Saubere Städte, Kunst & Froschmenschen

Mittwoch, 25. April 2012 § 14 Kommentare

graffitijd Saubere Städte, Kunst & FroschmenschenFakt ist, ich mag keine sauberen Städte. Natürlich habe ich nichts dagegen, eine gerade Strecke von mindestens zehn Metern geradeausgehen zu können, ohne meine Sohle zwischendurch in den Hinterlassenschaften eines Terriers wälzen zu müssen, aber so insgesamt verspüre ich doch eine Abneigung gegen allzu saubere Orte.

Mit sauberen Städten ist es so eine Sache. Sie erinnern mich unweigerlich an eine realgewordene Version Lovecraftscher Geschichten wie »Schatten über Insmouth«. Und wer weiß denn schon, ob Menschen aus allzu sauberen Orten nicht tatsächlich böse Froschmonster sind, die sich mittels gestohlener Häute als Menschen tarnen, um arglosen Besuchern das Fell über die Ohren zu ziehen? Denn Fakt ist auch, Bewohner sauberer Städte haben keinen Grund, sich über die Unsauberkeit ihres Orts zu beschweren. Sie haben damit mehr Hirnkapazität frei und freie Hirnkapazität bewirkt beim Menschen selten Gutes. Kurzum: Menschen aus sauberen Orten hecken ganz bestimmt was aus.

Ich habe übrigens auch gar kein Problem damit, wenn irgendwelche herumkrakelenden Hauswarte um den Block rennen, um mannshohe Ratten zu verscheuchen, die sich andernfalls eisenbahntunnelgroße Löcher durchs Mauerwerk direkt in meine Küche bahnen würden. Ich habe nichts dagegen, wenn Kaugummis von den Gehsteigen entfernt werden, was mir ärgerliche Artistik à la »Stock am Schuh« erspart. Aber gegen zu viel Ordentlichkeit habe ich dann doch was.

Wohnhäuser müssen nicht Reih an Reih pastellfarben gepinselt werden, bis sie aussehen wie zu groß geratene Eisportionen. Schlimmer noch: Hauswände brauchen auch keine neunmalklugen Wandtattoos, die von der Hausverwaltung wagemutig als Kunst bezeichnet werden. Kunst ist es nämlich, ein mäßig schönes Graffiti handwerklich halbwegs ordentlich und in immerhin drei Farben an eine Hauswand direkt neben der Eingangstür zu klieren, während die Bewohner gefühlt alle fünf Minuten ein und aus gehen – und das rund um die Uhr -, und sich dabei dann auch noch nicht erwischen zu lassen (siehe Bild oben). Ja, das ist Kunst, liebe Leute. Kein doofes Wandtattoo in Elefantengröße, das mir was über Zukunft und Gegenwart verklickern will. Bla bla.

Wie gesagt, ich mag keine sauberen Orte. Da wird nur unnötig viel ausgeheckt von bösen Froschmenschen. Und hier in der Gegend wird’s in letzter Zeit einfach zu sauber. Ich kann das nicht gutheißen. Wenn demnächst die Nachbarn irgendwie komisch gucken und sabbern, dann zieh ich aber aus.

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Adrett, langweilig und schmierig wie Arsch

Mittwoch, 18. April 2012 § 6 Kommentare

arschs Adrett, langweilig und schmierig wie ArschSeit knapp zwei Jahren lebe ich inzwischen in Berlin. Und nicht nur, dass die Stadt, dieses Monstrum, niemals schläft, ich habe auch den Eindruck, sie bewegt sich schneller an mir vorbei, als ich mich durch sie hindurch bewegen könnte. Nicht nur, weil die Berliner Bauarbeiter besonders fleißig sind und dauernd irgendwo tiefe Löcher buddeln müssen, nein, es ist ein struktureller Wandel, nicht nur fühlbar, sondern durchaus sichtbar. Ja, in dieser kurzen Zeit.

