Eier… na ja, …suche

Freitag, 30. März 2012 § 22 Kommentare

Wenn es schon nichts Anständiges zu bloggen gibt, dann kann man doch wenigstens versuchen, einen Amazon-Gutschein abzugreifen. Wie das? Ganz einfach, indem man dieses hübsche Ei hier auf seiner Webseite versteckt, ahem.

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Gut, ist jetzt eher weniger versteckt, aber in ein paar Tagen ist das Ding nach unten gerutscht und dann kurz darauf sogar schon auf Seite 2 angelangt, ha! Und dann ist’s so gut versteckt, dass … Ach, lassen wir das.
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Denker & Macher

Mittwoch, 21. Dezember 2011 § 7 Kommentare

In letzter Zeit, wo ja die Nachrichten so schlecht sind und die monetäre Welt mal wieder am Abgrund zu stehen scheint, also in letzter Zeit halt, da frage ich mich ein wenig, wie’s wohl wäre, auf unserer weiten Welt, wenn selbige von Denkern gelenkt werden würde.

Generell unterscheide ich die Menschen nämlich in Denker und Macher. Die Welt wird regiert – ganz klar – von den Machern. Die Macher, das sind die, die voranpreschen, die was bewegen wollen, die an sich selbst glauben und so viel Arsch in der Hose haben, ihrem Gegenüber selbst dann ins Gesicht zu pinkeln, wenn selbiges durchaus in Faustschlagreichweite vor ihnen steht und bereits vor Wut kocht.

Die Macher denken nicht allzu viel, das ist klar, denn sonst wären sie ja Denker. Sie lassen sich beraten von Beratern, die auch eher Hybriden als Denker sind, denn Denker, die will keiner haben, die sind unbequem. Die stellen Fragen, hinterfragen, machen Gegenvorschläge. Denker sitzen zu Hause, an Stammtischen vielleicht noch, ja, aber nicht in Parlamenten. Denker schreiben Manifeste, bzw. bloggen sie heute wohl eher. Sie hauen hier und da ein Buch auf den Markt, das alle sehr schön finden, sehr durchdacht, sehr patent und durchaus brauchbar. Das sollten die mal lesen, die da oben, denken sich die Leser dann.

Die Macher aber, die lesen die Bücher selbstverständlich nicht, weil sie sie erstens nicht verstehen und zweitens so dermaßen in ihrem Kosmos des Machens eingepfercht sind, dass sie sich ohnehin für die wahren Sonnenkönige halten. Und weil Macher zu beschäftigt und zu egozentrisch sind, um mal über den Tellerrand zu blicken, wird das nichts mit dem Lesen. Sie sind nicht ungebildet, mitnichten, aber sie denken eben nicht. Sie machen. Und weil das Machen immer nur im Hier und Jetzt stattfindet und niemals im Morgen, ist irgendwann die Kacke am Dampfen. So wie jetzt halt.

Und man muss das gar nicht auf die Politik beziehen. In der freien Wirtschaft klappt das genauso gut: Denker sitzen selten in Chefetagen, denn die Plätze dort oben werden gewärmt von Machern. Denker wollen aber auch gar nicht da sitzen.

Dennoch, ich frage mich nun eben, um den Bogen mal nicht zu weit zu spannen, wie die Welt wohl wäre, wenn Denker sie lenken würden und Macher zwar machen könnten, jedoch ohne gleichzeitig Entscheider zu sein.

Ob diese Welt, diese Denkerwelt, wohl eine bessere wäre?

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Ab die Post! Äh, nee.

Mittwoch, 30. November 2011 § 14 Kommentare

post Ab die Post! Äh, nee.

Briefkästen sind komische Dinger. Zumindest in meinem Kopf. Denn da sind sie das metallene wie gelbe Äquivalent zu einem Baum. Bäume, die stehen überall rum, stellen ihre Wurzeln in den Weg, bedecken herumliegende Hundehaufen mit Laub, husten Pollen in die Luft und tun allerlei andere Dinge, über die es sich trefflich ärgern lässt. Briefkästen, die tun nichts dergleichen, stehen aber ebenfalls überall herum. Zumindest in meinem Kopf ist das ein Fakt.

So marschiere ich dann mit einem Brief in der Hand los, biege in die nächste Straße ein, in der ganz sicher ein Briefkasten steht und finde … einen Baum. Aber ganz sicher keinen Briefkasten. Auch nicht in der nächsten oder übernächsten Straße. Obwohl – zumindest will mein Kopf es so – doch eigentlich überall Briefkästen stehen sollten. Spontane Sparmaßnahmen der Post fallen mir dazu dann ein, Briefkastendiebe, ja, ein ganzes Briefkastendiebstahlkartell.

Warum nur, warum bin ich mir immer sicher, in jeder Straße einen Briefkasten gesehen zu haben und finde an angedachter Stelle niemals einen vor? So was bringt einen doch zum Grübeln.

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Klingelnde Telefone, alte Vasen & zerschundene Koksbarone.

Samstag, 19. November 2011 § 4 Kommentare

indianajones Klingelnde Telefone, alte Vasen & zerschundene Koksbarone.

Da ich ohnehin seit 8 Uhr wach bin, weil ein nicht wirklich notwendiger Bereitschaftsanruf mich aus der vielleicht schönsten Phase des REM-Schlafes riss, kann ich auch gleich was bloggen. Und weil ich noch müde bin und die zerschlagenen Gedankengänge erst einmal wieder in Formation bringen muss, kommt mir eine chice Kausalitätskette, die soeben zwischen Kaffeemaschine und Couch meinen unbewaffneten Verstand übermannte, gerade recht.

