschen wird mich in den kommenden Tagen und Wochen mit Sicherheit begleiten, ohne dass ich es abstellen kann. Ich werde damit umgehen müssen, denn diesen Weg habe ich gewählt: Ich bin schließlich mit rostiger Rüstung und schartigem Schwert in den Kampf hinausgezogen und wusste doch, dass ich keinen Sieg erringen würde. Doch heißt es nicht, wer nicht kämpft, der hätte schon verloren? Und dennoch fasste ich auf längst verlorenem Posten den Mut, ihr zu gestehen, was sie längst wusste. Aber ist Erfolg eben nicht immer der Lohn für unsere Mühen, so bitter diese Erfahrung auch schmeckt.

Die Zwischenhalte werden angekündigt. Weit ist es nicht mehr, bis ich wieder dort bin, von wo es mich gestern zu ihr gezogen hat. Und nun endlich, brechen die Fragen über mich herein wie das dunkle Grollen eines heraufziehenden Gewitters. Fragen, die mir niemals jemand beantworten wird. Was hätte ich noch tun können? Und hätten weitere Mühen auch nur irgendetwas geändert? Und wenn alles, was man zu tun in der Lage ist, dieses Mal doch nur für eine schmerzhafte Niederlage gereicht hat, wie sollte es denn dann beim nächsten Mal anders sein? Ich mag mir diese Verdammung nicht einreden, spüre sie aber dennoch gerade über mir wie das drohende Damoklesschwert. Immerhin hat sie mir das Herz nicht gebrochen, denn ich spüre ja, wie es hinter meiner Brust pulsiert. Und jeder Schlag tut weh. Und so möchte ich weinen, doch es fließen keine Tränen.

Wie wird es nun weitergehen? Was habe ich noch zu sagen? Was hat sie noch zu sagen? Und was haben wir uns noch zu sagen? Ich kann sie nicht bei mir tragen und will sie doch nicht missen. Ja, der Sturm weht noch, reißt nun mit ganzer Härte die Gedankenschlösser ein, trägt die Zuckergussziegel in unendliche Ferne. Und letztlich erfasst er selbst das gigantische Fundament, das ich einstmals Hoffnung getauft habe. Eine Hoffnung, die niemals eine war.

Die Zugdurchsage meldet die Endstation. Ich steige aus, spüre den eisigen Wind und weiß nicht, ob meine schwachen Beine denn wirklich nur der Kälte wegen zittern. Für einen Moment blicke ich dem Zug nach und wünsche mir, ich säße wieder in ihm. Doch wische ich den Gedanken abermals schmerzlich beiseite und versuche, nach vorn zu schauen. Es geht noch nicht, doch es wird gehen. Denn es geht immer weiter und weiter. Meine Augen sind noch immer trocken, doch ich weiß, dass Tränen fließen werden. Und auch nach den Tränen wird es weiter gehen. Und dann wird der Sturm abebben, denn es wird weiter gehen. Die Sonne wird durch den Wolkenhimmel brechen, und es wird weiter gehen. Und jetzt fließen die Tränen.

Links Links Links.

Montag, 19. Oktober 2009 § 2 Kommentare

http Links Links Links.Nein, ich schwenke jetzt nicht das rote Fähnchen im eisigen Ostwind, sondern meine eigentlich die Dinger, wo man draufklicken kann. Bisschen ungünstig, die Formulierung, die Teile auch Links zu nennen. Hm, vielleicht sollte man sie tatsächlich einfach Draufklickdinger nennen. Von mir aus auch im CamelCase: DraufKlickDinger. Das macht doch schon richtig was her, oder? Ach, egal.

Jedenfalls dachte ich mir, bzw. denke es immer noch, dass man ab und an mal ein wenig Lob verteilen muss. Nicht gleich mit dem Feuerwehrschlauch, aber vielleicht doch mit der weich eingestellten Sprühflasche. Außerdem hat mein Verstand die Koffer gepackt und sonnt seinen blanken Arsch irgendwo dort, wo’s warm ist, während ich in der brandenburgischen Taiga hocke. Schon allein deswegen gibt’s an dieser Stelle mal eben ein paar hübsche DraufKlickDinger zum Nichtnachdenken.

