Mittwoch, 25. April 2012 §
Fakt ist, ich mag keine sauberen Städte. Natürlich habe ich nichts dagegen, eine gerade Strecke von mindestens zehn Metern geradeausgehen zu können, ohne meine Sohle zwischendurch in den Hinterlassenschaften eines Terriers wälzen zu müssen, aber so insgesamt verspüre ich doch eine Abneigung gegen allzu saubere Orte.
Mit sauberen Städten ist es so eine Sache. Sie erinnern mich unweigerlich an eine realgewordene Version Lovecraftscher Geschichten wie »Schatten über Insmouth«. Und wer weiß denn schon, ob Menschen aus allzu sauberen Orten nicht tatsächlich böse Froschmonster sind, die sich mittels gestohlener Häute als Menschen tarnen, um arglosen Besuchern das Fell über die Ohren zu ziehen? Denn Fakt ist auch, Bewohner sauberer Städte haben keinen Grund, sich über die Unsauberkeit ihres Orts zu beschweren. Sie haben damit mehr Hirnkapazität frei und freie Hirnkapazität bewirkt beim Menschen selten Gutes. Kurzum: Menschen aus sauberen Orten hecken ganz bestimmt was aus.
Ich habe übrigens auch gar kein Problem damit, wenn irgendwelche herumkrakelenden Hauswarte um den Block rennen, um mannshohe Ratten zu verscheuchen, die sich andernfalls eisenbahntunnelgroße Löcher durchs Mauerwerk direkt in meine Küche bahnen würden. Ich habe nichts dagegen, wenn Kaugummis von den Gehsteigen entfernt werden, was mir ärgerliche Artistik à la »Stock am Schuh« erspart. Aber gegen zu viel Ordentlichkeit habe ich dann doch was.
Wohnhäuser müssen nicht Reih an Reih pastellfarben gepinselt werden, bis sie aussehen wie zu groß geratene Eisportionen. Schlimmer noch: Hauswände brauchen auch keine neunmalklugen Wandtattoos, die von der Hausverwaltung wagemutig als Kunst bezeichnet werden. Kunst ist es nämlich, ein mäßig schönes Graffiti handwerklich halbwegs ordentlich und in immerhin drei Farben an eine Hauswand direkt neben der Eingangstür zu klieren, während die Bewohner gefühlt alle fünf Minuten ein und aus gehen – und das rund um die Uhr -, und sich dabei dann auch noch nicht erwischen zu lassen (siehe Bild oben). Ja, das ist Kunst, liebe Leute. Kein doofes Wandtattoo in Elefantengröße, das mir was über Zukunft und Gegenwart verklickern will. Bla bla.
Wie gesagt, ich mag keine sauberen Orte. Da wird nur unnötig viel ausgeheckt von bösen Froschmenschen. Und hier in der Gegend wird’s in letzter Zeit einfach zu sauber. Ich kann das nicht gutheißen. Wenn demnächst die Nachbarn irgendwie komisch gucken und sabbern, dann zieh ich aber aus.
Mittwoch, 18. April 2012 §
Seit knapp zwei Jahren lebe ich inzwischen in Berlin. Und nicht nur, dass die Stadt, dieses Monstrum, niemals schläft, ich habe auch den Eindruck, sie bewegt sich schneller an mir vorbei, als ich mich durch sie hindurch bewegen könnte. Nicht nur, weil die Berliner Bauarbeiter besonders fleißig sind und dauernd irgendwo tiefe Löcher buddeln müssen, nein, es ist ein struktureller Wandel, nicht nur fühlbar, sondern durchaus sichtbar. Ja, in dieser kurzen Zeit.
Graue Hausfassaden, die vorher von wildem Wein und noch wilderen Graffitis geziert wurden, bekommen ordentliche, pastellfarbene Anstriche, werden plötzlich als »beste Lage« bezeichnet. Der Billigsupermarkt um die Ecke, aus dem morgens um zehn die Großmutter mit dem Einkauf in der einen und ‘ner Bierflasche in der anderen Hand herausspazierte? Weg. Da steht jetzt ein sündhaft teurer Biomarkt mit chicer Innenraumausleuchtung und hippen Produkten aus hippen Körnern. Kennt jemand das Tacheles? Nicht? Macht nichts, stehen eh die Bagger vor. War vorher schon kommerzialisierte Tourischeiße? Na und, mir doch egal, wer sagt, dass man an alternativen Kunstprojekten nicht verdienen darf? Tut eh nichts mehr zur Sache. Immer mal wieder sieht man Plakate an Balkons, auf denen gegen Wohnungsrauswurf, Vertreibung und vermeintliche Kiezverschandelung durch neue Bauprojekte protestiert wird. Und ich? Inzwischen wurde aus meiner Wohnung eine völlig überteuerte Eigentumswohnung gemacht. Natürlich längst verkauft. Ein paar Jährchen kann ich noch bleiben, dann muss ich gehen. Wen interessiert’s, ist eh zu wenig Tageslicht hier drinnen – beste Lage halt. Kein Grund zu weinen, durchaus aber ein Grund, sich Gedanken zu machen.
