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Manchmal muss man Dinge einfach mal machen. Davon, dass ich seit einem Jahr oder so ganz gerne fotografiere, habe ich bereits berichtet. Gestört hat mich bislang auch nicht, dass meine Bilder auf dem heimischen Server Grünspan ansetzten, weil nur ich sie dort betrachten konnte. Ich hatte auch nicht so recht Lust darauf, eine weitere WordPress-Installation für Fotos auf die Beine zu stellen, obwohl diese Plattform dank wunderbarer Templates ganz hervorragend dafür geeignet ist.

Also habe ich mich vor ein paar Tagen kurzfristig dazu entschlossen, einen Instagram-Account anzulegen (einen neuen, denn einen für Alleweltsschnappschüsse habe ich ja bereits), wo ich – so derzeit der Plan – ein, zwei Fotos einstelle. Na ja, eher eines, damit mir nicht so schnell die Vorräte ausgehen.

Wer Lust hat, mich dort zu bookmarken, mir mit dem eigenen Account zu folgen oder was auch immer man mit so einem Account halt anstellen kann*, der möge das gerne tun, ich würde mich freuen. (Dass meine Makros nicht immer ganz scharf sind und farblich an den Rändern etwas ausfransen, liegt übrigens zum Einen an meiner zittrigen Hand, zum Anderen aber auch daran, dass sich bisher kein Oligarch dazu erbarmt hat, mir eines dieser sündhaft teuren Makro-Objektive zu kaufen und ich daher nur mit Aufsatzlinsen herumwurschtle.)

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* In Sachen Social Media stelle ich mich an wie der erste Mensch.

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Tote Gäule traben nichtDer Einzelhandel ist ein toter Gaul. Und während zumindest meine Generation längst abgestiegen ist, versucht die Branche noch immer, den aufgedunsenen Kadaver zum Trab zu bewegen, indem sie neue Sättel draufschnallt und liebevoll das Fell striegelt. Und ich gebe zu, hin und wieder lasse ich mich von einem besonders schönen Sattel und hübsch gebürstetem Fell auch in den Glauben versetzen, das könnte noch was werden mit dem Gaul ... und dann betrete ich doch einen Laden. Oder eben einfach dann, wenn ich dringend neue Schuhe brauche.

So letztens geschehen. Das Wetter war gut, ich hatte frei, und so machte ich mich auf nach Steglitz, wo es geschätzt fünf komma drei Schuhläden je Einwohner gibt. Und bevor ich jetzt in genervten Ton verfalle, sei diesem Prolog hinzugefügt: Ich! War! In! Jedem! Einzelnen!

Grundsätzlich scheint es erst mal zwei Arten von Schuhgeschäften zu geben. Die, in denen man jeweils nur einen Schuh im Regal findet und dann die, in denen beide Schuhe im Karton liegen.

Okay, zur ersteren Sorte: Ich hatte mich als Kind ja immer gefragt, warum Geschäfte, in denen man eigentlich VIELE Dinge kaufen kann, als »EINZELhandel« bezeichnet werden. Offenbar lautet zumindest für manche Schuhgeschäfte die simple Antwort: weil man eben nur einen einzelnen Schuh bekommt! Und da kriege ich ja einen Hals, dick wie’n Butterfass! Soll ich etwa, wenn ich – oh Wunder – einen verdammten Schuh gefunden habe, der mir gefällt, mit dem Ding durch den Laden bolzen und einen Verkäufer suchen wie ein Verdurstender in der Wüste auf der Suche nach der nächsten Oase? Und das, wo doch Menschen wie ich andere Menschen nicht leiden können – besonders dann, wenn sie Verkäufer sind, mich beobachten und dauernd fragen, ob sie helfen können. NEIN, IHR KÖNNT MIR NICHT HELFEN!!! MIR IST NICHT MEHR ZU HELFEN!!! Baumarktregel Nummer 1: Ich frage nicht nach, wo das Badezimmersilikon liegt, ich finde es selbst. Und wenn es sich nicht finden lässt, dann gehe ich eben wieder, weil es ganz offenbar nicht da ist, Punkt! Das gilt so auch in Schuhläden, verdammt noch mal! Die Urmenschen gingen doch auch nicht zum Serviceschalter, um zu fragen, wo das nächste Mammut zu finden war oder eine Aufbauanleitung fürs Lagerfeuer zu bekommen. Deshalb, liebe Einzelschuhhändler: So wird das nichts mit uns. Sagt doch schon eine alte chinesische Weisheit: Biete dem Menschen nur einen Schuh und du bietest ihm keinen Schuh.

Kategorie zwei der Schuhgeschäfte, die wenigstens nicht glaubt, jeder Kunde sei von Haus aus Kleptomane und würde mit den frisch anprobierten Tretern sogleich aus dem Laden marschieren, ist alles in allem aber auch nicht angenehmer. Zwar wäre ich während meiner Schuhsafari hier zumindest theoretisch in der Lage gewesen, auch mal BEIDE Füße in die besohlten Lederwaren zu schieben, aber immer dann, wenn die Theorie mit einem niedergeschriebenen Masterplan glänzt, kommt die Praxis fröhlich pfeifend um die Ecke und setzt einen großen Haufen drauf.

Denn das Drama fängt schon bei der Auswahl an. Ja ich weiß, die Ladenfläche ist begrenzt und man kann eben nicht so viel Zeug im Angebot haben wie Amazon oder diese Berliner Gebrauchthandyläden, die sich über Nacht in pleitegegangenen Geschäften manifestieren, aber wenn ich eben Sneakers kaufen will, und wenigstens gefühlt tragen doch die meisten Leute unter achtzig Jahren Sneakers, dann erwarte ich einfach nicht, dass das Sneakers-Regal so groß ist wie die Miniküche in Barbies scheiß Traumhaus! Es gibt deswegen auch nur so ungefähr fünf unterschiedliche Modelle, von denen gerade mal eines farblich nicht nach halb verdautem Brokkoli aussieht. Der Rest des Ladens ist dafür vollgestopft mit zehn Fantastilliarden Varianten an Lackraketen! Das sind jene Schuhe, die sich der Businesskasper von Welt über die gebügelten Socken stülpt, wenn er Kompetenz vortäuschen muss. Schuhe wie diese gibt es in genau zwei Farben: Braun und schwarz. Warum zur Hölle muss ein Laden davon also mehr Modelle haben, als es Atome im Universum gibt?

Das nächste Drama ist dann – man ahnt es – die Schuhgröße. Als Mann finde ich es ja schon schlimm genug, dass man von den guten alten Größenangaben in Zahlen wie 40, 41 und so weiter abgerückt ist, um mir jetzt eine Achteinhalb zu präsentieren. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, verflixt und zugenäht, also hört auf, unsere liebgewonnenen Größen durch fünf zu teilen oder was weiß ich, was ihr da tut! Hundert Gramm Käse sind schließlich auch seit jeher hundert Gramm Käse und nicht plötzlich dreiundzwanzig komma sieben acht Metakubri. Man muss nicht aus allem eine Wissenschaft machen.