  • [»Speis' - Ein Epos in vier Akten«] ist ein intelligent humoriges, hm, fast schon psychedelisches Buchstabensüppchen vom Herrn [PropheT], das so süffisant und locker leicht bekömmlich ist, dass man es am besten in abendlicher Stille liest.
  • [Get on my horse] lässt sich eigentlich nicht erklären. Ein, tja, hm, ziemlich kaputtes Video, das man irgendwie nicht mehr abschalten kann. Warum auch immer. Geklaut übrigens aus [Herrn Kalibans] Sonntagslinks. Ahem.
  • [trnd] – wieder eines dieser Testportale, welche die Erfahrungsberichte und Daten der User wahrscheinlich dafür benutzen, sie eines schönen Tages nach Guantanamo zu verknacken. Bis dahin lassen sich dort aber auch ab und an mal Produkte testen, die man zugeschickt bekommt und natürlich auch behalten darf. Zumindest hört man das von [Personen], die jemanden kennen, der jemanden kennt. Und so. Könnte übrigens sein, dass ich schon mal darüber berichtet habe. Falls dem so sein sollte: mir doch egal.
  • [Sparwelt.de] knüpft gleich mal an den vorhergehenden Link an. Sparwütige Probanden wird’s freuen, denn in der Sparwelt gibt’s immer wieder mal schöne Tipps und DraufKlickDinger, die zu kostenlosen Zeitschriftenabos, Mausefallenköderproben und anderen tollen Angeboten führen, an denen der Anbieter natürlich gar nichts mehr verdient.
  • Auf [abgespeist.de] sollten sich alle Ich-ernähre-mich-gesund-Fetischisten und Bulimiker dieser Welt pudelwohl fühlen. Da wird einem dann eben verraten, dass im Lieblingsfruchtjoghurt gar keine extragroßen Fruchtstücke, sondern eingelegte Kakerlakenhinterteile enthalten sind. Auf jeden Fall mal einen Blick wert. Wohl bekomm’s!

So, mehr fällt mir zum Tage nicht ein. Sollten sich Ergänzungen ergeben – was für gewöhnlich nicht passiert, aber man soll ja niemals nie sagen, oder so – so reiche ich die zu späterer Stunde freundlich, wie ich bin, nach.

Hör- und Lesbares für lau.

Samstag, 17. Oktober 2009 § 0 Kommentare

musik Hör  und Lesbares für lau.Ach, jetzt hab ich schon wieder am Freitag was ganz anderes gebloggt und den traditionellen Musikeinspieler vergessen. Kommt mir aber, wenn ich ehrlich bin, ganz gelegen, schließlich geht es in Kürze auf eine längere Reise, mangels UMTS, iPhone und sonstigem Gedöns, gänzlich web-frei. Soll heißen, wo wenig Zeit für Geschriebenes ist, da muss ein bissl Musike die Lücke füllen. Und weil mir gerade danach ist, gibt’s Kitsch…

Übrigens hab ich vor nicht allzu langer Zeit eine, hm, doch recht lang geratene Geschichte geschrieben, die das hübsche Liedchen zum einigermaßen eindeutigen Vorbild hatte – auch wenn meine Story gegen Ende dann doch ins Krude abdriftet. Aber das war auch so gedacht. Wen’s interessiert:

[Romane Erzaehlungen: Die Akte Schubert]

Eine kleine Gefälligkeit.

Freitag, 16. Oktober 2009 § 4 Kommentare

shopping Eine kleine Gefälligkeit.Es muss irgendwann anno 2005 gewesen sein. An Finanzkrisen war noch nicht zu denken, im Irak wartete der Saddam noch auf sein strammes Seil, und weit abseits meiner damaligen Wahlheimat Stuttgart hatte mich das zukünftige Verderben namens Freundin noch nicht kennen gelernt. Seinerzeit wohnte ich noch in trauter Viersamkeit, mit mal mehr und mal weniger erträglichen Mitbewohnern, mal mehr und mal weniger freiwillig, unter einem mal mehr und mal weniger gemütlichen Dach.