Als ich noch jung und bartfrei war, da sagte ich: Wenn ich mal groß bin, dann werd ich – nein, nicht Feuerwehrmann – Archäologe, werd ich. Gut, zuerst war es Paläontologe, aber auch nur, weil Dinosaurier eine Zeit lang verdammt cool waren. Dann aber kam Indiana Jones dazwischen. Ich war jung, glaubte alles, was das fesche Farbfernsehen mir erzählte, also wollte ich künftig Archäologe werden, durch die Welt reisen, Schätze aus Höhlen rauben, Steinkugeln und Pfeilen ausweichen, dabei meinen Hut festhalten, und ab und an einen fiesen Bösewicht verprügeln – in Anbetracht der Tatsache, dass es in den Indy-Filmen immer Nazis waren und es ja keine Nazis mehr gibt, vielleicht einen kolumbianischen Drogenbaron samt Gefolge oder so. Aber ob Dinoknochen oder Pharaoknochen, ich hätte jedenfalls gern im Dreck gebuddelt.

Dann traten zwei Ereignisse ein, die Reihenfolge tut dabei nichts zur Sache: Erstens hörte ich auf zu wachsen, was den Satz »Wenn ich mal groß bin …« ziemlich ad absurdum führte und zweitens kauften meine Eltern einen Computer.

Der Rest ist Geschichte und heute bin ich deswegen IT-Consultant. Zugegeben, das ist nicht ganz so cool wie Indiana Jones und man verprügelt auch keine Koksbarone in Nazikostümen oder so, sondern nur in Gedanken die Kundschaft, aber man wird eben über das Bereitschaftshandy geweckt und so aus dem bereits erwähnten und viel gepriesenen REM-Schlaf gerissen.

Komisch irgendwie. Wäre ich doch Archäologe geworden, hätte mich heute vermutlich keiner geweckt, ich schliefe tatsächlich noch und müsste nicht befürchten, dass irgendein Handy klingelt. Ich hätte nie begonnen, dieses Blog zu schreiben und das verstreute Dutzend der hiesigen Leserschaft wäre von meinen Ergüssen verschont geblieben. Andererseits kann ich nun hier sitzen und von abenteuerlicher Prügelarchäologie träumen, ohne dass die langweilige Realität diese romantische Blase zum Platzen bringen kann. Gar nicht so übel, wenn man’s genau nimmt, einmal gegen die Realität zu gewinnen. Drum sei’s das an dieser Stelle auch gewesen, schließlich gilt es, Sanchez El Loco und seine Schergen zu vermöbeln und, öhm, alte Vasen auszubuddeln.

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Kurz zurückgeträumt.

Dienstag, 1. November 2011 § 11 Kommentare

traum Kurz zurückgeträumt.

Als ich vorhin in der Küche stand, darauf wartend, dass meine Kaffeemaschine die Tasse vollhustete, da dachte ich mir plötzlich, es wäre doch ‘ne starke Sache, wenn ich meinen jetzigen Wissensstand in so mancherlei technischem Belang ein paar Jahre rückwärts durch die Zeit diffundieren und – An wen sonst? – an mich selbst übertragen könnte. Sozusagen ein Hirn-Update in der Vergangenheit. Am besten zu Beginn des Studiums oder so.

Hm, irgendwie sehe ich zwar erst mal keinen direkten persönlichen Vorteil darin, mich selbst sozusagen postum zu patchen, aber einen indirekten hätte es ja doch gehabt: Ich hätte mir eine ganze Menge Lernerei ersparen und dafür viel mehr Zeit am Computer verdaddeln können. Vielleicht hätte ich es dann seinerzeit geschafft, »Final Fantasy XII« durchzuspielen! Nun, vermutlich nicht. Aber gefallen hätte mir das gewiss.

Ah, weitere Bilder tun sich auf … Ich hätte ganz wunderbar zünftig auf die Kacke hauen können, oh ja. Nicht, dass das irgendwen beeindruckt hätte, also abgesehen von mir selbst, aber so ‘ne Selbstbeweihräucherungsorgie ob meines gigantischen Wissensfundus, nun ja, die hätte mich sicherlich ein gutes Stück selbstbewusster dastehen lassen. Smarter. Vielleicht wäre ich dank meiner fundierten Kenntnisse längst in irgendeiner Chefetage gelandet und würde jetzt an meinem Golf-Handycap arbeiten und meine Krawatte von schleimigen Untergebenen geraderücken lassen. Oder hätte wie wild Apple-Aktien gekauft und würde heute auf einem Bett aus iPhones schlafen. Bestimmt wäre ich unglaublich reich. Ja, bestimmt. Und Bücher … ich würde Bücher schreiben, weil ich so gut schliefe auf meinen iPhones und mit so viel Kreativität in den neuen Tag starten würde. Außerdem hätte ich ja Zeit, reich wie ich nun mal wäre. Mit dem Reichtum kommt die Zeit, man kennt das.

Aber ach, kehren wir zurück ins Hier und Jetzt. Der Kaffee ist ja auch schon fast kalt.

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Aktionswoche »Assoziatives Schreiben«: Letzter Teil.

Sonntag, 30. Oktober 2011 § 2 Kommentare

block Aktionswoche »Assoziatives Schreiben«: Letzter Teil.

Der Autor dieses allzu häufig nicht erreichbaren Weblogs gibt zu, mit seinem selbst gefassten Plan »Sieben Tage, sieben Texte« im Kontext »Assoziatives Schreiben« kläglich gescheitert zu sein. Nach Nummer 5 hat doch tatsächlich irgendwer die Puste aus der literarischen Luftmatratze herausgelassen. Andererseits sind fünf Texte in fünf Tagen ja auch schon eine hübsche Hausnummer und quasi als Wort zum Sonntag gibt’s dann doch noch einen kleinen Nachschlag. Heute, passend zur entwichenen Schreibluft, was über die Kurzatmigen unter uns.

