Die FDP hat in Nordrhein-Westfalen … Nein, ich werde darüber jetzt nicht schreiben. Nein, hab ich gesagt! Omm …
Kommen wir zu was anderem. Als ich vor ein paar Tagen mit meiner Freundin über Dieses und Jenes philosophierte, kam ich darauf, dass ich früher immer Angst hatte, nur noch unlustige Witze zu erzählen, wenn ich mal alt wäre. Und dass ich ebenso nur noch über völlig dümmliche Gassenhauer lachen würde. Einfach, weil man Humor verlernt, dachte ich, weil er mit dem Alter schlechter wird, so wie, äh, Atem oder so.
Heute, viele Jahre später (Na gut, so viele nun auch wieder nicht.), glaube ich eher, dass es mit Humor ist wie mit den zweiten Zähnen: Er wächst einmal in einem heran und hat er dann einmal seinen Höhepunkt erreicht, dann ist dieser auch zugleich sein Endstadium. Humor ist wie eine Tätowierung, die man, wurde sie erst einmal auf die Haut gekliert, für den Rest seines Lebens mit sich schleppt, egal, wie schön oder hässlich sie nun sein mag. Otto ist ein schönes Beispiel dafür: Der reißt noch immer dieselben Witze, die er schon vor Äonen von der Bühne grölte. Die Ärzte übrigens auch, zumindest auf Platte.
Humor scheint nur über Generationen hinweg etwas ziemlich Veränderliches sein. So viele ältere Menschen sind so unheimlich unlustig. Aber es kann doch gar nicht sein kann, dass früher jeder nur schlechte Witze erzählt hat. Nun gut, früher war das Leben auch härter, es gab Krieg, Zahnfüllungen aus Amalgam, statt Schuhe wickelte man sich Lappen um die Füße und was weiß ich nicht alles. Vielleicht gab es einfach wenig zu lachen. Dem entgegen stehen aber zum Beispiel Heinz Erhardt oder Loriot. Deren Sketche sind heute noch urkomisch.
Oder empfinde ich das nur so? Ist Humor letztlich einfach nur Geschmackssache? Es muss einen Grund geben, weshalb Menschen, hm, beispielsweise über Mario Barth lachen können.
Egal, am Ende ist für mich nur wichtig, nicht das Abziehbild jener zu werden, deren Humor ich früher schon zum Fürchten fand. Um das Übel beim Namen zu nennen: Verwandte! Wenn ich an so manche Familienfeier denke, kräuseln sich mir heute noch die Zehnägel. Das hysterische Lachen angesäuselter Onkel und Tanten, die sich röchelnd die Bierbäuche halten … Nein, es ist schon ziemlich gut, dass ich so ganz anders ausgeschlagen bin.
Sollte ich also tatsächlich im Krankenhaus verwechselt worden sein, wie meine Eltern früher immer behaupteten, dann Gott sei Dank!
Schleswig-Holstein hat die Chance verpasst, die FDP als Fußnote in die Geschichtsbücher zu verbannen. Dass Nordrhein-Westfalen diesen Fauxpas jetzt noch berichtigen kann, daran glaube ich nicht mehr. Mich hat das, ehrlich gesagt, im ersten Moment geärgert. Also richtig geärgert. Ich bin nicht der Ansicht, dass in einem Land, in dem der Mensch sich als solcher bewusst ist wie nirgends sonst, in dem das Leben einen so hohen Stellenwert genießt, eine Partei aus blutleeren Marktradikalisten antreten sollte, die für Lobbyisten kaltherzige Wirtschaftspolitik betreibt und von Anschlussverwendung für fallengelassene »Schlecker-Frauen« spricht. Das mag polemisch klingen, es ist aber fakt: Die FDP hat ihren Zenit als Korrektiv für die beiden großen Parteien längst überschritten. Weg damit!
Und dann dachte ich mir, was kümmert es mich eigentlich? Ich gebe ja zu, ich habe schon einmal CDU gewählt. Es kommt sogar schlimmer: Ich habe schon die FDP gewählt. Noch schlimmer? Kein Problem: Ich habe bereits beide Parteien auf einem Stimmzettel angekreuzt. Aber ach, ich war jung, so jung, und hielt das tatsächlich für eine gute Idee.
Ich habe auch schon Die Linke gewählt, als ich der Ansicht war, dass sie ihre Punkte und Argumente souveräner vorzutragen vermochte als der ganze politische Rest. Bevor sie anfing, sich selbst zu demontieren, während die Köpfe immer wieder dieselben alten Parolen herunterbeten, als wären sie allesamt vom Realitätsverlust befallen.
