Montag, 26. September 2011 §
Ach, die akute Blogunlust mal wieder. Muss dieses ominöse Spätsommerloch sein, von dem man schon so viel gehört hat. Kann aber auch daran liegen, dass ich mich derzeit neben allerlei Zweisamkeit vorwiegend in eine gerade neu begonnene Sammel- und Leseleidenschaft verkrümelt habe. Kommt ja alle Jubeljahre mal vor. Nachdem mein Allzeitlieblingsautor Stephen King mit dem Schreiben nicht mehr so ganz hinterherkommt, habe ich mich kürzlich an einem Scheibenweltroman versucht.
Und nun habe ich Terry Pratchetts Bücher ja immer für stumpfsinnige Holzhammerparodien auf bekannte Fantasy-Schwarten wie »Der Herr der Ringe« gehalten, doch – Woah! – ich glaube, in der Hinsicht habe ich mich nie zuvor so geirrt. Denn vom genialen Wortwitz und dem schrulligen Humor der Bücher, von denen ich gerade erst ein drittes (»Mac Best«) hinter mich bringe, abgesehen, überzeugen sie doch vor allem durch ihre wunderbar gezeichneten Charaktere mit starkem Wiedererkennungswert, immer wieder auftauchende Satire auf unsere Gesellschaftswelt und durch wirklich durchdachte Handlungen.
Ich könnte mich vermutlich in Lobeshymnen ergehen, bis der Morgen graut, aber ach, die Zeit nutze ich lieber für Leserei, Schlaf und Zensurwürdiges. Warum hat mir bisher niemand gesagt, was ich verpasse? Oder hat es mir womöglich sogar jemand gesagt, und mein besonders stark ausgeprägtes Maß an Grundignoranz hat mich dazu verleitet, jegliche Empfehlung zu überhören? Man weiß es nicht.
Nun denn, wer jedenfalls ein bisschen was für wirklich gute Bücher übrig hat, wer so wie ich scheinbar jahrelang unter einem Stein gelebt hat und wer mein Maß an Grundignoranz nicht überschreitet, dem seien die Scheibenweltromane auf jeden Fall ans Herz gelegt. Und mögen alle anderen mit verkümmerten Lachmuskeln dahingehen.
PS: Nein, dies hier wird jetzt kein Bücherblog, versprochen. Demnächst gibt’s wieder Nerd-Gedöns, Politik und Titten.
Montag, 12. September 2011 §

Das Lesen von Büchern würde ich ja schon zu meinen Hobbies zählen. Ich verschlinge sie nicht gerade, aber lesen tue ich sie. Meistens. Denn diese Krimis von der Nele Neuhaus sind tatsächlich zum Verschlingen. (Der leicht gehypte Bestseller
»Schneewittchen muss sterben« mag manchem ein Begriff sein.) Schon insofern bemerkenswert, als dass ich eigentlich so gar keine Kriminalromane mag. Krimis überhaupt: Tatort läuft? Gut, ich geh mal die Hornhaut von meinen Füßen schaben.
Aber diese Romane, die schändlicherweise als Taunus-Krimis bezeichnet werden und so natürlich den Eindruck erwecken, es würde sich um banalste Regionalliteratur handeln, haben es echt in sich. Langeweile beim Lesen ist ein Fremdwort, da ist wirklich jede Seite unterhaltsam! Zum Ende eines Buches gibt’s garantiert einen ganzen Sack voller Verdächtiger und von den eigenen Fingernägeln ist vor lauter Spannung nicht mehr viel übrig. Und wenn man sich erst einmal an das anfangs leicht steril geratene Setting der Bücher gewöhnt hat, werden auch die beiden Dauerermittler Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff zu einem sehr sympathischen Duo.
Übrigens kann ich nur empfehlen, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen: »Eine unbeliebte Frau«, »Mordsfreunde«, »Tiefe Wunden«, »Schneewittchen muss sterben« und »Wer Wind sät«. Ich habe sie zwar selbst noch nicht alle gelesen, habe aber den Fehler gemacht, Band 4 zuerst zu lesen. Das funktioniert zwar auch gut, weil alle Rückblicke für den Neuleser kurz erklärt werden, aber die Einführung wiederkehrender Charaktere ist natürlich nicht in jedem Band gleich umfangreich und so mancher Seitenhieb auf vorherige Handlungsstränge geht sonst auch verloren.