Gedanken über Mietpreise zum Beispiel, die nur noch einen Weg zu kennen scheinen: steil und steiler nach oben. Und das ist es, was man spürt. Die Veränderung, die man sieht. Was will man aus Berlin machen, fragt man sich. Ein zweites München? Nichts gegen München, ich war dort nie, unabhängig davon, sollte ein Berlin doch ein Berlin bleiben. Eine Stadt der Gegensätze, ein besonderes Lebensgefühl, das man nicht nur atmet, weil es hier oftmals nach undefinierbaren Ausdünstungen stinkt. Wenn im Sommer keine alten Herren mehr auf dem Gehsteig sitzen und Brettspiele spielen, dann ist das vielleicht nicht der Untergang des Abendlandes, traurig jedoch ist es allemal irgendwie.
Wenn es aber so weitergeht wie jetzt, sich die unzähligen Umzugsdienstleister, die mit ihren Flyern meinen Briefkasten verstopfen, weiterhin preislich unterbieten können, weil die Kundschaft so groß ist, dann werde ich wohl noch miterleben, wie aus dieser Stadt ein Eldorado für Besserverdiener wird, die sich innerhalb des S-Bahn-Rings tummeln werden. Und alle anderen? Dürfen gern zu Besuch kommen, aber bitte bloß nicht mehr hier wohnen und abends wieder verschwinden.
Eine der berühmtesten Aussagen über Berlin ist wohl immer noch: »Arm aber sexy«. Zumindest gefühlt gilt doch das schon heute nicht mehr. Reich wird Berlin vermutlich nie sein, zu groß die Strukturunterschiede innerhalb der Stadt, zu aufwendig der vernachlässigte Aufbau des Ostteils, zu abseits die Lage, so mitten im Niemandsland Brandenburg. Bald ist Berlin vielleicht nur noch ein bisschen arm, dafür dann aber ausgestattet mit der Ausstrahlung eines McKinsey-Beraters: Adrett, langweilig und schmierig wie Arsch.
Lebensgefühl? Kultur? Wen interessiert schon Kultur, wenn man sie doch im Portmonee hat? Ist dann vielleicht ein bisschen wie in Stuttgart. Zumindest dazu fällt mir nämlich was ein, ich habe dort schließlich gelebt. Sicher irgendwie schön da. Bestimmt. Aber für mich einmal und nie wieder bitte. Und nun nicht hier auch noch.
Sonntag, 1. April 2012 §
Es ist doch zum Mäusemelken. Da trainiert man ein Jahr lang auf den Halbmarathon hin und genau zum Termin hin liegt man mit der dicksten Erkältung des Universums flach. Wie hoch ist eigentlich die Wahrscheinlichkeit, dass so was passiert, wenn man davon ausgeht, dass jemand ansonsten genau nie krank ist? Vermutlich ist das mal wieder ähnlich unwahrscheinlich, wie im Lotto zu gewinnen. Trotzdem würde ich selbstverständlich niemals im Lotto gewinnen, ist ja klar. Schicksal? Nun, in diesem Fall kann mir das Schicksal mal gehörig den Rotz aus dem Bart lecken! So ein Mist aber auch!
Sonntag, 19. Februar 2012 §
Okay okay, die letzten Tage war’s hier etwas ruhig, obwohl ich mir doch vorgenommen hatte, häufiger zu bloggen. Öhm, vermutlich hatte ich mir das vorgenommen. Liegt jedenfalls hauptsächlich an trauter Zweisamkeit mit meiner Herzdame.
