Dreist gegen Klau.

Mittwoch, 16. März 2011 § 3 Kommentare

tastatur Dreist gegen Klau.Da hab ich doch gestern irgendwo zwischen apokalyptisch angehauchter Berichterstattung und nicht weiter erwähnenswertem Abendprogramm folgenden Fernsehspot gesehen, der so frech ist, dass ich erst mal dachte, ich hätte mich verhört. Gut gemacht, bleibt hängen.

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Können Sie’s bitte anschreiben?

Donnerstag, 9. April 2009 § 0 Kommentare

Woah, also allmählich fühle ich mich ziemlich verscheißert. Ich meine, jahrelang werden die deutschen Bürger mit drakonischen Abgaben regelrecht stranguliert, jahrelang wird an allen Ecken und Enden gespart, vor allem, in den wirklich wichtigen Bereichen wie der Bildung, für die man seit einiger Zeit ja ordentlich zahlen muss. Und jetzt, kaum spricht alle Welt von der dicken Krise, wird reingebuttert, als würde man in heiterer Runde eine Partie Staatenpoker spielen. Plötzlich ist die Kohle da, um Autobauer zu unterstützen, die es nicht nötig haben, plötzlich ist genug Zaster im Pott, um marode Banken vor dem Ruin zu retten, und nun ist auch genug Kohle im Ofen, um der kaputten Hypo Real Estate einzuheizen – wohl gemerkt zu einem Preis weit oberhalb dessen, was eigentlich nötig gewesen wäre. Denn wir haben’s ja!

Nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik nach dem Vorbild der Keynesianer ist ja an und für sich nichts Schlechtes, würde man sie zumindest mal wirklich restriktiv umsetzen. Mittlerweile ist man immerhin im Ausgeben zu Krisenzeiten recht geschickt. Aber geschenkt. Jetzt zockt unser werter Staat also gegen mächtige Großaktionäre, koste es, was es wolle. Mich würde es ja auch nicht wundern, wenn sich bald herausstellt, dass ein paar gute, alte SPD-Freunde des unsympathischen Herrn Steinbrück irgendwie im Zusammenhang mit dem Laden stünden. Aber das sind nur Spekulationen meinerseits…

Ich finde es, ehrlich gesagt, beängstigend, dass ein Staat im Falle von Marktversagen, das hier eindeutig vorliegt, nicht in der Lage ist, den Hammer herniedersausen zu lassen, um den Laden einfach zu verstaatlichen, die Aktionäre zu enteignen. Sollen die doch heulen und fluchen, bis sie schwarz werden. Von mir aus könnte man die eh an der nächsten Laterne aufhängen. Was also soll dieser ganze Unsinn? Jetzt geht doch wieder alles zu Lasten des Steuerzahlers. Geht alles auf Pump, und wir müssen eines schönen Tages die Zeche zahlen! Also ich sehe keine rosige Zukunft für uns Bundesbürger. Irgendwie erscheint mir der Gedanke, dass ein wenig mehr Sozialismus uns durchaus auch gut tun könnte, immer freundlicher.

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Wahlsalat

Mittwoch, 8. April 2009 § 2 Kommentare

Das gemeine Wahlvieh ist schon eine seltsame Spezies – mitunter ziemlich einfach gestrickt, dann letztlich doch wieder irgendwie unberechenbar. In jedem Fall aber dämlich.

Recht regelmäßig werfe ich einen Blick auf die Ergebnisse der Sonntagsfrage, und klar, einige Entwicklungen sind schon sehr nachvollziehbar (damit nicht minder dämlich): Das schwarz-rote Handgemenge, das wir ab und an Regierung zu nennen pflegen, hat in den letzten Jahren ordentlich Federn lassen müssen (Ungerechtigkeit wie Hartz IV sei Dank), was sich nun wieder ein wenig ins Gegenteil kehrt: Denn der dumme Bürger glaubt ja immer noch, die von dieser Regierung (vor allem von der SPD) zusammengesponnene Abfuckprämie wär eine feine Sache. Folglich gewinnen die großen Parteien erst mal wieder einige Prozentpünktchen hinzu.

So weit, so gut. Der grenzdebile Bürger weiß ja auch nicht, dass in den letzten Jahren ein bisschen zu viel Liberalisierung unter dem Deckmantel der angeblich sozialen Marktwirtschaft betrieben wurde. Weniger davon hätte sicher Einiges an Zockgeschäften unserer heimischen Banken verhindert, was uns letztlich zusammen mit dem Rest der Welt ja erst in die Bredouille gebracht hat, jetzt an allen Ecken und Enden Krisen ertragen zu müssen. Aber gut, wie gesagt, das gemeine Wahlsubjekt hat keine Ahnung davon und kauft lieber einen um das Doppelte zu teuren Neuwagen auf Pump. Den kann man sehen, anfassen und muss nicht groß nachdenken. Den Dank gibt’s auf dem Wahlzettel, am besten für den Steingeiermeier.

Dass ungezügelte Freiheit auf den Märkten aber eher was Schlechtes ist, dürfte mittlerweile eigentlich bis in die meisten terrakotta-farbenen Wohnzimmer vorgedrungen sein. Was mich daher dann doch wundert: Wer zur Hölle votet die FDP so hoch!? Ich meine, die sind mit ihren liberalen Ansichten doch genau diejenigen, die uns als erste in die Scheiße geritten hätten, wenn man sie nur gelassen hätte. Jetzt tänzeln die schon fast Ringelreih um die 18 Prozent-Marke. Bei der Zahl fährt Guido Westerwelle bald wieder mit dem Guido-Mobil über die Dörfer und spielt mit Schaulustigen ‘ne Runde Beach Volleyball. Gab’s ja alles schon mal. Kann ich nur damit erklären, dass der Westerwelle so siegessicher von sämtlichen FDP-Plakaten auf uns herabgrinst, dass man glatt meinen möchte, bei der FDP scheint einem generell einfach die Sonne aus dem Arsch.

Bei Grün und, ähem, nun, ja tief Dunkelrot ist da eher alles wie gehabt, von leichten Zuwächsen mal abgesehen. Hätte man ja denken können, dass jetzt alle ihre Ökolatschen aus dem Schrank holen, wo doch kein Geld mehr im Sparstrumpf zu sein scheint, um was wahnsinnig Umweltschädigendes zu unternehmen. Oder aber, dass man gleich ein wenig mehr nach links schaut. Ich meine, Verstaatlichung ist ja dieses Jahr auch wieder schwer angesagt. Aber ich sag’s ja: Versteh einer das Wahlvieh. Vielleicht zeugt das mittlerweile einfach davon, dass man mittlerweile eh nur noch die Farbe des Sch***haufens bestimmen kann, den man anschließend an die Macht lässt. Ach Mensch!

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Die traurige Geschichte vom gewöhnlichen Günter

Montag, 6. April 2009 § 0 Kommentare

Günter war stocksauer – und wie. Konstant wutschnaubend stand er im Bad und fletschte vor lauter negativer Erregung die blutig rot gefärbten Zähne. War sicher keine allzu gute Idee, direkt nach dem Aufstehen das Zahnfleisch zu kämmen, dachte Günter, aber ach, immerhin war das alles andere als gewöhnlich. Und vom ewigen Fluch des Gewöhnlichseins, den ein jedes Mitglied der Durchschnittskaste durchzumachen verpflichtet zu sein schien (Was ein Satz, dachte Günter bei dem Gedanken immer mal. Was ein Satz!), hatte er die Schnauze gestrichen voll – derzeit zwar eher voll Blut, aber das tat im Grunde nichts zur Sache. Es ging schließlich ums Prinzip.