Sollte einer der hiesig des Öfteren vorbeischneienden Leser Kriminalromane mögen, dann hopp hopp, kaufen! Die Inhaltsangabe spare ich mir an dieser Stelle natürlich. Kann man ja bei Amazon und Konsorten nachlesen.
Mittwoch, 22. Juni 2011 §
Okay, noch was mit Büchern, diesmal aber was Brauchbares. Zumindest dann, wenn man sich auf seichte Unterhaltung einlassen kann und möchte. Ich bin ja eigentlich nicht leicht zu ködern, es sei denn, es geht um den schnöden Mammon, aber hey, wenn es in einem Buch einen Detektiv gibt, der mit Feuerbällen schmeißt und zudem ein Skelett ist, ja dann bin ich selbstverständlich dabei!
»Skulduggery Pleasant«, eigentlich ein Jugendbuch und seit gestern ausgelesen, beginnt mit dem Tod Gordon Edgleys, dessen Nichte Stephanie so ziemlich alles erbt, was der reiche Buchautor und Exzentriker zu Lebzeiten besessen hat. Eher unfreiwillig erbt sie auch gleich einen ganzen Haufen Probleme mit, wird aber plötzlich von dem geheimnisvollen Detektiv Skulduggery Pleasant beschützt, der tatsächlich ein manchmal zauberndes Skelett ist. So weit, so cool. Natürlich geraten die beiden in eine ganz, ganz große Sache rein und am Ende geht es um nichts weiter als die Rettung der Welt, bla bla bla.
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Cover der deutschen Ausgabe |
Die hervorragend kurzweilige Geschichte mit ihren schrulligen Charakteren liest sich ein bisschen wie eine Folge »Pokémon«: Es passiert allerhand abstruses Zeug, allzu sehr in die Tiefe geht die Handlung aber nie. Das will sie jedoch auch gar nicht und so konzentriert sich Autor Derek Landy auf reichlich Action und den zuweilen tatsächlich leicht amüsanten verbalen Schlagabtausch des ungleichen Duos Skulduggery und Stephanie. Meint der ganz und gar uninformierte Leser anfangs noch, es mit einer Art verschrobenem Krimi zu tun zu haben, merkt er bereits nach wenigen Seiten, dass es sich eigentlich eher um verschrobene Fantasy handelt. »Skulduggery Pleasant«, ein Buch, das es ohne »Harry Potter« nie gegeben hätte, wage ich zu behaupten. Glücklicherweise geht die Geschichte einen eigenständigen Weg.
Und noch besser: Band 2 und 3 liegen bereits neben mir, Band 4 wird in Bälde bestellt, Band 5 erscheint im Oktober und Band 6 wurde von Herrn Landy gerade fertiggestellt. Der seinerseits scheint ein sehr geerdetes Persönchen zu sein, wie er mit den oft recht amüsanten Posts in seinem persönlichen Blog unter Beweis stellt. Daher dieser kleine Linktipp zum Buchtipp inklusive. Und nun, wer nicht gänzlich verkorkst und erwachsen geworden ist, husch husch in den Buchladen!
(PhanThomas bedankt sich für den Buchtipp bei der hervorragend geschwätzigen LadyLy und fürs Nichtdavonabraten bei seiner geliebten Herzdame!)
Montag, 20. Juni 2011 §
Hin und wieder gebe ich ja auch mal Lesetipps heraus. Mitunter so gern, dass ich bereits überlegt habe, ein kleines Themenblog dafür zu eröffnen. Vermutlich tue ich das aber eh nicht. Nun, da man ja nicht immer alles toll finden muss und ich eigentlich reichlich wenig wirklich toll finde, heute mal ein Buch, das mich eher ein wenig angeödet hat: »Stimmen der Angst« von Dean Koontz.
