Dienstag, 8. Mai 2012 §
Schleswig-Holstein hat die Chance verpasst, die FDP als Fußnote in die Geschichtsbücher zu verbannen. Dass Nordrhein-Westfalen diesen Fauxpas jetzt noch berichtigen kann, daran glaube ich nicht mehr. Mich hat das, ehrlich gesagt, im ersten Moment geärgert. Also richtig geärgert. Ich bin nicht der Ansicht, dass in einem Land, in dem der Mensch sich als solcher bewusst ist wie nirgends sonst, in dem das Leben einen so hohen Stellenwert genießt, eine Partei aus blutleeren Marktradikalisten antreten sollte, die für Lobbyisten kaltherzige Wirtschaftspolitik betreibt und von Anschlussverwendung für fallengelassene »Schlecker-Frauen« spricht. Das mag polemisch klingen, es ist aber fakt: Die FDP hat ihren Zenit als Korrektiv für die beiden großen Parteien längst überschritten. Weg damit!
Und dann dachte ich mir, was kümmert es mich eigentlich? Ich gebe ja zu, ich habe schon einmal CDU gewählt. Es kommt sogar schlimmer: Ich habe schon die FDP gewählt. Noch schlimmer? Kein Problem: Ich habe bereits beide Parteien auf einem Stimmzettel angekreuzt. Aber ach, ich war jung, so jung, und hielt das tatsächlich für eine gute Idee.
Ich habe auch schon Die Linke gewählt, als ich der Ansicht war, dass sie ihre Punkte und Argumente souveräner vorzutragen vermochte als der ganze politische Rest. Bevor sie anfing, sich selbst zu demontieren, während die Köpfe immer wieder dieselben alten Parolen herunterbeten, als wären sie allesamt vom Realitätsverlust befallen.
Und ich habe noch niemals die Grünen gewählt. Ich halte nichts von denen. Habe ich nie. Vielleicht hat mich deren Fünf-Mark-für-den-Liter-Sprit-Idee in jungen Jahren so sehr geprägt, dass ich mich unbewusst gegen diese Partei sträube. Vielleicht liegt es auch an der Beteiligung zur Agenda 2010 aus Zeiten der Schröder-Regierung. Übrigens genau der Grund, weshalb ich noch niemals die SPD gewählt habe. SPD wählen ist irgendwie, als würde man eine rote Praline bekommen, in der dann doch schwarzes Zeug drin ist. CDU und SPD – im Ernst, das nimmt sich doch nicht viel. Wundert mich bis heute, dass die so genannte große Koalition seinerzeit nicht funktionieren wollte.
Dann die Piraten. Nun ja, was soll man da sagen? Ich empfinde die Piraten durchaus als Korrektiv in gewissen Punkten, die die derzeitige Politik nicht zu adressieren und zu behandeln weiß. Vielleicht auch als Lehrstück in Sachen direkte Demokratie. Aber als ernsthafte Alternative? Nein, eigentlich nicht. Zu schwadronierend. Zu unwissend. Zu vage irgendwie.
Und damit wäre ich, wo ich hin wollte: Was soll man da noch wählen? Ich identifiziere mich mit keiner einzigen politischen Idee mehr. Ich habe die Schnauze voll von Abgeordneten, die herumwulffen und scheinbar grenzdebil völlig unnachvollziehbare Entscheidungen treffen. So und nicht anders vermitteln sie’s ja. Punktum: Ich bin so was von kurz davor, zum frustrierten Nichtwähler zu mutieren. So kurz, dass ich froh bin, nicht demnächst in NRW zur Wahl gebeten zu werden. Ich würde vermutlich einfach zu Hause bleiben. So wie meine Eltern es übrigens seit den Neunzigern tun. Traurig? Na ja.