Aber das eigentliche Problem mit den Größen ist dann viel eher, dass keine der vorrätigen Schuhe passen. Okay ich weiß, ich habe kleine Füße, ich bin größentechnisch insgesamt eh nicht gerade das, was man Durchschnitt nennt, aber zumindest in meinen Augen sind alle Schuhe der Herrenabteilung, die man heute in einem Geschäft kaufen kann, lediglich in den Größen »Kindersarg« und aufwärts erhältlich. Was ist hier eigentlich passiert? Hat Tschernobyl nicht nur unsere Pilze versaut, sondern den Leuten Goofys Fußlänge beschert? Das kann doch nicht gesund sein. Wenn das so weitergeht, braucht sich zum Skifahren bald niemand mehr Bretter unter die Füße zu schnallen.

Um es kurz zu machen, es lief in jedem einzelnen Laden so ab: Ich suchte und fand so ziemlich genau ein Schuhmodell, das mir gefiel, probierte es an und es passte nicht. Kein! Einziges! Mal! Natürlich machte mich das immer wütender. Jedes Mal, wenn ich dann ein Schuhgeschäft verließ, stellte ich mir vor, ich sei einer dieser Superbösewichte aus den Comics und im nächsten Moment würde der Laden effektvoll explodieren, während ich ganz lässig, ohne mich umzudrehen und natürlich in Zeitlupe, weggehen würde – den rechten Mundwinkel zu einem fiesen aber zufriedenen Lächeln verzogen.

Ende der traurigen Ballade: Ich ging nach Hause, klappte das Notebook auf, rief den Schuhhändler meines Vertrauens auf, der mit »Z« anfängt und auf »alando« endet, stellte ein paar Filter ein – klick, klick, klick – schon waren drei (übrigens passende) Schuhpaare unterwegs zu mir. Zeitaufwand: ungefähr drei Minuten. Nervenersparnis: unendlich! Und so leid es mir tut: Zumindest für mich bleiben die toten Gäule jetzt tot.

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Manchmal wünsche ich mir, irgendwann in ferner Zukunft Enkelkinder zu haben. Das ist natürlich völlig absurd, weil ich selbst keine Kinder haben möchte. Dennoch mag ich den Gedanken, als mit Weisheit gesegneter Opi in meinem unfassbar bequemen Ohrensessel zu sitzen, eine karierte Decke mit Goldrand über dem Schoß und ein Rudel Halbwüchsiger im Halbkreis vor mir sitzend, das staunend zu dem kahlen aber mit einem imposanten weißen Bart gesegneten Großvater aufschaut und sich elegant ausgeschmückte Geschichten von früher anhört, während die Großmutter etwas abseits sitzt und mit halbem Ohr zuhört, was der Greis jetzt schon wieder für Blödsinn verzapft.

Das wären dann Geschichten, wie sie selbst heute schon fast wie aus grauer Vorzeit klingen. Zum Beispiel, dass wir, als ich selbst noch ein Dreikäsehoch war, keine Heizung hatten, sondern nur einen wuchtigen Kohleofen, in dem ganz bestimmt kinderfressende Kobolde lebten, die nachts hervorkamen und uns schlafenden Kindern die Seele absaugten. Morgens nach dem Aufstehen war es so kalt in der Wohnung, dass wir unsere blaugefrorenen Füße in ausgehöhlte Eisblöcke steckten, um sie zu wärmen. Okay, das ist etwas weit hergeholt, klingt für unwissende Kinder, die sich den gut gepolsterten Hintern an der Fußbodenheizung wärmen, aber sicherlich ganz faszinierend.

Und dann wäre da die Geschichte, dass es ja damals kein Telefon gab, zumindest nicht bei uns auf dem Land, wo unachtsame Spaziergänger noch von riesigen Wölfen gefressen wurden. Für Kinder, deren Hände – der Evolution sei dank – vermutlich bereits allein für das Halten eines Smartphones geformt sein werden, sicherlich ein unvorstellbar barbarischer Zustand. Aber es war ja so. Wir mussten eben einfach losziehen und solange bei Freunden klingeln, bis eine ausreichend große Gruppe zusammengetrommelt war, mit der sich was Anständiges anfangen ließ: mit Spraydosen kleine Wälder abfackeln zum Beispiel. Dicke Kinder gab es deswegen nicht, schließlich wohnten alle ausreichend gut im Ort verteilt, und hin und wieder ging auch mal ein Kind auf dem Weg zu Freunden für immer verloren – zumindest erzählte man sich das, und der komische Typ, der ständig sein Auto wusch, war auf jeden Fall ein Kindermörder, der leckere Süßigkeiten anbot, wenn man zu nah heranging und zu dem man auf gar keinen Fall ins frisch gewaschene Auto steigen durfte –, aber so war das eben. Wer sozial sein wollte, musste noch ganz andere Opfer bringen als einer im Sekundentakt nervig piepsenden WhatsApp-Gruppe beizutreten oder beim gemeinsamen Pokémon-GO-Spielen in den Dorfteich zu fallen.

Außerdem würde ich in epischer Länge über das Nichtvorhandensein adäquaten Spielzeugs fabulieren. Hm, ob Kinder in 40 Jahren noch wissen werden, was nicht digitales Spielzeug ist? Sogar bei digitalem Kram wird es doch heute schon schwierig: Welches Kind weiß bei all den hochauflösenden Bildschirmen denn heutzutage noch, was ein echtes Pixel ist? Als ich jünger war, waren Pixel groß wie Grizzlybären und mindestens genauso gefährlich. Aber zurück zum Spielzeug, das wir, wie schon angedeutet, ja quasi gar nicht besaßen, weshalb wir mit Mottenkugeln und Rattenködern »Glückliche Familie« spielten. Na gut, gelogen, aber das werden die Kinder ja nicht merken. Was nicht gelogen ist: Meine Kindheit war dermaßen unschuldig, dass ich statt ausufernder Weltraumschlachten einfach nur das Märchen »Der Wolf und die sieben Geißlein« nachspielen wollte. Die Geißlein hatte ich, den Wolf sowieso, aber die Mutter fehlte mir, weshalb ich sie im Kindergarten klauen musste. Wir hatten ja nichts, hab ich das schon erwähnt? Nun gut, jedenfalls wurde ich erwischt, trotzdem nicht bestraft und hatte hinterher endlich die olle Ziegenmutter für mein Spiel. Wenn das nicht pädagogisch wertvoll war, was dann? Klauen lohnte sich offenbar voll, aber das würde ein weiser Großvater in seinem Haus voller wertvollem Kram natürlich nicht den Kindern erzählen, die ihm gebannt lauschen.

Apropos klauen: Derweil ich so darüber nachdenke, fällt mir auf, dass das ganze Prinzip meiner Gedankenspielerei von »Käpt’n Blaubär« gestohlen ist. Ach, es ist doch eine Crux: Kaum erfindet man was, hat’s schon irgendwer vorher erfunden. Aber wie gesagt, mit den brav zuhörenden Enkelkindern wird es eh nichts, also werde ich mir wohl doch lieber einen wunderschönen Krückstock kaufen, mit dem ich drohend in der Luft herumfuchteln werde, während ich unverständliches Zeug schimpfe, weil mir nicht gefällt, was die Nachbarskinder schon wieder treiben. So lässt sich der Lebensabend sicher auch gut aushalten.