Und ich habe noch niemals die Grünen gewählt. Ich halte nichts von denen. Habe ich nie. Vielleicht hat mich deren Fünf-Mark-für-den-Liter-Sprit-Idee in jungen Jahren so sehr geprägt, dass ich mich unbewusst gegen diese Partei sträube. Vielleicht liegt es auch an der Beteiligung zur Agenda 2010 aus Zeiten der Schröder-Regierung. Übrigens genau der Grund, weshalb ich noch niemals die SPD gewählt habe. SPD wählen ist irgendwie, als würde man eine rote Praline bekommen, in der dann doch schwarzes Zeug drin ist. CDU und SPD – im Ernst, das nimmt sich doch nicht viel. Wundert mich bis heute, dass die so genannte große Koalition seinerzeit nicht funktionieren wollte.
Dann die Piraten. Nun ja, was soll man da sagen? Ich empfinde die Piraten durchaus als Korrektiv in gewissen Punkten, die die derzeitige Politik nicht zu adressieren und zu behandeln weiß. Vielleicht auch als Lehrstück in Sachen direkte Demokratie. Aber als ernsthafte Alternative? Nein, eigentlich nicht. Zu schwadronierend. Zu unwissend. Zu vage irgendwie.
Und damit wäre ich, wo ich hin wollte: Was soll man da noch wählen? Ich identifiziere mich mit keiner einzigen politischen Idee mehr. Ich habe die Schnauze voll von Abgeordneten, die herumwulffen und scheinbar grenzdebil völlig unnachvollziehbare Entscheidungen treffen. So und nicht anders vermitteln sie’s ja. Punktum: Ich bin so was von kurz davor, zum frustrierten Nichtwähler zu mutieren. So kurz, dass ich froh bin, nicht demnächst in NRW zur Wahl gebeten zu werden. Ich würde vermutlich einfach zu Hause bleiben. So wie meine Eltern es übrigens seit den Neunzigern tun. Traurig? Na ja.
Nachdem die Ärtze-Platte »auch« mehr als belanglos daherkam, hier was vom neuen Album der Konkurrenz aus Düsseldorf. Unbedingt hörbar und stellvertretender für den Rest der grandios gelungenen CD als die nette aber doch leicht seichte Vorabnummer »Tage wie diese«.
»Der Sünden Sohn ist der Tod, doch früher oder später wird auch die Tugend auf diese Weise bezahlt. Aber wenigstens hat das Böse am Freitag früh Feierabend.«
Fakt ist, ich mag keine sauberen Städte. Natürlich habe ich nichts dagegen, eine gerade Strecke von mindestens zehn Metern geradeausgehen zu können, ohne meine Sohle zwischendurch in den Hinterlassenschaften eines Terriers wälzen zu müssen, aber so insgesamt verspüre ich doch eine Abneigung gegen allzu saubere Orte.
Mit sauberen Städten ist es so eine Sache. Sie erinnern mich unweigerlich an eine realgewordene Version Lovecraftscher Geschichten wie »Schatten über Insmouth«. Und wer weiß denn schon, ob Menschen aus allzu sauberen Orten nicht tatsächlich böse Froschmonster sind, die sich mittels gestohlener Häute als Menschen tarnen, um arglosen Besuchern das Fell über die Ohren zu ziehen? Denn Fakt ist auch, Bewohner sauberer Städte haben keinen Grund, sich über die Unsauberkeit ihres Orts zu beschweren. Sie haben damit mehr Hirnkapazität frei und freie Hirnkapazität bewirkt beim Menschen selten Gutes. Kurzum: Menschen aus sauberen Orten hecken ganz bestimmt was aus.
Ich habe übrigens auch gar kein Problem damit, wenn irgendwelche herumkrakelenden Hauswarte um den Block rennen, um mannshohe Ratten zu verscheuchen, die sich andernfalls eisenbahntunnelgroße Löcher durchs Mauerwerk direkt in meine Küche bahnen würden. Ich habe nichts dagegen, wenn Kaugummis von den Gehsteigen entfernt werden, was mir ärgerliche Artistik à la »Stock am Schuh« erspart. Aber gegen zu viel Ordentlichkeit habe ich dann doch was.
Wohnhäuser müssen nicht Reih an Reih pastellfarben gepinselt werden, bis sie aussehen wie zu groß geratene Eisportionen. Schlimmer noch: Hauswände brauchen auch keine neunmalklugen Wandtattoos, die von der Hausverwaltung wagemutig als Kunst bezeichnet werden. Kunst ist es nämlich, ein mäßig schönes Graffiti handwerklich halbwegs ordentlich und in immerhin drei Farben an eine Hauswand direkt neben der Eingangstür zu klieren, während die Bewohner gefühlt alle fünf Minuten ein und aus gehen – und das rund um die Uhr -, und sich dabei dann auch noch nicht erwischen zu lassen (siehe Bild oben). Ja, das ist Kunst, liebe Leute. Kein doofes Wandtattoo in Elefantengröße, das mir was über Zukunft und Gegenwart verklickern will. Bla bla.