Mittwoch, 18. April 2012 §
Seit knapp zwei Jahren lebe ich inzwischen in Berlin. Und nicht nur, dass die Stadt, dieses Monstrum, niemals schläft, ich habe auch den Eindruck, sie bewegt sich schneller an mir vorbei, als ich mich durch sie hindurch bewegen könnte. Nicht nur, weil die Berliner Bauarbeiter besonders fleißig sind und dauernd irgendwo tiefe Löcher buddeln müssen, nein, es ist ein struktureller Wandel, nicht nur fühlbar, sondern durchaus sichtbar. Ja, in dieser kurzen Zeit.
Graue Hausfassaden, die vorher von wildem Wein und noch wilderen Graffitis geziert wurden, bekommen ordentliche, pastellfarbene Anstriche, werden plötzlich als »beste Lage« bezeichnet. Der Billigsupermarkt um die Ecke, aus dem morgens um zehn die Großmutter mit dem Einkauf in der einen und ‘ner Bierflasche in der anderen Hand herausspazierte? Weg. Da steht jetzt ein sündhaft teurer Biomarkt mit chicer Innenraumausleuchtung und hippen Produkten aus hippen Körnern. Kennt jemand das Tacheles? Nicht? Macht nichts, stehen eh die Bagger vor. War vorher schon kommerzialisierte Tourischeiße? Na und, mir doch egal, wer sagt, dass man an alternativen Kunstprojekten nicht verdienen darf? Tut eh nichts mehr zur Sache. Immer mal wieder sieht man Plakate an Balkons, auf denen gegen Wohnungsrauswurf, Vertreibung und vermeintliche Kiezverschandelung durch neue Bauprojekte protestiert wird. Und ich? Inzwischen wurde aus meiner Wohnung eine völlig überteuerte Eigentumswohnung gemacht. Natürlich längst verkauft. Ein paar Jährchen kann ich noch bleiben, dann muss ich gehen. Wen interessiert’s, ist eh zu wenig Tageslicht hier drinnen – beste Lage halt. Kein Grund zu weinen, durchaus aber ein Grund, sich Gedanken zu machen.
Gedanken über Mietpreise zum Beispiel, die nur noch einen Weg zu kennen scheinen: steil und steiler nach oben. Und das ist es, was man spürt. Die Veränderung, die man sieht. Was will man aus Berlin machen, fragt man sich. Ein zweites München? Nichts gegen München, ich war dort nie, unabhängig davon, sollte ein Berlin doch ein Berlin bleiben. Eine Stadt der Gegensätze, ein besonderes Lebensgefühl, das man nicht nur atmet, weil es hier oftmals nach undefinierbaren Ausdünstungen stinkt. Wenn im Sommer keine alten Herren mehr auf dem Gehsteig sitzen und Brettspiele spielen, dann ist das vielleicht nicht der Untergang des Abendlandes, traurig jedoch ist es allemal irgendwie.
Wenn es aber so weitergeht wie jetzt, sich die unzähligen Umzugsdienstleister, die mit ihren Flyern meinen Briefkasten verstopfen, weiterhin preislich unterbieten können, weil die Kundschaft so groß ist, dann werde ich wohl noch miterleben, wie aus dieser Stadt ein Eldorado für Besserverdiener wird, die sich innerhalb des S-Bahn-Rings tummeln werden. Und alle anderen? Dürfen gern zu Besuch kommen, aber bitte bloß nicht mehr hier wohnen und abends wieder verschwinden.
Eine der berühmtesten Aussagen über Berlin ist wohl immer noch: »Arm aber sexy«. Zumindest gefühlt gilt doch das schon heute nicht mehr. Reich wird Berlin vermutlich nie sein, zu groß die Strukturunterschiede innerhalb der Stadt, zu aufwendig der vernachlässigte Aufbau des Ostteils, zu abseits die Lage, so mitten im Niemandsland Brandenburg. Bald ist Berlin vielleicht nur noch ein bisschen arm, dafür dann aber ausgestattet mit der Ausstrahlung eines McKinsey-Beraters: Adrett, langweilig und schmierig wie Arsch.