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Wenn es einen König unter den »First World Problems« gibt, dann ist das – zumindest in meinen Augen – das Einkaufen. Also nicht Klamotten und Schuhe, denn so was kaufe ich ohnehin ausschließlich im Internet. Denn erstens gibt es in Geschäften nur selten meine Größe, und zweitens kann ich es auf den Tod nicht ausstehen, wenn Verkäufer mir nachlaufen und vielleicht auch noch fragen, ob sie mir helfen können. Brrr!!! Nein, ich meine das Einkaufen im Supermarkt.

Ich bin ja sehr technologie- und fortschrittaffin, und da stößt mir der Einkauf von Lebensmitteln eben sauer auf, denn:

  1. Einkaufen frisst wahnsinnig viel Zeit. Wenn ich unter der Woche von der Arbeit nach Hause komme, gibt es wirklich angenehmere Sätze als: »Du, wir müssen noch einkaufen.« Und aufs Wochenende verschieben ist zumindest in Berlin auch nicht immer die beste Lösung.
  2. Womit wir nämlich bei Punkt 2 wären. Ein Wochenendbesuch in einem beliebigen Berliner Supermarkt erinnert ziemlich frappierend an eine Massenpanik während einer Zombieapokalypse: Es ist voll, die Leute plündern, als würden die Regale niemals wieder nachgefüllt (was in gewissen Discountern in der Obst- und Gemüseabteilung auch manchmal so zu sein scheint) und wer jetzt noch einen Einkaufswagen durch die engen Gänge bugsieren muss, kommt sich ganz schnell vor wie in einem Autoscooter, bei dem nur Besoffene mitfahren.
  3. Die Kassen sind ein Graus. Ein ungeschriebenes Gesetz besagt, dass Supermärkte fünf bis sechs Kassen haben müssen, von denen jedoch nur zwei besetzt sein dürfen. In der eigenen Warteschlange geht es dann natürlich immer am aller-aller-allerlangsamsten voran und hat man sich doch mal bis nach ganz vorn vorgekämpft werden die Waren, die man vorher mühevoll aufs Laufband gewuchtet hat, in einem Tempo über den Scanner geschoben, als säße »Flash« persönlich an der Kasse. Hastig räumt man die gescannten Waren schnell wieder ein, damit sie sich nicht zu einem meterhohen Berg auftürmen und verlässt dann mit dem Stresslevel eines Kampfjetpiloten auf der Flucht vor einer Boden-Luft-Rakete den Supermarkt.
  4. Betrifft wohl vor allem uns: Wir haben kein Auto. Was mit den Lebensmitteln des täglichen Gebrauchs wie Brot, Käse und Obst noch geht, wird bei Katzenstreu und Getränken echt zum Problem: das Geschleppe. Und nein, das trägt nicht zur körperlichen Ertüchtigung bei, sondern ruiniert dem schleppenden Proband maximal die Schultern.

Zusammengefasst lässt sich feststellen, dass diese elenden Einkäufe ziemlich mittelalterlich anmuten. Die Lösung, zumindest in größeren Städten: Bringdienste! Ja genau, ähnlich wie jene, die uns Menschen seit Urzeiten mit Grundnahrungsmitteln wie Pizza Salami, Lasagne und gebratenem Eierreis versorgen. Die gibt es seit einiger Zeit nämlich auch für den Wocheneinkauf. Wir haben da mal zwei ausprobiert.

Amazon Prime Now

»Amazon Prime Now« gibt es, glaube ich, bisher nur in Berlin. Der Name sagt eigentlich schon alles: Ist von Amazon, gibt’s nur mit Prime-Mitgliedschaft und wird sofort geliefert. Und mit sofort meine ich auch sofort, bzw. halt innerhalb von zwei Stunden nach Bestellung. »Prime Now« bietet diverse Waren, neben Büchern, Filmen, etc. eben auch Lebensmittel (sogar Tiefkühlkost). Wir haben das zweimal probiert und unseren Einkauf dort geordert. Die Lieferung erfolgte innerhalb von zwei Stunden, wie versprochen. Die Produkte waren tadellos und alles kam einigermaßen umweltverträglich in Papiertüten. Die Lieferung lässt sich per App nachverfolgen (über die man übrigens auch bestellen muss) und überhaupt fühlt sich das ganze Prozedere sehr futuristisch an. »Prime Now« hat meiner Ansicht nach aber auch ein paar größere Mankos:

  1. Es ist teuer. Während des Bestellens fällt das zwar nicht so auf, weil sich der Unterschied ja meist hinterm Komma abspielt, aber insgesamt läppert sich der Einkauf doch ganz schön. Immerhin aber ist’s dann aber versandkostenfrei.
  2. Das Sortiment ist sehr eingeschränkt und erinnert mitunter an den Einkauf in einem Tante-Emma-Laden auf dem Dorf: Von allem gibt es irgendwie nur eine Sorte (abgesehen von Getränken), Lauchzwiebeln bspw. haben wir auch gar nicht gefunden.
  3. Man muss Prime-Mitglied sein. Die Mitgliedschaft kostet im Jahr knapp 50 Euro, man erhält damit Premiumversand (der nicht immer funktioniert), kann online tonnenweise Filme und Serien schauen, bekommt ein ordentliches Musiksortiment zum Streamen und hat noch ein paar weitere Vorteile. Muss man aber eben haben, sonst kann man »Prime Now« nicht nutzen.
  4. Es gibt kein Pfandsystem. Wer sich tonnenweise Getränke in Glasflaschen liefern lässt, hat hinterher eben tonnenweise Pfandflaschen im Haus. Und habe ich erwähnt, dass wir kein Auto haben? Genau, doof.

Man merkt eben doch, dass der Dienst nicht für den Wocheneinkauf gedacht ist, sondern dafür, sich schnell noch das liefern zu lassen, was man vergessen hat oder bspw. für den Grillabend noch braucht. Die Logistik funktioniert hier nämlich prima. Für den Supermarkteinkauf wird man hierzulande wohl auf »Amazon Fresh« warten müssen, das gerüchteweise im Herbst starten soll (in Berlin, höhö).

AllyouneedFresh

Der zweite Dienst, den wir ausprobiert haben, trägt den passenden Namen »AllyouneedFresh« und auch hier war zumindest bei unserer ersten Testbestellung (die zweite folgt demnächst) der Name Programm: Wir haben alles gefunden, was wir brauchten, und – wow – was waren die Waren frisch! Der Salat war so knackig, als hätte man ihn vom Feld geholt und wäre dann damit direkt zum nächsten Lieferanten gerannt.

Im Prinzip hat dieser Dienst, der übrigens zu DHL gehört, genau all die Nachteile, die ich zu »Prime Now« aufgezählt habe, NICHT.

  1. Die Preise sind echt in Ordnung und beispielsweise günstiger als im »Kaiser’s« um die Ecke, oft gibt es sogar Rabattcoupons, was das Einkaufen ein bisschen wie das Suchen nach Angeboten im Supermarkt wirken lässt. Klar, an Aldi, Lidl und Co. kommt »AllyouneedFresh« nicht heran, aber dafür bekommt man auch mehr Markenprodukte.
  2. Das Sortiment ist mit angeblich über 20.000 Artikeln ausreichend groß, wir haben jedenfalls alles gefunden, was wir wollten. Es gibt auch nicht nur ein Produkt zu jeder Kategorie: Bananen zum Beispiel gibt es in drei unterschiedlichen Sorten und Preisen.
  3. Man muss nirgends Mitglied sein. Witzigerweise kann man sich sogar mit seinem Amazon-Konto einloggen und auch dessen Zahlungsdaten verwenden.
  4. Es gibt ein Pfandsystem. Zusammen mit den Getränken bekommt man einen Coupon. Bei der nächsten Bestellung gibt man dem Kurier einfach seine Flaschen wieder mit und bekommt das Flaschenpfand hinterher zurück. Zumindest in Berlin ist das so, auf dem Land ggf. eher nicht.