Graue Hausfassaden, die vorher von wildem Wein und noch wilderen Graffitis geziert wurden, bekommen ordentliche, pastellfarbene Anstriche, werden plötzlich als »beste Lage« bezeichnet. Der Billigsupermarkt um die Ecke, aus dem morgens um zehn die Großmutter mit dem Einkauf in der einen und ‘ner Bierflasche in der anderen Hand herausspazierte? Weg. Da steht jetzt ein sündhaft teurer Biomarkt mit chicer Innenraumausleuchtung und hippen Produkten aus hippen Körnern. Kennt jemand das Tacheles? Nicht? Macht nichts, stehen eh die Bagger vor. War vorher schon kommerzialisierte Tourischeiße? Na und, mir doch egal, wer sagt, dass man an alternativen Kunstprojekten nicht verdienen darf? Tut eh nichts mehr zur Sache. Immer mal wieder sieht man Plakate an Balkons, auf denen gegen Wohnungsrauswurf, Vertreibung und vermeintliche Kiezverschandelung durch neue Bauprojekte protestiert wird. Und ich? Inzwischen wurde aus meiner Wohnung eine völlig überteuerte Eigentumswohnung gemacht. Natürlich längst verkauft. Ein paar Jährchen kann ich noch bleiben, dann muss ich gehen. Wen interessiert’s, ist eh zu wenig Tageslicht hier drinnen – beste Lage halt. Kein Grund zu weinen, durchaus aber ein Grund, sich Gedanken zu machen.

Gedanken über Mietpreise zum Beispiel, die nur noch einen Weg zu kennen scheinen: steil und steiler nach oben. Und das ist es, was man spürt. Die Veränderung, die man sieht. Was will man aus Berlin machen, fragt man sich. Ein zweites München? Nichts gegen München, ich war dort nie, unabhängig davon, sollte ein Berlin doch ein Berlin bleiben. Eine Stadt der Gegensätze, ein besonderes Lebensgefühl, das man nicht nur atmet, weil es hier oftmals nach undefinierbaren Ausdünstungen stinkt. Wenn im Sommer keine alten Herren mehr auf dem Gehsteig sitzen und Brettspiele spielen, dann ist das vielleicht nicht der Untergang des Abendlandes, traurig jedoch ist es allemal irgendwie.

Wenn es aber so weitergeht wie jetzt, sich die unzähligen Umzugsdienstleister, die mit ihren Flyern meinen Briefkasten verstopfen, weiterhin preislich unterbieten können, weil die Kundschaft so groß ist, dann werde ich wohl noch miterleben, wie aus dieser Stadt ein Eldorado für Besserverdiener wird, die sich innerhalb des S-Bahn-Rings tummeln werden. Und alle anderen? Dürfen gern zu Besuch kommen, aber bitte bloß nicht mehr hier wohnen und abends wieder verschwinden.

Eine der berühmtesten Aussagen über Berlin ist wohl immer noch: »Arm aber sexy«. Zumindest gefühlt gilt doch das schon heute nicht mehr. Reich wird Berlin vermutlich nie sein, zu groß die Strukturunterschiede innerhalb der Stadt, zu aufwendig der vernachlässigte Aufbau des Ostteils, zu abseits die Lage, so mitten im Niemandsland Brandenburg. Bald ist Berlin vielleicht nur noch ein bisschen arm, dafür dann aber ausgestattet mit der Ausstrahlung eines McKinsey-Beraters: Adrett, langweilig und schmierig wie Arsch.

Lebensgefühl? Kultur? Wen interessiert schon Kultur, wenn man sie doch im Portmonee hat? Ist dann vielleicht ein bisschen wie in Stuttgart. Zumindest dazu fällt mir nämlich was ein, ich habe dort schließlich gelebt. Sicher irgendwie schön da. Bestimmt. Aber für mich einmal und nie wieder bitte. Und nun nicht hier auch noch.

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Auf den Bus gekommen.

Donnerstag, 3. November 2011 § 2 Kommentare

busberlin Auf den Bus gekommen.