Kurzer Handlungsabriss: Das junge Paar Martie und Dusty Rhodes führt genau solange eine harmonische Ehe, bis Martie von plötzlichen Ängsten und Zwängen heimgesucht wird: Sie ist wie aus heiterem Himmel vom Drang besessen, ihren eigenen Mann auf bestialische Weise ermorden zu müssen. Hilfe suchen die beiden schon bald bei Dr. Ahriman, einem renommierten Psychoklempner. Als (für den Leser weniger) unerwarteterweise Marties Freundin Susan, die selbst unter Ängsten leidet und nicht einmal mehr allein vor die Tür gehen kann, Selbstmord begeht, gerät die Welt der Rhodes vollends ins Wanken …
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Cover der aktuellen Auflage |
Liest sich fast schon spannend, oder? Ist es stellenweise auch, nur ausgerechnet auf den ersten ca. 150 der fast 800 Seiten nicht. Die zähe Durststrecke hätte man, so mein Gefühl, auf gut die Hälfte herunterkürzen können. Und als dann endlich ein Bösewicht die Bühne betritt, wird auch noch viel zu schnell dessen Identität verraten. Danach nimmt die Handlung aber ordentlich Fahrt auf, Langeweile beim Lesen ist eher die Seltenheit. Nur habe ich zwei grundsätzliche Probleme mit diesem Psychothrillerdingsbums aus der Feder des Herrn Koontz: Erstens nimmt man dem Erzähler die Geschichte nicht so recht ab. Der Roman befasst sich, ich kann es ja ruhig sagen, mit dem Thema der Gedankenkontrolle durch Hypnose. Nur kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass so etwas dermaßen einfach und banal funktioniert, wie es in diesem Buch beschrieben wird. Mein ausgeprägtes Gespür für die komplizierten Sachverhalte des Lebens sagt mir, dass Mister Koontz seinen Lesern hier einen ziemlich zotteligen Bären aufbindet. Zweitens bleiben die Charaktere recht blass. Die Guten sind sympathisch, die Bösen unsympathisch, die Motive sind klar und nachvollziehbar, etc. Dennoch wirken die Personen allesamt wie zweidimensionale Abziehbilder echter Menschen. Die Glätte der Protagonisten wirkt störend, hat man doch das Gefühl, sie seien nur Mittel zum Zweck. Kein Vergleich zu den ausgefeilten Persönlichkeiten in einem x-beliebigen King-Roman.
Was bleibt also? Ein Achthundertseitenschmöker, der streckenweise spannend erzählt ist, bei alledem aber ein schales Gefühl im Leserbauch hinterlässt. Dachte ich zuerst, mit Dean Koontz einen adäquaten Ersatz für meinen Allzeit-Favoriten Stephen King gefunden zu haben, muss ich nun doch revidieren: Absolut kein Vergleich!
Freitag, 13. Mai 2011 §
Und hier noch einmal das Posting von gestern, das – aus welchen Gründen auch immer – im Servernirwana der Google-Server verendet ist, nachdem deren Blogger-Dienst die Hufe hochgehauen hat.
Hin und wieder bekomme ich spontan Lust, Bücher zu kaufen. Meist mehrere auf einmal, genretechnisch mitunter auch mal quer durch den Gemüsegarten. Als Horrorfan zieht es mich dann aber doch immer wieder zu meinem Lieblingsgenre zurück. Und wenn ein Buch schon »So finster die Nacht« heißt, dann kann ich natürlich nicht nein sagen. Finster und Nacht, das klingt nach gehörig Erpelpelle beim Lesen … Hätte ich zuvor mal den Klappentext gelesen, so hätte ich eventuell erraten können, dass es sich bei dem schwedischen Schinken um einen Vampirroman handelt. Uh! Peinlich! Hätte ich dann selbstverständlich nicht gekauft.
Zum Glück lese ich keine Klappentexte, zumindest nicht allzu oft, denn dieser Roman des mir bisher gänzlich unbekannten Autors John Ajvide Lindqvist ist ein wahres Goldstück seines Genres! Die Handlung in Kürze: Der kleine Oskar, von seinen Mitschülern gehänselt, von den Erwachsenen unverstanden, lernt eines schönen Abends das neue Nachbarskind kennen, ein einfaches Mädchen, wie er anfangs glaubt, das auf den Namen Eli hört. Ist natürlich ein Vampir, die Kleine, sonst wär’s ja kein Vampirroman. Anschließend geht’s gut zur Sache: Einige Menschen werden gebissen, die einen sterben, die anderen verwandeln sich und so weiter und so fort. Dazu ‘ne Art Liebesgeschichte, kennt man ja, das Ganze. Erstens jedoch ist die Geschichte vor den allseits bekannten Schwarten einer Stephenie Meyer entstanden und zweitens liest sie sich erfrischend alternativ. Bisschen idependent irgendwie.
