Evolution des Kaffeekonsums

Spätestens, seit sich die pseudo-coole Kaffeekette Starbucks wie die Pest auch in Deutschland ausgebreitet hat, ist das eigentlich doch recht biedere Getränk Kaffee eine Art Kult geworden – quasi der iPod unter den Getränken. Starbucks selbst verfolgt da eine ganz einfache Masche: Die verpassen nicht nur ihrem „schwarzen Gold“, sondern sogar den Bechergrößen ziemlich sexy klingende Namen, schütten zusätzlich zum eigentlichen Kaffee ordentlich Sirup dazu, um den im Grunde doch recht langweiligen Schweiß-Geschmack zu übertünchen und ihre Mischung so für viele Teuros an das zahlende Kundenvieh verkaufen zu können. Sollte das mal nicht klappen wie erhofft, so kann man bei denen ja auch lecker Kuchen und Kekse nachstopfen. Und für die Sparfüchse unter den Kaffeetrinkern haben die auch eine Geheimwaffe: Wenn man nämlich genau hinsieht, steht auf den Tassen ganz dezent „Klau mich“ drauf. Doch ach, eigentlich möchte ich hier gar nicht über Starbucks, sondern über Kaffee schreiben.

Warum Kaffee? Manchmal hab ich einfach das Gefühl, der hält mein Herz in Bewegung. Bis es so weit kam, war’s allerdings ein weiter Weg. Als Kind gab’s für mich nur Kinderkaffee, aber das war ja eigentlich nichts anderes als getarnter Kakao – gemacht für kleine Leute, die sich mal so richtig erwachsen fühlen wollten. Dann saß man nachmittags eben ganz geschäftig tuend mit den Eltern am Tisch und schlürfte sein Gesöff wie die Großen. Und ganz ehrlich, ich fand das noch ein ganzes Stück cooler, als in lässiger Schräglage Malzbier aus der Flasche zu nuckeln. Bis ich allerdings richtigen Kaffee schätzen lernte, sollten noch einige Jahre ins Land ziehen – glücklicherweise, denn hätte ich selbigen in dem zarten Alter schon zu schätzen gewusst, wären bestimmt nicht mehr viele Jahre ins Land gezogen.

Die nächste Begegnung mit dem Kaffeezauber hatte ich etwa im Alter von 16 im Krankenhaus. Während man da so liegt und eigentlich nichts zu tun hat, lernt man doch recht schnell, kleine Dinge zu genießen. Man freut sich über ein Nickerchen, anschließend fiebert man schon wieder dem nächsten Essen entgegen, nur um sich gleich darauf wieder eine Mütze Schlaf zu gönnen. Fehlt eigentlich nur noch Sex, und alle menschlichen Grundbedürfnisse wären gedeckt. Allerdings war meine Freundin damals gerade im Urlaub, und außerdem wirkte ein blutiger Schlauch im Knie zu dem Zeitpunkt nur bedingt als Aphrodisiakum. Vielleicht auch, um das fehlende Bedürfnis auszugleichen, ließ ich mir dann regelmäßig statt Tee lieber Kaffee ans Bett reichen. Nachdem ich jegliches Aroma in der Tasse mit jeweils zwei Päckchen Milch und Zucker entschärft hatte, freute ich mich über den suuuuper tollen Geschmack und fand es in meiner Unwissenheit völlig unverständlich, weshalb ich das Zeug daheim immer wie der Teufel die Kirche gemieden hatte.

Nun muss man natürlich kein Hellseher sein, um zu ahnen, dass ich, kaum zurück zu Hause, beim ungepanschten Kaffee meiner Mutter wieder den Mund verzog, als hätte man mir eine Tarantel in die Unterhose gesteckt. Fortan mied ich das Zeug, bis ich einige Jährchen später während des Studiums unter hohem Leistungsdruck und damit schließlich vor der Wahl stand: Kiffen, rauchen, saufen oder Kaffee? Nach einigem Probieren entschied ich mich für die meiner damaligen Ansicht nach gesündeste Variante. Doch wie bei den Drogen begannen mein Mitbewohner und ich auch beim Kaffee mit der Einstiegsvariante: Nämlich Milka-Schoko-Cappuccino… Yummy! Während der abendlichen Philosophierunden in der Küche kamen da bestimmt fünf bis sechs Tassen pro Kopf zusammen. Drei Monate später offenbarte jedoch die Waage, was der Hosenbund eigentlich längst deutlich gemacht hatte: Acht Kilo (!) mehr auf den Hüften waren eindeutig ein Grund zum Umstieg auf das harte Gesöff.

Hart waren hier anfangs natürlich vor allem die Nebenwirkungen: zitternde und juckende Hände, Kopfschmerzen, Erschöpfung. Am Morgen danach meinte wiederum mein Mitbewohner gern: „Kaffee gibt dir heute die Energie von morgen.“ Eine größere Wahrheit hat der nie vom Stapel gelassen. Na ja, durch’s Studium haben wir es trotz aller Koffeinschäden dann trotzdem irgendwie geschafft. Und spätestens, seit ich einen Bürostuhl warm halte, gehört der stündliche Kaffee sowieso zum guten Ton. Daheim sieht’s am Wochenende nicht anders aus: Das geliebte Suchtmittel muss immer greifbar sein. Waren es anfangs noch viel zu starke Filterkaffeebomben, die ich jedes Mal so herunterzuwürgen versuchte, dass sie die Geschmacksnerven auf der Zunge umschifften, wechselte ich dann doch kürzlich auf eine dieser sexy-kurvigen Senseomaschinen – quasi der iPod unter den Kaffeemaschinen. Deren Sorten klingen zwar nicht so sexy wie die bei Starbucks, dafür kommen sie aber aus diesen abgefahrenen Pads, tun ihre Wirkung UND SCHMECKEN, und ich kann sie aus meiner geklauten Starbucks-Tasse trinken.

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