Als ich die Musik nach Hause holte.

Was bietet sich für einen mittlerweile doch recht wolkigen Sonntag besseres an, als eine kleine Anekdote aus meinem nur leicht angestaubten Leben, denke ich mir. Und so schlage ich, gekleidet in Pyjama und karierte Wohlfühlschlappen das Album der vergangenen Geschichten auf.

Es war irgendwann im Herbst des seligen Jahres 1999, dem Jahr, das so ziemlich alles in mir veränderte, was ich bis dato emotionalerweise gekannt hatte. Und weil sich Emotionen am besten mit Musik ausdrücken und erleben lassen, begann ich just in diesem Jahr, MTV zu schauen. Zuvor, das muss ich noch anmerken, lebte ich gänzlich frei von Melodien und Rhythmen – sah man mal von den Synthieklängen aus diversen Computerspielen ab.

Und dann, wie gesagt, es war Herbst, kaufte ich, man höre und staune, meine allererste Musik-CD. Die allererste in meinem Leben! Dabei handelte es sich übrigens um »The Offspring – Americana«. Heute mag man das belächeln, doch damals fand ich deren Musik ziemlich fesch. Okay, ich hör sie auch heute noch ganz gern, das geb ich zu. Der wirklich amüsante Teil dieses Kaufs offenbarte sich dann aber erst daheim. Meine Eltern waren völlig erstaunt und zugleich begeistert, als ich ihnen das CD-Radio entwendete, hastig in meinem Zimmer wieder aufbaute und die neu erworbene CD einwarf. Als hätte ich den Heiligen Gral gefunden, stand die neugierige Familienbande um mich herum und wartete frohgemut darauf, welch wohlige Klänge ihr Wundersohn wohl mit nach Hause gebracht haben mochte. Nun ja, ich komme aus einer, hm, Schlager- und Volksmusikfamilie, und als erstes schmetterte das kleine CD-Radio ihnen dann [DAS HIER] entgegen. Zugegeben, das ist jetzt nicht gerade die Härte schlechthin, aber im Vergleich zu Hansi Hinterseer und Konsorten war es eben doch ein ziemlicher Kulturschock für meine werten Eltern. Meine Mutter schlug sogleich die Hände über dem Kopf zusammen, um sich anschließend unter »Um Gottes Willen«-Rufen die Ohren zuzuhalten, während mein Vater nur grinste und ungläubig den Kopf schüttelte. Das bestätigte mich als jungen Rebellen mit Hoffnungen und Träumen natürlich und machte mich sehr stolz. Tja.

Dass die Leidensfähigkeit der elterlichen Probanden durchaus ausbaufähig ist, hat die kommende Zeit dann übrigens bewiesen. Wenn ich heute mal daheim bin, dann kann ich getrost den ganzen Tag Metallica laufen lassen, während meine Mutter im gleichen Raum hockt und fleißig ihr Online-Banking betreibt. Nun gut, sie dulden es, meine Eltern, denn es ist nicht so, dass meine Eltern heute mögen würden, was ich mag, aber das wäre wohl auch der Untergang des Abendlandes für mich.

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