Wie gesagt, ich mag keine sauberen Orte. Da wird nur unnötig viel ausgeheckt von bösen Froschmenschen. Und hier in der Gegend wird’s in letzter Zeit einfach zu sauber. Ich kann das nicht gutheißen. Wenn demnächst die Nachbarn irgendwie komisch gucken und sabbern, dann zieh ich aber aus.
Seit knapp zwei Jahren lebe ich inzwischen in Berlin. Und nicht nur, dass die Stadt, dieses Monstrum, niemals schläft, ich habe auch den Eindruck, sie bewegt sich schneller an mir vorbei, als ich mich durch sie hindurch bewegen könnte. Nicht nur, weil die Berliner Bauarbeiter besonders fleißig sind und dauernd irgendwo tiefe Löcher buddeln müssen, nein, es ist ein struktureller Wandel, nicht nur fühlbar, sondern durchaus sichtbar. Ja, in dieser kurzen Zeit.
Graue Hausfassaden, die vorher von wildem Wein und noch wilderen Graffitis geziert wurden, bekommen ordentliche, pastellfarbene Anstriche, werden plötzlich als »beste Lage« bezeichnet. Der Billigsupermarkt um die Ecke, aus dem morgens um zehn die Großmutter mit dem Einkauf in der einen und ‘ner Bierflasche in der anderen Hand herausspazierte? Weg. Da steht jetzt ein sündhaft teurer Biomarkt mit chicer Innenraumausleuchtung und hippen Produkten aus hippen Körnern. Kennt jemand das Tacheles? Nicht? Macht nichts, stehen eh die Bagger vor. War vorher schon kommerzialisierte Tourischeiße? Na und, mir doch egal, wer sagt, dass man an alternativen Kunstprojekten nicht verdienen darf? Tut eh nichts mehr zur Sache. Immer mal wieder sieht man Plakate an Balkons, auf denen gegen Wohnungsrauswurf, Vertreibung und vermeintliche Kiezverschandelung durch neue Bauprojekte protestiert wird. Und ich? Inzwischen wurde aus meiner Wohnung eine völlig überteuerte Eigentumswohnung gemacht. Natürlich längst verkauft. Ein paar Jährchen kann ich noch bleiben, dann muss ich gehen. Wen interessiert’s, ist eh zu wenig Tageslicht hier drinnen – beste Lage halt. Kein Grund zu weinen, durchaus aber ein Grund, sich Gedanken zu machen.
Gedanken über Mietpreise zum Beispiel, die nur noch einen Weg zu kennen scheinen: steil und steiler nach oben. Und das ist es, was man spürt. Die Veränderung, die man sieht. Was will man aus Berlin machen, fragt man sich. Ein zweites München? Nichts gegen München, ich war dort nie, unabhängig davon, sollte ein Berlin doch ein Berlin bleiben. Eine Stadt der Gegensätze, ein besonderes Lebensgefühl, das man nicht nur atmet, weil es hier oftmals nach undefinierbaren Ausdünstungen stinkt. Wenn im Sommer keine alten Herren mehr auf dem Gehsteig sitzen und Brettspiele spielen, dann ist das vielleicht nicht der Untergang des Abendlandes, traurig jedoch ist es allemal irgendwie.
Wenn es aber so weitergeht wie jetzt, sich die unzähligen Umzugsdienstleister, die mit ihren Flyern meinen Briefkasten verstopfen, weiterhin preislich unterbieten können, weil die Kundschaft so groß ist, dann werde ich wohl noch miterleben, wie aus dieser Stadt ein Eldorado für Besserverdiener wird, die sich innerhalb des S-Bahn-Rings tummeln werden. Und alle anderen? Dürfen gern zu Besuch kommen, aber bitte bloß nicht mehr hier wohnen und abends wieder verschwinden.
Eine der berühmtesten Aussagen über Berlin ist wohl immer noch: »Arm aber sexy«. Zumindest gefühlt gilt doch das schon heute nicht mehr. Reich wird Berlin vermutlich nie sein, zu groß die Strukturunterschiede innerhalb der Stadt, zu aufwendig der vernachlässigte Aufbau des Ostteils, zu abseits die Lage, so mitten im Niemandsland Brandenburg. Bald ist Berlin vielleicht nur noch ein bisschen arm, dafür dann aber ausgestattet mit der Ausstrahlung eines McKinsey-Beraters: Adrett, langweilig und schmierig wie Arsch.