Lebensgefühl? Kultur? Wen interessiert schon Kultur, wenn man sie doch im Portmonee hat? Ist dann vielleicht ein bisschen wie in Stuttgart. Zumindest dazu fällt mir nämlich was ein, ich habe dort schließlich gelebt. Sicher irgendwie schön da. Bestimmt. Aber für mich einmal und nie wieder bitte. Und nun nicht hier auch noch.
Dienstag, 17. April 2012 §
Beim Steg
Kommt alle, wir treffen
uns morgen am Wasser,
wo’s schön ist, gemeinsam,
dort unten beim Steg.
Zum Träumen im Sand und
zum Grillen, zum Lachen,
gemeinsam das Ziel ist,
nur jedem sein Weg.
Das waren die Worte
und Worte war’n alles,
war’n ehrlich gesprochen,
man gab sich die Hand.
Dann zogen euphorisch
die Füße mich seewärts,
hier bin ich und such’ euch,
hab’ keinen erkannt.
Beim Steg all die Fremden,
sie träumen im Sand und
sie grillen und lachen,
ich schließe mich an.
Die Fremde zwar schwindet,
ich bleib’ melancholisch,
denn wart’ ich auf’s Gestern.
Denk ich nur daran?
Wenn all die Versprechen
auf’s Morgen, die Freunde
im Gestern verschwinden,
was bleibt dann von Wert?
Zur Antwort der schöne
Moment hier beim Steg sagt:
So leb doch im Heute!
Was wär’ dran verkehrt?
Freitag, 2. März 2012 §
Wo ich schon kürzlich beim Thema Kindheitstraumata war, hier gleich mal noch eins: Ich war so sieben, acht Jahre alt, schätze ich. Nein, eher sieben, denn mit acht war ich sicher klüger. Sieben, ganz bestimmt. Jedenfalls spielte ich mit einem Freund hinter dem Mehrfamilienhaus auf dem Rasen. Bei den Garagen, die da standen, war das. Plötzlich kam hinter der Garage eine Taube hervorgestakst. Sie kam und guckte. Nein, sie starrte. Wie Tauben das eben so tun. Und es war keine von den ekligen Flugratten, die in Großstädten darauf warten, Passanten auf die Rübe zu scheißen, sondern irgendeine andere Art.
Und genau ihr seltsames Aussehen sollte ihr zum Verhängnis werden. Mein Freund, ein fürchterlich dummes Kind eigentlich, fing an zu schreien, dass die krank sei und man sie ja töten müsse. Ahem, wir waren Provinzler. Ich war vermutlich überfordert von seinem Herumgeschreie, jedenfalls glaubte ich ihm. Drum liefen wir der Taube nach, die dummerweise nicht wegflog, sondern vor uns davonlief. Wir bewarfen sie mit Kienäpfeln, was wenig erfolgreich war. Doch dann …
… lag da ein Dachziegel bereit …
Ich hatte anschließend ein ziemlich schlechtes Gewissen, lief davon und versteckte mich zu Hause. Trotzdem erfuhren meine Eltern davon. Böse waren sie nicht, das war ich eher auf mich selbst. Die arme Taube.
Bis heute denke ich, dass spätestens nach meinem Ableben irgendein Taubenrachegott mich mit tausendjähriger Folter martern wird. Vermutlich muss ich in der Hölle Hula tanzen und werde dabei mit Dachziegeln beworfen. Ach.
Wie können eigentlich Leute weiterleben, die jeden Tag irgendwelche Tiere abmurksen, weil das zu ihrem Beruf gehört?
Die arme Taube.
Dienstag, 21. Februar 2012 §
Die Welt der IT ist eine seltsame. So zerbrechlich, so unkoordiniert, so völlig unverständlich. Unverständlich vor allem, wie sie überhaupt dauerhaft existieren, sich entwickeln kann. Aber ach, hierzu vielleicht ein kleiner Vergleich …
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Sonntag, 19. Februar 2012 §
Okay okay, die letzten Tage war’s hier etwas ruhig, obwohl ich mir doch vorgenommen hatte, häufiger zu bloggen. Öhm, vermutlich hatte ich mir das vorgenommen. Liegt jedenfalls hauptsächlich an trauter Zweisamkeit mit meiner Herzdame.