Alles in allem waren wir sehr zufrieden. Der Einkauf hat wahnsinnig viel Zeit gespart, war bequem und wir konnten, während wir auf den Lieferanten warteten, was anderes machen. Drei kleinere Mankos hat »AllyouneedFresh« dann aber doch:

  1. Man bekommt die Lieferung nicht am Tag der Bestellung. Das ist nicht schlimm, zumal man abends bestellen kann und die Waren am nächsten Vormittag erhält, ist aber eben nicht ganz so cool wie bei »Amazon«.
  2. Der Mindestbestellwert für den Gratisversand liegt bei 40 Euro. Bei einem Wocheneinkauf kommt der Betrag aber schnell zusammen, sodass sich damit gut leben lässt.
  3. Der Dienst wirbt damit, besonders umweltfreundlich zu sein. Ich war aber doch ein wenig schockiert darüber, dass alles in Plastiktüten geliefert wird. Das müsste wirklich nicht sein. Wir heben die Tüten jetzt auf und verwenden sie als Mülltüten. Die wären sowieso aus Plastik, sodass die Umweltsünde nicht ganz so groß ausfällt. Hier könnte man aber doch sicher noch nachbessern. UPDATE: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Was ich nämlich bisher übersehen hatte: Auf den Tüten steht, diese seien zu 85 Prozent aus Zuckerrüben und zu 100 Prozent biologisch abbaubar. Sollte das denn so stimmen, ist dieser Punkt natürlich obsolet.

Ansonsten, wie gesagt, kann ich zumindest nach der ersten Bestellung jedem, der wie ich das Einkaufen verabscheut wie der Teufel das Weihwasser, empfehlen, »AllyouneedFresh« mal auszuprobieren. Ich find’s großartig!

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Seit einiger Zeit hadere ich mit mir. Dinge, an denen ich früher viel Freude hatte, machen mir heute weniger bis keinen Spaß. Seit Monaten hinterfrage ich für mich die Sinnhaftigkeit dieser Seite hier beispielsweise, ich habe keine wirkliche Lust mehr, mir Gedanken über Texte zu machen, über deren Aufbau, darüber, ob sie lustig sind oder nicht. Vielleicht ist es eine (längere) Phase, vielleicht ist das Ding auch einfach durch.

Was mir dafür seit einiger Zeit Spaß macht, wozu ich allerdings viel zu selten komme (und woran ich selbst schuld bin), ist das Fotografieren. Vor etwas über einem Jahr habe ich mir eine Kamera gekauft, mich ein wenig in die Materie eingelesen, weil ich der Meinung bin, dass es immer gut ist, die Regeln zu kennen, wenn man sie brechen möchte, und weil es eben doch sehr gut zu wissen ist, weshalb ein Foto schlecht geworden ist, obwohl das Motiv doch so viel hergab und die Kamera so billig gar nicht war.

Ich bin nie über den Anfängerstatus hinausgekommen, mir fehlt auch das Talent, gute Motive ganz natürlich zu erkennen. Ich weiß, es gibt Menschen, die haben dafür ein gewisses Gefühl, die können das, ohne sich dieses geschulte Auge erst aneignen zu müssen. Mir geht das nicht so. Ich muss mir jedes Bild, jeden kleinen Fortschritt erarbeiten.

Aber genau daraus ziehe ich merkwürdigerweise meine Freude. Vor langer Zeit habe ich mir das Gitarrespielen beigebracht, und auch hier bin ich nie über den Anfängerstatus hinausgekommen. Allerdings macht's mir auch keinen wirklichen Spaß zu üben, meine Finger zu trainieren, weil ich einfach weiß, dass mir das Talent fehlt, dass das, was ich spiele, immer mittelmäßig klingen wird, weil meine Wurstfinger gerne danebengreifen. Mit den Bildern mag es auch so sein: Vielleicht werden die niemals besser, wahrscheinlich werden meine Fotos immer schlechter sein als die derjenigen, die einfach ein Auge fürs Motiv haben, aber trotzdem macht mir die Sache viel Spaß.

Ich glaube, das liegt in erster Linie an der Entschleunigung. Ich packe die Kamera in den Rucksack, dann geht's ab in die Natur und auf Motivsuche. Allein diese Suche ist so wahnsinnig beruhigend, und es ist wirklich unendlich befriedigend, etwas Schönes zu entdecken, die Kamera draufzuhalten und bei der Nachkontrolle festzustellen, dass man das, was man fotografieren wollte, wenigstens einigermaßen gut abgelichtet hat. Ich kann während des Fotografierens den Alltag vergessen, die permanente Lautstärke der Großstadt, den Erwartungsdruck des Berufslebens. Allein diese Pirsch macht mir wahnsinnig viel Spaß. Seien es Vögel, Insekten, irgendwelche Pflanzen, Bäume, irgendwas Spannendes gibt es immer zu entdecken. Vermutlich irgendein Kindheitserinnerungsdingsbums. Kleinigkeiten, auf die man im normalen Alltag nie achten würde, werden besonders, und genau das macht die Faszination aus. Und klar, nach einer Weile gehen auch dem blutigsten Anfänger die Fotos etwas leichter von der Hand, was auch ganz schön.

Ich mag auch die Natürlichkeit der Motive. Nie käme ich auf die Idee, Menschen zu fotografieren (abgesehen von meiner Freundin). Ich mag es, dass die Natur tut, was sie mag. Wenn sie geduldig ist, kann ich ein Foto machen, wenn nicht, habe ich eben Pech und warte in Ruhe auf die nächste Gelegenheit. Im Endeffekt bekommt man immer eine Situation, einen Moment, festgehalten in einem Bild. Bei Menschen sieht das anders aus: Sie halten still, begeben sich in Pose, sind daher immer ein Stück weit künstlich. Und ehrlich gesagt, ist gerade das Fotografieren für mich auch eine Art Flucht vor dem Alltag und damit auch vor den Menschen. Deswegen allein reizt mich persönlich Portraitfotografie auch überhaupt nicht. Aber das muss jeder für sich herausfinden.

