Der Geschmack der Rache – Teil 4

Tunnelblickend werden weiterhin sämtliche Nachrichten unkommentiert gelassen, jegliches Tagesgeschehen fällt dem Strudel des Vergessens zum Opfer, für das Nötigste bleibt dieser Tage Twitter. Warum das alles? Nun, der Titel dieses Posts sagt es: Der vierte Teil unserer kleinen Geschichte möchte erzählt werden. So what!?

Was bisher geschah:
I. Die Waffe – Erstes Zwischenspiel
II. Der Anruf
III. Chuck

IV. Die Waffe – Zweites Zwischenspiel

Ich bewegte mich schnellen Schrittes durch die eng angelegten Seitenstraßen, immer so nah wie möglich an den Häuserwänden entlang. Ich rannte jedoch nicht. Achtete auf meinen Gang. Wollte kein Aufsehen erregen, solange es nicht sein nötig war. Die Wut loderte noch immer vernichtend in mir, brannte jegliches Aufkeimen eines vernünftigen Gedankens augenblicklich nieder, schärfte dafür meine Instinkte. Machte mich nur berechnender. Kälter. Machte mich zum Tier. Chuck hatte die Büchse der Pandora geöffnet und die Quittung dafür bekommen. Ich hatte sein Leben geraubt, nachdem er mein eigenes gestohlen hatte. Auge um Auge. Rache ist Gerechtigkeit. Wohlschmeckende Gerechtigkeit.

Ich war keine Meile weit gekommen, als ich die verdammte Sirene hörte. Ob man Chuck etwa schon gefunden hatte, dachte ich reflexartig. War gut möglich, schließlich war das ganze Gerangel in seiner Bruchbude nicht eben leise abgelaufen. Im Gegenteil. Hatte geschrien wie am Spieß, als ich dabei gewesen war, Sägemehl aus seiner Visage zu machen. Dazu der abgebrochene Schlüssel. War eher ein Hinweis, als ein Hindernis. Wohl keine gute Idee gewesen, dachte ich, konnte es nun aber auch nicht mehr ändern.

Als das Heulen der Sirene sich bedrohlich näherte und es voraussehbar wurde, dass der Einsatzwagen, egal ob Ambulanz oder Polizei, gleich an mir vorüber rauschen würde, schlug ich mich blitzartig in die Büsche, die mir, nach hektischem Absuchen der umliegenden Gegend, direkt neben einem hübsch gestalteten Gebäude zu meiner linken ins Auge gefallen waren. Im Sprint, vorbei an dem großen Schild vor der Eingangstür, nahm ich wage wahr, dass es sich um die Praxis eines Psychiaters handelte. Wie passend, denke ich heute. Hätte wohl gleich hineingehen und mich auf die Couch legen sollen.

Stattdessen ging ich in sicherem Abstand zur Straße beobachtend in Deckung und wartete, bis die Polizei (es waren also doch die Bullen, gleich mehrere Autos) an mir vorüber gezogen war und sich wieder entfernte. Wenige Augenblicke später verstummten die Sirenen. Scheiße.

Mir war sofort klar, dass sie tatsächlich bei Chuck gehalten haben mussten. Irgendein verdammter, besorgter Nachbar. Hatte damit gerechnet, jedoch nicht so schnell. Wie lange sie wohl brauchen würden, um von Chuck auf Samantha und schließlich auf mich zu kommen, dachte ich. Und ich wusste, dass mir jetzt wirklich die Zeit davon lief.

So richtete ich mich auf und wollte gerade los laufen, als mein Fuß gegen einen harten Gegenstand. Ich sah in einem Reflex nach unten und entdeckte die von Sand und Laub schmutzige Pistole. Einfach so. Neben dieser Praxis. Zuerst hielt ich sie für eine reine Halluzination. Hirngespinste hätten mich echt nicht sonderlich verwundert. Das Ergebnis einer Panikreaktion. Stand unter Stress. Schließlich musste ich davon ausgehen, dass ich jetzt einen riesigen Trupp Polizisten an den Hacken hatte.

Wie die Waffe hierher gelangt war, was wohl ihre Geschichte gewesen sein mag, würde wohl ihr Geheimnis bleiben. Hatte keine Zeit für Nachforschungen oder wilde Spekulationen. Keine Zeit für Geschichten.

Vielleicht war es am Ende sogar die Tatsache, dass mich die Polizei zur Eile antrieb, die mich dazu bewegte, die Waffe überhaupt mitzunehmen, daran zu denken, sie einzusetzen. Das Geplänkel mit Chuck hatte zu lange gedauert. Bei Samantha musste es schneller gehen, wenn ich die Sache zum Ende bringen wollte.

Nun rannte ich also doch.

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