Lebensgefühl? Kultur? Wen interessiert schon Kultur, wenn man sie doch im Portmonee hat? Ist dann vielleicht ein bisschen wie in Stuttgart. Zumindest dazu fällt mir nämlich was ein, ich habe dort schließlich gelebt. Sicher irgendwie schön da. Bestimmt. Aber für mich einmal und nie wieder bitte. Und nun nicht hier auch noch.
Kommt alle, wir treffen
uns morgen am Wasser,
wo’s schön ist, gemeinsam,
dort unten beim Steg.
Zum Träumen im Sand und
zum Grillen, zum Lachen,
gemeinsam das Ziel ist,
nur jedem sein Weg.
Das waren die Worte
und Worte war’n alles,
war’n ehrlich gesprochen,
man gab sich die Hand.
Dann zogen euphorisch
die Füße mich seewärts,
hier bin ich und such’ euch,
hab’ keinen erkannt.
Beim Steg all die Fremden,
sie träumen im Sand und
sie grillen und lachen,
ich schließe mich an.
Die Fremde zwar schwindet,
ich bleib’ melancholisch,
denn wart’ ich auf’s Gestern.
Denk ich nur daran?
Wenn all die Versprechen
auf’s Morgen, die Freunde
im Gestern verschwinden,
was bleibt dann von Wert?
Zur Antwort der schöne
Moment hier beim Steg sagt:
So leb doch im Heute!
Was wär’ dran verkehrt?
Der Irrsinn der Welt kennt keine Grenzen und ich muss mich wieder schwer wundern. Noch immer sind die Benzinpreise jenseits von Gut und Böse. Man hört von verzweifelten Tüftlern, die ihre Kleinwagen mit Müll betanken, was mich amüsiert, erinnert es doch an das Ende von »Zurück in die Zukunft«, ich lese auch von einigen, dass sie ihr Auto schlicht und einfach verkauft haben, um sich künftig auf den Drahtesel zu schwingen. Sehr löblich, das.
Und hier setzt der Irrsinn an. Denn liegt diese Lösung nicht irgendwie ziemlich nahe? Niemals in meinem bisherigen Leben habe ich ein Auto besessen. Inzwischen zählt mein Dasein siebenundzwanzig Lenze, folglich wäre ich seit über neun Jahren dazu berechtigt, mich motorisiert fortzubewegen. Habe ich niemals getan. Folge dessen, dass ich es nicht getan habe? Das Ausbleiben eines fetten Arsches. Einschränkung der Lebensqualität? Mitnichten.
Das ist ja immer ein bisschen die Argumentation derer, die nicht auf ihr Töfftöff verzichten möchten. Ich kann durchaus verstehen, dass Pendler auf ein Auto angewiesen sind. Gut, wenn man unbedingt chic im Grünen wohnen möchte, dann muss man in den sauren Spritapfel eben beißen. Ich kann auch nachvollziehen, dass es schwierig ist, eine eigene Familie ohne Automobil bei der Stange zu halten. Die ganze Bagage für den nächsten Urlaub in einen Bus zu wuchten ist vermutlich nicht der Weisheit letzter Schluss.
So Vieles kann ich verstehen, ja, aber Leute, die sich in einer mit meiner eigenen Lage vergleichbaren Lebenssituation befinden, kann ich nicht so ganz verstehen. Schimpfen und mosern über die Kosten muss schon sein, aber der Tank ist trotzdem voll. Ist ein bisschen wie bei denen, die meinen, es würde nicht mehr fürs Essen reichen, während sie in den Meckerpausen an der Fluppe ziehen. Vom Verlust der Mobilität ist da die Rede, von einer Beschneidung der Lebensqualität eben. Vom Untergang des Abendlandes geradezu.
Hm.
Für mich wäre die Tatsache, zusätzliche Steuern und Versicherungsbeiträge, eventuell eine Rate auf das überteuerte Vierrad, außerdem das teure Benzin und wiederkehrende Inspektionen irgendwie bezahlen zu müssen, eine deutlich größere Einschränkung der Lebensqualität, denn was ich an Mobilität hätte, würde im Portmonee definitiv sehr fehlen.
Ist das nicht alles reine Gewohnheit? Oder sehe ich das mal wieder völlig verquer? Erkenne ich des Pudels Kern einfach nicht?
Du wühlst auf iThought 2 gerade in den Archiven von 2012.
Phan-Who?
PhanThomas ist der nicht ganz anonyme Autor dieses Weblogs. Er befasst sich laienhaft mit allem, was gesellschaftspolitisch oder sonst wie von Interesse sein könnte. Sein schlecht recherchiertes Halbwissen kaschiert er durch die willkürliche Einstreuung von mäßig verschnörkelten Artikeln zu seiner eigenen Wenigkeit, die er mit Vorliebe in der dritten Person verfasst.