Was jedenfalls das Fotografieren angeht, habe ich über die Zeit einige einfache Erkenntnisse gesammelt, die ich gerne weitergeben möchte (falls sich auch wer dafür interessiert):

  1. Kauft euch eine gute Kamera. Nicht die beste, um Gottes Willen, aber durchaus eine gute. Die gibt es schon für ca. 300 bis 400 Euro mit brauchbarem Einsteigerobjektiv. Damit kann man schon viel anfangen, die Ergebnisse sind um Lichtjahre besser als jede hochgelobte Smartphone-Kamera, und ihr werdet auf jeden Fall mehr Spaß haben als mit einer 60-Euro-Billigknipse aus dem Elektronikmarkt. Ich habe beispielsweise eine Nikon 3200 und bin damit größtenteils zufrieden. Inzwischen hätte ich gern ein paar zusätzliche Funktionen, die meine Kamera nicht hat, aber auch das gehört zum Lernprozess.
  2. Kauft nicht jeden Quatsch dazu, nur weil's euch jemand empfiehlt. Wer mit einer Kamera und einem guten Allround-Objektiv anfängt, kann damit alles tun, seine Grenzen austesten und, sind diese erreicht, immer noch entscheiden, ob es denn ein weiteres Objektiv sein soll, ein Stativ, diverse Filter, etc.
  3. Lest ein Buch! Echt, es hilft zu wissen, was Blende, Verschlusszeiten und ISO-Werte sind, wie die drei zusammenhängen und wie man damit seine Bilder beeinflussen kann, was bspw. Schärfebereiche, korrekte Belichtung und Bildrauschen angeht.
  4. Nutzt ruhig die automatischen Modi der Kamera. Am Anfang wollte ich alles manuell machen und einstellen, weil ich dachte, das gehört zum richtigen Fotografieren dazu. Aber nach einer Weile merkte ich doch, dass die Kamera es oft besser weiß und dass eben ein Autofokus verdammt viel schneller und genauer ist, als wenn ich manuell am Fokusring des Objektivs drehe.
  5. Macht euch bloß keinen Stress. Ich dachte anfangs, ich muss sofort wahnsinnig tolle Bilder von großartigen Motiven machen. Das ist aber Blödsinn. Im Zweifel halte ich die Kamera einfach drauf und schaue hinterher am Computer, ob sich das Bild verwerten lässt. Lieber ein Bild zu viel als eins zu wenig machen, lautet die Devise. Ein Reiz des Fotografierens besteht für mich auch darin, hinterher kleine Details in Bildern zu entdecken, die man während der Aufnahme gar nicht gesehen hat und die ein ansonsten langweiliges Foto vielleicht doch interessant machen.
  6. Nachbearbeitung! Auch so ein Ding, von dem ich anfangs dachte, ich dürfte es nicht brauchen, weil es eine Art Schummelei sei. Bilder aus der Kamera sind im Rohdatenformat oft etwas blass, manchmal auch zu dunkel, etc. Mindestens Tonwertkorrekturen (Buch lesen!) sollte man ruhig vornehmen und auch an den Farbreglern spielen kann ein erhabenes Erlebnis sein, wenn man damit erst mal ein blasses Bild in ein farbenfrohes verwandelt hat.
  7. Geht raus in die Natur! Wie gesagt, ich müsste es selbst öfter tun, aber ach ... Man muss nicht unbedingt große Reisen unternehmen. Auch (oder gerade) in Berlin bspw. gibt es viele schöne Ecken, wo man ganz in Ruhe fotografieren kann. Alte Friedhöfe sind immer dankbare Motivsammelsurien, aber auch die vielen Parks, die es hier gibt. Wer mal ein hüpfendes Eichhörnchen scharf abgelichtet hat, weiß, wie toll sich das anfühlt.
  8. Last but not least: Die beste Kamera ist immer die, die man dabei hat. Der große Nachteil einer Spiegelreflex ist ihre Größe und damit ihr Gewicht. Meine Freundin hat eine Sony RX100, die sehr kompakt und leicht ist, die aber meist mindestens genauso gute Bilder macht wie meine große Nikon, im Makrobereich (Buch lesen!) sogar deutlich bessere (da ich kein Makroobjektiv besitze – siehe zweitens). Zum Üben im Alltag tut's sicher auch mal eine gute Smartphone-Kamera. Ein Punkt jedenfalls, den ich mir auch mal zu Herzen nehmen müsste (aber siehe hierzu halt auch fünftens).

Vielleicht werfe ich demnächst mal ein paar mehr Ergebnisse hier auf die Seite. Ich hatte ursprünglich überlegt, ein Fotoblog zu starten, hab dann aber erst mal wieder davon abgelassen (noch mal: siehe fünftens). Bis dahin hier ein paar Bildchen, an denen ich wirklich Spaß hatte und noch immer habe:

Eichhörnchen in #Berlin #photography #nikon #d3200 #dslr #nature

A photo posted by Thomas Meyer (@herrphanthomas) on

#Berlin #Tiergarten #Nikon #DSLR

A photo posted by Thomas Meyer (@herrphanthomas) on

... und seine Beute? 😉 #berlin #kleistpark #schöneberg #fotografie #photography #natur #nature #nikon #d3200 #tamron

A photo posted by Thomas Meyer (@herrphanthomas) on

Trolle im Grunewald #Nikon #D3200 #DSLR #Berlin

A photo posted by Thomas Meyer (@herrphanthomas) on

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Sommerzeit, Eiszeit. Früher war das etwas anders, da war für mich prinzipiell immer Eiszeit. Mochten draußen auch Minusgrade herrschen, ein paar Kugeln Eis passten immer zwischen Schnitzel zum Mittag und Vollkornbrot zum Abend. Inzwischen sehe ich das etwas anders. Liegt erstens daran, dass meine Freundin es ziemlich absurd findet, Eis zu essen, wenn man eh schon friert – was ich ja nun so gar nicht nachvollziehen kann, aber alleine Eis essen ist eben auch blöd. Zweitens liegt es aber vor allem an den Preisen.

Und hier sind wir an dem Punkt, an dem ich mich so richtig herrlich aufregen kann. Wer sommers durch die Fußgängerzonen der Republik flaniert, kommt nicht umher, festzustellen, dass eine Kugel Eis nirgends mehr für unter einen Euro zu haben ist. 1,20 Euro sind zumindest hier in Berlin schon eher normal. Wenn man sich in Touristen-Nap-Ecken über den Tisch ziehen lässt, ist man für eine Kugel Eis auch schnell mal 1,60 Euro los.

Das sind – Achtung, jetzt verwandle ich mich in einen provinziellen Hinterwäldler mit Zahnlücke und speckigem Feinrippunterhemd – ungefähr 3,20 DM. Zugegeben, die Rückrechnerei ist üblicherweise reichlich bescheuert und zeugt nicht nur von Verbohrtheit sondern auch davon, dass man die Wirtschaftvorlesungen geschwänzt hat. Aber hier beim Eis lässt sich so ganz gut der Vergleich ziehen. Im Jahr der D-Mark-Ablösung hielt ich eine Mark für eine Kugel Eis schon für eine ziemliche Frechheit. Das wären in Europreisen ja ungefähr 50 Cent gewesen. Nehmen wir jetzt eine jährliche Inflation von 2 Prozent an (seit ein paar Jahren ist sie deutlich niedriger, was aber wohl eher an Kraftstoffpreisen liegen dürfte), dann müsste die Kugel Eis 14 Jahre nach der Euro-Einführung ungefähr 65 Cent kosten. Tatsächlich ist sie aber doppelt so teuer. DOPPELT! Man stelle sich vor, 2002 hätte eine Kugel Eis zwischen 2,40 und 3,20 DM gekostet. Die Eisverkäufer hätte man doch mit Fackeln und Forken aus der Stadt gejagt.

Wie, zum Henker, kommt diese Teuerung zustande? Am Milchpreis kann es ja wohl kaum liegen, oder kommt Speiseeismilch ausschließlich von königlichen Kühen? Sind die Kugeln mundgeblasen? Ist Blattgold als Zutat enthalten? Zumindest gefühlt hat sich in den letzten Jahren kein Lebensmittel derart verteuert wie Speiseeis in der Eisdiele. Und was machen die Leute? Kaufen's trotzdem, wo wir wieder bei der Marktwirtschaft wären: Ein Gut wird immer so viel kosten, wie die Konsumenten bereit zu zahlen sind.