Daher nun: Raucher

Wenn es einen Gott geben sollte – und möge er von mir aus auch gern aus in die Länge gezogener Teigmasse, angereichert mit Bolognaisesauce und appetitlichen Fleischklopsen bestehen -, der sich unserer Erschaffung angenommen hat, dann ging er vermutlich so vor, dass er Mann und Frau aus dem prähistorischen Schlamm knetete, anschließend mit dem Marlboro-Mann für ein Päuschen auf den Balkon ging, bevor er sich zurück an die Arbeit machte und plötzlich das Gefühl bekam, dass noch etwas Wichtiges zur Vollkommenheit zu fehlen schien. Noch ein wenig Schlamm hier, ein ein bisschen Spachtelmasse da, eine löchrige Teerlunge, dazu ein Päckchen Kippen, lässig in die Arschtasche geschoben, und weil man dafür ja überhaupt erst mal eine Tasche braucht, gab’s eine adrette Blue Jeans dazu – fertig war der Raucher.

Nun unterscheiden sich Raucher und Menschen in vielerlei Hinsicht. Das fängt schon damit an, dass Menschen immer nur olle Menschen sind, während Raucher so was wie das nikotinabhängige Äquivalent zu blutschlürfenden Vampiren sind. Ständig sind sie auf der Pirsch nach dem nächsten Glimmstängel, egal ob erschnorrt oder bei Nacht und Nebel aus ‘nem Automaten gefriemelt, um der Lebenserwartung ein weiteres Mal ‘nen Scheitel zu ziehen. Niemand warnt den Nichtraucher so sehr vor den Gefahren, den Nachteilen, der Lästigkeit des Tabakkonsums, wie der Raucher selbst. »Ganz schlimme Angewohnheit«, sagen sie dann, als hätten sie’s auswendig gelernt, ziehen genüsslich am verteerten Filter und fahren fort: »Fang du bloß nicht auch noch damit an!« Die Botschaft ist klar: Raucher wollen unter sich bleiben, sie sind eine verfluchte Elite, die Geschöpfe der frischen Luft, Sklaven einer tausendfach inhalierten Milligrammdosis Nikotin, von denen der Nichtraucher tunlichst Abstand halten sollte. Und das tut er gemeinhin auch freiwillig, ist doch so ein vorbeigehender Teerkübel an Gestank nur von sich selbst zu übertreffen, nämlich sobald er den Mund öffnet und beim Reden ein undefinierbares Aroma in die Welt hinausjagt, dass wenigstens mich noch am ehesten an den Duft von Salami nach einem ausgiebigen Sonnenbad erinnert.

Dabei sind die Kinder des Teer streng genommen ein wirklich lässiger und damit beneidenswerter Haufen: Lässig genug, um dem Lungenkrebs bis zum bitteren Ende hustend ins Gesicht zu lachen, schließlich ist Leben ohnehin tödlich, lässig genug, um den röchelnden Nichtraucher geflissentlich gar nicht zu bemerken oder ihn schlicht zu ignorieren. Nach der Zigarette ist eben vor der Zigarette, allem Protest zum Trotz! Und jeder nichtrauchende Lokalbesucher weiß, wenn alles ein Ende und nur die Wurst derer zwei haben sollte, dann hat die Zigarette des nervigen Schornsteins am Nebentisch überhaupt kein Ende. Raucher sind in jeder Hinsicht die ruhigeren Probanden, finden Raucherpausen doch fernab des stressigen Alltagskosmos statt, in der nebulösen Welt der Raucherzimmer, deren Sauerstoffarmut ein Nichtraucher keine fünf Minuten standhalten kann, ohne dass ihm die Augen aus den Höhlen quillen. Raucher sind die besseren Kollegen, zumindest unter ihresgleichen, denn alle anderen müssen die im Dunst erstickte Arbeitszeit wieder ausgleichen und büßen so soziale Pausenkompetenzen ein. Aber Raucher sind eben auch die besseren Regierungschefs, denn abseits jeglicher Meinungsverschiendenheit in Sachen Aufrüstung oder Menschenrechten schmeckt die Zigarette zwischendurch doch allen Beteiligten gleichermaßen.

Außer den Nichtrauchern! Und weil es derer trotz krebserregenden Passivrauchens scheinbar immer noch viel zu viele aber eben nicht genug gibt, haben sie sich inzwischen selbst in die Opferrolle hineindefiniert und die stinkenden Tabakeimer aus öffentlichen Gebäuden verbannt. In Restaurants duftet es nun endlich nach Essen statt nach Teergrube, Kneipen riechen nach Schnaps und Erbrochenem und Diskotheken nach Schweiß. Es ist Ruhe eingekehrt im Abendland, selbst die Raucher scheinen sich an den Regelungen nicht zu stören, die sie nun sommers wie winters zum Qualmen nach draußen beordern. Da kann es noch so kalt sein, stört niemanden, die Finger des Dauerquarzers zittern ja sowieso. Außerdem ist da noch der Aufschwung der Heizpilzindustrie, so dass Freund Raucher auch im Winter eigentlich kaum mehr frieren muss, während er sich ordentlich Lochfraß in die Lunge hineinpfeift. Natürlich ist das schlecht fürs Klima, selbstverständlich werden die horrenden Energiekosten für die Dinger auf Getränke und Speisen und nicht auf die Glimmstängel umgelegt, aber irgendwie muss man den pseudogesunden Nichtraucher mit dem ewigen Stock im Arsch ja ärgern, wenn man ihm schon nicht mehr die Luft verpesten kann. Mich als einen von ihnen bringen diese nur auf sich bedachten Nikotinsüchtigen ja schon wieder auf die Palme. Da hilft zur Beruhigung wirklich nur noch ‘n Tässchen Kaffee.