Als Erwachsener muss man sich immerzu ausruhen. Ist man ein Kind, dann sieht das ganz anders aus: Auf einen Tag voller Anstrengung kann ruhig ein weiterer Tag voller Anstrengung folgen, kann ruhig ein weiterer Tag voller Anstrengung folgen, kann ruhig … und immer so weiter. Voller Energie, ein wandelndes Atomkraftwerk in bunten Shirts und mit Cappy auf dem Kopf. Aber als Erwachsener, da muss man sich dauernd ausruhen. Von all den … hmm, ja, wovon überhaupt genau?

Vielleicht weil man sich als Erwachsener dauernd den Kopf zerbricht. Schließlich muss ein fachgerechter Erwachsener ja wissen, wo er bleibt und vor allem, wie er am schnellsten unglaublich reich werden kann.

Nun bin ich ja kein Kind mehr, trage selten Shirts und niemals Cappys, drum zerbreche ich mir eben den Kopf über Dinge und so kam ich heute im Bus darauf, dass ich doch eigentlich Dienstleister für die Korrektur von Lichtschranken an Mittel- und Hintertüren von Bussen werden könnte. Wer in Berlin lebt, der kennt den Spruch: »Bitte mal aus der Tür gehen, sonst können wir nicht weiterfahren!« Das »Bitte« entfällt übrigens auch gern mal. Problem ist, dass die Türen in den Bussen nicht schließen, wenn jemand zu nahe an ihnen herumsteht. Der übliche Tourist weiß nicht, dass »zu nahe« auch schon mal ein Abstand von einem Meter sein kann. Bei überfüllten Bussen wird’s sogar fast zur Unmöglichkeit, die Tür zum Schließen zu bewegen, weil eben immer jemand irgendwie in der Lichtschranke steht.

Der Busfahrer versteht das nicht und schimpft. Er ärgert sich, weil er immer wieder seinen Satz sagen muss, weil er eine Heidenverspätung einfährt, weil er vermutlich erst viel später als vereinbart Feierabend machen kann, währenddessen seine Lieblingsserie verpasst und von seiner Frau betrogen wird. Und dann der wirtschaftliche Schaden all der Zuspätkommer!

Kumuliert dürfte das ein ordentliches Sümmchen ergeben. Ich als Dienstleister für die Korrektur der Lichtschranken in Bussen bräuchte nur einen Bruchteil dieser Summe als Honorar verdienen und wäre wohl auf einen Schlag stinkreich. Die Leute kämen plötzlich pünktlich, Berlins Wirtschaft sollte endlich brummen, der Busfahrer könnte seine Lieblingsserie schauen und seine Frau würde ihn nicht betrügen.

Wow! Warum nur wird mein Geistesblitz wieder mal niemanden interessieren? Und sollte es doch bald von glücklichen Busfahrern nur so wimmeln, dann weiß ich, dass hier ein verdammt reicher Arsch herumläuft, der meine Idee geklaut hat.

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Wahl der Qual.

Mittwoch, 31. August 2011 § 7 Kommentare

berlin2 Wahl der Qual.Berlin, Berlin. Wenn es in der Fußgängerzone nicht nach Scheiße stinkt, dann duftet es derzeit nach Frühherbst. Der einzigen Jahreszeit, die erträglich ist, quasi. Keine herumfliegenden Pollen und nicht die triste, graue und kalte Welt des Depri-Duos November und Dezember, die immer wieder mal Leute dazu treibt, vom »park inn« zu springen. Demnächst fällt dann noch herrlich buntes Laub von den Bäumen. Bis dahin sind’s nur herrlich bunte Wahlplakate, die von Laternen purzeln und dann niedergetrampelt werden. Und vollgeschissen. Zu Recht!

Sind ja schließlich auch bald Wahlen, also hier in Berlin. Und wenn man sich die Slogans auf den bunten Bildchen ansieht, dann fragt man sich doch ernsthaft, wie durcheinander die politische Landschaft eigentlich noch geraten kann! Die Linke brüstet sich mit hervorragender Regierungsarbeit, mit stabilen Mieten (!) und gesunkener Arbeitslosigkeit (Gelogen!), während gerade die CDU sich als Partei des kleinen Mannes aufspielt und die hohen Mieten anprangert, bei alledem natürlich Lösungen über Lösungen verspricht (Noch mehr gelogen!). Aha. Sei links, wähle die Christdemokraten, hä? Kann man machen. Nee, geht gar nicht!