Dass er und sein Leben allenfalls unterer Durchschnitt, wenn nicht sogar gerade mal der Kaffeesatz waren, musste man Günter nicht erst ins Gesicht sagen. Denn das erkannte er selbst nur zu gut: Halbglatze, gespickt mit unappetitlichen Leberflecken, die sich scheinbar dazu anschickten, möglichst penetrant das Wort Verlierer in geschwungen kursivem Druck abzubilden, ausdauernde Schweißflecken in jeder Lebenslage, ein braves Ja-Sager-Gemüt, das man tagsüber, offensichtlich gewollt unbeachtet, zum Zwecke routinierter Fingerakrobatik im Cubicle inmitten eines Großraumbüros einpferchte und zu alledem intellektuell völlig untragbar. Warum also mussten Frauen ihm bei jedem fruchtlosen Blind Date ausgerechnet aus diesem Grund eine watschen? Konnten die sich nichts anderes einfallen lassen? Und dieser cholerische Boss erst! Gewöhnliche Günters bekommen eben keine Gehaltserhöhung. Dafür bekommen gewöhnliche Günters einen Extratisch in der Firmenkantine. Immerhin.

Je mehr Günter sich seiner Frustration diesbezüglich hingab, desto entschlossener wurde er in seinem am Vorabend ersonnenen Bestreben, einfach alles vollkommen anders zu tun, als andere es eben taten. Klar, anfangs war es etwas schwergängig, zum Frühstück rohe Eier aus dem Glas zu trinken, aber nach dem dritten, so hatte Günter festgestellt, war die Speiseröhre offenbar gut genug geweitet. Gerade war er dabei, das achte Ei herunterzuwürgen, als der Eierkocher ihn darauf hinwies, dass der Orangensaft fertig war. Hastig schlürfte Günter das brodelnd heiße Gesöff direkt aus dem Kocher, dabei vor Gram schmerzresistent ignorierend, dass der kochende Saft jegliches Vorhandensein von Schleimhaut in seinem Mund elegant eliminierte. Es musste eben schnell gehen. Das Büro rief.

Gerade war Günter erfolglos dabei, seinen Anzug mit der Hand vom Mief des Vortages zu befreien, als er sich entschied, dass Anzüge eigentlich überflüssig, da viel zu gewöhnlich, waren. Wozu überhaupt Kleidung tragen? War eigentlich alles nur Gewohnheitskram. Er würde einfach so erscheinen, wie Gott ihn geschaffen hatte (der Arsch, dachte Günter bei Gelegenheit). Okay, die Etikette schrieb eigentlich eine Krawatte vor. Die könnte man ja schon tragen, dachte Günter. Dann aber auf dem Rücken. Ein passendes Exemplar mit rückenhaarbetonendem Muster war schnell gefunden. Noch lag Günter bestens in der Zeit.

Jetzt blieb nur noch zu überlegen, wie er sich die Schrotflinte umhängen sollte, mit der er heute gedachte, seine Arbeit zu verrichten. Ach was, er würde sie einfach in die Hand nehmen und die Aktentasche daheim lassen. Die benötigte er so oder so nicht. In einem Cubicle konnte man schließlich nichts anderes tun, als irgendwie Wissen und Kompetenz vortäuschend, auf der Tastatur herumzuhacken. Alles viel zu gewöhnlich. Stattdessen hatte Günter sich fest vorgenommen, ein paar jener ungewöhnlichen Kollegen abzuballern, die ihn jetzt noch immer gewöhnlich erscheinen lassen könnten. Allein beim Gedanken an diese Gestalten hätte Günter sich das Kopfhaar raufen können, wäre selbiges nicht chronisch auswärtig gewesen. Wenig galant drehte er gerade die Krawatte auf den Rücken, da platzte vor lauter Wut und Erregung eine Ader in seinem Gesicht und hinterließ einen hässlich bläulichen, geschwollenen Fleck. Auch das noch. Jetzt würde er der Welt erst recht zeigen, wie ungewöhnlich er war. Wär doch gelacht!

Fast hätte er die Haustür zugeworfen, um mit nackten Füßen patschend zum Lift zu watscheln, als dem ungewöhnlichen Günter auffiel, dass auch der Lift eigentlich schon wieder zu gewöhnlich war. Er würde einfach die Wand hinab laufen. So wie dieser bunte Comictyp, der sowas wie eine Spinne war, welcher man vier Beine ausgerissen hatte. Niemand hätte den schließlich als gewöhnlich bezeichnet. Ach was, noch besser. Günter würde einfach durch die verdammte Luft zum Büro laufen. Die Luftlinie war immerhin die kürzeste, dachte er mit aller Logik, die sein sparsames Hirn hergab und tat den ersten Schritt aus dem Fenster.

Die Luft selbst war noch nicht so ganz wach und deswegen nicht wirklich auf Günters Idee vorbereitet, sonst wär das Debakel vielleicht anders ausgegangen. Etwas perplex überlegte sie, was zu tun sei, als Günter leider auch schon auf dem Beton aufklatschte. Zwanzig Stockwerke hinterließen eine ziemliche Sauerei auf der Straße, zumal Günter ausgerechnet in dem Moment aufkommen musste, als Sabine, die auf dem Weg war, ihren Ehemann mit einem knackigen Spanier zu betrügen, direkt unter ihm stand. Das gibt doppelt so viel Matsch wegzuwischen, dachte die Luft und stellte im Zusammenhang mit Sabine beruhigt fest, dass Gott kleine Sünden scheinbar doch sofort bestraft. Die Dinge hatten also wieder ihre Richtigkeit. Darauf pfiff die Luft gut gelaunt einen frischen Wind durch die müden Straßen.

Im Großraumbüro wäre derweil ein Arbeitsplatz frei geworden. Doch die Kündigung wartete heute vergebens auf Günter. Und so hatte man direkt im Anschluss an die Nachricht von seinem Tod beschlossen, in seinem Cubicle eine nette Kaffeeecke mit frischen, bunten Blumen einzurichten. Auch in der Kantine stand alles zum Besten, war doch für die gerade neu eingestellten Kollegen unerwartet ein ganzer Tisch frei geworden. Einzig Heinz von der Stadtreinigung fand, dass der Tag ziemlich beschissen begonnen hatte.

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PhanThomas schreibt zur Obamania.

