Schwitzend in den Sommer

Während Frau Sommer, die sich einst einen Doktortitel erkaufte, wahrscheinlich noch immer dabei ist, zehnjährigen Jungen zu erklären, dass es völlig okay ist, die Klassenschönheit bei nächster Gelegenheit zu nageln (sofern die Eltern nichts dagegen haben), steht ihr werter Gemahl bereits vor der Tür. Nun, gerade eher nicht, aber er scheint zumindest schon in der Nachbarschaft umzugehen, der gute alte Herr Sommer. Und was verbinden wir alle mit dem Sommer? Klar, Freibad, nackte Leute und so. Da möchte man sich hinzugesellen, möchte ein paar Augen auf den Rest der freizügigen Welt werfen. Gaffen und begafft werden eben. Aber doch bitte in entsprechend geprüfter ISO-Norm-konformer Körperform. Oder? Klar, sonst geht mir nämlich die Schreibgrundlage für die folgende, kleine Abhandlung gründlich flöten.

Denn wie erreicht man sein körperliches Optimum idealerweise? Ja, FDH-Diät ist eine gangbare Möglichkeit, jedoch mit Jojo-Effekt-Garantie – und zwar pünktlich zum Hochsommer, so dass man letztlich dazu verdammt ist, vor allen Leuten als wandelnde Puddingschüssel durch die Gegend zu krauchen. Was noch? Ja, man kann auch die Möbelpacker rufen, damit sie den Kühlschrank direkt neben das WC stellen. Alles möglich in Service-Deutschland. Aber man möchte doch letztlich nicht aussehen, als hätte man einen, nun, bombigen Guantanamo-Urlaub hinter sich. Deshalb präferiere ich immer noch den Klassiker: Sport. Diese fünf Buchstaben helfen eigentlich immer, wenn man sich selbst nicht bescheißt. Gibt da ja so ziemlich unendlich viele Möglichkeiten, gerade heute, wo man gern jeden Murks miteinander kombiniert. In meinem Fall ist der Ertüchtigungstempel namens Fitnessstudio erste Wahl. Bis man sich jedoch tatsächlich regelmäßig dorthin begibt, wollen einige Schweinehunde ausgerottet werden.

Los geht’s ja natürlich immer mit dem ewigen Motivationsproblem. Hat man’s nun endlich geschafft, die voranschreitende Fusion des eigenen, im schlimmsten Fall zentnerschweren, Hinterteils mit dem samtig weichen Couchbezug zu beenden und seinen Tierkadaver-gleichen Elendshaufen von einem Körper durch die Tür des bevorzugten Studios zu schwingen, knallt man gleich mal ungebremst in die absolute Motivationsmauer: die Musik! Fitnessstudios sind wahrhaft meisterlich, wenn es darum geht, stilsicher neben dem eigenen Musikgeschmack zu landen. Daher unbedingt was Hörbares mitnehmen. Am besten, so hab ich festgestellt, wirken latent aggressive Lieder mit schleppendem Rhythmus. Schleppend deshalb, weil sich die Übungen so gut zum Takt der Musik durchziehen lassen. Vergleichbar mit Sex. Denn wer kann sich schon Sex zum Takt der hirnlosen Klangsuppe von Scooter vorstellen? Niemand? Gut.

Auch wichtig, um am Ball zu bleiben: So ein Fitnessstudio ist keine Dauerherberge. Sobald die Pausen zwischen den Übungen biblische Ausmaße annehmen, wird es Zeit, zum Ende zu kommen. Ewig will sich schließlich niemand zwischen den Unmengen von schwitzenden, stinkenden Fleischmassen herum(t)reiben. Im Wesentlichen trifft man, was die Trainingsdauer anbelangt, auf zwei Probleme, wobei vor allem Ersteres hauptsächlich auf dem Mann von Welt lastet. Ist eigentlich schnell abgehandelt: Nice guys finish last. Ladies vorlassen ist ein No-Go! Eines muss nämlich klar sein: Während unsereiner noch immer mit dem Gedanken liebäugelt, beim Sport auf die durchtrainierte Frau seiner Träume zu treffen, ist die weibliche Klientel bereits längst mit ihren Gedanken beim allwöchtentlichen heimischen Schuhsortierungs-Workout. Oder sonstwo, wo Frau sich so herumtreiben mag. Denn man soll’s nicht glauben, aber Frauen sind tatsächlich des Sports wegen da. Tja, so kann’s gehen.

Das zweite Problem ist der so genannte gemächliche Plapperkäfer (der übrigens nichts mit dem gleichnamigen Pendant aus dem Buch „Per Anhalter durch die Galaxis“ zu tun hat). Der gemächliche Plapperkäfer ist schnell an seiner äußeren Erscheinung zu erkennen: Zumeist bunte, ungeschickt ausgewählte Sportkleidung umspannt einen gedrungenen Körperklotz, dessen Höhe und Breite annähernd substituierbar sind. Eines der Vordergliedmaßen ist generell durch ein eingeschaltetes Mobiltelefon mit der Wange verbunden. Der Lebensraum dieses Parasiten ist immer genau das Trainingsgerät, das man noch vor sich hat. Und der Plapperkäfer hat Zeit. Viel Zeit. Abhilfe schaffen der Erfahrung nach gezielt eisige Blicke, direkt in die Augen des Käfers, dem man so recht schnell mitteilen kann, dass er seinen Hintern fortbewegen soll, weil man ihn sonst zu einem zünftigen Hantelscheibenessen einlädt – ‚All you can eat‘ selbstverständlich. Klingt radikal? Ist es nicht, denn man muss sich vor Augen halten, dass der Plapperkäfer nicht zum Trainieren anwesend ist, sondern um sich, natürlich im Sportdress, lautstark telefonierend einer genervten Öffentlichkeit zu präsentieren. Sehr ätzend.

Hat man sich letztlich mit derlei Nervfaktoren arrangiert, kann’s losgehen. Beim eigentlichen Training sollte man immer darauf achten, das richtige Maß zu finden. Dumm kann es beispielsweise sein, sich dicke Bouletten anzutrainieren, dabei aber zu vergessen, die überschüssigen Fettpölsterchen durch Ausdauersport schmelzen zu lassen. Das sichtbare Ergebnis hier wäre nämlich leider eher eine Art menschlicher Schwamm – gefüllt mit Bouletten quasi. Klingt nicht appetitlich und sieht auch nur wenig schmackhaft aus. Aber auch eine übertriebene Muskelpackung kann dezent unschön wirken. Sich weitere Bouletten auf die Bouletten zu packen, macht’s nämlich nicht ansehnlicher. Wandelnde Lehmgolems sind selten strandtauglich – außer an Stränden für Lehmgolems. Und um Strände geht es doch gerade dieser Tage nun mal, wo uns der Sommer bald beehrt. Und okay, pünktlich zum Herbst kann man sich ja wieder auf die Couch schmeißen. Am besten gleich für ein halbes Jahr oder so, denn dann futtert man sich gleich die notwendige Motivationsgrundlage für den nächsten Sommer an. Praktisch eigentlich.

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