Und nur zum Teil lag’s auch daran, dass mein Haushalt hier endlich in der Neuzeit angekommen ist. Soll heißen, statt der alten tonnenschweren Röhre gibt’s hier jetzt einen formschönen LED-Fernseher in angemessener Größe. Ein optischer Dauerorgasmus quasi, der mir völlig unverständlich macht, wie ich es zuvor nur mit so einem uralten, hm, Ding aushalten konnte.
Aber nun ja, so ließ sich der Abgang des Christian Wulff auch gleich in neuer Bildqualität genießen. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so froh über den Abgang einer, nun ja, »politischen Größe« war.
Obwohl man ja eigentlich auch ein wenig dankbar sein muss, wenn man ehrlich ist.
Dankbar dafür, dass ausgerechnet ein Bundespräsident das Abziehbild der gesamten empfundenen politischen Garde geworden ist. Ein Sinnbild für die unverschämte Raffgier derer, die mehr als genug haben und den Hals dennoch nicht voll bekommen, ein Gesicht für das Problem des Lobbyismus im Land und vor allem ein Name für die Arroganz und Ignoranz denen gegenüber, die sie doch eigentlich vertreten sollten. Vielleicht regt’s ja zum Nachdenken an. Vielleicht.
Und nicht nur habe ich mich selten so sehr über den Abgang einer einzelnen Person gefreut, nein, ebenso selten habe ich mich für einen Repräsentant dieses Landes geschämt. Na ja, mal abgesehen vom Noch-Außenminister vielleicht.
Es will mir einfach nicht in den Kopf, wo die Habgier in den Köpfen derer, die es nicht nötig haben, herkommt. Christian Wulff war sicher nicht der einzige Politiker mit Verfehlungen, nur war er selten ungeschickt dabei, seine fragwürdigen Handlungen zu verschleiern. Es will mir auch nicht in den Kopf, wo ein Politiker auf dem Weg an die Spitze den Anstand verliert, den Respekt vor dem Volk, ja, den Blick für die Realität, wenn man so will. Denn all das Selbstmitleid, die Falschaussagen und Verharmlosungen, die dieser ehemalige Bundespräsident in vergangenen Interviews in Worte verpackt hat, zeugen doch entweder von ausgesprochener Unverfrorenheit oder schlichtweg von Realitätsverlust.
Abschließend und weil ich es loswerden muss: Wie wunderbar ist es doch, dass dieser Schnorrer von der Bildfläche verschwunden ist. Eine Schande fürs Land ist gegangen. Gottseidank!
Montag, 6. Februar 2012 §
Ich bin dieser Tage ein wenig irritiert. Ein wenig sehr. Ich versuche nämlich, hinter den Sinn der UN-Resolution gegen Syrien zu kommen, die von Russland und China bekanntlich blockiert wird. Und weil ich offenbar so gar nicht gebildet genug bin, habe ich mich erst einmal schlau gemacht und meinen Freund Wikipedia gefragt, was denn eine UN-Resolution überhaupt genau ist. In den Nachrichten erklärt einem das ja niemand. Da steht im Wortlaut:
UN-Resolutionen sind Beschlüsse der Vereinten Nationen, die das Ergebnis einer Aussprache bestimmter Hauptorgane schriftlich festlegen. Sie enthalten Bewertungen und Forderungen, die sich auf Interpretationen beziehungsweise den Wortlaut der UN-Charta beziehen.
Okay, klar soweit. Bashar al-Assad, Despot des Landes, lässt reihenweise rebellierende Landsleute meucheln – Männer, Frauen, Kinder, ganz egal, Hauptsache, der Aufstand wird niedergeschlagen. Dagegen sollte im Namen der Menschlichkeit was getan werden, so viel ist mal klar.