Sonntag, 5. April 2009 § 0 Kommentare

Oha! Es gibt einen Gott, und er ist Amerikaner. Herr Obama, der zurzeit frechfröhlich durch die Weltgeschichte tingelt, lässt die versammelte Mannschaft der Staatsoberhäupter blasser erscheinen, als eine extraweiße Rolle Rauhfasertapete. Da kann auch unsere schnieke Kanzlerin nicht mithalten, möge ihr Zweiteiler noch so farbenfroh sein. Jede Geste seiner Majestät wird untersucht und gedeutet, jeder Handgriff wird bis ins Detail analysiert. Kleinste Fauxpas werden sofort der neugierigen Öffentlichkeit hingeklatscht und dann doch nur mit einen liebenswerten Lächeln abgetan. Ach, geht das so weiter, dann beginnt man nächste Woche wahrscheinlich, zu diskutieren, welchen Beitrag Obamas wohl geformter Stuhl zum Weltfrieden leisten könnte.

Nicht, dass mich das alles zu sehr nervt (bisher zumindest), denn es sei ihm bei seiner allgegenwärtigen Dynamik ja gegönnt. Könnte sich so manch verknöchertes Staatsgesicht durchaus eine Scheibe von abschneiden – nicht nur hierzulande. Aber mal ehrlich, man kann es mit der Berichterstattung doch auch übertreiben, oder? Also mir ist das alles ein wenig zu sehr Big Brother.

Ein wenig beänstigend ist’s zudem ja schon, dass alle diesen Mann zu mögen scheinen. Keiner hat was auszusetzen. Keiner. Da frag ich mich doch schon als alteingesessener Ami-Punkrock-Hörer, worüber soll jetzt noch gesungen werden? Ich meine, Bush hat seiner Zeit Geniestreiche wie “American Idiot” provoziert. Da hatten Künstler noch was zu sagen. Und jetzt? Geht die Welt vor lauter Freundlichkeit gelangweilt vor die Hunde? Ach.

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In eigener Sache

Samstag, 4. April 2009 § 0 Kommentare

Für all jene, die mir nicht auf Twitter folgen, die ebenfalls nicht ab und an ins iThought Nano schielen und die auch nicht auf den Inhalt der URL-Zeile ihres Browsers achten, sei es noch mal gesagt: Dieses Blog ist nun offiziell unter der Adresse www.phan-thomas.de zu erreichen. Mit voller Flexibilität und so. Soll heißen: Geht auch ohne www, und die alte Adresse funktioniert auch noch (leitet konsequenterweise aber auf die neue um). Ich weiß, es ist vermessen, das anzunehmen, aber sollte mich jemand unerwarteterweise tatsächlich gebookmarkt haben, kann er den Eintrag also gern umstellen. Vielleicht aus Nächstenliebe oder so. Oder als Anerkennung der, öhm, gigantischen Ausgaben für die de-Domain.

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Der Geschmack der Rache – Teil 6

Freitag, 3. April 2009 § 6 Kommentare

Nein, diese Geschichte war nicht etwa mit dem fünften Teil vorbei. Wie könnte ich sie so abrupt abschließen? Ich bin schließlich kein Mensch weniger Worte, zumindest nicht der geschriebenen. Aber um den gemeinen Nicht-Leser zu beruhigen: Teil 6 ist tatsächlich der letzte. One more thing. That’s it.

Was bisher geschah:
I. Die Waffe – Erstes Zwischenspiel
II. Der Anruf
III. Chuck
IV. Die Waffe – Zweites Zwischenspiel
V. Samantha

VI. Und Gerechtigkeit für alle?

Es mochten nur Minuten vergangen sein (auch wenn sie mir wie Stunden, wie Tage und schließlich wie Jahre erschienen), seit ich mich neben die Leiche meiner Tochter gehockt hatte und weinte. Neben meiner Tochter, die ich erschossen hatte. Erschossen mit dieser Pistole, geführt von meiner Hand. Ich hatte Leilas Kopf auf meinen Schoß gebettet, während meine Finger durch ihr vom Blut verklebtes Haar strichen. Nun bezahlte ich mit unzähligen Tränen für das unschuldige Leben, das in dem Krieg gefallen war, den Chuck und Samantha provoziert hatten. Aber hatten sie das überhaupt? Oder war ich es selbst gewesen, der die ersten Salven abgefeuert hatte? ich wusste es nicht mehr. Ich wusste überhaupt nichts mehr. Und auch jetzt bin ich mir, was die Schuldzuweisungen betrifft, nicht mehr sicher. Ich hatte geschossen, und das war, was einzig zählte. Es ist, was nun zählt, was immer zählen wird.

Als ich noch immer neben Leila hockte, war alles, was ich wusste nur, dass ich nicht an diesem Ort gefunden werden wollte. Ich wollte keine beschuldigenden Blicke ertragen, wenn die Polizisten mich auflasen. Wollte keine schockierten Gesichter sehen. Ich wollte nicht auf Samantha treffen, wollte nicht ihre Schreie hören, die mich ganz sicher bis in alle Ewigkeit durch die Nacht jagen würden.

Viel von dem, was ich anschließend tat, hat keinen Weg in meine Erinnerung gefunden. Die Situation hatte mich in eine Art Trance versetzt. Woran ich mich deutlich erinnere ist, dass ich das Laken letztlich über Leila ausgebreitete. Über Leila, statt über Samantha. Ich konnte sehen, wie sich der zuvor weiße Stoff langsam rot verfärbte. Auch das blieb in mir haften.

Den Brief, den ich noch am gleichen Morgen geschrieben hatte, legte ich auf Leilas verdeckten, leblosen Körper, ganz als würde ich glauben, sie könnte wieder aufwachen, ihn doch noch lesen, als könnte ich sie mit meinen Worten noch einmal zum Lächeln bringen. In diesem Moment wünschte ich mir nichts sehnlicher.

Ich erinnere mich seltsamerweise auch sehr deutlich an die Blicke der alten Nachbarin, die in ihrer Küchenschürze in der Tür stand und mich wortlos mit ängstlichen und zugleich neugierigen Augen anstarrte, als ich die Wohnung verließ. Ihr Blick fiel auf meine vom Blut besudelten Hände. Und als ich sie ansah, mit meinem schuldigen und vom Weinen geschwollenen Gesicht, mit meinen roten Händen, da verschwand sie schleunigst wieder in ihrer Wohnung und schlug hastig die Tür zu.

Das Haus ließ ich rennend hinter mir, obwohl ich noch nicht mal wusste, wohin ich laufen sollte. Wahrscheinlich würden die Bullen auch hier nicht viel Zeit benötigen, um am Tatort zu sein. Die alte Frau hatte mit ziemlicher Sicherheit die Polizei angerufen. Und selbst wenn nicht, dann hatte es einer der anderen Nachbarn getan. Doch das war jetzt egal. Es war so oder so vorbei, ganz gleich, wohin ich nun gehen würde und was ich tun würde.

Als ich schließlich wieder zu mir kam, stand ich in meiner eignen Wohnung im Esszimmer, sah auf den zertrümmerten Tisch hinab. Mir schoss der gesamte Ablauf dieses Tages wie ein Blitz durch den Kopf. Was hatte ich nur getan? Ich griff in meine Manteltasche, suchte die Pistole. Sie war verschwunden. Ich war mir sicher gewesen, sie beim Verlassen der Wohnung in die Tasche geschoben zu haben. Offensichtlich hatte ich sie unterwegs weggeworfen, ganz so, als könnte ich die Schuld einfach abstreifen, sie entsorgen, als wäre sie nichts weiter, als ein Stück zerbrochenes Geschirr. Scheiße. Jetzt hätte ich die Waffe gebraucht.