Und so trug es sich zu, dass eine meiner reizenden Mitbewohnerinnen krank im Bett lag, während ich gerade auf Socken zur Tür schlich, um in Winterskälte meine kargen Singleeinkäufe, bestehend aus billigem Bier, Diätcola und abgepackter Salami, zu erledigen. Gerade schob ich meine schlanken Füßlein grazil wie eine Primaballerina ins ausgelatschte Schuhwerk, als es durch die angelehnte Tür tönte: »Thooooooomas? Gehst du in die Staahaaaaaadt?« Da hatte das kleine Biest doch tatsächlich auf mich gelauert wie ein Raubtier in der Finsternis. Und schon begannen die Gedanken, in meinem Kopf schneller und schneller zu kreisen, als würden sie auf kräftigen Promilletierchen Rodeo reiten. Eine Ausrede musste her. Eine kleine Lüge, einfach nur eine-

- ach, war das nicht herzallerliebst? Wie sie in ihrem Bett lag, kränklich zusammengesunken wie eine seit Jahren abgenutzte Matratze. Die schneewittchenweiße Alabasterhaut war erkältungsbedingt überall rotfleckig. Wie ein kleiner, süßer Fliegenpilz, nur farblich umgekehrt, sah sie aus, die werte Mitbewohnerin mit dem ach so hübschen Namen, den ich hier einfach mal zu Brigitte verschandele. Das, wegen eines Friseurbesuchs beim Haarschlächter missratene, Haupthaar hing ihr in verschwitzten Strähnchen in die putzig rote Stirn. Und weg waren sie, die bösen Gedanken, eingestürzt das schon mal vorsichtshalber errichtete Gerüst aus Lügen und Ausflüchten. Diesem possierlichen Wesen konnte ich nun ganz und gar keinen Gefallen abschlagen. Hätte ich es mal getan.

So stand ich also in voller Montur in ihrem Zimmer, bereit mich sogleich den eisigen Messerwinden hinzugeben, die mir auf der Stuttgarter Königstraße um den Riechkolben wehen würden, und wartete untertänigst auf meinen Auftrag. Der ließ nicht lange auf sich warten. Zum »Zara« sollte ich gehen, meinte sie, die Brigitte, während sie sich wie ein süßer, kleiner Krabbelkäfer unter der Bettdecke herumwälzte. Einen erdbeerfarbenen Samtblazer sollte ich für sie holen, den sie doch am Wochenende uuuunbedingt benötigen würde, versicherte sie, die Brigitte, während sie herzerweichend hüstelte und ins Taschentuch schnäuzte. Wo ich das Ding denn suchen müsse, fragte ich und bekam als Antwort, ich würde es finden. Und ich glaubte ihr, denn eine zumeist eklig esoterische Ökolatschenträgerin mit Hang zur Verkünstelung ihres näheren Umfeldes, wie sie war, wusste ich um ihren verboten alternativen Geschmack.

Es dauerte tatsächlich nicht lange, bis ich das völkerrechtliche Verbrechen von einem Kleidungsstück mitten im sonstigen Textileinheitsbrei des »Zara« gefunden und an mich genommen hatte. Wie hatte ich mich nur so verblenden lassen können, ging es mir durch den Kopf, als ich die stoffgewordene Scheußlichkeit vor meinen ungläubig aufgerissenen Augen hatte. Da hatte dieses niedliche, kleine, bezaubernde, kränkelnde Wesen von einer Mitbewohnerin doch tatsächlich das fiese Hexenwerk vollbracht, meine Frühwarninstinkte nachhaltig zu stören, um mich auf dieses Himmelfahrtskommando zu schicken. Was soll’s? Ab zur Kasse und raus hier!

An der Kasse angekommen, musste ich fatalerweise feststellen, dass man es mir so leicht nicht machen würde. Ich hielt die erdbeerfarbene Kluft von mir wie eine nasse, nach Verwesung stinkende, tote Ratte und wartete mehr als ungeduldig darauf, dass der Verkäufer, der offensichtlich Gicht in den Pfoten hatte, die Kundschaft vor mir abfertigte. Selbige hatte leider größtenteils dermaßen viel Zeug eingesammelt, dass man meinen wollte, die werte Klientel würde sich damit sogleich für fünfzig Jahre in den nächsten Atombunker verdrücken. Ach, und so stand ich mir die Beine in den Bauch und hoffte inständig darauf, dass noch niemandem aufgefallen sein würde, mit welchem Schandmal ich hier öffentlich bloßgestellt war. Derweil floss die Zeit langsamer und langsamer dahin, bis die Zeiger der Uhr offensichtlich zu schmelzen begannen wie die Flüssiguhren in Salvador Dalís Bildern.