Die Grünen spielen sich als Verbessererpartei auf, die inzwischen alles angehen möchte. Ökogedöns ist von gestern, rückt in den Hintergrund, Realpolitik steht ganz vorn. Einen Bahnhof gibt’s hier zwar nicht zu blockieren, aber dann fängt man halt klein an und stürzt sich auf die desolaten S-Bahnen. Klingt fast schon wählbar, wäre da nicht Frau Künast, die einem von jedem zweiten Wahlplakat angrinst und die man irgendwie ja doch nicht unbedingt häufiger sehen möchte als nötig.

Hätten wir noch die FDP. Klar, eine völlig irrelevante Ansammlung krawattentragender Inkompetenz und in Umfragen mitunter bereits hinter den Piraten angelangt – schöne neue Welt. Wie die immer noch auf drei bis fünf Prozent kommen können, ist mir absolut schleierhaft. Versucht sich jedenfalls wieder ein bisschen als Spaßpartei, ganz wie einst die große Bundes-FDP mit Westerwelle als Karnevalsprinz. Schreibt jetzt wieder lustige Slogans auf ihre quietschgelben Plakate.

Und die SPD? Kommt lediglich mit »Berlin verstehen« daher und drückt mit dieser Wortkargheit schon ziemlich genau das aus, wofür die Sozialdemokraten inzwischen insgesamt stehen: für nichts. Was eigentlich verstehen? Also was genau? Und wer versteht überhaupt die SPD? Antworten haben all die grinsenden kandidierenden Hartz-IV-Empfänger auf den Plakaten sicher nicht parat. So what?!

Berlin, Berlin, wat soll ick nur wähl’n? Ich hätte nicht gedacht, in meinen jungen Jahren schon politikverdrossen zu werden, doch ich glaube, ich bin dem Zustand schon beachtlich nahe gekommen. Vielleicht sollte ich wirklich einfach nur noch meinen Wahlzettel ungültig machen. Oder doch noch eine Partei gründen. Ach.

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Bud in Berlin II.

Samstag, 20. August 2011 § 9 Kommentare

bud Bud in Berlin II.Aller guten Dinge sind drei. Wenn ich schon die ersten beiden Male kläglich versagt habe, dann musste doch wenigstens das dritte Mal klappen, einmal Bud Spencer zu begegnen. So dann auch gestern Abend geschehen, nämlich im Babylon, einem wunderschönen Kino in klassischem Stil in Ostberlin. Eines von denen mit echter Loge und in denen es tatsächlich noch ärgerlich ist, wenn die dicke Frau mit dem großen Hut vor einem Platz nimmt. Doch ums Babylon soll es ja gar nicht gehen, sondern um Banana Joe, um das Nilpferd, um Bud Spencer eben.

Der war gestern angereist (übrigens eine Dreiviertelstunde zu spät, wie es sich für eine amtliche Berühmtheit gehört), um das erste Bud-Spencer-Festival in Berlin zu eröffnen. Und natürlich, um seine Autobiographie in Buch- und Hörbuchform anzupreisen. Beides hat er natürlich auch signiert und zwar nur diese beiden Dinge. Ausnahmen gab es nur für ein gigantisches Fanplakat, sowie für Bauch und Brust zweier Bekloppter, die sich das wenig spektakuläre »Bud« unbedingt eintätowieren lassen wollten. Nun ja, kann man machen. Für mich eher nichts, daher hab ich mich mit dem Kritzel in meinem Büchlein zufrieden gegeben. Man ist ja bescheiden, ahem.