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Aktionswoche »Assoziatives Schreiben«: Fünfter Teil.

Donnerstag, 27. Oktober 2011 § 0 Kommentare

block Aktionswoche »Assoziatives Schreiben«: Fünfter Teil.

Ich muss eingestehen, so allmählich ist die Luft raus. Sieben Tage, sieben Texte, nun, das war vielleicht doch etwas hoch angesetzt. Es wäre jedenfalls wohl sinnig gewesen, sich die assoziationsgeeigneten Begriffe bereits im Voraus zu überlegen und dann so zu tun, als wäre man spontan unendlich kreativ. Hinterher ist man ja immer schlauer. Doch es hilft alles nichts, es muss weitergehen, also werfen wir die Hirnmaschinerie an und schreiten tüchtig voran. Und weil vorwärts eine so schöne Richtung ist, bleiben wir doch gleich dabei.

Heute also: Vorwärts!

Genosse Honecker sagte es bereits zu Lebzeiten im aufschwungbefreiten Ostteil Berlins: »Vorwärts immer, rückwärts nimmer!«, die kleinen kapitalkritischen Maulwurfsaugen hinter der dickglasigen Brille siegessicher (oder wegen regelmäßiger Asbestinhalation geistesabwesend) funkelnd. Vielleicht war das Nasenfahrrad des Genossen auch nicht dick genug, sonst hätte er doch sicher gemerkt, dass es zwar vorwärts ging, aber nur für all jene, die ihre Augen nach hinten gerichtet hatten. Nun gut, die Geschichte hat uns gelehrt, dass nicht lange danach die Scorpions kamen, um zuerst die Mauer und dann den ganzen Staat mit gespitzten Lippen und Akustikgitarren wegzusäuseln. Und seitdem geht’s ja auch wirklich vorwärts hier in Berlin. Da guckt man einmal nicht hin, schon ist aus einem hübschen Park ein leerstehendes Bürogebäude geworden und schon Tags darauf ein besetztes Haus.

Wo Berlin ist, da ist Leben, da hat sich geballte Unfreundlichkeit zu Unmengen an Menschmasse personifiziert, die sich zusammengequetscht wie ein immenser Wackelpudding aus Fleisch und Schimpftiraden durch die Straßen wühlt, als wäre das ganze Jahr lang Schlussverkauf. Und wer was abbekommen will, im Schmelztigel aller Formen und Farben von Selbstgefälligkeit und Egoismus, der muss eben sehen, dass er vorwärts kommt. Das fängt damit an, dass die Oma schon morgens um zehn im Discounter um die Ecke an der Kasse steht, um das letzte Bier abzustauben, und endet mit den zu jeder Tageszeit von Pennern besetzten Parkbänken, die eigentlich längst eigene Hausnummern haben müssten.

Man muss eben auf Zack sein, aber dafür gibt es hier schließlich, sofern man nicht mit dem eigenen motorisierten Gefährt in das ewig währende Hupkonzert der urbanen Stauapokalypse einstimmen möchte, den öffentlichen Nahverkehr, der sich aber den Slogan »Vorwärts!« glücklicherweise nicht auf die rapsgelben Fahnen geschrieben hat, denn … ach, man kennt es ja: Nur zehn Meter sind es bis zum Bus und man ist bereits zum eleganten Sprint übergegangen, um gerade noch rechtzeitig zum Hechtsprung durch die sich schließende Tür anzusetzen. Doch hat man die Rechnung ohne den Busfahrer gemacht, jene Spezies, die auch ohne den für das Lachen benötigen Muskelapparat auskommt und so maulfaul wie perfide ist. Der nämlich, hat den herbeihastenden Fahrgast längst ausgemacht und schließt die Tür rechtzeitig direkt vor dessen Nase. Der geübte Brummifahrer geht einen Schritt weiter und klemmt den Zinken des unglückseligen Zuspätkommers fachgerecht in der Tür ein. Und immer dann, wenn man nur noch den Rücklichtern des gemütlich davonbrausenden Busses nachsehen kann, scheint dessen Heck sich vor den eigenen Augen in einen Hintern mit heruntergelassenen Hosen zu verwandeln. Macht nichts, der nächste Bus kommt bestimmt. Nicht!

Doch man kann alternativ ja auch mit der U-Bahn vorwärts kommen, wenn es denn so nötig ist, dass man sich den durchaus als experimentell zu bezeichnenden angestauten Duft menschlicher Ausdünstungen antun möchte, der irgendwo zwischen den üppigen Ausscheidungen einer Kuh und einer polnischen Schnapsbrennerei anzusiedeln sein dürfte. In den gelben Riesensärgen, die tagein, tagaus durch den lauschigen Berliner Untergrund holpern, stellen untalentierte Akkordeonspieler sowie die Zeitungsfritzen von »Motz« und »Straßenfeger« eine durchaus respektable Wirtschaftsmacht dar und bieten dem Fahrgast immerhin ein wenig Unterhaltung, während er seine Nase im Winter in der eigenen Jacke und im Sommer in fremden Achseln vergräbt. Ach und dann dieses Gedränge beim Ein- und Aussteigen, denn – wir wissen es – hier will jeder vorwärts kommen. Ruhig bleibt da nur der Bahnfahrer, der die Tatsache, dass ein gigantischer wutschnaubender Menschenpudding versucht, sich durch eine einzige U-Bahn-Tür zu quetschen, über Lautsprecher mit dem Satz »Dit is hier keen Weihnachtskalender. Hier jehn alle Türn uff!« kommentiert.