Nun wollen Russland und China das nicht. Teils aus Gründen der außenpolitischen Stabilität, teils aber eben auch auf rein wirtschaftlichen Interessen beruhend.
Mal angenommen, die Großmächte hätten einer Resolution zugestimmt. Was wäre das Ziel einer solchen? Hm, gute Frage. Sagen die Nachrichten ja auch nichts zu. Die SZ zitiert dazu jedenfalls:
Hauptziel sei es, “der Gewalt und dem Morden ein Ende zu setzen und die Zivilisten zu schützen”.
Aha. Und, ähm, wieee macht man das? Dem ein Ende bereiten? Zivilisten schützen? Indem man Herrn al-Assad verbietet, teuren Cognac ins Land zu importieren und ihm die Zigarren wegnimmt? Indem man ihm auf internationaler Bühne die Buhmannkappe aufsetzt? Ihm seine Augenarztlizenz aberkennt? Hm.
Oder doch ein Militärschlag, der das Land vermutlich direkt in einen Bürgerkrieg hineinkatapultiert? Davon ist bisher aber nie die Rede. Scheint so recht also eh nicht zur Diskussion zu stehen.
Na, die UN-Resolution wurde ja ohnehin abgelehnt, wozu also weiter in den leeren Raum hineinfragen? Ob man nun also Exporte nach Syrien stoppt oder, wie üblich, das Regime, uh, scharf kritisiert (ein herrlicher Ausdruck), den syrischen Machthaber mit dem fliehenden Kinn wird es kaum kümmern und es wird fleißig weitergemeuchelt, bis Ruhe im Karton oder einfach keiner mehr übrig ist. Solange auf Schweizer Bankkonten ein paar Milliärchen schlummern, kann der Rest der Welt ohnehin poltern, wie er will.
Tja, Außenpolitik ist schon irres Zeug. Ich komm da nicht so ganz hinter, wie das jetzt alles funktionieren soll. Ach.
Sonntag, 5. Februar 2012 §
Ach, kein Kaffee mehr da. Was in meinen schlimmsten Träumen nicht vorkommt, hat sich heute ereignet: Ein Blick in die Kaffeedose brachte nur gähnende Leere ans Tageslicht. Der Koffeinpegel ist inzwischen so weit runter, dass ich kurz davor bin, Tee zu trinken. Habe mich vorhin beim Bäcker sogar dabei erwischt, wie ich sehnsüchtig zum Kaffeeautomaten linste. Aber einen Becher Ekelkaffee in der Eiseskälte auf dem Weg nach Hause schlürfen? Nee, auch nicht das Wahre. Spätis? Haben nur Bier, keinen Kaffee. Bier ist kein Kaffee, eine furchtbare Wahrheit, wie sie nur das Leben schreibt. Und wo ich schon beim Schreiben bin: Während ich in seliger Kaffeenostalgie schwelge und den Notstand ertrage wie ein Mann, hier noch ein wenig Uralt-Content zum Thema Kaffee. Quasi eine Geschichte aus meinem Leben. Ungelogen.
Evolution des Kaffeekonsums
Spätestens, seit sich die pseudo-coole Kaffeekette Starbucks wie die Pest auch in Deutschland ausgebreitet hat, ist das eigentlich doch recht biedere Getränk Kaffee eine Art Kult geworden – quasi der iPod unter den Getränken. Continue reading “Kein Kaffee? Kein Kaffee!” »
Freitag, 4. November 2011 §
PhanThomas ist ein alter Zauserich. Hätte er einen Krückstock, würde er mit ihm drohend in der Luft herumfuchteln und aus dem Fenster schimpfen. Da er keinen hat, fuchtelt er in seinem Blog herum, dem Krückstock für all jene, die nie zu viel Aufmerksamkeit bekommen können.
Manche Dinge, vom Menschen ersonnen, machen die Welt einfach nur schlechter.