Vorsichtig ließ ich meinen Blick von links nach rechts schweifen, suchte argwöhnisch nach belustigten Beobachtern, nach heimlichen Blicken aus freudentränenden Augen. Suchte. Suchte. Suchte. Und fand sie! Ja, selbst der Verkäufer schien hinter seiner seriösen Fassade zu lachen, dass sich die Balken bogen. Begann er nicht gerade, seine Schneckenhände noch langsamer werkeln zu lassen? Fehlte nur noch, dass er erst einmal einen Kaffee kochen ging und mich so meinem Schicksal überantwortete. Und dann kam sie auch schon über mich, diese unerträgliche Hitze! Sie fiel auf mich herab und klatschte urplötzlich in mein Gesicht wie ein Backstein. Ich spürte, dass ich soeben errötete wie ein Dampfkessel vorm Bersten, bis sich an meiner Stirn erste Schweißperlen bildeten. Gleich würde ich im ganzen Gesicht glänzen wie ein poliertes Fabergé-Ei. Und das nur, weil ich mir so unglaublich fehl am Platz vorkam: ein Kerl mit echten Männerträumen, mit latent sexistischer Grundhaltung, mit sorgsam gepflegtem Dreitagebart – in der Hand ein eeeeerdbeeeerfarbener Blaaaaazer. Dies war einer jener Momente, in denen man gern die Augen schließen würde, um bis zehn zu zählen und dann schreiend aus dem Bett zu fallen. Mit schmerzendem Steißbein zwar, aber glücklich, nur geträumt zu haben.

Doch dies war kein verdammter Traum. Ich stand noch immer in der festgefahrenen Schlange, fühlte mich von allerlei shoppendem Weibsvolk unter abwertenden Blicken geradezu ausgepeitscht und wollte doch eigentlich nur noch den ersten und letzten Herzinfarkt meines bis dato unbekümmerten Lebens geschenkt bekommen. Herr, streck mich nieder! Und so leuchtete und schimmerte ich wahrscheinlich bereits wie eine Lavalampe, als ich doch endlich an der Reihe war, um mit zittrigen Händen den horrenden Preis für den Stoff des ultimativen Grauens zu berappen und sogleich fluchtartig das Geschäft zu verlassen.

Wutschnaubend betrat ich unsere Wohnung, in der Absicht, der guten Brigitte ihren Erdbeerblazer um die Ohren zu klatschen, bis ihr die Löffel glühten wie Christbaumlichter. Der Schrecken saß mir noch immer tief in den Knochen, als ich stramm wie ein Zinnsoldat und mit bitterer Miene in ihr Zimmer marschierte, um ihr die größte Standpauke zu halten, die jemals ein Mensch zu-

- aber ach, wie sie da in ihrem Bettchen lag: zusammengekauert wie ein schlafendes Kätzchen, dem man doch so gar nichts zuleide tun möchte, die elfenhaften Gesichtszüge unter den äußerlichen Krankheitssymptomen bis an die Grenze der erträglichen Niedlichkeit betont. Ein Bild, so süß wie Erdbeermarmelade von der Lieblingsgroßmutter! »Uuuuuund? War alles okaaaaaaay?«, fragte sie mit ihrer rasselnden Hustenstimme. »Klar, war gar kein Problem«, sagte ich liebevoll und zwinkerte ihr lächelnd zu. Wie hätte ich auch schimpfen können?

Wenn der Postmann niemals klingelt.

Mittwoch, 14. Oktober 2009 § 8 Kommentare

paket Wenn der Postmann niemals klingelt.Was denkt sich eigentlich der handelsübliche Paketbote mit seinem gelben Auto dabei, meine heiß erwarteten Pakete in, ähm, [benachbarten Shops] abzugeben und mir dann keine Benachrichtigung zu hinterlassen? Meint der, ich kann hellsehen? Hätte ich nicht vorsichtshalber mal beim Händler angefragt, dann hätte ich nie erfahren, dass mein Paket auf Abholung wartet. Ich wäre quasi buchlos gewesen! Und das kurz vor einer längeren Zugfahrt! An seelische Grausamkeit grenzt das, jawoll.

Ich find’s ja schon sehr frech, dass der Knilch am Wochenende gar nicht erst klingelt, sondern meine Sendungen, vor allem dann, wenn sie besonders schwer sind und das Wetter wild johlend die Apokalypse probt, gleich bis zur einigermaßen weit entfernten Packstation wuchtet, damit ich dann bei Sturm und Regen das bepackte und schnaufende Muli spielen darf. Aber klar, wozu sonst das ganze Training, wenn nicht, um schweren Scheiß zu schleppen? Eben.