Unwesentlich bequemer sind da die S-Bahnen, die zumindest schneller vorankommen, als ihre quietschgelben Untergrundgenossen, dafür aber im Gegenzug jedes Jahr wieder kollektiv ihren Winterschlaf halten und so dafür sorgen, dass der ohnehin wenig entspannte Berliner alles andere als vorwärts kommt. Da das Problem allgemein bekannt ist, wartet jedoch ohnehin kaum jemand auf die ausbleibenden S-Bahnen und wer keine Ahnung hat und doch zu lange am Gleis herumsteht, wird für diese Dummheit eben auch mal von eifrigen Nachwuchsstädtern ins Krankenhaus geprügelt.

Ohnehin sollte sich die erfahrene Bulette wohl am ehesten auf die eigenen Quanten verlassen, kommt man mit selbigen doch irgendwie immer noch am unproblematischsten vorwärts. Zwar ist innerhalb des urbanen Molochs längst nicht alles fußläufig erreichbar, sofern man Zelt, Thermoskanne und Stullenbüchse zu Hause gelassen hat, doch in Berlin verlässt eh niemand den eigenen Bezirk, wenn nicht Leib und Leben bedroht sind oder irgendwo eine zünftige Demonstration nach Steineschmeißern ruft. Ja, wenigstens das Laufen klappt hier problemlos, so man sich erst einmal daran gewöhnt hat, alle zwanzig Meter einen beherzten Ausfallschritt zur Seite zu tun, um der gewaltigen Tretmine, bestehend aus Waldis Morgengeschäft, auszuweichen. Und so schaut man im Vorbeigehen dem gerade entkommenen, diesmal besonders hässlichen Stück Köterkot fasziniert nach und steht prompt in der Scheiße. Kurzer Exkurs in Sachen Kacke: Berliner Hunde sind besonders fleißig und fabrizieren jeden Tag fulminante 30 Tonnen an Hinterlassenschaften für den besohlten Fuß. Das entspricht vergleichsweise einer Menge von über 650.000 Big Mac-Frikadellen. Exkurs Ende.

Gut, ich sehe schon: Was die Mobilität angeht, waren die Begriffe »Berlin« und »vorwärts« vielleicht doch kein gut gewähltes Geschwisterpärchen. Was der kleine Ausflug aber immerhin zeigt: Wenn der tattrige Honecker mit seinem Ausspruch schon nicht die Wirtschaft gemeint haben kann, die Fortbewegung kann es eigentlich auch nicht gewesen sein.

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Aktionswoche »Assoziatives Schreiben«: Vierter Teil.

Mittwoch, 26. Oktober 2011 § 2 Kommentare

block Aktionswoche »Assoziatives Schreiben«: Vierter Teil.

Der Alltag hat den kürzlich zu altem Fleiß zurückgefundenen Autor dieses charmanten Blogs eingeholt und ihm wie ein Zombie mit dem Strohhalm des Stresses plus zwei die Kreativität durch den präfrontalen Kortex gesaugt. Deswegen mag folgende Fortsetzung der kleinen, gemütlichen Assoziationsrunde etwas wirrer als beabsichtigt wirken. Der Leser möge dies bitte entschuldigen. Um dennoch den Schein von Niveau aufrechtzuerhalten, gibt’s heute etwas Hochtrabenderes als Haxen, Fisch oder Feiertage.

Nämlich: Theorie und Praxis

In der Theorie ist die Praxis der Theorie näher als in der Praxis, sagt man. Aber ach, fangen wir ganz vorn an. In einer verständlicheren und wirklich ausufernden Theorie ist alles Leben dem Urknall entsprungen, einem vielleicht göttlichen Furz in der Dunkelheit, welcher dermaßen vor Physik und Naturgesetz strotzt, dass Meister Mensch dem Urheber des frechen Windes unlängst jegliche Existenzberechtigung aberkannt hat. In der Praxis nennt sich das dann schlicht Wissenschaft. Theoretisch ist die Wissenschaft unter anderem da, unser schönes Leben mit allerlei Kenntnis zu erleuchten und es dank moderner Medizin auf unverschämte Länge auszudehnen. In der Praxis jedoch sollen wohl vor allem Frömmler mit unwiderlegbaren Formeln geärgert und alle anderen mit Details zu wenig angenehmen Dingen gemartert werden, die eigentlich gar niemand wissen möchte: schmelzende Polkappen, gekappte Schuldenberge, Waldsterben, Walsterben und andere Dinge, die den Kaffee morgens beim Zeitunglesen ein gutes Stück bitterer schmecken lassen.

Theoretisch sagt uns der ganze gedruckte Blödsinn, den die Kittelträger dieser Welt so ermitteln, dass wir für alles, was wir versauen, allein verantwortlich sind, dass niemand nach uns schaut, dass es eben kein Schicksal gibt. Wie eine tote Seekuh treiben wir ungelenk und hilflos, vom Wellengang des Alltags geschüttelt, durch das unergründliche Meer namens Leben und fragen uns, in welchem metaphorischen Netz, Raubfischmagen oder Ölteppich unser Kadaver wohl enden mag. So weit, so unpraktisch. Praktischerweise gibt es aber eindeutige Gegenbeweise: Da wäre etwa dieser Kerl, der doch tatsächlich sechs mal von einem Meteoriten getroffen wurde. Sechs! Mal! Wenn es neben dem Guinness-Buch der Rekorde auch so was wie ein Kilkenny-Buch des Schicksals gäbe, dann würde ich den Hintern eines toten Stinktieres essen, wenn für diesen armen Knilch – nennen wir ihn mal Günther – nicht so etwas drin stünde wie: »Meteorit trifft Günther! Tot!« So weit also die simple Theorie des Schicksals. Praktisch jedoch hat Günther natürlich guten Stuhl, ist deswegen auf Zack und geht zur Seite, wenn der Himmel einen seiner dicken Brocken zur Erde hustet. Das Schicksal muss inzwischen mächtig sauer auf Günther sein.