Da wären zum Beispiel diese Facebook-Umfragen. Blaue Balken bevölkern die »Wall«, den »Lifestream«, den Wie-auch-immer-das-Ding-diese-Woche-heißt, und sind eigentlich absolut inhaltsleer. Hm, wie Facebook insgesamt, genau genommen. Ich stelle inzwischen einen nicht mehr bestreitbaren Ermüdungseffekt fest, was diesen dauerpustenden Nonsense-Schornstein angeht. Gut, das ist mein Blog auch, aber hier pustet wenigstens nur einer.
Dann natürlich Handy-Kameras. Wer sich auf Konzerte stellt, seinen Handy-Arm in die Höhe hält und die grottigen Aufnahmen mit dem Sound, der nach ertrinkender Katze klingt, anschließend auch noch ins Netz rotzt, für den ist ein Platz im siebten Kreis der Hölle reserviert. Hat mal wer versucht, gescheite Konzertmitschnitte auf YouTube zu finden und war erfolgreich? Vermutlich nicht, weil bisher niemand über die Invasion der Handymitschnitte hinausgekommen ist. Überhaupt wird doch mit den Dingern nur Schindluder getrieben. Also weg damit!
Immobilienmakler natürlich. Die Häuslemafia schlechthin kassiert zumeist fürs Nichtstun astronomische Summen und ist trotz adretter Erscheinung nichts weiter als ein Haufen raffgieriger Kakerlaken im Anzug. Geföhnte Arschlöcher, ohne die auch weniger betuchte Menschen eine gute Wohnung in angenehmer Lage abbekämen.
Und ganz klar, Spiegel-Redakteure. Jeden Tag beten sie im Kreis sitzend den Untergang des Abendlandes herbei und bringen selbigen auch noch glaubwürdig rüber. Punkt zehn ist meine Kaffeetasse leer und die Laune mächtig im Keller. Und alles nur, weil es immer heißt, positive Nachrichten würden niemanden interessieren. Ach.
Sonntag, 9. Oktober 2011 §
So so, der CCC ist also an den Bundestrojaner gelangt, zumindest recht wahrscheinlich (auch wenn das jetzt erst mal von den entsprechenden Stellen abgestritten wird). Dass das Ding riesige Sicherheitslücken in die Rechner reißt, auf denen es installiert wird, war ja klar. Alles, was IT-technisch vom Bund initiiert wird, ist beschissen. Man denke an die Maut, man denke an den jämmerlichen Versuch, Ministerien mit Linuxrechnern auszurüsten und ach, wenn ich etwas länger darüber nachsinnen würde, mir fielen sicher noch weitere Beispiele für technisches Versagen auf ganzer Linie ein, wenn Vater Staat seine Finger im Spiel hat.
Pikant ist dann aber doch, was dieses Stück Dilettantentechnik kann: nämlich Vollzugriff auf die infizierten Rechner verschaffen. Nicht nur können Tastatur- und Mauseingaben gesteuert werden, nein es können auch Programme nachinstalliert werden oder, man denke weiter, beliebige Dateien abgelegt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Wenn ich also Schelm sein wollte, könnte ich so weit gehen, darüber zu spekulieren, ob man mit einer solchen staatlich eingesetzten Schadsoftware nicht auch unliebsamen Bürgern illegales Zeug auf die Rechner packen und sie dann dafür verknacken könnte.
In despotischen Ländern mag das ja Gang und Gäbe sein, aber für eine Bundesrepublik, die sich selbst als demokratisches und soziales Land mit Meinungsfreiheit und derlei Brimborium sieht, ist dieser kleine Skandal doch eine ziemlich eklige Sauerei. Und da wundern sich die Knallchargen aus den politischen Kadern von links bis rechts, wie eine vermeintlich bizarre Erscheinung wie die Piraten so großen Zulauf finden kann. Wenn da noch nach Gründen gesucht wird, dann haben die werten Damen und Herren ganz massiv einen gesellschaftlichen Grundkonsens verschlafen oder schlichtweg nicht verstanden. Wirklich traurig.
Übrigens hier noch eben ein so interessanter wie komplexer Artikel zum Thema aus der FAZ.