Verbrennt die Hexe!

Während in Los Angeles gerade die Unterhaltungselektronik- und Videospielemesse »Electronic Entertainment Expo«, kurz E3, ihr fulminantes Comeback feiert, komplett mit großem Brimborium, Staraufgebot und jeder Menge Innovationen, macht der Deutsche derzeit seinem Ruf als »Piefke« einmal mehr alle Ehre. Die versammelte Innenministerriege der Länder macht sich mal wieder [über die bitterbösen »Killerspiele« her]. Allein schon das Wort hat mich mittlerweile so sehr konditioniert, dass sein Klang mittelschwere Würgereize und geplatzte Blutgefäße verursacht. Aber diese unsinnig dumme Diskussion. Ach, irgendwann reißt mir vor Wut die Milz.

Sie scheinen nicht begreifen zu wollen oder zu können, die Herren, dass sie das Pferd prächtig von hinten aufzäumen: Dass es völlig normal ist, dass ein Jugendlicher, ganz egal, ob potenziell gefährlich oder nicht, Computer- und Videospiele besitzt, in denen auch mal geschossen wird, dass diese Spiele nicht auch nur ansatzweise den Grund für so viel Hass gegen die Gesellschaft darstellen oder gar (besonders abstrus) zu Schießübungen verwendet werden können, will nicht so ganz in die Köpfe derer hinein, die ihre Krawatten offensichtlich zu eng gebunden haben. Und so geht die Hexenjagd unter Schimpftiraden und Naserümpfen der Hirnleistungsminimalisten ungestört weiter.

Nicht, dass das falsch aufgefasst wird: Ich spreche mich keinesfalls dafür aus, dass Spiele vor Brutalität triefen müssen. Im Gegenteil, bevorzuge ich doch persönlich viel eher gewaltfreie Spiele, die mir als kreative Person eigene Entfaltungsmöglichkeiten bieten. Oder aber Spiele, denen ich einen künstlerisch wertvollen Anspruch abgewinnen kann. Nein, ich finde es einfach beängstigend, wie inkompetent mit gesellschaftlichen Themen umgegangen wird, die für die entscheidende Ebene nicht ganz greifbar sind. Einmal wollen die Internetausdrucker am liebsten das ganze World Wide Web dicht machen oder mit Stoppschildern zupflastern, ein anderes Mal sollen einfach jegliche Medien verboten werden, deren bereits voran geschrittene gesellschaftliche Akzeptanz den Verantwortlichen nicht verständlich und somit ein Dorn im Auge ist. Das macht mir Angst, weil ich wahrscheinlich gar nicht wissen möchte, wie inkompetent dann erst in Belangen entschieden wird, von denen ich selbst nicht sonderlich viel verstehe.

8 Kommentare

  1. Ich mag deine Siebenzeilensätze und die Art, wie das Leben dich konditioniert. Vielleicht solltest du letzteres mal für die Stabilität deiner Milzwand anstreben… 😉

  2. Hallo liebe Mary. Das hör ich gern. Du bist die erste. Meine Dozenten strichen meine Siebenzeiler an, und jeden anderen treibe ich mit meinen Sätzen in den Wahnsinn. 😉

    Und keine Sorge. Bisher hält meine Milz stand. Sollte sich das ändern, gebe ich einen siebenzeiligen Schrei von mir.

  3. Ich hatte unter einer Klassenarbeit in Geschichte mal den Vermerk stehen, ich möge doch bitte von meinen Bandwurmsätzen absehen, was mich furchtbar aufgeregt hat, weil Lehrer doch nun mal auch dazu da sind, meine durchaus manchmal schlauen Worte und schlüssig niedergeschriebenen Gedankengänge in grammatikalisch richtig strukturierten Sätzen nachzuvollziehen!

    Allein bei der Vorstellung eines stinknormalen Subjekt-Prädikat-Objekt-Satzs möchte sich meine Milz sogleich verkrümmen und die Makrpohagenproduktion für die Dauer der nächsten Mondphase verweigern, von den Thrombo- und Lymphozytenvorräten mal ganz zu schweigen! 😀

  4. Uh. Deine Anekdote hätte jetzt auch gut von mir stammen können. 😀 Endlich eine Leidensgenossin! Heute gibt's keine baufsichtigenden Lehrer mehr, und so kann unsereiner Bandwurmsätze bilden, bis die Tatstatur qualmt, ohne dass jemand seinen nervtötenden Rotstift ansetzen kann.

  5. Ja, das war klasse. Du willst auch eines? Öhm, eine Ode an die Mary? Wie wäre es mit was Intstrumentalem? Mein, nun, nennen wir es mal Gesang, ist nicht unbedingt eine Zierde. 😉

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