Pärchenfrust

Es soll ja Leute geben, die aus reinem Spaß an der Freude arme, wehrlose Kuscheltierchen im Zoo mit vergifteten Keksen meucheln. Denen sollte man die Eingeweide nach außen kehren, keine Frage. Andererseits würde ich ab und an auch gern mal mit solchen Dingern ein paar Tierchen vergiften. Welche? Nun, die Gattung „glückliches Pärchen“ wäre ja mein persönlicher Favourit. Richtig gelesen! Die regen mich nämlich mächtig auf! Warum das so ist? Nun, es ist nicht mal das Einzelverhalten der Partner. Da gibt’s eh nichts mehr zu sagen, denn hier hat Mario Barth auf seiner Safari schließlich schon alles ausgerottet, was zu finden gewesen wäre. (Ja, noch heute ballert der mit Großkalibern auf seine ausgeweideten Klischeeleichen.) Daher will ich mich mal auf das Verhalten im Duett beschränken – an einem ebenso grässlichen wie wahren Beispiel.

Die ganze schändliche Thematik begegnete mir letztens im Zug Richtung Osnabrück: Ich saß gerade nichtsahnend in meinem DB-Folterstuhl und kämpfte gegen meine Zwanzig-Kilo-Augenlider, da setzte sich genau mir gegenüber eine junge Frau. Hach, war die eine Augenweide: große, hellstrahlende Augen, hochsitzende, betonte Wangenknochen, eine wahrlich elfenhafte Erscheinung – genau so, wie ich’s mag! Und gerade, als meine Augen ihren Kampf gegen mich aufgegeben hatten, um das lebende Gemälde auf zwölf Uhr anzustarren, hockte sich direkt neben sie ihr Freund. Querstreifenpulli, Liam-Gallagher-Gedächtnisfrisur und Kevin-Bacon-Steckdosennase – genau so, wie ich’s hasse! Und dann ging auch schon die Turtelei los, so dass ich des Starrens überdrüssig wurde und mich schließlich doch ohne weitere Gegenwehr der Müdigkeit hingab. Nicht lange war ich am Dösen, da hörte ich es schon: Schmatz-schleck-flatsch! Längst Schlimmes ahnend öffnete ich die Augen und musste mitansehen, wie diese Sittenstrolche ihre Münder auf eine Weise ineinander verhakt hatten, als würden sie hoffen, ihren eigenen Hunger mit Essensresten aus den Tiefen der Speiseröhre ihres Gegenübers stillen zu können. Bah!

Verständlich, dass die Inder das Küssen in der Öffentlichkeit verbieten, dachte ich noch, während sich mein Gemüt bereits negativ erregt zeigte. Mit dem „Restaurant am Ende des Universums“ versuchte ich, mich ein wenig abzulenken. Aber auch der Humor eines Douglas Adams konnte mich nicht so sehr fesseln, als dass ich die grausamen Geräusche nicht mehr wahrgenommen hätte. Glücklicherweise startete das unangenehme Zweigespann dann doch eindlich mal ein Gespräch. Doch auch diese Waffenruhe sollte nur von kurzer Dauer sein, und so begannen beide schon bald mit der berüchtigten Angewohnheit, sich – schmatz – nach – schmatz – jedem – schmatz – Wort – schmatz – zu – schmatz – küssen – schmatz SCHMATZ! ARGH! Das nur zu hören war angesichts meiner lebhaften Phantasie fast schlimmer, als es ansehen zu müssen, so widerlich feucht klang das. Am liebsten hätte ich meine übrigens ebenfalls sehr hübsche Nebensitzerin gefragt, ob wir es den beiden nicht vielleicht mit barer Münze heimzahlen sollen, aber die war längst mit dem Kopf auf den Tisch gesunken und somit feige aber wohl glücklich vor der grausigen Szenerie geflüchtet. Ich war also allein – ganz allein. – Schmatz!

Der Zug war voll, einen anderen Platz konnte ich nicht wählen, also begann ich, mich mit meinem Schicksal abzufinden. Ich blickte abwechselnd in mein Buch und aus dem Fenster, in welchem sich allerdings wieder die beiden Unzertrennlichen in ihrem Fusionsprozess spiegelten. Scheinbar hatten sie beschlossen, mich konsequent weiter zu ärgern, dachte ich, da setzten sie noch einen drauf: Sie aßen einen Apfel, was nicht weiter schlimm gewesen wäre, hätte SIE sich nicht von ihm IHM füttern lassen! Wie ein ausgemergelter Straßenköter nagte sie das Fruchtfleisch weg, während er sie angrinste, als wär sie ein 80-Zoll-Plasma-TV. Das kleine Stück Apfel, das bei dem Prozedere penetrant an ihrem Riechkolben hängen blieb, schlabberte er ihr anschließend auch noch genüsslich von selbigem. Und ich Idiot hatte die Augen wie Scheinwerfer genau drauf gerichtet. Die eigenen Eltern beim Sex im Stehen in der Dusche zu erwischen, kann eigentlich kein schlimmerer Anblick sein. Der Appetit war mir jedenfalls gründlich vergangen.

Tja, und das war sicher nicht das einzige Negativbeispiel, das mir im Laufe meines, nun, zugegebenermaßen vielleicht dezent von Neid zerfressenen, Lebens widerfahren ist, aber doch ein sehr krasses und zudem ein zeitnahes. Daran kann ich mich nämlich selbst jetzt noch so richtig hochschaukeln. Und nun werde ich auch schon aufhören, denn ich glaube, ich muss in die Küche und ein paar Kekse auf Vorrat backen.

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