Anschließend gab’s noch eine etwas längere Gesprächsrunde zwischen Bud, einem Verlagsmenschen, Oliver Korittke, der das Hörbuch gelesen hat und übrigens auch anwesend war (der mir aber schnurzpiepegal war, zumal ich mich nicht an einen einzigen Film mit ihm erinnern kann) und natürlich all jenen aus dem Publikum (das sich aus erstaunlich vielen Frauen, einigen Nerds, einem Haufen Normalos und einer Handvoll Bud-Spencer-Look-alikes zusammensetzte), die unbedingt ihre Fragen an den alten Herrn loswerden wollten.

Und die Bezeichnung alter Herr ist noch geschmeichelt. Wenn man die vielen, vielen Filme gesehen hat, dann ist es doch erst einmal erschreckend, wie alt Bud Spencer tatsächlich geworden ist. Nun gut, mit 81 darf man auch alt aussehen, denke ich. Da hilft dann ohnehin kein Oil of Olaz mehr. Auch seltsam war es, das italienische Genuschle des gesetzten Fleischbergs zu hören, dessen Antworten auf alle ihm gestellten Fragen angenehm bodenständig wirkten. Aus dem Fernsehen kennt man ihn ja zumeist dann doch eher mit der grummelig sympathischen Stimme von Wolfgang Hess. Sehr ärgerlich in diesem Zusammenhang finde ich, dass selbiger nicht das Hörbuch gelesen hat, sondern der recht versnobt wirkende Oliver Korittke, dessen kurze Leseprobe nur wenig eindrucksvoll wirkte und den man ja nun so gar nicht mit dem bärtigen Ohrfeigenautomat in Zusammenhang bringt.

Alles in allem jedenfalls durchaus ein angenehmer Abend. Bud Spencer sehen und sterben? Nicht unbedingt, war aber ein schönes Gefühl, einmal im selben Raum mit dem alten Haudrauf gewesen zu sein.

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Flatrate für alle(s).

Montag, 16. Mai 2011 § 16 Kommentare

16052011085 Flatrate für alle(s).

Ach, fühlt sich gut an, ausnahmsweise keine Werbung für altersgerechtes Wohnen oder mahnende Flyer, die das Ende verkünden, zu bekommen, aber irgendwie finde ich’s doch ein wenig befremdlich, wenn in meiner Post ein Werbeprospekt für den Puff um die Ecke auf mich wartet. Hmm. Ich meine, zeigt ja einerseits, dass man mir durchaus zutraut, dass ich’s noch draufhabe und andererseits, dass ich nicht nur was in der Hose, sondern auch ordentlich was in der Geldbörse habe, was zusammengenommen ja schon mal gar nicht schlecht sein kann, aber so nötig hab ich’s eigentlich überhaupt nicht. Zum Kundenkreis der feisten Bettenrüttelbude dürfte ich damit vermutlich eher weniger gehören, was meinem Haussegen ja nur zuträglich sein kann, ahem. Aber vielleicht hat ja jemand anders Interesse an einer »Sex-trem-Party«, auf der fünfzehn bis zwanzig internationale Girls versprochen werden? Hey, international und so! Ach ja, das Beste hab ich ja noch gar nicht erwähnt: Das Ganze ist tatsächlich eine Flatrate. Salopp gesagt kann da genagelt werden, bis der Hammer glüht. Na, den Hobbyheimwerker wird’s freuen. Akzeptiert werden übrigens EC, VISA und MasterCard. Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin.

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Ich beim Halbmarathon II.

Sonntag, 3. April 2011 § 9 Kommentare

run2 Ich beim Halbmarathon II.
© Gerd Altmann/ladyoak.com / pixelio.de

Wir schreiben den 3. April 2011. Ich stehe auf der Karl-Marx-Allee, Nähe Alexanderplatz, in der wunderbaren Berliner Ostalgie-Skyline. Von den Balkons der maroden Plattenbauten starren marode Bierbauchberliner herab in die Massen. Der Himmel ist strahlend blau, die Laune allgemein hervorragend. Ich mittendrin, wartend auf den Startschuss. Mein iPod ist besser betankt als eine Schnapsdrossel am Lohnzahltag im Whiskeyladen: Schnelles Zeug soll es sein, musikalischer Ansporn in hastigen drei Akkorden, denn heute ist Halbmarathon! Ich spüre, heute geht was und ich werde natürlich alles geben! »But that’s the way I like it baby, I don’t wanna live forever!« wird es mir schon wenig später aus den Kopfhörern über die Ohren direkt ins Hirn donnern und so soll’s auch sein: Nach mir und meinen Tretern die Sintflut!