Und hin und wieder, das gebe ich zu, in schwachen Momenten, da erwischt es mich auch, und dann gebe ich eben doch über drei Euro (!!!) für drei popelige Kugeln Eis aus. Trotzdem: Dieser Zustand regt mich auf! Sehr sogar. Statt gegen Islamisierung auf die Straße zu gehen, sollte es einen großangelegten Protest gegen überteuertes Speiseeis geben. Mir ist der Spaß an dem Zeug nämlich leider gehörig vergangen.

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Im Februar dieses Jahres ist meine Großmutter gestorben. Die Beisetzung der Urne fand Ende desselben Monats statt – das erste Mal, dass ich auf einer Beerdigung bzw. Beisetzung rr. Ich hatte meine Großeltern immer als eine Einheit empfunden. Man sagt, Menschen gleichen sich an, je länger sie zusammen sind. Die beiden waren das beste Beispiel dafür. So ein richtig enges Verhältnis hatte ich zu ihnen nie, aber wenn meine Familie sie besuchte, als ich noch kleiner war, oder wenn sie zu Weihnachten oder Ostern zu uns kamen, dann nahm ich sie immer als untrennbares Ganzes wahr. Einzeln gab es sie gar nicht – zumindest für mich nicht. Wenn sie sich unterhielten, fielen sie sich gegenseitig in die Sätze – einer wusste es immer besser als der andere. Für Außenstehende hätte das manchmal wie ein Streit klingen können, aber so waren sie halt.

Vor allem machten beide auf mich immer den Eindruck großer Zufriedenheit. Meine Großeltern waren Kriegsflüchtlinge – gebeutelte Schicksale des Zweiten Weltkriegs. Von der Sandkastenfreundschaft schafften sie es bis zur Eisernen Hochzeit. Sieben Kinder gingen aus dieser Partnerschaft hervor, großgezogen in Jahren voller Entbehrungen. Vielleicht waren es all diese Entbehrungen aus Zeiten, die wir heute so zum Glück nicht mehr kennen, die meine Großeltern im Alter so zufrieden machten. Sie mussten keine großen Reisen unternehmen, um Erfüllung zu finden, fuhren stattdessen mit dem Auto in die nächste Stadt, aßen Kuchen, tranken Kaffee, waren stolz auf ihre Enkelkinder.

Als ich meinen Großvater Ende Februar wiedersah, war von der Zufriedenheit nichts mehr übrig. Von dem gut genährten Opa, der in meiner Erinnerung meistens eine Schiebermütze trug und immer lächelte, war ein ausgemergelter Mann übrig geblieben, dem der Anzug und sogar die eigene Haut zu groß zu sein schien. Da war nichts in seinen Augen als Trauer und Verzweiflung, als er mich ansah. Ich wusste nicht, wie ich darauf reagieren sollte. Eigentlich wusste ich nicht einmal, ob er mich überhaupt erkannte.

Die wichtigste Person in seinem Leben war gestorben und mit ihr für ihn die ganze Welt. Nach der Beisetzung stand er vor dem Grabstein, strich sanft mit der Hand drüber und sagte: »Mach's gut, mein Schnuckiputz.« So hatte er sie immer genannt.

Meine alltäglichen Ärgernisse und Problemchen, dieser Wunsch, das Leben noch ein Stückchen weiter zu optimieren, das Warten aufs nächste große Ereignis – all das schrumpfte zusammen. Was ist das schon wert, wenn der Mensch fort ist, der am wichtigsten ist?

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Jedes Mal, wenn ich einen meiner ohnehin inzwischen sehr seltenen Texte hier thematisch dem Älterwerden widme, rolle ich selbst mit den Augen und denke: Ja gut, der eine hier geht noch, nun ist aber Schluss mit der Heulerei!

Doch dann ...

Meine Freundin und ich waren am Wochenende in einem größeren Elektronikmarkt Nähe Ku'damm. Traditionell wandern wir hier die Games-Abteilung in einem der oberen Stockwerke auf und ab, nur um uns hinterher darüber zu ärgern, dass es einfach keine anständigen Spiele mehr gibt. Also gibt es schon, aber entweder besitzen wir die schon, oder sie passen einfach nicht zum eigenen Geschmack. Dennoch: Ich fühle mich immer ausgesprochen jung und aufgeschlossen, wenn ich nach Spielen schaue. Computer- und Videospiele sind eines meiner Hobbys seit dem siebten Lebensjahr, würde ich jetzt mal behaupten. Und wenn mich etwas zeitgemäßer macht als meine Eltern, als sie in meinem Alter waren (woran ich mich tatsächlich noch erinnere), dann ist das mein Interesse für Spiele. Ha!

Nachdem wir abermals nichts Spielbares fanden, gingen wir noch ins Erdgeschoss, um uns die Fitness-Tracker anzuschauen, die es derzeit so gibt. Den Unkenrufen zu diesen Teilen kann ich mich irgendwie nicht anschließen. Wenn ich eine Uhr trage, die mir zeigt, wie wenig ich mich eigentlich mal wieder den Tag über bewegt habe, dann ist das, finde ich, erst mal eine gute Sache. Zudem treibe ich recht viel Sport, vor allem laufe ich gern, und kann mittels GPS-Uhr meine Strecke planen, tracken, Intervalltrainings besser koordinieren, etc. Außerdem haben Fitness-Tracker zumindest für mich einen nicht zu unterschätzenden Motivationsfaktor: Die paar Schritte, um mein tägliches Bewegungspensum zu schaffen, gehe ich dann eben doch noch schnell zu Fuß. Man kann diese Art der Selbstoptimierung verteufeln, man kann das Thema aber auch einfach ignorieren, wenn man keinen Bock drauf hat, und was anderes tun.

Wie dem auch sei: Ein bisschen erinnert mich die Fülle an angebotenen Fitnessbegleitern an die Prä-Smartphone-Ära, als man in Elektronikmärkten noch hunderte unterschiedlicher MP3-Player kaufen konnte – von den Geräten einer gewissen Apfelfirma abgesehen eines hässlicher und unintuitiver zu bedienen als das andere. So auch bei den Trackern: Einigermaßen hübsch fand ich, von einigen Smart Watches abgesehen, einzig die Geräte von Fitbit, die eben mal nicht aussahen, als basiere ihre Gestaltung auf Designvorlagen, die Casio in den 80er-Jahren für seine Uhren als zu klobig ansah und in die Tonne warf.