Doch im Ernst, wie hoch ist die Chance, tatsächlich sechs mal von einem großen Weltallpopel getroffen zu werden? Theoretisch vermutlich deutlich geringer, als im Lotto zu gewinnen. Günther allerdings, der wird praktisch nie im Lotto gewonnen haben. Doch was Wahrscheinlichkeiten anbelangt, da geht sowieso alles kreuz und quer: Theoretisch etwa nähert sich die Chance, einem Bekannten am anderen Ende der Welt in einer fremden Stadt in einem fremden Park zufällig zwischen Baum und Parkbank zu begegnen, der Null. Von unten! Auch hier ist der ersehnte Lottogewinn zumindest theoretisch wahrscheinlicher. In der Praxis kennt aber so ziemlich jeder jemanden, dem eine solche Begegnung widerfahren ist. Doch wer kennt schon jemanden mit sechs Richtigen im Lotto?!

Theoretisch lässt das nur zwei Schlüsse zu: Entweder gewinnt niemals jemand im Lotto und all das ist nur ein geschickter Kniff des Gevatter Staat, um dem dauerneidischen Pöbel wenigstens das Gefühl zu geben, es mit ein paar Kreuzen auf einem Zettel zu was bringen zu können, oder aber es gibt in Wahrheit deutlich weniger Menschen auf der Erde, als die praktische Wissenschaft uns weismachen will. Sagen wir, hmm, circa fünfhundert. Letzteres würde auch erklären, weshalb man dauernd dieselben Leute an unterschiedlichen Orten trifft. Eine passable Verschwörungstheorie will mir dazu aber nicht einfallen.

Wohl auch, weil ich eher praktisch veranlagt bin. Und würde ich im Lotto gewinnen, ich würde niemandem von meinem Geldsegen erzählen und stattdessen den Innendruck meiner durchgelegenen Matratze mit den druckfrischen Scheinen etwas nachbessern. Äußerst praktisch. Oder eine Eckbank aus Goldbarren, die wäre sogar noch praktischer. Wenn nämlich die Finanzjongleure mit den bunten Krawatten des Zirkus »Marktwirtschaft« eine neue Riesenblase fabrizieren, um dann milliardenfach theoretisches Geld im Nichts verschwinden zu lassen, dann wären tausende weniger amüsierter Anleger mit einem Schlag praktisch ruiniert, während ich auf meiner in jeglicher Praxis praktischen Goldbarreneckbank Platz nehmen könnte, um bei einer Tasse Tee über den Eingangssatz dieser knappen Abhandlung nachzusinnen. Theoretisch wenig sinnvoll, praktisch jedoch entspannender als heranrauschende Meteoriten und leere Sparkonten.

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Aktionswoche »Assoziatives Schreiben«: Dritter Teil.

Dienstag, 25. Oktober 2011 § 1 Kommentar

block Aktionswoche »Assoziatives Schreiben«: Dritter Teil.

Es ist immer gut, schnell weg zu kommen, wenn’s brenzlig wird. Oder schnell hinzukommen, wenn’s was umsonst gibt. Wie ich drauf komme? Nun, es soll immer noch herumassoziiert werden, und da ich glücklicherweise jener Gattung angehender Endzwanziger angehöre, die beim Blick abwärts nicht einen unter schlabbrigem Shirt verborgenen Butterberg von einem Bauch sieht, sondern wie zu besten Zeiten die eigenen Füße, sollen auch diese das heutige Thema sein.

Drum nun: Füße

Die Geschichte des Fußes ist mitnichten eine Geschichte voller Missverständnisse, doch wenn ich die löchrigen Socken von den mir angewachsenen Bodenbelägen friemle und schaue, welch Bild sich mir darbietet, dann scheint es sich doch zumindest um eine Geschichte langen Leidens zu handeln. Nehmen wir Gollum aus dem »Herrn der Ringe«: Einst einem Hobbit nicht unähnlich, wie Rauschebartträger Gandalf es formuliert, ließ der dauerjammernde Grottenolm sich von einem hübsch glitzernden und dauermurmelnden Ring dahinknechten, schinden und aussaugen wie in erster Ehe, bis, nun ja, etwas übrig blieb, das höchstens noch einem von Lepra befallenen Penis nicht unähnlich ist. Nun haben Gollum, unansehnliche Geschlechtsteile und Füße eigentlich nicht allzu viel gemeinsam, doch worauf ich hinaus will: Letzteren sieht man das Leid einer lang währenden Evolution einfach an.

Führen wir der Veranschaulichung halber einen kleinen Schwenk in Richtung der Hände durch. Wer von Mutter Natur initial nicht allzu sehr abgestraft wurde oder mit polnischem Knallwerk zu sehr geböllert hat, muss schon zugeben, dass Hände nicht eben die hässlichsten Körperteile sind. Natürlich sind sie kein in Fleisch gegossener Rembrandt, doch eine gewisse Ästhetik kann man den menschlichen Greifern nicht absprechen. Ganz anders dagegen Füße, die vor Äonen, eben vor der Erfindung des aufrechten Ganges und dem damit einhergehenden Trend zur Kniescheibenfehlstellung, einmal so etwas wie die großen Brüder der Hände gewesen sein müssen. Zehen standen den Fingern in nichts nach und wenn es darum ging, dem Überbiss des verhassten Höhlennachbarn in Sachen Evolution nachzuhelfen, dann hatte man vermutlich die Qual der Wahl aus vier geeigneten Fäusten.