Als der Startschuss endlich fällt und sich unzählige wohl geformte Waden in Bewegung setzen, um dem Asphalt mit sündhaft teuren Hi-Tech-Sohlen kräftig einzuheizen, lasse auch ich mich nicht lange bitten und bringe meine zu kurz geratenen Hammelbeinchen in Gang. In der Gruppe B ist man vorne mit dabei, da ist man schließlich fast schon Veteran, da ist man auf Zack, da schleicht keiner. Vor allem die anderen nicht, wie ich recht schnell feststelle, als sie an mir vorbeiziehen, als wäre ich ein Streckenposten. Aber wie würde Jörg Kachelmann sagen: Das macht mir doch nichts! Schließlich lief es vor anderthalb Jahren in Köln ähnlich ab und letztlich musste selbst der Wind meinen Staub schlucken und eingestehen, dass ich einfach verdammt schnell bin. Meine Bestzeit von knapp einer Stunde, vierzig Minuten gilt es heute, an diesem denkwürdigen Tag zu schlagen. Ein Kinderspiel, bin ich doch so auf Zack, dass selbst der fitteste Turnschuh gegen mich wirkt wie eine versandete Adilette vom letzten Ibizaurlaub.

Bereits nach einem gefühlten Kilometer ist ein Herr mit wallender Mähne zum gemütlichen Spaziergang übergegangen. Liebevoll in seine Locken eingewickelt steckt ein Stäbchen, an dessen Ende ein Atomkraft-nein-danke-Fähnchen fröhlich im seichten Wind flattert. Der hätte einen kleinen Atomreaktor durchaus nötig gehabt, denke ich mit einem leichten Schmunzeln und ziehe akkurat wie das Matterhorn an ihm vorbei. Überhaupt sieht man heute viele dieser Statements, läuft man doch scheinbar nicht mehr für den Frieden, sondern gegen die Atomkraft, obwohl das zumindest gefühlt derzeit aufs Gleiche hinausläuft. Und als würde das Wetter die allgemeine Stimmung nur unterstreichen wollen, knallt die Sonne mit einer Kraft von ihrem Logenplatz aus, dass sich mein Schädel bereits jetzt anfühlt wie eine Schnellkochplatte auf der höchsten Stufe. Muss am schütteren Haar liegen. Schnell stelle ich fest, dass dieses gleißende Mistding hoch oben mir doch glatt die Kondition raubt! Wie war das mit der Bestzeit? Nun gut, ich denke, fünf Minuten mehr in der Ergebniszeit sind keine Schande, schließlich werde auch ich nicht jünger.

Meine Füße scheinbar auch nicht und so stellt sich nur wenige Augenblicke später ein leichtes Brennen da ein, wo definitiv nichts brennen sollte: am Fuß! Hat sich’s also eine Blase an selbigem gemütlich gemacht, die sich während des weiteren Verlaufs dieses dank Höllentemperaturen zum Todesmarsch verkommenen Halbmarathons genüsslich mit Wundwasser füllen wird – mhhhhh, ein Genuss à la carte! Und da selbst aller schlechten Dinge gern mal drei sind, verliere ich auch noch eine Sicherheitsnadel, so dass meine zuvor sorgsam befestigte Startnummer jetzt an meinem Bauch herumzappelt wie, öh, wie ein Zappeltier eben.

