Indy 4: So war’s (Part II)…

Nachdem es kürzlich einen kleinen Vorgeschmack auf meine persönliche Meinung zum neuen Indy gab, soll nun, wie versprochen, die etwas ausführlichere Variante folgen.

Kritiker haben bereits genau die Vergleiche gezogen, die auch mir im Vorfeld eingefallen sind: Was haben „Der Pate“, „Star Wars“, „Terminator“ und „Indiana Jones“ gemeinsam? Alle genannten sind Filmreihen, und alle drei bekamen späte Fortsetzungen. Während jedoch die ersten drei ohne ihre späten Nachkömmlinge besser dran gewesen wären, galt eine Indy-Fortsetzung quasi als Pflicht – schwirrte doch der Mythos eines weiteren Films seit vielen Jahren in den Köpfen der Fans herum. Diese wären Steven Spielberg und George Lucas wahrscheinlich auf’s Dach gestiegen, hätten sie die Produktion eines weiterhin aufgeschoben.

Das Resultat: 19 lange Jahre nach dem letzten Kreuzzug ist’s nun also soweit, und Indiana Jones (Harrison Ford) begibt sich, mittlerweile sichtlich gealtert, erneut auf Abenteuerreise. Doch, bevor er das tut, landet er zuerst einmal mit seinem Freund Mac (Ray Winstone), von bitterbösen Russen unter Führung der scharfkantigen Irina Spalko (Cate Blanchett) entführt, in einem Geheimlager der amerikanischen Regierung. Kenner der Filme werden das Lager mit seiner schier endlosen Anzahl an Holzkisten natürlich sofort wiedererkennen. Hier soll Indy den Russen helfen, ein bestimmtes Artefakt ausfindig zu machen. Kurzum: Das Artefakt wird gefunden, und Jones gelingt eine fulminant unterhaltsame Flucht, wobei sich sein Freund Mac als Verräter heraussstellt.

Nachdem Indiana, der nun tatsächlich den Namen Henry Jones Jr. bevorzugt, sich in eine Modellstadt im Atombombentestgebiet der amerikanischen Regierung verirrt und einen Atombombeneinschlag im Kühlschrank versteckt (!) überlebt, wird er vom FBI aufgelesen, abgeduscht und in seinen ruhigeren Halbtags-Dozentenjob zurückgeschickt. Doch an der Schule erwartet ihn eine böse Überraschung: Da Indy den Russen des KGB zu Anfang geholfen hat, wird er nun permanent vom FBI überwacht, was ihn prompt seinen Lehrstuhl kostet. Enttäuscht will er das Land verlassen, wird dabei jedoch durch den jungen Mutt (Shia LaBeouf) aufgehalten. Dieser hat einen Brief seiner Mutter und eine Karte des inzwischen verschollenen Professor Oxley (John Hurt) bei sich. Jones erklärt sich schließlich bereit, Mutt bei der Suche nach den beiden zu helfen, und so zieht es die beiden erst einmal in den peruanischen Jungle…

Mit diesem Einstieg ist es der Crew um Lucas und Spielberg gelungen, fast nahtlos an die halsbrecherische Action der Vorgängerfilme anzuschließen und damit im Zuschauer die Hoffnung auf ein gelungenes Comeback zu schüren. Nach den ersten Szenen ist dies durchaus berechtigt, doch so viel sei gleich vorweg gesagt: „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ ist kein wirklich guter Film geworden.

Doch hat hat der Film natürlich auch erst mal seine wirklich guten Seiten. Besonders während der ersten halben Stunde atmet der Film eindeutig den Geist seiner Vorgänger: Schnelle und witzig gestaltete Szensen, gewagte Stunteinlagen und wilde Verfolgungsjagden, stets vom glorreichen Williams-Soundtrack getragen, lassen die Augen des Zuschauers glänzen. Harrison Ford merkt man das Alter in jedem Augenblick an, doch gerade diese Tatsache macht die Figur des Indiana Jones umso glaubwürdiger. Auch die restliche Darstellerriege wurde gut gewählt: Besonders stechen die bereits aus Teil 1 bekannte Karen Allen und der junge Shia LaBeouf hervor. Bedauernswerterweise jedoch stehen sie stets in Fords Schatten, der den gesamten Film über klar dominiert. Cate Blanchetts Charakter der Irina Spalko ist etwas blass geraten, stellt ansosten aber doch einen halbwegs würdigen Nachfolger zu den tumben Nazischergen der Vorgängerfilme dar.

Doch hier muss das Lob leider schon wieder beendet werden, denn die Schattenseiten des Films überwiegen ganz klar. Da gerade noch die erste halbe Stunde so actionreich war, fällt danach umso mehr auf, dass dem gesamten Film einfach der Pepp fehlt. Gerade die bereits bekannten Charaktere Indy und Marion Williams (ehemals Ravenwood) wirken weit weniger frisch als in „Jäger des verlorenen Schatzes“. Da können auch die zotigen Streitereien der beiden nicht viel dran ändern. Dem Spannungsbogen des Films ist es da nicht besser ergangen. Gerade der Mittelteil ist doch zum Teil arg zäh geraten: Jones hat eine ganze Armada von Helfern im Schlepptau und eilt von einer Höhle in die nächste. Auch den filmischen Witz, der alle drei Vorgängerfilme so legendär gemacht hat, sucht man im neuen Indy oft vergebens. Viele Wortgefechte wirken sehr aufgesetzt und verderben dem Zuschauer umso mehr den Filmspaß. Für ein weiteres Manko kann man die Filmemacher dann noch nicht mal verantwortlich machen: Ein Indiana Jones in den späten Fünfzigern wirkt irgendwie fehl am Platz. Die Russen sind eben doch nur Russen und keine fiesen Deutschen, und auch der Marlon Brando-Verschnitt Mutt kann das Atmosphäremanko nicht ausbügeln. Vielleicht hätte man hier mehr erreichen können, vielleicht fehlt aber auch einfach nur der insgeheim erwartete Wiedererkennungswert. Was man dem Drehbuch dann aber doch ankreiden kann und muss, ist das vollkommen überdrehte Ende. Es wirkt unglaubwürdig und fehl am Platz, und viele Fans werden dem Film gerade diesen Schnitzer sehr, sehr übel nehmen. Da kann auch die gelungene Schlussszene nicht mehr viel retten.

Alles in allem ist Indiana Jones 4 also ein nur durchschnittlicher Film geworden, der mit einer wirren Story aufwartet und auch ansonsten reichlich unausgegoren wirkt. Aus einem Guss sieht jedenfalls anders aus. Wer einfach nur seichte Unterhaltung erwartet und den Vergleich mit den drei gottgleichen Vorgängerfilmen nicht zieht, dem werden freilich zwei überwiegend spaßige Stunden geboten. Alle anderen wird jedoch spätestens während des Abspanns das Gefühl beschleichen, dass man hier noch mal Kasse mit einem Franchise machen wollte, das doch besser ein unangerührtes Denkmal geblieben wäre.

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