Klar, wie es sich für einen Horrorroman gehört, gibt es explizite Szenen mit viel Blut und die plastische Art, auf die Lindqvist diese schildert, sucht definitiv ihresgleichen. Dennoch beschränkt sich der Autor gar nicht mal darauf, eine (Achtung, Wortwitz!) ausgelutschte Blutsaugererzählung auf Papier zu rotzen, sondern stellt viel eher gesellschaftliche Probleme Schwedens in den Vordergrund, die wie üblich totgeschwiegen werden und die so nachvollziehbar sind, weil sie auch hierzulande ein Thema sind: Kinder und Jugendliche, die ohne Perspektive in Baukastenstädten aufwachsen, der Konflikt zwischen den Generationen, das ganze Brimborium. Alles eingebettet in eine spannende und geschickt konstruierte Handlung, die sich vor allem durch messerscharfe Dialoge auszeichnet. Herrlich!
Wer auch nur annähernd gern gruseligen Stoff für gemütliche Abendstunden parat und zudem ein Herz für Bücher hat, dem kann ich den schwedischen Sechshundertseiter nur wärmstens empfehlen. Ach ja, für die Wenigleser unter den Lesern: Gibt’s auch als gelungenen Film.
Montag, 31. Januar 2011 §
Was ich hasse: Morgendlicher Notabwasch, weil in allen brauchbaren Müslischüsseln angetrocknete Reste der Vortage kleben, die ich nur ungern mit neuem Kohlenhydratfraß kombinieren möchte. Nun ja.
Was ich mag: Bücher. Unter anderem. Und weil ich’s schon eine Weile nicht mehr getan habe und, äh, ich ja quasi als Blogger bestimmt auch eine Art Bildungsauftrag akzeptiert habe, der irgendwo in den AGBs des Website-Hosters versteckt und mit gewöhnlichen Menschenaugen kaum auffindbar ist, schmeiße ich hiermit eine liebevoll zusammengestellte Auswahl der letzten Bücher, die ich Zeile für Zeile gelesen und qualitätsgeprüft habe, unters mitlesende Volk.
»Zwischen Nacht und Dunkel« (Stephen King)
Der leichte Knick in der Formkurve des Großmeisters der massentauglichen Schmalspurgruselliteratur ist längst vorbei, wie die letzten Romane des literarischen Urgesteins bewiesen haben. Stephen King schreibt sich seit einigen Jahren selbst in seinen zweiten Frühling hinein und in diese Entwicklung passt auch die letzte Kurzromansammlung »Zwischen Nacht und Dunkel« ganz hervorragend. Wobei die Bezeichnung Kurzroman nur auf eine der vier Geschichten tatsächlich zutrifft. Ansonsten gibt’s zwei Novellen und eine nicht ganz gelungene Kurzgeschichte. Alle vier Erzählungen drehen sich um das Motiv der Rache und ihre Auswirkungen. Die Geschichten in diesem Buch sind knüppelhart! Seichte Gemüter sollten sich lieber anderswo tummeln, doch wer’s gern etwas derber mag, der sollte sich diese kleine aber feine Sammlung nicht entgehen lassen. Mir lief beim Lesen nicht nur einmal ein fieser Schauer über den Rücken.
»Die Straße« (Cormack McCarthy)
Ja, ich bin durch den Kinofilm auf das Buch aufmerksam geworden, muss aber, um meine Ehre zu bewahren, dazu sagen, dass ich es gelesen habe, bevor ich mir den Film angeschaut habe. Letzteres kann man sich übrigens getrost sparen, da das Buch im Prinzip eins zu eins in bewegte Bilder umgesetzt wurde und Viggo Mortensen irgendwie immer noch Aragorn ist, während der zweite Hauptcharakter, ein namenloser Junge, so blass und nichtssagend bleibt, wie er eben namenlos ist. Das Buch jedoch ist ein großes Ding! Nicht sonderlich dick und man muss sich daran gewöhnen, das McCarthy keine Anführungszeichen in der wörtlichen Rede verwendet, doch die Dialoge sind so spitz und geschliffen, dass man während des Lesens aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt. Kurzer Abriss der Handlung: Die Erde ist hinüber, warum auch immer, ein Mann und ein Junge kämpfen sich nach Süden durch und stoßen dabei auf allerlei menschliches Elend wie Hunger und Hoffnungslosigkeit und moralisches Versagen, vor allem etwa Kannibalismus. Unbedingt reinlesen, weiterlesen, durchlesen!