Wie gut, dass auch solche Läufe nicht ewig währen, denke ich, während ich mich inzwischen nur noch in Zeitlupe voranbewege. Als ich vorhin pinkeln war, muss mir irgendein Neider Ambosse an die Füße gebunden haben. So zieht die Läuferriege weiterhin an mir vorbei, vermutlich, um mich zu ärgern, doch meine inzwischen vor Erschöpfung zu Schlitzen verengten Augen können kaum mehr den Asphalt vom Berliner Smog unterscheiden. Doch da, ein Lichtblick: ein Kilometerschild, aber was zum!? Eine Vier? Da muss ein Scherzbold die vorangestellte Eins weggekratzt haben, rede ich mir ein, fürchte jedoch, dass dem nicht so ist und dass sich auch niemand gehörig vermessen haben wird. Im Kopf längst resigniert, schiebe ich mich nur noch mechanisch getrieben Meter für Meter Richtung Ziel oder Verderben. Ich werde wohl laufend sterben und man wird es erst bemerken, wenn ich mich wie ein Tetrisblock sauber in die nächste Hauswand eingefügt haben werde, weil mir in meiner geistigen Umnachtung die Kurve entgangen sein wird!

Inzwischen müssen Jahre ins staubige Land gezogen sein. Straßen ziehen sich in die Länge, führen vermutlich in die Wüste und von irgendwoher dringt schnelle Rockmusik an mein Ohr. Dann fällt mir wieder ein, wer ich bin und was zum Teufel ich hier mache. Mit letzter Kraft sehe ich mich um und nehme vage wahr, dass die Kilometermarken inzwischen tatsächlich zweistellig geworden sind. Es grenzt an ein Wunder, dass ich mich immer noch voranbewege, denn noch immer hat die Sonne kein Erbarmen mit meinem völlig überhitzten Schädel, der sich anfühlt wie ein pfeifender Dampfkessel und inzwischen die Farbe eines SPD-Werbeluftballons angenommen haben muss. Doch auch andere Läufer scheinen Probleme mit dem stickigen Hochsommerwetter im April zu haben und so hat jeder seine eigene Strategie ausgearbeitet: Einige liegen reglos auf dem zum Nickerchen einladenden Asphalt und lassen sich von weiß gekleideten Bediensteten die kalkweißen Schenkel massieren, während andere sich die Laufstrecke mit ihren eineiigen Geschwistern teilen; zumindest kann ich mir anders nicht erklären, weshalb ich dreimal in Folge an demselben gehenden (!) Mann vorbei- äh … -schreite.

Natürlich hat mein Mannesstolz mir jegliches Aufgeben verboten und so hangle ich mich von Verpflegungsstand zu Verpflegungsstand, schütte Wasser in meinen fast völlig mumifizierten Körper und purzle letzten Endes agil wie ein verklebter Zementmischer – oh Wunder – über die Ziellinie. Die Digitalanzeige über mir will mir weismachen, dass ich sogar noch unter zwei Stunden geblieben bin. Entweder tickt das Ding nicht richtig oder ich bin zwar zum 31. Halbmarathon aufgebrochen, jedoch erst zum 32. im Ziel eingetrudelt, oder aber Einsteins Relativitätstheorie ist verdammt mächtig! Während ich schließlich hölzern wie Pinocchio in Richtung U-Bahn stelze, um so bald wie möglich in der heimischen Badewanne Tauchsieder spielen zu können, treffe ich auf erste »Finisher«, die bereits wieder Gefallen an der Fluppe danach gefunden zu haben scheinen. Auch in den einschlägigen Fast-Food-Tempeln erblicke ich verdächtig viele Kunden in Sportlerkluft. Da kann’s so schlimm ja nicht gewesen sein, trotz Hitze, denke ich und merke, dass ich’s eigentlich ganz genauso sehe: Zwar keine Bestzeit, aber an und für sich doch ein Klacks. Auch Verdrängung ist verdammt mächtig. Und so ist es beschlossene Sache: Nächstes Jahr werde ich alles geben und natürlich alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen! »But that’s the way I like it baby, I don’t wanna live forever!«

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The Running Man.