Der muss wirklich einen Narren an mir gefressen haben, der Mann von der Post. Wenn der Kerl das noch mal abzieht, dann lernt er aber Doktor Faust kennen. Doch was schimpfe ich? Andere Paketdienste stellen meine aktuelle Goldbarrenlieferung mal eben in den Hausflur und fälschen meine Unterschrift, während wieder andere gar nicht erst liefern, sondern meine ungeheuer wertvolle Sendung aus hochkarätigen Diamanthalsketten gleich zum gemütlichen Ansetzen von Staub und Motten ins Lager stellen. Ach, ich bin der Logistik wohl auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Böse, böse Welt.

Segel setzen. Mal wieder.

Montag, 12. Oktober 2009 § 2 Kommentare

schiff Segel setzen. Mal wieder.Einmal im Kreis: Was schreibt man am besten, wenn man gerade das Gefühl hat, der eigene Kopf wäre ein frisch geleerter Mülleimer, der irgendwie noch muffig riecht, ansonsten aber nichts als gähnende Leere vorzuweisen hat und allenfalls dazu taugt, ihn umzudrehen und als improvisierte Bongo zu missbrauchen? Man könnte ja schnell mal hergehen und jene Dinge rekapitulieren, mit denen man allzu euphorisch ins Jahr gestartet ist. Wobei, wenn ich mich recht entsinne, war der Start ziemlich beschissen und damit alles andere als euphorisch. Außerdem eignen sich derlei Rückblicke eher für das Jahresendposting, nicht wahr?

Einmal zurück: Vielleicht reicht’s ja auch, die [letzten Quartalsvorsätze] ganz kurz zu prüfen: Befreiungsschlag bezüglich Personen, die einem nicht gut tun? Ist, hm, wohl mehr als gelungen. Früher aufstehen, selbst an Wochenenden, war noch angesagt. Auch das funktioniert ganz gut, wenngleich wohl Optimierungspotenzial bleibt. Ach ja, und weniger Kaffee war irgendwie auch mal angedacht, wenn ich mich recht entsinne. Nun ja, hier muss ich wohl passen. Schon seltsam, wie der Mensch sich an so banale Süchte zu klammern scheint. Scheint? Na ja, er tut’s eben einfach. Und war da nicht noch was? Ach ja, ich wollte mich einen Tick weltoffener zeigen, weniger schimpfen und so. Hm. Wer mich kennt wird sagen, dat war wohl nüscht. Wer mich wirklich kennt, falls es denn überhaupt jemanden gibt, der wird sagen, ich bin auf ‘nem guten Weg.

Einmal nach vorn: Und wo ich schon dabei bin, so unverschämt über meine Wenigkeit zu schreiben, kann ich auch gleich einmal mehr die Segel setzen, die Nase in den Wind halten, der das Schiffchen namens Leben vorantreibt und eine Brise dessen schnuppern, was da so kommen mag. Die Devise, weniger Kaffee zu schlürfen, kippe ich bis auf weiteres über die Reling – bis ich eine Ersatzsucht gefunden habe. Also hoch die Tassen. Und wo ich gerade dabei bin: Alkoholisches ist und bleibt auf ein Minimum reduziert. Meine, aufgrund emotionalen Wellenganges, viel zu lange schmerzende Hand wird’s mir danken. Das reduzierte Gewicht übrigens auch. Und wo ich schon den Bogen zum Emotionalen geschlagen hab, auch dazu noch zwei, drei Worte: Es wird Zeit! Wofür? Für ein Ende, für einen finalen Kampf, egal, ob er denn nun gut oder schmerzlich enden mag. Nun, und wer jetzt kein Wort versteht, dem sei gesagt: ich auch nicht wirklich. Ich auch nicht…

Wo bin ich denn nun schon wieder?

Du wühlst auf iThought 2 gerade in den Archiven zum Oktober, 2009.

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    PhanThomasPhanThomas ist der nicht ganz anonyme Autor dieses Weblogs. Er befasst sich laienhaft mit allem, was gesellschaftspolitisch oder sonst wie von Interesse sein könnte. Sein schlecht recherchiertes Halbwissen kaschiert er durch die willkürliche Einstreuung von mäßig verschnörkelten Artikeln zu seiner eigenen Wenigkeit, die er mit Vorliebe in der dritten Person verfasst.
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