»Man tut was man kann« / »Da muss man durch« (Hans Rath)

Öhm, wie schon die Cover der beiden zusammenhängenden Bücher andeuten, eher Frauenbücher. Allerdings aus der Sicht eines Mannes erzählt, von einem Mann geschrieben und damit mit dem Humor eines Mannes ausgestattet. Nun ja, ahem, ich kann letzterem zumeist mehr abgewinnen, als dem der holden Weiblichkeit, auch wenn mir jetzt wieder eine Meute wutschnaubender Emanzen die Hölle heiß machen wird. Oder auch nicht… Kurz zu den Büchern: Es geht um Paul. Paul ist Personalvorstand einer Zeitung, Paul ist Lebemann und anfangs ein ziemliches Arschloch. Dann jedoch gerät Pauls Leben zunehmend aus den Fugen und als Leser weiß man nicht, ob man bei all den Skurrilitäten, die einem während des kurzweiligen Leseausflugs begegnen, lachen oder den Kopf schütteln soll. Ich muss sagen, dass die beiden Romane des Herrn Rath so ziemlich das Amüsanteste sind, was mir in den letzten Jahren untergekommen ist. Der dritte Teil der Reihe ist schon auf der Wunschliste angekommen und wird heiß erwartet!
»Küsschen Küsschen!« (Roald Dahl)
Na ja, muss man vermutlich nicht viel zu sagen. Sind halt elf Geschichten von Roald Dahl, die übrigens allesamt ganz, ganz hervorragend sind und sich jeweils entweder während eines halben Stündchens vor dem Einschlafen lesen lassen oder wahlweise auch in Bus und Bahn. Nach jeder der Erzählungen hat man zumindest ein leicht gemeines Schmunzeln auf den Lippen. War sicher nicht meine letzte Dahl-Sammlung.
»White Line Fever« (Lemmy Kilmister)
Wer sich für Lemmys berüchtigte Lebensweisheiten in den Interviews der einschlägigen Musikmagazine begeistern kann, der hat »White Line Fever« vielleicht eh längst gelesen. Eine meist recht kurzweilige Autobiographie des Motörhead-Frontmans, während der man staunt, dass der Mann tatsächlich Buddy Holly noch live gesehen hat und sich doch wünscht, er hätte doch ein paar weitere Geschichten über das Leben und die Frauen erzählt, statt nur über die Probleme der Bandbesetzung und versandende Plattenverträge zu schwadronieren. Dennoch nie wirklich langweilig, auch wenn die deutsche Übersetzung eine Katastrophe ist. Vielleicht ist aber auch das Original schon ein sprachliches Gewaltverbrechen. Bei Lemmy ist das dann aber nicht schlimm, sondern allenfalls nicht ganz so cool wie alles andere, was er sonst so tut. Nun ja.
So, genug. Nun aber weitergesurft!
Montag, 6. September 2010 §
Es ist Montag, ich bin schreibwütig. Nachdem mein, uh, Emo-Wochenende vermutlich lediglich durch das Nichtvorhandensein des Kajalstiftes einer chronisch abwesenden Herzdame vor der Komplettkatastrophe bewahrt wurde, fühlte ich mich doch sogleich nach dem heutigen Aufstehen wie ein richtiger Mensch. Richtig schnittig sogar.
»Stranger Than Fiction« dröhnt aus den Kopfhörern, ich mache mich auf den Weg zum Bus, mich darauf freuend, noch ein wenig in meinem gestern begonnenen Buch blättern zu können: »Gut gegen Nordwind«, geschrieben vom Herrn Glattauer, der wohl aus Österreich kommt.