Und wie das so ist in solchen Märkten, steht man keine zehn Sekunden an einem Regal, schon materialisiert ein »Berater« aus dem Nichts in den Raum hinein wie ein Bühnenmagier:

PUFF! (Knall und Rauch ...) »Sie interessieren also für Gerät XY.«

»Also ... äh ... eigentlich wollten wir nur mal gucken«, sagte ich so in etwa, aber das war dem jungen Mann natürlich egal, der augenblicklich anfing, die technischen Spezifikationen und Vorteile der Fitbit-Geräte, die er mal in irgendeiner Schulung eingeimpft bekommen hatte, herunterzubeten. Hat er auch ganz gut gemacht, ich konnte ein paar Rückfragen stellen und so tun, als wäre ich Sachen verbaler Kommunikation kein absoluter Vollidiot. Natürlich hätte ich nicht einfach was gekauft, ohne mich selbst noch mal unabhängig schlau zu machen, schließlich bin ich in Sachen Gadgets quasi Mann vom Fach: Wäre ich nicht in die DDR hineingeboren worden, wo ein klobiger drei Tonnen schwerer Fernseher mit Wackelkontakt das technisch Geilste unter der sozialistischen Sonne war, dann wäre ich anno 1984 vermutlich direkt mit einem Walkman in der Hand zur Welt gekommen.

Trotzdem fand ich das ganz interessant, was der Herr so erzählte, bis er dann – um auf die Einleitung zurückzukommen – diesen einen Satz sagte: »Also den XYZ feiere ich ja selbst am meisten.«

Ich muss selbst jetzt tief Luft holen ...

Keine Ahnung, vielleicht habe ich ja tatsächlich meine Kindheit und Jugend unter einem Stein verbracht, ohne es gemerkt zu haben, aber als ich jünger war, hat man so nicht geredet. Man konnte seinen Geburtstag feiern, Weihnachten, von mir aus auch Ostern (was ich nie verstand), aber wie kann man denn ETWAS feiern? Was für ein ekliger Slang ist denn das? Wo spricht man so? Wer hat sich das ausgedacht? Hat man das irgendwo tatsächlich immer schon so gesagt? Hab ich natürlich selbst nicht ganz zum ersten Mal gehört, aber jedes Mal, wenn jemand diese pseudocoole Formulierung hervorhustet, klappen sich mir vor Abscheu die Fußnägel hoch.

Hier war ich dann auch raus. Wer so was sagt, dem kaufe ich nichts ab, tut mir leid. Vielleicht gehöre ich, was sprachliche Trends angeht, echt schon zum alten Eisen, keine Ahnung, doch wenn man seinen Sympathielevel bei mir auf einen Negativrekord herunterfahren möchte, dann erzählt man mir, dass man etwas feiert, das kein Feiertag ist.

So, genug aufgeregt. Jetzt braucht der alte Mann erst mal seinen Mittagschlaf.

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Manchmal stehe ich morgens vor dem Spiegel und schaue diesen schönen Mann an. Ich drehe die Shampooflasche* dann um, weil meine Haarpracht sowieso nie den Level des Kerls auf dem Etikett erreichen wird. Etikettenschwindel ist das, suggeriert doch der werbende Aufdruck, man könne sich nach reichlich Gebrauch genüsslich mit den Händen durch die wallende Mähne fahren. Wallende Mähne ... die wüchse mir vielleicht am Kinn, würde ich nicht ab und an mit dem Gesichtsrasenmäher drüberfahren.

Und apropos Bart: In selbigem wachsen seit einiger Zeit zwei weiße Haare frech und fröhlich vor sich hin. Nicht eines, nein, es sind zwei – weil doppelt besser hält? Und nicht grau sind sie, sondern weiß. WEISS! An manchen Tagen fühle ich mich wahnsinnig jung und energiegeladen. An diesen Tagen sprechen die beiden weißen Haare zu mir und sagen: »Nope, du bist alt, Kollege. Nicht wahnsinnig alt, aber das kriegen wir auch noch hin. Und bis dahin sind wir zwei ein kleiner Vorgeschmack.« An anderen Tagen dagegen fühle ich mich schon von Haus aus alt. Ich stehe auf, strecke den Rücken durch und die Geräusche meiner Wirbelsäule ergeben eine saubere c-Moll-Tonleiter, gespielt auf einem hölzernen und morschen Xylophon. An diesen Tagen hätten die Ringe unter meinen Augen Anrecht auf eine eigene Postleitzahl. Stehe ich dann im Bad vor dem Spiegel, denke ich nicht mehr allzu vieles, nur noch: Puuuh!

Mein Hirn hat die manchmal blöde Eigenart, Erinnerungen nicht verblassen zu lassen. Verblassen tut regelmäßig nur, was ich morgen unbedingt erledigen wollte. Ich sehe das meiste von dem, was einmal war, noch ganz deutlich vor mir, fast als wären all diese Erinnerungen Miniaturausgaben dessen, was vergangen ist. Dioramen, in die ich hineingreifen kann, wenn ich möchte, fühlen, wie es damals war, ohne jedoch jemals wieder Teil dessen sein zu können. Das kann sehr zermürbend sein. Es ist grundsätzlich ja schön, wenn man sich erinnern kann, das weiß ich sehr wohl, aber manchmal ist es eben auch ein Fluch. Denn irgendwo in mir schlummert noch das Kind von damals, fragt sich morgens vor diesem blöden Spiegel, was plötzlich passiert ist, wer dieser Mann da ist, und meint damit nicht den üppig behaarten Typ auf dem Etikett der Shampooflasche.

Dieses Kind, hatte morgens regelmäßig den Haarwirbel am Hinterkopf niederzuringen. Ein Ärgernis, das heute nicht mehr existiert und somit direkt in ein anderes Ärgernis übergegangen ist: Sonnenbrände am Hinterkopf ... Dieses Kind stellte sich, während es sich kämmte, gern vor, dass sich hinter dem Spiegelschrank eine Geheimtür in irgendein gemütliches Fantasiereich verbarg. Na ja, im Wesentlichen ging es dabei darum, gedanklich der Schule zu entfliehen. Der Mann, der heute vor dem Spiegel steht, vermutet im Schrank allerhöchstens noch eine angefangene Packung Kopfschmerztabletten, sicher aber keine geheimen Türen.

Mit Anfang 30 steckt man in einer seltsamen Situation: zu alt um sich noch dauerhaft jugendlich zu fühlen und zu jung um sich weise fühlen zu dürfen. Dafür funktioniert der Verstand noch ausgezeichnet genug, um sich darüber Gedanken und Sorgen gleichermaßen zu machen. Mit Anfang 30 ist man quasi eine Ente: Kann nicht richtig gut fliegen, kann nicht wirklich gut schwimmen, schmeckt aber gut. Na immerhin!

Aber okay, genug der Altersärgernisse einstweilen, genug der Lethargie der vergangenen Wochen, auch wenn es hin und wieder mal sehr angenehm ist, nach Feierabend wenig produktives zu tun, tonnenweise Netflix-Serien wegzuatmen und ansonsten fünfe gerade sein zu lassen.

* Das mit dem Shampoo ist frei erfunden. Auf dem Zeug, das ist benutze, ist nichts aufgedruckt, abgesehen vom Markennamen und dem Hinweis, dass es sich um Shampoo handelt (und nicht etwa um Barbecuesauce).