Und nur zum Teil lag’s auch daran, dass mein Haushalt hier endlich in der Neuzeit angekommen ist. Soll heißen, statt der alten tonnenschweren Röhre gibt’s hier jetzt einen formschönen LED-Fernseher in angemessener Größe. Ein optischer Dauerorgasmus quasi, der mir völlig unverständlich macht, wie ich es zuvor nur mit so einem uralten, hm, Ding aushalten konnte.
Aber nun ja, so ließ sich der Abgang des Christian Wulff auch gleich in neuer Bildqualität genießen. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so froh über den Abgang einer, nun ja, »politischen Größe« war.
Obwohl man ja eigentlich auch ein wenig dankbar sein muss, wenn man ehrlich ist.
Dankbar dafür, dass ausgerechnet ein Bundespräsident das Abziehbild der gesamten empfundenen politischen Garde geworden ist. Ein Sinnbild für die unverschämte Raffgier derer, die mehr als genug haben und den Hals dennoch nicht voll bekommen, ein Gesicht für das Problem des Lobbyismus im Land und vor allem ein Name für die Arroganz und Ignoranz denen gegenüber, die sie doch eigentlich vertreten sollten. Vielleicht regt’s ja zum Nachdenken an. Vielleicht.
Und nicht nur habe ich mich selten so sehr über den Abgang einer einzelnen Person gefreut, nein, ebenso selten habe ich mich für einen Repräsentant dieses Landes geschämt. Na ja, mal abgesehen vom Noch-Außenminister vielleicht.
Es will mir einfach nicht in den Kopf, wo die Habgier in den Köpfen derer, die es nicht nötig haben, herkommt. Christian Wulff war sicher nicht der einzige Politiker mit Verfehlungen, nur war er selten ungeschickt dabei, seine fragwürdigen Handlungen zu verschleiern. Es will mir auch nicht in den Kopf, wo ein Politiker auf dem Weg an die Spitze den Anstand verliert, den Respekt vor dem Volk, ja, den Blick für die Realität, wenn man so will. Denn all das Selbstmitleid, die Falschaussagen und Verharmlosungen, die dieser ehemalige Bundespräsident in vergangenen Interviews in Worte verpackt hat, zeugen doch entweder von ausgesprochener Unverfrorenheit oder schlichtweg von Realitätsverlust.
Abschließend und weil ich es loswerden muss: Wie wunderbar ist es doch, dass dieser Schnorrer von der Bildfläche verschwunden ist. Eine Schande fürs Land ist gegangen. Gottseidank!
Montag, 9. Januar 2012 §
Ach, es ist eine Crux mit dieser verblödeten Technik! Nachdem ich das Blog hier noch immer nicht auf die de-Domain zurücksetzen kann, weil bei Blogger seit der willkürlichen Account-Sperrung seitens Google irgendwo ein digitaler Furz quer sitzt, habe ich begonnen, ein wenig mit WordPress herumzuspielen. Mein Fazit: Ist wohl wirklich was für Bastler. Auf der einen Seite bin ich begeistert von der Plug-In-Vielfalt und den Möglichkeiten, das gesamte Ding so zu frisieren, wie’s einem passt, doch auf der anderen bin ich schon ein bisschen enttäuscht, was Optik und Konfigurationshilfen angeht. Ich will auch als Nicht-CSS-Geek ein hübsches Design haben, will mich nicht durch hingefrickelte Menüs kämpfen, die mich an so manch scheußliche Linux-Oberfläche erinnern, um auch nur irgendwas am Layout eines Themes zu ändern. Woah! Und nachdem ich gefühlte fünf Fantastillionen Fertig-Themes angeschaut habe, die alle entweder nach Firmengründung, Modezeitschrift oder Pizzalieferdienst ausschauen, bin ich drauf und dran, es aufzugeben. Ich will doch einfach nur bloggen, verdammt und zugenäht!

Samstag, 17. Dezember 2011 §
Ein Problem in meinem Google-Konto hat dazu geführt, dass zuerst alle meine Blogs (inklusive des gesamten Kontos) gesperrt waren und im Nachgang dafür gesorgt, dass mein »Haupt«-Blog immer noch verschwunden ist. Argh!
Ich hatte ein Back Up vom Mai dieses Jahres – bisschen alt, ich weiß. Mehr oder weniger glücklicherweise war ich in letzter Zeit etwas blogfaul und habe darauf verzichtet, allzu viel um mich zu posten, weshalb die Posts seither zumindest aus einem RSS-Feed wiederhergestellt werden konnten. Die Kommentare ab Mitte Mai aber leider nicht. Zudem ist jetzt vermutlich an so mancher Stelle das Layout etwas vernudelt, aber damit muss ich leben.