Und nun stehe ich Buchtipps ja immer etwas skeptisch gegenüber, weil doch mein Geschmack da scheinbar ein ganz sonderbarer zu sein scheint, aber diese Empfehlung war ein Volltreffer! Kurzer Abriss: Frau vertippt sich in einer Mailadresse und lernt so zufällig Mann kennen. Man kommt ins Gespräch und beginnt sich zu mögen. Alles weitere möge der geneigte Leser bei Amazon und Konsorten nachschlagen. Denn was ja eigentlich interessant ist, ist zum einen der ungeheuer treffsichere Wortwitz des Autors und zum anderen die Erfahrung, sich selbst immer wieder in Auszügen in den Charakteren wiederzufinden. Warum mailen die sich, fragte ich mich eingangs etwa und fühlte mich ein wenig betrogen, wie’s mir jedes Mal in Filmen wie »Blair Witch Project« geht, wo mich die Tatsache aufregt, dass der Hirni die Kamera nicht abstellt. Ich meine, warum mailen sie denn nur? Warum nicht ICQ? Skype? Warum eine solche Bekanntschaft nicht aufbauen wie ich es schon gefühlte tausend mal getan habe?
Warum telefoniert der nicht, mögen sich Individuen der nächst höheren Kommunikationspräferenz in meinem Fall fragen. Nun, darum halt! Es ist das Ritual, oder nicht? Der Genuss am Akt, die Angst vor dessen Ende. Und da – Bam! – fühle ich mich ertappt, hab ich’s plötzlich verstanden. Und so finde ich mich grinsend im Bus wieder. Neben mir die beiden Herren in ihren Maßanzügen, die juristisches Zeug fachsimpeln, worauf ich den iPod hochdrehe. »The Handshake«. Ah! Noch etwas weiterlesen.
Verspricht, eine gute Woche zu werden, meint nicht nur das Buch, nachdem die letzte passend zur Musik tatsächlich stranger than fiction war. Und schon deswegen sollte man besagte Woche auch mit was Gutem beginnen. Vielleicht. Daher geht ein Gruß an die charmante Buchempfehlerin aus dem rot-weiß-rot gestreiften, bereits erwähnten Nachbarland. Sie und alle anderen mögen mir meinen etwas fadenfreien Beitrag hier vergeben. Nun ja.
Sonntag, 4. Juli 2010 §
Nun, da mir inzwischen schon das Sommerloch attestiert wird, fühle ich mich doch, ja, sagen wir mal, ermutigt, ein wenig Content nachzureichen. Aber worüber schreiben, wo doch jedermann irgendwie im Fußballfieber steckt und ansonsten zumindest gefühlt eine große Blase voller Leere vorherrschend ist? Man könnte ja ‘nen bisschen Fremd-Content anpreisen. Werd ich hiermit auch mal tun, denn nach einer ziemlich tatsächlichen Ewigkeit habe ich es doch wirklich geschafft, »Die Arena«, den ziegelsteingroßen und -schweren Roman des Altmeister Stephen King auszulesen.
Und meine Meinung? Nun, grandios! Die Rahmenhandlung ist so simpel wie effektiv: Über das gemütliche Städtchen Chester’s Mill legt sich an einem nicht minder gemütlichen Tag unerwartet eine unsichtbare Barriere, quasi eine gigantische Tortenglocke. Da die rätselhafte Kuppel, von der kein Mensch weiß, wer oder was sie erschaffen hat, niemanden mehr in die Stadt hinein oder hinaus lässt, ist’s schnell vorbei mit der kleinstädtischen Gemütlichkeit, und King-typisch dreht bald schon so ziemlich jeder am Rad. Allen voran der reichlich fundamentalistische und nicht minder kriminelle zweite Stadtabgeordnete »Big Jim« Rennie und dessen wahnsinniger Sohn »Junior«. Was sich hier so simpel liest, ist jedoch sehr komplex aufgezogen, denn der Roman kommt mit einer unglaublichen Fülle an unterschiedlichen Charakteren daher. Der Überblick will da erst einmal behalten werden.
Ebenso King-typisch ist die hanebüchene Auflösung des Geheimnisses um die Kuppel, und man fühlt sich doch ein wenig an das grausige Ende eines »Indiana Jones 4« erinnert [Nein, es steigt kein UFO auf!]. Sieht man davon ab, bekommt man jedoch einen Wälzer, der erstaunlicherweise trotz seiner 1.300 Seiten völlig ohne Längen auskommt. Das Gaspedal wird von der ersten Seite an durchgetreten, und trotz des Fehlens jeglicher Horrorelemente gehört Kings bissiges Statement zu Gesellschaft, Politik und Religion eindeutig zu den besten Romanen, die der »King of Horror« in den letzten Jahren auf den Markt geworfen hat. Wer also seinen Urlaub auf Balkonien verbringt und noch ein wenig Unterhaltung abseits digitaler Gefilde sucht, ist mit »Die Arena« meiner Meinung nach bestens beraten. Alle anderen warten am besten auf die Paper-Back-Variante, denn das Teil ist wirklich höllisch schwer!