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Als Kind schaute ich gern »Star Trek – The Next Generation«. Für diejenigen, die's nicht kennen, das ist die Serie, in der Patrick Stewart den Captain Jean-Luc Picard mimt. Ich musste gerade nachschauen, wie man den Namen schreibt, ein riesiger Fan war ich also nie. Aber in Ermangelung eines besseren Programms und weil die Titelmelodie so unfassbar gut war, schaute ich mir die Serie eben gern an. Ich konnte mit dem dort gezeigten Weltall nicht viel anfangen, konnte mir nicht vorstellen, wie das denn funktionieren sollte, das mit der Unendlichkeit, mit der Leere, der Weite. Für mich war der Weltraum tatsächlich ein Raum. Ein Raum mit Wänden, die man nur nicht sehen konnte, ein Raum, in dem Sterne funkelten, von denen ich nicht wusste, was sie eigentlich waren, außer funkelnde Dinger im Hintergrund. Ein Raum mit Boden, den ich mir immer als eine Art galaktischen Vogelsand vorstellte, weil ein Raum eben einen Boden haben musste, weil es ein Unten und ein Oben geben musste, weil mein kindlicher Verstand nichts anderes zuließ. Aber mich faszinierte die Vorstellung vom freien Reisen in einem Raumschiff. Wir hatten ja gerade erst die deutsche Teilung überwunden, da wurde Freiheit noch in viel kleineren Dimensionen gedacht, und nicht mal damit konnte ich wirklich was anfangen.

Später dann, ich war so um die zwölf, spielte ich mit Freunden oft Fußball auf dem Bolzplatz um die Ecke. Wenn wir besonders lange spielten und es schon dunkel wurde, kletterte ich gern am Tor hinauf und ließ mich ins Netz sinken. Dort lag ich dann und schaute in die Sterne. Immer wenn ich das tat, dudelte durch meinen Kopf die Titelmelodie aus »Star Trek – The Next Generation«. Ich stellte mir vor, wie dort oben jetzt irgendwo Raumschiffe fremde Galaxien erkundeten und Welten entdeckten, die sich hier unten niemand vorstellen konnte. Irgendwann in der Zukunft, so wusste ich, würden wir Menschen auch in der echten Welt das All bereisen. Irgendwann, das stand außer Frage.

Inzwischen habe ich die 30 überschritten. Die letzten Begegnungen mit der Zukunft, an die ich mich erinnere, waren die Vorstellung des ersten iPhone – ein Gerät, das ganz offensichtlich aus der Zukunft zu uns gekommen war und all die mittelalterlichen Murkstelefone wegfegte, mit denen wir uns bis dahin begnügen mussten – und zuletzt die Landung der Forschungssonde »Philae« auf dem Kometen »Tschuri«.

Und das war's dann leider auch schon. Gut, Wissenschafter haben zwischenzeitlich das Higgs-Boson gefunden, und bei der Kernfusion sind wir auch immerhin schon einen kleinen Schritt weiter, aber sonst so? Wo sind denn die Raumschiffe? Wo sind die fernen bewohnbaren Planeten, zu denen wir aufbrechen? Wo denn wenigstens die realistische Marsbesiedelung, die nicht ein Himmelfahrtskommando für alle Beteiligten darstellen würde?

Ich bin ernüchtert, so viele Dinge betreffend. Es geht mir gar nicht um die Kolonialisierung des Weltalls, die ich in meiner viel zu langen Einleitung ausgebreitet habe, es geht mir um die Menschheit, die so dumm ist, so unsäglich, unfassbar dumm, dass ich sie kaum mehr ertragen kann. Auch in meiner Sturm-und-Drangzeit habe ich zwar nie versucht, die Welt zu verbessern, aber ich hing doch einer Art unerschütterlichem Glauben an, es könnte alles mal besser werden. Wir würden unsere Konflikte bald gelöst haben. Wenn schon nicht durch die Beseitigung unserer Energieprobleme, dann doch zumindest durch das Internet. Wissen, Information und Kommunikation waren der Schlüssel. Wenn ich mit einem ganz gewöhnlichen Menschen in einem anderen Kulturkreis via Internet innerhalb von Sekundenbruchteilen Nachrichten austauschen konnte, dazu auch noch in der gemeinsamen Sprache Englisch, die so viele von uns zumindest einigermaßen beherrschen, dann musste es doch funktionieren, dass man einander versteht, sich akzeptiert und gemeinsam an Dingen arbeitet, statt sich über den Haufen zu schießen.

So dumm war ich damals. Echt jetzt.

2016 – gefühlt schießen wir uns mehr denn je über den Haufen. Vermeintlich intelligente Leute ziehen in Religionskriege, stützen sich auf angebliche Lehren aus uralten Büchern mit so hanebüchenen Geschichten, dass ich eher noch die Märchen der Gebrüder Grimm glauben würde. Menschen, die eigentlich aufgeklärt sein müssten, sprengen sich in die Luft, der angeblich fortschrittliche Westen schmeißt dem primitiven Osten unter dem Banner der Menschenrechte Bomben auf den Kopf, und unser ach so fortschrittlicher Wohlstand basiert auf der Ausbeutung des Planeten und der Ärmsten, die auf ihm leben. In Deutschland zünden derweil Volldeppen Unterkünfte für Zugereiste an wie zuletzt Anfang der 90er Jahre, und mittendrin in all dem Chaos stehen Menschen wie ich.

Menschen wie ich, die mal an das Gute glaubten, daran, dass nichts unmöglich sein würde, wenn man nur weiter daran arbeitete. Menschen wie ich, die keine Lust mehr auf andere Menschen mit ihrer unfassbaren Blödheit haben. Menschen wie ich, die sich lieber in Eskapismus üben, bevor sie vor lauter Schockstarre gänzlich in Handlungsunfähigkeit verfallen, und dabei auch noch Schuldgefühle wegen ihres Nichteingreifens bekommen. Ich hätte nie gedacht, dass es mal so weit kommen würde, aber ich fühle mich nicht mehr wohl. Nicht in dieser Stadt, nicht auf diesem Planeten. Ich habe Angst. Angst vor dem, was kommt, vor der Zukunft, die ich mal als so verheißungsvoll empfand. Ich möchte hier in Frieden leben, aber es scheint mir nicht mehr möglich.

Unter der Annahme, dass das Universum unendlich groß oder wenigstens unvorstellbar groß ist, müsste es doch wahrscheinlich sein, dass wir Menschen nicht die einzig intelligente Lebensform sind, die nach den Sternen greift. Warum sind wir dann anderen Zivilisationen noch nicht begegnet? Das sogenannte »Fermi-Paradoxon« befasst sich mit diesem Widerspruch. Eine von vielen Begründungen dafür ist, dass wir einander verpassen. Die Zeitspanne, über die eine Lebensform sich entwickelt und schließlich doch ausstirbt, bevor sie auf eine andere intelligente Spezies treffen kann, ist demzufolge schlicht zu kurz, gemessen am Alter des Universums. Das scheint logisch: Wenn man sich in diesem Sinne nach den Gründen für das Aussterben der Menschheit fragt, fiele mir in Anbetracht unserer aller Blödheit genug ein.

Vielleicht sind wir Menschen schon zu klug geworden, um nicht bescheuert zu sein, vielleicht sind auch einfach die meisten Menschen zu bescheuert, als dass die Klugheit obsiegen könnte, ich weiß es nicht. Schaue ich in den Sternenhimmel, sehe ich dort keine Menschen mehr, die mal fremde Galaxien erkunden werden. Wir werden vorher bereits ausgestorben sein, und die einzigen, die sich fragen werden, wie das jetzt passieren konnte, werden die Katzen sein, die auf ihr Mutterschiff zurückgekehrt sein werden, um sich eine andere dämliche Rasse zu suchen, die ihnen die Futterdosen öffnet.