Doch dann – irgendein einschneidendes Erlebnis in der Geschichte unserer Art, vielleicht ein Haufen Säbelzahntigerkacke zu viel, in dem die Vorderpatsche hängen blieb, vielleicht das Erkennen des Entspannungsmehrwertes von Fußbädern oder einfach nur das zunehmende Bedürfnis, Hinterkopf und Hinterteil gleichzeitig kratzen zu können, irgendetwas jedenfalls muss unsere werten Vorfahren dazu gebracht haben, künftig nur noch auf zwei Beinen gehen zu wollen. Und zwei dauerhaft freie Hände machten zwei kaum mehr freie Hände langfristig recht überflüssig – degradierten sie sozusagen zu Fußvolk.

Und diese Füße begannen sich zu verändern: Filigrane Finger wurden zu verkümmerten, ungelenken Zehen, die seither aus einem langgezogenen Trittwerkzeug herauslugen und sich winden wie aufgedunsene Maden im Speck. Statt schwieliger Handflächen gibt’s zwei wildgewachsene Furunkel namens Ballen und Ferse. Let’s face it: Füße sind nicht schön! Das sagt sogar ein Großteil der Frauen, denen ich bisher begegnet bin, um tiefsinnige Gespräche über die Ästhetik von Füßen mit ihnen zu führen. Deswegen verpacken wir sie gleich doppelt – die Füße, nicht die Frauen -, wenn wir außer Haus gehen: zuerst in zumeist unscheinbare Socken, die kein Grauen unter dem Stoff vermuten lassen und dann in allerlei buntes Schuhwerk, das elegant davon ablenken soll, dass unterhalb von Leder, Gummi und Schnürsenkel zwei missratene Körperteile ein zweisames Schattendasein fristen.

Schlimmer noch ist ja, auf welch perfide Art die biologischen Treter versuchen, dennoch Aufmerksamkeit zu erregen: Mitunter imitieren sie den Duft von ranzigen Milchprodukten und hilft auch das nichts, spielen sie Mutterboden für juckende Parasiten, deren namensgleiche Vettern zum Herbst in Wäldern wuchern und auf eifrige Sammler warten. Ja, vernachlässigte Füße halten uns auf Trab: Sie schmerzen nach langen Märschen oder schlicht nach dem Aufstehen, ganz wie es ihnen beliebt, sie lassen Zehnägel genüsslich ins Fleisch wachsen, die dann mit Zangen aus eitrigen Wunden gezogen werden wollen, sie ärgern uns mit gerissenen Bändern, gebrochenen Zehen, mit wässrigen Blasen und sie schlafen genau dann ein, wenn man gerade aufstehen und zum Kühlschrank gehen möchte.

Und doch … es gibt sie, die Fußliebhaber, die Fetischisten, denen Fellatio mit dem großen Onkel lieber ist als alles andere, die genüsslich an Zehen lutschen wie an einer Waffel mit Vanilleeis bei Sonnenschein. Es will mir nicht in den Kopf, wie Füße Liebe sein können, wo Liebe doch durch den Magen gehen soll. Doch vielleicht ist gerade jenes von den meisten als Abart empfundene Verhalten Mutter Naturs Versuch, uns auf unsere angeborenen Laufutensilien aufmerksam zu machen. Ein gewolltes Bekenntnis zum Fuß sozusagen, schließlich steckt hinter dieser vermutlich Jahrtausende währenden unendlich komplizierten Transformation durchaus der Zweck, uns ein Mittel zur Verfügung zu stellen, mit dem jederzeit komfortabel weite Strecken überbrückt werden können. Ein Wunder der Natur eben, auf das der werdende Mensch fortan angewiesen sein sollte.

Bis er das Automobil erfand.

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Aktionswoche »Assoziatives Schreiben«: Zweiter Teil.

Montag, 24. Oktober 2011 § 5 Kommentare

block Aktionswoche »Assoziatives Schreiben«: Zweiter Teil.

Der Autor dieses bescheidenen Blogs hat Geburtstag. Doch das Mehr an Kerzen auf dem Kuchen hält den Schreibwüterich noch längst nicht davon ab, mit der assoziativen Texterei weiterzumachen. Mag auch der gestrige Text vermutlich bereits die Krönung meiner geistigen Ergüsse gewesen sein, so lasse ich mich dennoch nicht lumpen, pfeife im soeben begonnen achtundzwanzigsten Jahr meiner Daseinsberechtigung auf persönlichen Anspruch und mach weiter im Programm. Mit einem reichlich naheliegenden Begriff, versteht sich …

Heute daher: Geburtstag

Mit Geburtstagen ist es streng genommen wie mit Freunden: Sie stehen immer genau dann auf der Matte, wenn man sie am wenigsten brauchen kann, glänzen ansonsten aber natürlich durch chronische Abwesenheit. Manchmal sind sie höchst willkommen und manchmal möchte man ihnen auf die Schnauze hauen.