Erschreckend an der Sache ist, dass ich weder weiß, was das sollte, noch ist es möglich, den Support zu kontaktieren. Zwar gibt es ein Forum mitsamt hilfsbereiter Mitglieder, doch Google an sich besteht scheinbar aus Robotern. Man ist insgesamt also einem Wust aus Algorithmen ausgeliefert. Gut, als hätte ich das nicht längst gewusst!
In Anbetracht dessen spiele ich mit dem Gedanken, zumindest den Content dieser Seite auf eine Webhosting-Lösung umzuziehen, auf der dann vermutlich WordPress laufen sollte. Wahrscheinlich stelle ich die Frage hier an der falschen Stelle, aber hat damit irgendwer Erfahrung? Gibt’s tolle Angebote, die man da nutzen kann? Ich möchte mir nun nicht gerade einen Server in die Bude stellen, aber wenn es dafür einen zuverlässigen und günstigen Hoster gäbe, wäre ich schon zufrieden.
Freitag, 16. Dezember 2011 §
Eher unfreiwilliger Natur und das alles ist hoffentlich bald geklärt. Bis dahin herrscht hier sozusagen Winterpause.
Mittwoch, 7. Dezember 2011 §
Schöne neue Technikwelt halt, wie’s da oben schon steht. Soeben lümmelte sich ein Gutschein für einen namhaften Online-Versand – nein, nicht Amazon, in meinem Postfach, der natürlich verbraten werden wollte. Ein Schlag Bücher für kalte Tage war schnell gefunden, das Feld für den Gutscheincode dann weniger schnell, aber ‘nem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich ja nicht hinter die Kauleiste. Drum schnell, schnell, auf zum Bezahlen.
Nun bin ich jung und hipp oder fühle mich zumindest hin und wieder so und zahle per Click&Buy. Schon deswegen, weil ich es so ausgesprochen cool finde, wie all die neumodischen Dienste zusammenarbeiten, einer Löschkette gleich, und so meinen Kontostand schmälern. Klar, irgendwann räumt jemand wegen einer ziemlich üblen Sicherheitslücke mein Konto komplett leer und dann ist das Geschrei groß, aber das wird eine andere Geschichte sein. Zurück zum Bezahlverfahren also: Click&Buy bietet an, die Kreditkarte zu verwenden. Mach ich gern, schließlich geht nichts über eine hübsch schimmernde Kreditkarte, auf der jede, aber auch wirklich jeeede Information vermerkt ist, um ordentlich Geld auszugeben. Ganz ohne Sicherheitsmechanismus, versteht sich.
Doch da, mein geschultes Auge erkennt am Gültigkeitsdatum sofort, dass meine Karte nicht die hinterlegte ist. Stimmt, meine Bank hatte das Ding mal ausgetauscht. Gut, gebe ich eben die neue an. Klickerdiklick, tipperditipp, fertig. Bäm! Geht nicht, Karte schon hinterlegt. Ah ja, die Kartennummer ist also dieselbe geblieben. Gut, passiert, probier ich’s eben doch mit der schon hinterlegten. Prüfziffer eingegeben und … Bäm! Geht nicht, Kartenzahlung nicht möglich, vermutlich wegen verkehrter Prüfziffer (die sich ja durchaus geändert hat).
Oha. Was wäre noch zur Auswahl? Ah, Sofort-Überweisung, ein ebenso feiner Dienst, der auf Click&Buy Direktüberweisung ermöglicht, ohne dass ich manuell auf mein Bankkonto wechseln müsste. Feine Sache. Sogar eine Mobile-TAN meiner Bank erhalte ich. Wow! Begeistert von so viel Integration gebe ich das Ding also ein und … Bäm! Geht nicht, warum auch immer. Die Zahlungsmethode wird schlichtweg nicht akzeptiert. Live with it! Ah ja, klar, logisch.
Was bleibt noch? Hmmm, der gute alte Freund Lastschrift. Ohne Dienstintegrationsgefrickel und Konsorten, funktioniert ohne zu murren, gerne wieder. Ach.