Eine Kugel würde ich benötigen, hatte ich gemeint. Nun hätte ich gern eine weitere für mich gehabt.

Aber ach, das wäre zu feige gewesen. Ich wollte nicht feige sein. Wie hätte ich Chuck und Samantha für alles, was sie mir angetan hatten, bezahlen lassen können, während ich selbst meiner eigenen Strafe entfliehe? Ich sagte bereits, dass ich an Gerechtigkeit glaube. Chuck wurde bestraft. Samantha auch. Obwohl sie lebt, ist sie von uns allen wahrscheinlich am schlimmsten dran.

Ich selbst habe meine Tochter getötet. Leila war jung, unschuldig, hatte niemandem etwas getan. Für mich würde es niemals eine angemessene Strafe geben. Meine Strafe würde das Leben sein, das Leben mit diesem unerträglichen Wissen, mit dem grässlich bitteren Geschmack der Rache, der sich mit nichts je betäuben lassen würde.

Ein Leben im Gefängnis? Von mir aus. Was machte das schon?

Wie lange stehe ich nun hier am Fenster? Ich weiß es nicht. Ich warte. Höre endlich, wie sich die Sirenen nähern. Das war‘s. Alles vorbei. Gerechtigkeit für alle. Nur nicht für Leila. Meine geliebte Leila.

Ende

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Der Geschmack der Rache – Teil 5

Mittwoch, 1. April 2009 § 2 Kommentare

Schuhe aus, die Füße hochgelegt, vielleicht eine Tasse Kaffee? Oder doch lieber Tee? Denn auch auf die Gefahr hin, dass man mir solcherlei unsinnige Dinge wie Politikverdrossenheit unterstellen könnte, präsentiere ich einmal mehr einen weiteren Teil meiner kleinen Fortsetzungsgeschichte. Wie immer gilt: Viel Spaß beim Lesen oder Ignorieren.

Was bisher geschah:
I. Die Waffe – Erstes Zwischenspiel
II. Der Anruf
III. Chuck
IV. Die Waffe – Zweites Zwischenspiel

V. Samantha

Dass Samantha eine Wohnung im Erdgeschoss bezogen hatte, kam mir gerade recht. Nachdem ich weder Polizeiautos, noch verdächtige Gestalten in der Nähe entdeckt hatte, hatte ich ursprünglich vorgehabt, einfach an der Tür zu klingeln oder, im Fall, dass Samantha nicht öffnen würde (Hatte die Polizei sie bereits angerufen?), mit Gewalt die Tür einzutreten. Stattdessen sah ich, dass die Balkontür nicht geschlossen, sondern nur angelehnt war. Schlecht für Samantha, gut für mich. Das würde die Sache leiser ablaufen lassen. Zeit, auch sie den blutigen Geschmack der Rache kosten zu lassen. Rache für siebzehn Jahre, die nun im Staub giftiger Erinnerungen nicht als Hass und Verachtung in mir auszulösen vermochten.

Wenn sich mir schon eine offene Balkontür bot, sollte Samantha mich erst recht keinesfalls zu früh entdecken. Nachdem ich dicht an die Hauswand gelangt war, erklomm ich daher von der Seite vorsichtig und leise den Balkon, schwang meine Beine über das Geländer und ging blitzschnell in Deckung. Jetzt nur nichts vermasseln, dachte ich. Ich spitzte die Ohren, horchte auf, wartete. Es waren keinerlei Geräusche zu hören, und so wagte ich es endlich, mich nach vorn zu beugen, um durch die Tür blicken zu können. Niemand war zu sehen. Was, wenn sie nicht zu Hause war, schoss es mir panikartig durch den Kopf. Eine zweite Chance würde ich vermutlich nicht bekommen.

Schnell zog ich die Waffe aus der Manteltasche, tätigte einige Handgriffe, von denen ich meinte, dass sie das Ding entsichern und durchladen würden. Eine Kugel. Mehr würde ich nicht benötigen, wenn ich es gut machte.

Ich schob eine Hand durch die Balkontür und drückte sie so leise wie möglich auf. Die Luft war rein. Ich betrat das Wohnzimmer und sah mich um. Der sehr kleine Raum wirkte selbst jetzt furchtbar beengend auf mich. Samantha hatte das Zimmer nur spartanisch eingerichtet. Eine billige Schrankwand aus einem windigen Möbelgeschäft, eine zu große Eckcouch und ein alter, zerschrammter Holztisch davor. In einer Ecke des Raumes standen Kartons. Sie brachte es also fertig, mich zu verdammen und war nicht mal in der Lage, innerhalb eines Jahres ihre Wohnung fertig einzurichten. Oder wollte sie schon wieder ausziehen? Eine gemeinsame Wohnung mit Chuck beziehen? Erneut kochte die Wut im mir hoch, schlug Blasen. Ich umklammerte den Griff der Pistole fester. Nun war ich mir sicher, dass ich sie benutzen würde.

An den Wänden hingen einige Fotos. Auf einigen Samantha. Auf anderen Samantha und Chuck. Auch Samantha und Leila. Ich war auf keinem der Bilder vertreten. Natürlich nicht. Ich musste mir das nicht länger ansehen. Die Bilder brannten mir in den Augen, machten mich traurig und rasend zugleich. Wollte die Sache beenden und verschwinden. Selbst, wenn die Bullen mich danach doch noch erwischen würden. Ich würde meine Gerechtigkeit bereits bekommen haben. Sollte das Gefängnis ruhig der Ausgleich für zwei Morde sein. Mir war es egal. Diese Rache stand mir zu, und das war eine Tatsache, die für mich in Stein gemeißelt war.

Ich war keine drei Schritte weitergegangen, als ich plötzlich leise Geräusche aus einem der Zimmer vernahm. Ich schlich bis zur Zimmertür vor und blickte in den Flur hinaus. Die Tür zu einem der anderen Räume stand einen großen Spalt weit offen. Ich konnte helle Fliesen erkennen. Schatten bewegten sich. Samantha war zu Hause. So leise ich konnte, betrat ich den Flur und bewegte mich in einem Radius um den Türspalt. Ich wollte so viel wie möglich sehen können, um vorbereitet zu sein.

Dann endlich hatte ich sie genau vor mir. Samantha stand vor dem Badezimmerspiegel und fuhrwerkte in ihrem Haar herum. Sie hatte früher schon unverhältnismäßig viel Zeit damit verbracht, ihre Frisur in Form zu bringen, hatte damit Zeitpläne platzen lassen, hatte unnötige Streits provoziert. Und hatte nach all dem Aufwand für mich doch immer gleich ausgesehen. Hätte ich mir gleich denken können, dachte ich. Wenn ich sie irgendwo erwischte, dann am wahrscheinlichsten im Badezimmer. Weiber.

