Die dunkle Seite des WWW

Irgendwie war sie abstrus und surreal, diese Szenerie am gestrigen Abend. Waren in einer dieser Spielstätten (Welch altbackenes Wort! Gibt’s da was von Ratiopharm?), in der auch ein paar Computer für’s Internetsurfen standen – so wie man sie aus diesen antiken Internetcafés kennt. Und bisher habe ich mich ja immer gefragt, wofür diese Dinger denn da sein sollen, schließlich sind sowohl PC als auch Internetzugang heutzutage für so ziemlich jeden erschwinglich.

Wie dem auch sei, gestern bekam ich die Antwort. Als sich der ältliche Herr, dessen herumgebrachte Lenze ich auf eine Zahl von, nun, irgendwo zwischen 60 und 70 schätze, setzte, da fiel’s mir eigentlich schon wie Schuppen von den Augen. Klar, so jemand wird jetzt garantiert irgendwelche Sexseiten anschauen. Ich hab ja interessenhalben ab und an mal auf seinen Bildschirm gespitzelt, und natürlich hatte ich Recht. Soweit so gut, dachte ich mir. Hoffentlich bin ich in dem Alter sexuell so tot, dass ich auf solche heimlichen Ausflüge abseits der häuslichen Idylle keine Lust mehr habe. Aber jedem das Seine…

…wäre da nicht der Augenblick gewesen, in dem er auf irgendeiner Community-Seite das Profil einer jungen Dame öffnete, deren Foto darauf schließen ließ, dass sie garantiert noch keine 18 Kerzen auf dem Geburtstagskuchen hatte. Uah, was hat der da gemacht? Nennt der sich da jetzt „Paul_18“? Oder „Bettgranate_25“? Und lügt sich selbst und ihr nur das Blaue vom Himmel herunter, um ihre Einfältigkeit auszunutzen, auf dass sie eines Tages hinter den Schwindel kommt, das Vertrauen in ihre Mitmenschen verliert und ’nen Knacks davon behält? Oder plant der gar Schlimmeres, während seine Frau daheim vor dem Fernseher hockt, in der Annahme, dass ihr Mann in seiner Stammkneipe eine Partie Schach spielt? Hat mich eine Weile beschäftigt. Manchmal ist sie irgendwie nicht so schön, diese Welt.

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