Als Kind sieht die ganze Sache selbstverständlich noch wenig differenziert und dafür umso freundlicher aus: Taschengeld ist grundsätzlich knapp, mit Spielzeug kann das eigene Zimmer nie vollgestopft genug sein, sodass ein amtlicher Geburtstag mit Geld- und Wareneingang immer eine lohnenswerte Sache ist. Älter wird man als Kind ohnehin nicht, das lehrt den neunmalklugen Dreikäsehoch ja schon das Fernsehen. Oder haben Tick, Trick und Track jemals mit dem ersten Bartwuchs zu kämpfen? Drückt Bart Simpson in irgendeiner Folge Aknepickel vor dem Badezimmerspiegel aus? Auch Pippi Langstrumpf hat zumindest im Fernsehen niemals in den Goldkoffer greifen müssen, um Tampons kaufen zu gehen. Geburtstage im Kindesalter sind vor allem eines: Lässig wie eine nackte Putzfrau. Man ist plötzlich wenigstens auf dem Papier ein stolzes Jährchen älter als ein Großteil des sozialen Umfeldes, damit ungleich weiser und die Geburtstagsfeier wird ohnehin von den Eltern organisiert.

Die haben nämlich genug damit zu tun, Einladungen zu schreiben und zu drucken, fluchend zum nächsten Elektronikmarkt zu eilen, um neue Farbpatronen für den streikenden Drucker zu erstehen, dem das Cyan ausgegangen ist, anschließend weiterzudrucken, die Fressalien für ein Dutzend heranwachsender Gourmets vorzubereiten, die Nahrung eher als Wurfgeschoss denn als Magenfüllung ansehen, An- und Rückfahrdienst für den überteuerten Kinobesuch zu »König der Löwen – Simbas Rache« zu spielen, bei alledem freudige Stimmung zu verbreiten und zu grinsen, während sich das Bankkonto schneller leert als der Tank eines aufgebohrten Ford Mustang. Das halbwüchsige Geburtstagskind derweil hockt am großen Tag auf dem Ehrensitz wie Vito Corleone mit einem Glas Cognac auf seiner Veranda, während die bepackten Gäste herbeieilen, als wollten sie dem neu geborenen Jesuskind huldigen. Andy Warhols fünfzehn Minuten Ruhm, einen ganzen Tag lang und das einmal pro Jahr.

Und dann ist da natürlich diese Sache mit den Geschenken: Erfahrene Eltern versuchen erst gar nicht, aus dem von allerhand jungen Gästen dargebrachten Tinnef fernöstlicher Massenfertigung einen Gegenwert zu den eigenen Ausgaben zu errechnen und selbst bei den Sprösslingen bleibt ja immer noch das Problem mit dem Freuen: »Oh, danke schön! Der sieht ja fast aus wie ein Original-Transformer!«, oder »Ui, noch eine Sparbüchse! Mama, kannst du die zu den anderen stellen?«

Letzteres ändert sich, so wie ich das sehe, auch im späteren Leben nicht. Mit Geschenken tut man dem Feiernden nur selten einen wirklichen Gefallen. Die fünfte von Geschmacksphobikern designte »Mit dreißig längst noch kein Restefick!«-Karte dürfte der Beschenkte nur mäßig komisch finden und die Feier, die schon lange nicht mehr von ausreichend betuchten Eltern finanziert wird, ist auch nur deswegen obligatorisch, weil die abendländische Portmoneekultur das nun einmal so vorschreibt. Zu feiern gibt es von nun an und bis ins hohe Alter eigentlich schon gar nichts mehr, sind doch gesteigerte Krebs- und Herzinfarktrisiken, eine vergrößerte Prostata und spontane Bandscheibenvorfälle nur dann Grund zur Freude, wenn’s den verhassten Nachbarn erwischt, der dauernd die leeren Schnapsflaschen über den Zaun schmeißt und bei Nacht und Nebel die Zeitung klaut.

Doch zurück zum Geburtstag an sich: Ist man nämlich erst einmal im Altersdomizil angelangt, jenem steril gehaltenen Wartezimmer vor dem Übergang in die Eichenholzresidenz, so schaut’s mit den persönlichen Ehrentagen vermutlich wieder reichlich bequem aus: Die Feier organisiert jemand anders und um die eigene Jahreszahl muss man sich auch kaum mehr sorgen, schließlich kann die Kerzen auf dem Käsekuchen sowieso keiner mehr zählen. Und überhaupt ist es mit den Jahren ein bisschen wie beim Gefängnisaufenthalt: Man ist wahrscheinlich nur froh, wenn wieder eins rum ist und die Entlassung näher rückt. Aber davon abgesehen dürfte man doch wieder gut Freund mit dem eigenen Geburtstag sein: Reichlich Gratulanten wohnen Tür an Tür, Geldgeschenke purzeln eh durchs letzte Hemd und sind damit so obsolet wie ein Kropf und selbst wenn man keinen Bock auf den eigenen Feiertag haben sollte, wäre man ohnehin viel zu gebrechlich, ihm eins auf die Schnauze zu hauen.

Anmerkung des Autors: Natürlich missgönne ich niemandem seine Feier und ganz sicher können auch achtzigste und neunzigste Geburtstage ‘ne dufte Sache sein und vermutlich wird mit der hier hingeknallten Schreibe nur der eigenen Frustration über das zunehmende Alter Ausdruck verliehen. Vermutlich.

button print gry20 Aktionswoche »Assoziatives Schreiben«: Zweiter Teil.

Wo, zum Henker, bin ich?

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    PhanThomasPhanThomas ist der nicht ganz anonyme Autor dieses Weblogs. Er befasst sich laienhaft mit allem, was gesellschaftspolitisch oder sonst wie von Interesse sein könnte. Sein schlecht recherchiertes Halbwissen kaschiert er durch die willkürliche Einstreuung von mäßig verschnörkelten Artikeln zu seiner eigenen Wenigkeit, die er mit Vorliebe in der dritten Person verfasst.
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