Samantha stand mit dem Rücken zur Tür und ahnte nicht, dass nur wenige Meter hinter ihr das Verderben lauerte. Sie hatte mich nicht gehört. Da stand sie, fuhrt mit einer Bürste durch ihr brünettes Haar, ließ die Finger hektisch hindurch fahren. Machte sie sich zurecht, damit Chuck ihr anschließend die Frisur wieder ruinieren konnte, wenn er ihr das Hirn raus vögelte? Allein, sie nun so vor mir zu haben, ihren Bewegungen zuzusehen, machte mich krank. Ich würde sie jetzt gleich abknallen, wollte ihr nicht erst ins Gesicht sehen. Chuck zu töten, fiel mir nicht schwer. Ihn hatte ich immer gehasst. Doch Samantha hatte ich einst geliebt und ich wollte nun nicht riskieren, dass sie mein Vorhaben allein dadurch zerstörte, dass sie mich ansah und mir so die Kraft nahm. Sie hatte mir schon genug geraubt. Den Tod hatte sie verdammt noch mal verdient.

Erneut pressten sich meine Finger fest um den Griff der Pistole. Langsam hob ich den Arm, streckte ihn durch. Jetzt zielte mit der Pistole genau auf Samanthas Hinterkopf. Ein letztes Mal atmete ich tief ein. Hielt die Luft an. Ich wollte meinen Kopf frei bekommen, stellte dabei fest, dass er bereits völlig klar war. Keine unpassenden Gedanken störten meine Sinne. Ich sah Samantha über die Waffe hinweg. Sah, wie sie ihre letzte Bewegung ausführte. Dann drückte ich ab.

Dass der Knall der Waffe so laut sein würde, hatte ich nicht erwartet. Der Schreck nahm mir die Konzentration, ließ mich zurückzucken. Dann sah ich wieder hinüber zum Badezimmer. Ein grotesk großer, roter Fleck aus Blut und Hirnmasse klebte an den zuvor so sauberen Fliesen und bahnte sich gerade mühsam den Weg nach unten. Samantha lag bewegungslos am Boden. Ihr unnatürlich verrenkter Körper lag mit dem Gesicht nach unten in der größer werdenden Blutlache, die vom Kopf ausging. Samantha war tot. Es war endlich vorbei.

Der Schuss hatte ein Pfeifen in meinen Ohren verursacht, und mir war klar, dass wirklich jeder hier in diesem Mietshaus mit seinen verdammt dünnen Wänden hellhörig geworden sein musste. Ich drehte mich weg, rannte zurück ins Wohnzimmer, wollte durch die Balkontür verschwinden, wie ich gekommen war, als mir die Fotos an der Wand wieder ins Auge fielen. Samantha und Leila. In all der Rage, die mich gefangen gehalten hatte, hatte ich Leila ganz vergessen. Meine arme Leila. Sie würde einen riesigen Schock bekommen, wenn sie ihre Mutter so finden würde.

Es war dieser Moment, in dem mich erste Schuldgefühle überkamen. Samantha tat mir keinesfalls leid, sie hatte ihr Schicksal selbst geschmiedet. So hätte sie niemals jemanden behandeln dürfen. Nicht mich und auch niemanden sonst. Doch nun hatte ich auch Leilas Leben zerstört. Was hätte ich nun noch für sie tun können? Alles, was mir einfiel war, dass ich meiner Tochter zumindest den Anblick erleichtern konnte. Sie sollte nicht auf zerfetzte Gehirnbrocken blicken müssen, die im Betriff waren, an den Badezimmerfliesen festzutrocknen. Das zu verhindern, war das Mindeste, was ich für Leila tun konnte. Keine Wiedergutmachung, doch die war sowieso ausgeschlossen. Das wusste ich selbst jetzt sehr genau.

Ich eilte durch die Wohnung, suchte ein Tuch, eine Tischdecke, irgendwas. Dann fiel mir die Couch wieder ein: Über die Couch war ein Bettlaken ausgebreitet. Samantha musste im Wohnzimmer geschlafen haben. Wahrscheinlich hatte sie Leila das Schlafzimmer der kleinen Wohnung überlassen. Bei mir hätte sie es besser gehabt. Ich riss das Laken von der Couch, knüllte es zusammen und rannte zurück ins Badezimmer.

Mittlerweile schwamm hier alles im Blut. Ich konnte nur das Nötigste abdecken, musste mich beeilen. Meinen Blick auf Samanthas zusammengesackten Körper geheftet, stellte ich fast schon beängstigt fest, dass ich noch immer kein Mitleid für sie empfinden konnte. Ich suchte jedoch auch gar nicht erst bewusst in mir danach. Hatte sie Mitleid für mich gezeigt? Sie hatte es selbst nicht anders gewollt. Ich riss meine Gedanken los, machte weiter. Das Laken ausbreitend, beugte ich mich herunter, wollte Samantha auf den Rücken drehen, ihren Körper abdecken, als ich plötzlich erstarrte.

Leila! Ich ließ das Laken los. Das konnte nicht sein. Vor meinen Augen tanzten schwarze Punkte, machten das grausige Bild undeutlich, das sich mir bot. Die Realität schien sich aufzulösen. Ich spürte, wie mir jemand die Fliesen unter den Füßen wegzog, verlor das Gleichgewicht, setzte mich unsanft auf den Boden. Vor mir lag meine Tochter, mit aufgerissenem Schädel, mit Stücken von Hirnmasse und weiß schimmernden Knochensplittern im Gesicht. Und ich saß neben ihr, hockte in ihrem Blut. Mein Verstand schien mit mir Ping Pong zu spielen. Wenn ich nur versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen, schien es, als würde er sofort wieder hinfort geweht. Ich schlug die Hände vor dem Gesicht zusammen, schloss die Augen, versuchte, mich zu beruhigen. Ich fühlte, wie mein Herz raste, wie es fast zu explodieren drohte.

Scheiße noch mal, reiß dich zusammen, sagte ich mir immer wieder. Ich öffnete meine Augen, sah Leila an. Mein Verstand schien zu begreifen. Tränen schossen mir in die Augen, machten das scheußliche Bild gnädigerweise unklar. Wie zur Hölle konnte Leila hier sein, war die Frage, die mir nun in den Kopf fuhr. Wie nur? Sie hätte in der Schule sein sollen. Mir fiel wieder ein, dass sich sie eigentlich später abholen wollte. Mir fiel ein, dass ich ihr einen Brief geschrieben hatte. Alle Kräfte verließen mich.

Es war dieser Augenblick, in dem mich das Gefühl überrannte, jemand würde ein ganzes Meer über den schwelenden Brandherd der Wut in meinem Verstand kippen. Ihre Erscheinung – ganz die Mutter, dachte ich plötzlich wieder. So oft hatten die Leute ihr das gesagt. Ich hatte Leila für Samantha gehalten. Ganz die Mutter. Den Sturkopf vom alten Herrn. Unter Tränen brach ich zusammen, schrie. Ich schrie meine Wut heraus, meinen Schmerz, einfach alles. Ich brüllte so laut, wie ich konnte, und es war mir egal, ob mich die ganze Welt hörte. All der Hass, der Zorn, der Unverstand, fielen von mir ab, flohen feige durch die Hintertür, ließen mich nackt in der Haut unerträglichen Kummers zurück.

Doch anders, als ich es mir in dem Moment gewünscht hätte, betäubte mich der brennende Schmerz keinesfalls. Stattdessen warf er mich gnadenlos zurück in die klare Kälte der Welt, die mich umgab. Ausgerechnet jetzt musste die Vernunft wieder Einzug halten, breitete sich in atemberaubendem Tempo in meinem Kopf aus, schickte sich an, verbrannte Erde wieder fruchtbar zu machen.