Donnerstag, 7. Januar 2010 §
Da starte ich doch, hm, fast schon glücklich und irgendwie zufrieden ins wahrscheinlich unglaublich ereignisreiche Jahr 2010 und klebe mir dafür gleichfalls einen Roman an die Backe, bei dem sich vor lauter Langeweile Sabberfäden aus meinem Mund abseilen. Okay, so allmählich, hm, nach der Hälfte der unbarmherzigen 800 Seiten dicken Schlaftablette, nimmt die reichlich skurrile Geschichte an Fahrt auf, doch woah – was hilft das, wenn ich das Gefühl nicht los werde, dass ich so etwas auch hätte schreiben können? Behaupte ich wenigstens. Das Machwerk, von dem ich rede, schimpft sich übrigens »Sommer der Nacht« und stammt vom angeblich schon recht lange sehr erfolgreichen Autor Dan Simmons.
Worum geht’s? In aller Kürze: Eine Bande recht austauschbarer Halbwüchsiger startet im lauschigen Elm Haven in die wohlverdienten Sommerferien, die dann jedoch so gar nicht lauschig verlaufen. Mysteriöse Dinge geschehen, Menschen verschwinden, und zuerst scheinen sich doch tatsächlich die Lehrer gegen die Stadt verschworen zu haben. Doch viel mehr ist es irgendeine böse Macht, die scheinbar von der abrissreifen Schule ausgeht und sich anschickt, reichlich Unheil zu stiften. So weit, so gut also.
Die Geschichte erinnert ein wenig an Stephen Kings »Es«, reicht jedoch zu keiner Sekunde an dessen Genialität heran. Gerade die Charakterzeichnungen, eine bekannte Stärke in Kings Werken, hat Dan Simmons vor lauter Handlung irgendwie vergessen. Na ja, kann ja mal passieren. Wäre diese Handlung an sich dann nur entsprechend tiefgehend und gewaltig geraten. Doch nein, sie plätschert an der Oberfläche locker lässig vor sich hin wie ein gemütlicher kleiner Bach im schönsten Sonnenschein. Da muss man sich am Ende auch nicht wundern, dass die Schockeffekte fast nie zünden, als wären sie nasse Silvesterknaller. Ach, und dann schreibt der King auch noch hinten drauf, das Ding wäre das Geilste unter der Sonne, und man müsse es unbedingt gelesen haben. Aha. Was mich ein wenig ängstigt: Auf der Rückseite zu Kings neuestem ziegelsteindicken Machwerk »Die Arena« schreibt Dan Simmons, das Ding müsse man auch gelesen haben. Uh!
Nun ja, kurzum: Bitte nicht lesen. Also den Simmons, nicht den King. Letzteren kann man immer lesen. Finde ich zumindest.
Sonntag, 9. August 2009 §
Kleine Sensation im Hause PhanThomas: So ganz kurz vor der Zielgeraden hab ich den nächsten King-Roman zur Seite gelegt und das herrlich komische »Der törichte Engel« von Christopher Moore vorgezogen. Mein Dank geht an die liebe LadyLy. Einmal für den Tipp und natürlich fürs Leihen.
Ein Buch über, hm, quasi Zombies zu Weihnachten. Wer mehr zur Geschichte wissen will, kann ja bei [Amazon] reinschauen, denn gegen lange Erklärungen sträubt sich meine mir angeborene Faulheit wie die Deutschen vor einem Kanzler namens Steinmeier. Krude Geschichte mit herrlichem Humor jedenfalls. Allein der erste Satz hat mich schon vom Hocker gerissen:
»Wie ein schleimiges Ungeheuer schleppte sich Weihnachten durch Pine Cove, zog eine Spur von Lametta, Girlanden und Schlittenglöckchen durch den Ort, triefte nach Eierpunsch, stank nach Tannenbaum und festlichem Verhängnis, wie Herpes unter einem Mistelzweig.«
Göttlich! Sollte ich anschließend unbedingt weiterverfolgen, den werten Herrn. Trifft meinen Humor wie die wohlgeformte Faust das genormte Auge. Huh.