Freitag, 4. November 2011 §
PhanThomas ist ein alter Zauserich. Hätte er einen Krückstock, würde er mit ihm drohend in der Luft herumfuchteln und aus dem Fenster schimpfen. Da er keinen hat, fuchtelt er in seinem Blog herum, dem Krückstock für all jene, die nie zu viel Aufmerksamkeit bekommen können.
Manche Dinge, vom Menschen ersonnen, machen die Welt einfach nur schlechter.
Da wären zum Beispiel diese Facebook-Umfragen. Blaue Balken bevölkern die »Wall«, den »Lifestream«, den Wie-auch-immer-das-Ding-diese-Woche-heißt, und sind eigentlich absolut inhaltsleer. Hm, wie Facebook insgesamt, genau genommen. Ich stelle inzwischen einen nicht mehr bestreitbaren Ermüdungseffekt fest, was diesen dauerpustenden Nonsense-Schornstein angeht. Gut, das ist mein Blog auch, aber hier pustet wenigstens nur einer.
Dann natürlich Handy-Kameras. Wer sich auf Konzerte stellt, seinen Handy-Arm in die Höhe hält und die grottigen Aufnahmen mit dem Sound, der nach ertrinkender Katze klingt, anschließend auch noch ins Netz rotzt, für den ist ein Platz im siebten Kreis der Hölle reserviert. Hat mal wer versucht, gescheite Konzertmitschnitte auf YouTube zu finden und war erfolgreich? Vermutlich nicht, weil bisher niemand über die Invasion der Handymitschnitte hinausgekommen ist. Überhaupt wird doch mit den Dingern nur Schindluder getrieben. Also weg damit!
Immobilienmakler natürlich. Die Häuslemafia schlechthin kassiert zumeist fürs Nichtstun astronomische Summen und ist trotz adretter Erscheinung nichts weiter als ein Haufen raffgieriger Kakerlaken im Anzug. Geföhnte Arschlöcher, ohne die auch weniger betuchte Menschen eine gute Wohnung in angenehmer Lage abbekämen.
Und ganz klar, Spiegel-Redakteure. Jeden Tag beten sie im Kreis sitzend den Untergang des Abendlandes herbei und bringen selbigen auch noch glaubwürdig rüber. Punkt zehn ist meine Kaffeetasse leer und die Laune mächtig im Keller. Und alles nur, weil es immer heißt, positive Nachrichten würden niemanden interessieren. Ach.
Freitag, 30. September 2011 §
Es ist Welt-Kaffee-Tag. Drum ein paar Worte zu, nun ja, Kaffee. Aber keine Ode an den selbigen, mein Opium, meine Blutkonserve, mein flüssig Brot, sondern mein persönlicher Kommentar zu dem, was man da so drauf schreibt.
Am Welt-Kaffee-Tag, da kann man schon mal was bewegen, die Tassen heben, dann aber auch gleich in großen Mengen. Und so sollen heute, am Tage des schwarzen Goldes, gleich 500.000 Becher geschlürft werden. Alles für ‘nen duften Weltrekord natürlich. Aber wenn schon dekadenter Koffeinexzess, dann nicht irgendwelche Plörre, sondern nur fair gehandelt, wie man da so schön schimpft. »Fairtrade« und so.
Wie alt ist eigentlich der durchschnittliche Bohnenkonsument? Jung genug, um mit englischen Fachtermini um sich schmeißen zu können, nehme ich an. Dennoch, wie erkläre ich der freundlichen Großmutter mit der Brokkolifrisur, dass sie doch besser den Fairtrade-Kaffee kaufen möge, weil davon der freundliche Kaffeebauer aus Brasilien auch was hat und nicht nur der unverschämt reiche Tycoon aus dem Hintertupfinger Villenviertel? Was soll die alte Dame, gern auch der alte Herr, mit »Fääährtreeeht« anfangen?
Ich habe nichts gegen englische Sprache, doch ist ja irgendwie auch Kaffee ein deutsches Nationalgetränk, die Kaffeezeit ein urdeutscher Brauch. Kann man das nicht irgendwie deutsch betiteln? Ach. Vielleicht rege ich mich auch nur darüber auf, weil »Fääährtreeeht« üblicherweise nur von versnobten Ökos in den Mund genommen wird, die das einfach zu selbstgefällig betonen, als es gut für meine Ohren sein könnte.
Und ja, ich weiß, dass ich mich bereits an dieser Stelle darüber ausgelassen habe. Aber passend zum Tage sei’s noch einmal betont.