Ich spürte, wie Hitze in mein Gesicht fuhr, wie meine Augen unter all den Tränen brannten. Nun hockte ich in dieser Horrorversion von Samanthas Badezimmer, umgeben von dem Gestank geliebten Blutes, nicht länger vom Rausch meiner Wut betäubt, sondern völlig nüchtern und in dem Wissen, dass ich Leila erschossen hatte. Dass ich meine eigene Tochter ermordet hatte.

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Der Geschmack der Rache – Teil 4

Dienstag, 31. März 2009 § 0 Kommentare

Tunnelblickend werden weiterhin sämtliche Nachrichten unkommentiert gelassen, jegliches Tagesgeschehen fällt dem Strudel des Vergessens zum Opfer, für das Nötigste bleibt dieser Tage Twitter. Warum das alles? Nun, der Titel dieses Posts sagt es: Der vierte Teil unserer kleinen Geschichte möchte erzählt werden. So what!?

Was bisher geschah:
I. Die Waffe – Erstes Zwischenspiel
II. Der Anruf
III. Chuck

IV. Die Waffe – Zweites Zwischenspiel

Ich bewegte mich schnellen Schrittes durch die eng angelegten Seitenstraßen, immer so nah wie möglich an den Häuserwänden entlang. Ich rannte jedoch nicht. Achtete auf meinen Gang. Wollte kein Aufsehen erregen, solange es nicht sein nötig war. Die Wut loderte noch immer vernichtend in mir, brannte jegliches Aufkeimen eines vernünftigen Gedankens augenblicklich nieder, schärfte dafür meine Instinkte. Machte mich nur berechnender. Kälter. Machte mich zum Tier. Chuck hatte die Büchse der Pandora geöffnet und die Quittung dafür bekommen. Ich hatte sein Leben geraubt, nachdem er mein eigenes gestohlen hatte. Auge um Auge. Rache ist Gerechtigkeit. Wohlschmeckende Gerechtigkeit.

Ich war keine Meile weit gekommen, als ich die verdammte Sirene hörte. Ob man Chuck etwa schon gefunden hatte, dachte ich reflexartig. War gut möglich, schließlich war das ganze Gerangel in seiner Bruchbude nicht eben leise abgelaufen. Im Gegenteil. Hatte geschrien wie am Spieß, als ich dabei gewesen war, Sägemehl aus seiner Visage zu machen. Dazu der abgebrochene Schlüssel. War eher ein Hinweis, als ein Hindernis. Wohl keine gute Idee gewesen, dachte ich, konnte es nun aber auch nicht mehr ändern.

Als das Heulen der Sirene sich bedrohlich näherte und es voraussehbar wurde, dass der Einsatzwagen, egal ob Ambulanz oder Polizei, gleich an mir vorüber rauschen würde, schlug ich mich blitzartig in die Büsche, die mir, nach hektischem Absuchen der umliegenden Gegend, direkt neben einem hübsch gestalteten Gebäude zu meiner linken ins Auge gefallen waren. Im Sprint, vorbei an dem großen Schild vor der Eingangstür, nahm ich wage wahr, dass es sich um die Praxis eines Psychiaters handelte. Wie passend, denke ich heute. Hätte wohl gleich hineingehen und mich auf die Couch legen sollen.

Stattdessen ging ich in sicherem Abstand zur Straße beobachtend in Deckung und wartete, bis die Polizei (es waren also doch die Bullen, gleich mehrere Autos) an mir vorüber gezogen war und sich wieder entfernte. Wenige Augenblicke später verstummten die Sirenen. Scheiße.

Mir war sofort klar, dass sie tatsächlich bei Chuck gehalten haben mussten. Irgendein verdammter, besorgter Nachbar. Hatte damit gerechnet, jedoch nicht so schnell. Wie lange sie wohl brauchen würden, um von Chuck auf Samantha und schließlich auf mich zu kommen, dachte ich. Und ich wusste, dass mir jetzt wirklich die Zeit davon lief.

So richtete ich mich auf und wollte gerade los laufen, als mein Fuß gegen einen harten Gegenstand. Ich sah in einem Reflex nach unten und entdeckte die von Sand und Laub schmutzige Pistole. Einfach so. Neben dieser Praxis. Zuerst hielt ich sie für eine reine Halluzination. Hirngespinste hätten mich echt nicht sonderlich verwundert. Das Ergebnis einer Panikreaktion. Stand unter Stress. Schließlich musste ich davon ausgehen, dass ich jetzt einen riesigen Trupp Polizisten an den Hacken hatte.

Wie die Waffe hierher gelangt war, was wohl ihre Geschichte gewesen sein mag, würde wohl ihr Geheimnis bleiben. Hatte keine Zeit für Nachforschungen oder wilde Spekulationen. Keine Zeit für Geschichten.

Vielleicht war es am Ende sogar die Tatsache, dass mich die Polizei zur Eile antrieb, die mich dazu bewegte, die Waffe überhaupt mitzunehmen, daran zu denken, sie einzusetzen. Das Geplänkel mit Chuck hatte zu lange gedauert. Bei Samantha musste es schneller gehen, wenn ich die Sache zum Ende bringen wollte.

Nun rannte ich also doch.

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Der Geschmack der Rache – Teil 3

Dienstag, 31. März 2009 § 0 Kommentare

Willkommen zu einer neuen Lektion in der Reihe “Wie vergraule ich meine Stammleserschaft?”. Heute machen wir weiter mit Teil 3 meiner Geschichte. Sollte sich jemand bisher gelangweilt haben: Jetzt gibt’s ein bisschen Action…

Was bisher geschah:
I. Die Waffe – Erstes Zwischenspiel
II. Der Anruf

III. Chuck

Als ich das enge, düstere Treppenhaus hinaufstieg, hatte ich den Eindruck, als wäre die größte Woge der Wut, die mich zuvor überrollt hatte, bereits wieder abgeflaut. Das kam mir gerade jetzt sehr recht, denn ein klarer Kopf war schließlich die Voraussetzung, wollte ich mit Chuck auf die Art und Weise reden, die ihn einschüchtern und mir Genugtuung verschaffen würde.

Viertes Stockwerk. Sein Name stand in unleserlichen Buchstaben auf dem verschmutzten Klingelschild. Ich drückte auf den quietschenden Klingelknopf, und ein unheimlich schriller Ton erklang. Passt perfekt zu Chucks Stimme, dachte ich und mir schien, als hätte ich fast schon wieder ein wenig gute Laune.

Ich hörte, wie eine Tür zugeschlagen wurde. Hatte ich den armen Chuck beim Onanieren gestört? Beim Studieren von Wurstkunde? Oder war Sam gar bei ihm? Dann würde ich gegen das dynamische Duo antreten müssen. Ein schwerer Stand, doch so sei es, dachte ich. Ich würde halt zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Vorsichtig wurde die Tür einen Spalt weit geöffnet. Chucks Glotzauge schob sich vor. Erkannte mich. Chuck öffnete die Tür und sah mich ungläubig an. Dann schien ihm klar zu werden, weshalb ich gekommen war, und ich konnte an seiner Visage sehr deutlich ablesen, dass er gerade die Augen verdrehen wollte, es dann aber doch für keine allzu gute Idee zu halten schien. Besser so. Die ersten roten Fünkchen sprühten wieder vor meinen Augen.

