Argh, argh, Arcandor.

Ach, Arcandor ist pleite. Karstadt (vor allem jedenfalls) steht mal wieder vor dem Aus, einmal mehr. Hatten wir ja erst vor einigen Jahren. Man gewöhnt sich an alles. Und da der Peer derzeit im Rahmen der »internationalen Finanzkrise« (von niemandem bedrohlicher ausgesprochen als von Oskar Lafontaine) die Spendierhosen anhat und dieses Jahr auch noch Wahlen anstehen, sind die Chancen wohl durchaus gegeben, dass der Steuerzahler und ich ein weiteres Mal ins Portemonaie langen müssen, um ein paar Milliönchen für einen gebeutelten Konzern mehr raus zu rücken. Fand ich ja bei der jammernden Pornobranche schon absurd. Und so auch hier.

Denn mal im Ernst: Muss man jetzt jeden Mist auf diese Krise schieben? Klar ist es schlimm, wenn 50.000 Jobs wegfallen, aber der Staat kann doch nicht jedes Mal einspringen, wenn irgendwelche geölten Krawattenträger Mist bauen. Bei so viel Kontrolle können wir auch gleich den Sozialismus ausrufen. Ich meine, sehen wir uns Karstadt doch mal an! Ein dickes Kaufhaus, das von allem ein bisschen hat aber nichts so recht ganz. Klamotten findet dort allenfalls die geschmacksferne Großmutter von vorgestern, der technikverliebte Papa bekommt nur halbgare Altware angeboten, und die kitschige Jägerin des verlorenen Schickschnacks sieht sich in all den Mambos und sonstigen Tineffläden einer weit größeren Auswahl gegenüber. Wozu da noch die Karstadts dieser Welt, die nebenbei erwähnt, auch noch meist neben dicken Kaufhöfen herumstehen? Schon mal was von Überangebot gehört? Nein? Na dann: sechs, setzen! Dass nebenbei auch versucht wird, Reisen, Versicherungen und was weiß ich nicht alles zu verticken, zeigt deutlich, dass das Management von Arcandor/Karstadt keine keine klare Linie verfolgt, sondern eher völlig ratlos in einem undurchdachten Wollknäuel festhängt.

Ich mache wirklich drei Kreuze, wenn dieses ganze Krisengeplärre endlich abebbt. Denn bei all den Arcandos, Opels, GMs, Commerzbanken und sonstigen leidgeplagten Verlierern des ungezügelten Radikalkapitalismus geht fast völlig unter, dass Nordkorea sich gerade anschickt, der Welt einen atomaren Denkzettel zu verpassen. Zeit, den Kopf mal wieder frei zu kriegen.

6 Kommentare

  1. Solange du das jetzt nicht als Essenz meines Postings geschlossen hast, ein schönes Wortspiel. 😉 Aber ich MUSS das nicht haben, bin ja in genanntes System hineingeboren worden.

  2. Natürlich ist das nicht die Essenz, ich bin eben doch nicht so grundseriös, wie ich immer vorgebe. Mist. Erzähl‘ das bloß keinem…
    Aber was meinst du wohl, warum mir das eingefallen ist? 😉

  3. Nicht Sozialismus is muss, sondern sozial is muss, da hat Mary schon recht.
    Das war im Osten damals betrieben wurde ist (meiner Meinung nach) auch gar kein Real-Sozialismus gewesen.

    Danke übrigens für deinen Besuch in meinem Blog.

  4. Danke ebenso. Wie gesagt, ich lese gern kreativ Zusammengeschriebenes.

    Und ist richtig soweit: Sozial ist Muss. Sollte es zumindest sein. Aber ach, wenn Sozialdenken eine Tugend ist, dann ist sie der aktuell vorherrschenden Politikergarde abhanden gekommen – vom Großteil der Bevölkerung mal ganz zu schweigen.

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