Gefühlssprünge

Es wird ja gern behauptet, egal ob in Büchern, Zeitschriften, Fernsehen oder sonstwo, dass Gefühle stärker werden oder, betrachten wir das Gegenteil, nachlassen könnten. Ich meine jetzt nicht gezwungenermaßen das ganze Liebesrumgeschnulze, obwohl auch das zu den Gefühlen zählt, möchte ich wohl meinen. Jedenfalls denke ich, dass diese Behauptung ziemlich falsch ist.

Gefühle steigen nicht auf und ab wie Aktienkurse (obwohl es bei denen derzeit ja eher nur noch bergab geht), sondern sie springen. Ich könnte heute eine Frau kennenlernen, säße ich nicht dumm auf meiner Couch und würde bloggen, und ich wäre morgen vielleicht augenblicklich verliebt. Bam, aufgestanden und die rosarote Brille auf! Yeah, so geht das. Umgekehrt leider das gleiche: Wir reden uns und auch dem scheidenden Partner zwar ein, dass unsere Gefühle nachgelassen hätte, in Wirklichkeit jedoch sind wir eines Tages aufgestanden und haben bemerkt, dass was weg ist. So nach dem Motto: Hmm, irgendwas fehlt. Ach ja, ich war ja mal verliebt! Irgendwie nicht sonderlich vielschichtig, unsere Gefühlswelt, hm? Aber ich wollte mich ja nicht auf dieses Feld fixieren.

Nehmen wir also mein derzeitiges irrationales Vorweihnachtsgefühl (das von der freien Lebkuchenwirtschaft übrigens ziemlich ausgenutzt wird, auch wenn ich selbst keine kaufe, aber andere Leute vielleicht): Das kam vor ein paar Tagen einfach zur morgendlichen Laune hinzu. Klopfte quasi pünktlich zum Aufstehen an und sagte „Ho ho ho, es weihnachtet sehr (im September).“ Ist ja nicht schlecht, strahlt diese Eselei unseres Gehirns schließlich eine gewisse Art von Wärme und Geborgenheit aus, die ich sonst nicht fühlen würde. Aber es könnte jetzt sein, dass das alles morgen wieder vorbei ist. So ganz einfach bam! Da gibt’s keine Abschwächung oder so. Das kommt und geht einfach.

Oder bleiben wir ganz allgemein: Mit dem Glücklichsein ist’s doch nicht anders, richtig? Ich stehe auf und denk mir: ‚Geiler Tag, wo ist mein Hawaiihemd? Wo die Sonnenbrille? Ach richtig, ich besitze ja beides gar nicht. Na, egal.‘ Beschwingt hüpfe ich durch die Wohnung, singe mit noch belegter Schlafstimme in die Leere hinein, falle mit etwas Pech beim Herabgehen der Treppe auf’s Maul aber hey – who cares? Ich hab schließlich Toplaune. Leichter Sachverhalt, leichtfüßiges Leben. Da das Leben jedoch leider so ’ne Art Medaille ist, sprich, zwei Seiten besitzt, geht’s umgekehrt genauso einfach. Aufgestanden, Laune im Eimer! Das geht so schnell, wir sagen ja nicht umsonst, wir wären in ein Loch gestürzt. Bei den depressiven Leuten ist das vielleicht nicht ganz so. Ich nehme an, die kennen nur schlecht und ganz schlecht.

Was all diese Beispiele verbindet: Es scheint, als würden die Sprünge immer morgens nach dem Aufstehen einsetzen, so als hätte in unserem Hirn jemand nachts eine Art Reset-Knopf gedrückt, der das Lebensgefühl der letzten Wochen oder Monate vergessen macht. Hier beschäftigen mich zwei Fragen: Erstens, wer oder was drückt auf diesen Resetknopf? Zweitens, geht’s nur mir so?

4 Kommentare

  1. Nein es geht net nur dir so,

    ich denke allerdings das unsere morgendliche Befindlichkeit auf die Träume die wir in der Nacht gehabt haben (ob nun wissentlich oder nicht) zurückzuführen sind.

    Mir gings bis jetzt schon ein paarmal so.

    Zu dem Resetknopf muss ich sagen, das genau aus dem Grund mein PDA bzw Zettel und Stift oder beides 😉 neben meinem Bett liegt, damit ich einen Gedanken den ich abends fasse (und mir denke, das weist du morgen auch noch und schreibst es gleich früh auf -> denkste -> Resetknopf) auch noch am nächsten Tag weiß.

    Aber dieses Phänomen ist echt lustig und für mich genauso schwer zu erklären, vielleicht resultiert es an dem "Datenmüll" der sich am Tag ansammelt, verdaut werden muss(Träume eben) und sich unser liebes Hirn dann denkt, ne das is mir jetz zu dolle, ich mach schluss und *pling* sind wir wieder am Anfang 😉

    Aber ja, sonst fällt mir nicht weiter ein (außer 3 Punkten)

  2. Hehe, kein Ding. Rechtschreibung ist nicht alles, und die Sätze waren ja verständlich. Außerdem kenn ich das mit dem Bier doch selbst zu gut. 😛

    Mich wundert nur, dass ein neuer Gemütszustand nach einem solchen „Gefühlsschwenk“ dann z.T. Tage, bzw. Wochen oder gar Monate anhält.

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