“Oh, du hast den Anrufbeantworter abgehört, was?” sagte er in sehr herablassendem Tonfall. “Also pass auf, ich hab keine Lust, mit dir darüber zu diskutieren. Nicht, wenn Sam nicht dabei ist.”

Sam – er nannte sie so, wie ich sie einst liebevoll genannt hatte. Besonders, wenn wir unter uns gewesen waren, im Bett. Ich hasste es, wenn seine eklige Stimme den Namen aussprach. Es klang fast wie eine Beleidigung. Perlen vor die Säue, dachte ich.

“Du solltest lieber wieder gehen”, sagte Chuck und war doch tatsächlich gerade im Begriff, mir die Tür vor der Nase zuzuknallen. Aber so leicht wollte ich ihn nicht davonkommen lassen.

“Nicht so schnell, Freundchen”, sagte ich und schob rasch einen Fuß in den Türspalt. Durch die Öffnung sah ich, wie Chuck seine hässlichen Schweinsaugen aufriss. Er fühlte sich offensichtlich provoziert, wollte sich mit seinen feigen Mitteln zur Wehr setzen. Gleich würde sein Geplärr wieder beginnen.

“Das- das ist Hausfriedensbruch”, plärrte er. “Wenn ich Sam erzähle, dass du mich bedrohst, kannst du dich auf was gefasst machen. Dann wirst du Leila überhaupt nicht mehr sehen. Du wirst-”

Ich hörte schon gar nicht mehr, was er von sich gab. Leila war das Stichwort gewesen. Chuck der Wurstfachverkäufer hatte es geschafft, das Glimmen in meinem Gemüt wieder auflodern zu lassen. Schlimmer noch: Er hatte einen verheerenden Buschbrand entfacht. Nachdem er Leila auf seine schmutzige Art ins Spiel gebracht hatte, spürte ich deutlich, wie tief in meinem Inneren ein gigantisches Pulverfass explodierte, hörte das gefühlte Geräusch, als wenn dicke Stränge der Vernunft rissen.

Würde man mich nun danach fragen, könnte ich sehr genau erklären, wie es sich anfühlt, wenn man plötzlich und vollkommen unerwartet den Verstand verliert. Denn genau dies war geschehen. Chuck hatte jegliche Rationalität meines Denkens in einen vollkommen unpassenden Urlaub geschickt und sollte nun die Rechnung kassieren.

Ich holte weit aus und schlug mit der flachen Hand die Tür auf. Dabei konnte ich sehen, wie die Türkante mit voller Wucht gegen Chucks Gesicht schlug. Eine Blutfontäne schoss aus seiner Nase, während er einen erstickten Schrei von sich gab und rückwärts taumelte.

“Das wirst du bereuen”, brabbelte er in nasalem Ton und ließ den Arm ziemlich benommen vorfahren, um mir einen Haken zu verpassen. Ich versuchte auszuweichen, wurde jedoch trotzdem am Unterkiefer getroffen. Stechende Schmerzen ergossen sich, flossen durch jeden Nerv meines Körpers, um sich schließlich geballt in meiner linken Gesichtshälfte zu sammeln. Das Schwein hatte es offensichtlich geschafft, mir den Kiefer zu brechen.

Statt mich zur Vernunft zu bringen, mir vielleicht eine Abkühlung zu verpassen, stachelten mich die Schmerzen nur weiter an. So holte ich wiederum aus und bohrte meine Faust mit aller Kraft in Chucks Gesicht. Noch immer vom Schlag der Türkante benommen, unternahm er nicht einmal den Versuch, sich zu wehren. Ich spürte, wie seine Zähne unter der Wucht des Aufpralls brachen. Ein Schwall Blut sickerte aus seinem Mund, als hätte er sich gerade dazu entschlossen, seine Eingeweide auszukotzen.

Chuck wankte von links nach rechts, hob dann langsam den Kopf, sah mich wütend an. Plötzlich hatte er sich entschlossen, zurückzuschlagen. Ihm in seinem jetzigen Zustand auszuweichen, war nun jedoch alles andere als schwer, und so verprügelte er nur noch die Luft. Und so unfassbar es auch wirkte, er faselte noch immer vor sich hin, und die Worte Sam, Leila und Gericht waren seinem zerschlagenen Mund deutlich zu entnehmen.

Warum hielt er nicht einfach das Maul? Ich würde es ihm scheinbar endgültig stopfen müssen, damit er die verdammte Fresse geschlossen ließ. Nie zuvor in meinem Leben hatte ich solchen Hass auf einen Menschen verspürt. Ich packte Chuck an den Haaren, nahm alle Kraft zusammen, die ich aufbringen konnte, und schlug seinen Kopf mit dem Gesicht voraus gegen die Wand. Er hinterließ einen großen, roten Fleck aus Blut und Sabber und sackte sofort zusammen, ganz so, als besäße sein Körper plötzlich keine Knochen mehr.

Trotz des urgewaltigen Wutrausches, der mich in diesem Augenblick völlig wirr machte, habe ich noch ein Bild dieser Situation vor mir. Und ich bin überzeugt davon, dass mir meine Wahrnehmung in diesem Moment einen grotesken Streich spielte. Doch in jenem Augenblick sah ich, was ich nun mal sah: Chuck drehte sich mühsam auf den Rücken, blickte mit seinen zugeschwollenen, und doch noch immer ekelhaft glotzenden, Augen zu mir hoch. Selbst jetzt konnte ich in dem Blick, den er mir zuwarf, die arrogante, spottende Verachtung entdecken, die er mir seit jeher entgegenzubringen pflegte. Ein Blick, mit dem er mir stets gesagt hatte, dass ich alter Kerl es einfach nicht brachte und dass er es Samantha schon kräftig besorgen würde. Nun jedoch schien dieser Blick zu sagen, dass er mir Leila jetzt endgültig wegnehmen würde, dass er ihr ein besserer Vater sein würde, als ich es jemals war. Mochte dies auch eine Sinnestäuschung gewesen sein, so war es doch eine sehr mächtige, die ausschlaggebend für alles war, was ich anschließend tat.

Zähnefletschend krampfte ich zusammen, hob langsam das Bein und schmetterte meinen Fuß in Chucks Gesicht. Ich vernahm ein knirschendes Geräusch und sah weitere Stücke von Chucks Zähnen über den Fußboden fliegen. Chuck rührte sich kaum noch, und in jenem Augenblick war klar, dass ich ihn nicht am Leben lassen würde. Es gab keinen Beweggrund, kein Motiv dafür, ihn nun tatsächlich umzubringen. Es war einfach nur purer Hass, der mich antrieb. Nicht mehr. Dieses Arschloch hatte es geschafft, sämtliche Emotionen in mir auf die niedrigste Ebene zu reduzieren. Ich wollte Chuck vernichten. Musste ihn vernichten.