Samstag, 2. April 2011 § 4 Kommentare

hm The Running Man.Der alte Mann will’s noch mal wissen. Und so ist das Ziel am morgen stattfindenden Halbmarathon in Berlin nicht reines Durchhalten, sondern doch mindestens eine sehenswerte 1:45:00. Dagegen, meine bisherige Bestzeit vom Kölner Halbmarathon 2009 zu schlagen, hätte ich selbstverständlich auch nichts, meine nicht jünger werdenden Knochen aber eventuell schon! Schließlich war ich damals noch jung, fidel, potent, faltenfrei, bartschnittig, voll von Haupthaar, all das eben, was man als junger Hüpfer so ist.

Und in Anbetracht der Tatsache, dass ich ja selbst nicht so ganz sicher bin, ob ich den morgigen Tag denn heil überstehe, habe ich schon mal Frühjahrsputz betrieben, als gäbe es, nun, kein Morgen eben (frischer Duft im ganzen Haus), war endlich mal bei »Mustafas Gemüsekebab«, wo ich ja ohnehin vorhin in Kreuzberg umsteigen musste und hab kürzlich – ich gebe es zu – gegen die Berliner Mauer gepinkelt. Ahem. Als symbolische Geste gegen Unterdrückung, Atomkraft, Biosprit und die FDP. All so was eben. Ist also so ziemlich alles erledigt, daher kann’s wohl losgehen. Man möge mir je nach Sympathie die Daumen drücken oder mir gebrochene Beine wünschen.

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Man kennt’et ja.

Donnerstag, 3. Februar 2011 § 6 Kommentare

berlin Man kenntet ja.Ach, der Tiergarten! Ort frivoler Zweisamkeit, bei Tag, wie in der Nacht, bei Sonnenschein ebenso, wie bei Wind und Wetter. Ist ja nichts Neues, beim Joggen in Berlin auf vögelnde Pärchen zu treffen, schon gar nicht im Tiergarten. Ich meine, draußen herrschen zwei, wenn nicht sogar drei Grad, da kann man das schon mal machen. Wenn sich da mal nicht morgen jemand mit ‘ner kräftigen Blasenentzündung herumplagen muss… Nun, ich schätze, ER wird’s nicht sein.

Und nicht gerade in diesem Sinne, aber in anderem, zumindest für mich erfreulichem Sinne, verabschiede ich mich mit ein wenig Musik ins Wochenende. Eine Green Day-Nummer aus Zeiten, die für mich durch das Martyrium des ausgehenden Kindergartens gezeichnet waren und nicht durch vögelnde Paare im Tiergarten. Aber immer noch cool, find ich. Also das Lied, nicht die Paare.

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The answer is blowin’ in the darkness.

Samstag, 20. November 2010 § 15 Kommentare

berlin The answer is blowin in the darkness.Berlin, Berlin! Gestern beim Joggen komm ich im Bezirk Tiergarten also an diesem Kerl vorbei, der in seinem Auto pennt. Nicht gerade die anrüchigste Gegend, aber find ich ja doch schon irgendwie heikel, hier im Auto zu schlafen, denk ich, gerade wo er nicht mal unter einer gut ausleuchtenden Laterne geparkt hat. Schließlich ist der Terror ja nicht mehr weit, und da weiß man ja nie. Doch als ich vorbeilaufe, sehe ich, hey, der schläft gar nicht, der lässt sich einen blasen. Na gut, das ist natürlich was anderes. Das nickt man als Mann ja gern ab, da versteht man sich, wo ist man schließlich sonst heutzutage noch so ganz Kerl, seit die Emanzenfraktion mit dem Eierschneider unterwegs ist? Jedenfalls kann man dafür schon mal in einer dunklen Ecke parken, denk ich. Und der Terror, also der ist ja ohnehin erst für Montag angekündigt.

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Wo, zum Henker, bin ich?

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    PhanThomasPhanThomas ist der nicht ganz anonyme Autor dieses Weblogs. Er befasst sich laienhaft mit allem, was gesellschaftspolitisch oder sonst wie von Interesse sein könnte. Sein schlecht recherchiertes Halbwissen kaschiert er durch die willkürliche Einstreuung von mäßig verschnörkelten Artikeln zu seiner eigenen Wenigkeit, die er mit Vorliebe in der dritten Person verfasst.
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