Also schleifte ich Chuck, der in seinem fast regungslosen Zustand nur noch unverständliche Laute von sich gab, durch den Flur, als wäre er nichts weiter, als ein zu schwer geratener Müllsack. Ich öffnete eine Tür und stand plötzlich in seiner Küche. An einer Pinnwand gegenüber der Tür hing ein großes Foto, auf dem Chuck zusammen mit Sam in die Kamera lächelte. Ein typisches Jahrmarktsfoto: Beide waren eingepackt in dicke Jacken. Vor sich hielten sie eine große Portion Zuckerwatte. Glückliche Blicke. Die Nasen von der Kälte gerötet.

Es war dieses Foto, das dazu führte, dass mir Samantha überhaupt erst wieder in den Sinn kam. Zuvor war ich so sehr auf Chuck fixiert gewesen, dass mein ganzer Hass nur ihm gegolten hatte. All meine Gedanken waren nur auf ihn gerichtet gewesen, darauf, es diesem Ekelpaket heimzuzahlen. Doch jetzt stand fest, dass auch Samantha ihr Schicksal besiegelt hatte. Ich würde sie beide zerstören. Würde sie aus meinem Leben tilgen. Sie hatten ihren verhöhnenden Tanz lange genug auf den Scherben meines Daseins aufgeführt.

Zuvor allerdings musste ich mich noch um Chuck kümmern. In aller Eile hatte ich beschlossen, ihn aus dem Küchenfenster zu werfen, hoch genug war es schließlich. Doch dann begann er, wieder lauter zu stöhnen, zu ächzen und den Kopf von einer Seite zur anderen zu werfen. Er kam langsam zu sich, was ich nicht zulassen wollte. Nicht zulassen konnte. Ich wollte seine Stimme nicht länger hören, wollte ihn nicht mehr ertragen müssen, nicht heute und nicht morgen. Nie wieder. Meine Blicke wanderten hektisch durch den Raum, suchten nach einer Lösung.

Die Lösung schließlich sollte ich finden. So beigefarben wie unauffällig, stand sie auf der Arbeitsplatte, diese recht altertümlich aussehende Brotschneidemaschine. Nun wanderten meine Blicke abwechselnd zu Chuck und zurück zu der Maschine. Dann ließ ich Chucks Bein, das ich noch immer festhielt, fallen. Wie ein Stein fiel es zu Boden. Chuck begann, sich mehr und mehr zu winden. Es schien, als würde er nun deutlich schneller wieder zurück ins Bewusstsein finden. Jetzt musste alles sehr schnell gehen.

Ich brach die Sicherheitsabdeckung aus Kunststoff von der Brotschneidemaschine ab, so dass das Sägeblatt frei lag und drückte auf den Netzschalter. Nichts. Der Stecker war nicht in der Dose. Das war schnell behoben, und schon begann die Brotschneidemaschine, sich laut surrend in Bewegung zu setzen.

Vielleicht ahnte Chuck, was ihm blühte, jedenfalls versuchte er tatsächlich, mit letzten Kräften auf die Beine zu kommen. Ich half nach, zog ihn an den Haaren hoch und schlug seinen Kopf kräftig auf die Arbeitsplatte. Wieder spritzte Blut durch den Raum. Er verdrehte benommen die Augen, wollte sofort wieder in sich zusammensacken, doch das ließ ich nicht zu.

Ich hielt ihn oben, schob ihn auf die Arbeitsplatte und drückte sein Gesicht langsam in das Sägeblatt der Brotschneidemaschine. Kräftiger Motor, keine Sicherheitsblockierung. Tatsächlich eine alte Maschine, dachte ich. Chucks Körper zappelte, als stünde er unter Strom. Er schrie. Ich sah zu. Ja, ich genoss es irgendwie. Sah, wie sich das Sägeblatt gierig in sein Gesicht hineinfraß, wie es genüsslich ratternd sein zuvor doch so jugendlich wirkendes Antlitz zerstörte. Und noch immer schwelte der pure Hass in mir. Nun gab es endgültig kein Zurück mehr. Ich drückte fester. Adrenalin sprudelte durch meinen Körper, spendete mir Freunde. Schenkte Genugtuung. Es war nur gerecht.

Die Schreie waren bereits verstummt, als Chucks letzte Zuckungen endlich abebbten. Sein Oberkörper lag nun regungslos auf der Arbeitsplatte, umgeben von einer großen Lache seines eigenen Blutes. Die Küche sah aus wie ein Schlachthaus. Die Wand war rot gesprenkelt, ich ebenso. Chucks Gesicht – nur noch ein Haufen Matsch. Chuck der Wurstverkäufer war tot. Chuck der Fleischsalat, dachte ich. Sollte er sich doch selbst verkaufen. Eins fünfzig für hundert Gramm. Ich lachte laut.

Ich weiß nicht, wie lange ich dort in der Küche stand, doch mehr als ein paar Minuten dürften nicht ins Land gezogen sein. Ich sah auf mein Werk hinab, und nun, da der Blutrausch spürbar von mir abließ, war es mir egal, welch widerwärtiges Bild sich mir darbot. Ich sah auf mich selbst hinab, und meine blutbefleckte Kleidung war mir ganz und gar nicht nicht egal. Das Badezimmer musste ich in dieser kleinen Bruchbude nicht lange suchen. Ich wusch hastig meine Hände und mein Gesicht. Mit all den Blutspuren würde ich draußen sicher nicht weit kommen, dachte ich.

Anschließend durchsuchte ich Chucks Wohnung nach frischen Klamotten, die ich mir überwerfen konnte. Ich fand einen schwarzen, langen Mantel. War mir gut genug. Zwar war es draußen nicht gerade kalt, doch unpassende Kleidung würde sicher weniger auffallen, als mit Blut beschmutzte.

Nachdem auch das erledigt war, wollte ich gerade hektisch aus der Wohnung stürmen, als mir der Schlüsselkasten neben der Haustür auffiel. Ich probierte einige Schlüssel an der Tür aus und fand schließlich den passenden. Dabei entdeckte ich auch einen einzelnen Schlüssel, an dem ein Namensschild befestigt war. Samantha, stand in geschwungenen Lettern darauf. Wie passend, dachte ich und steckte den Schlüssel ein.

Nachdem ich die Wohnungstür hinter mir zugeschlagen hatte, schob ich den Schlüssel ins Schloss, drehte ihn zweimal herum und sorgte anschließend mit einigem Nachdruck dafür, dass er abbrach. Den Rest des abgebrochenen Schlüssels ließ ich in meiner Hosentasche verschwinden und rannte anschließend die Treppenstufen hinab.

Bis zu Samanthas Wohnung waren es keine drei Meilen. Ich würde zu Fuß gehen, dabei die Nebenstraßen nehmen. Sie sollte mich nicht schon von der Hauptstraße aus kommen sehen.

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Wo, zum Henker, bin ich?

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    PhanThomasPhanThomas ist der nicht ganz anonyme Autor dieses Weblogs. Er befasst sich laienhaft mit allem, was gesellschaftspolitisch oder sonst wie von Interesse sein könnte. Sein schlecht recherchiertes Halbwissen kaschiert er durch die willkürliche Einstreuung von mäßig verschnörkelten Artikeln zu seiner eigenen Wenigkeit, die er mit Vorliebe in der dritten Person verfasst.
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