Beschissene Situationskomik.

Was macht man, wenn man nicht weiß, was man Feines berichten könnte? Hm, die Nachrichten meide ich in letzter Zeit ja, hab also nichts zu mosern und fühle mich so unverschämt ausgeglichen, dass ich fast schon glauben mag, eines Tages mit einer Axt durch die Fußgängerzone rennen zu müssen, um… Ach, lassen wir das.Daher Füße hochgelegt, lieber Leser, denn heute ist Anekdotenabend alá PhanThomas.

Da war ich also so um die sechzehn Jahre alt und arbeitete in den Sommerferien im Betrieb meines Vaters. Macht man ja so, wenn man sich ’ne teure PlayStation kaufen möchte. Ja, damals war das eben so: Arbeiten und alles sogleich wieder verprassen, kaum, da die Kohle auf dem Konto angekommen war. In Sachen Geldpolitik eine kleine Ein-Mann-Bundesrepublik quasi.

Es war Mittagspause, und ich musste dringend mal auf, hm, na ja, aufs Klo eben. Erleichtert hockte ich nach getaner Arbeit da und griff zum typisch einlagigen Klopapier. Tja, leider jedoch grinste mich nur eine abgewickelte, splitternackte Papprolle an. Toll. Wie gut, dass es zwei Klos in diesem Gebäude gab, direkt nebeneinander lagen – getrennt durch eine hölzerne Trennwand. Sofort erhob ich mich, um in anstrengend gebückter Haltung ins Nachbarklo zu wackeln, als-

-die Tür aufflog und ein schnaufendes Etwas, das Geräusch der Schritte ließ knappe zwohundert Kilo wandelnde Fleischmasse erahnen, sich auf den Weg zum noch freien Lokus machte. Gesagt, getan, hockte er also da, machte, dass die Luft stank, schnaufte hier, schnaufte dort, wickelte ein wenig an der Klorolle und stahl sich frisch gewischt wieder davon. Derweil Stillschweigen auf meiner Seite der Trennwand – inklusive obligatorischem Luftanhalten, um die Senfgasattacke irgendwie zu überstehen. Nun ja.

Ruhe kehrte ein, die Luft wurde klarer, und es wurde endlich Zeit für mich, einen neuen Anlauf zu wagen. Wieder erhob ich mich, schlich mich ins andere, nun freie Klo und schloss augenblicklich ab. Ein Blick auf die Klorolle ließ jedoch sofort den fürchterlichsten Albtraum Realität werden: Es war nur noch das Pappröllchen übrig. Da hatte mein Vorsitzer tatsächlich ziemlich zugeschlagen.

Was also nun? Erkunden, wozu eine raue Handfläche in Extremsituationen wie dieser in der Lage ist? Oder Schändung des Hosenbodens unter der Gefahr, für den Rest des Tages von den Nase rümpfenden Kollegen umgangen zu werden? Die Panik überfiel mich wie ein durchgedrehter Kanarienvogel. Schweißperlen rannen mir von der Stirn. Es war aus.

Dachte ich – als ich im seitlichen Blickwinkel das mich rettende Utensil erblickte: eine Happy Weekend. Lektion fürs Leben: In Industriebetrieben hängen in den Produktionshallen mindestens drei Kalender mit groß- und barbusigen Damen, während auf den Betriebsklos immer, aber auch wirklich immer, Schmuddelheftchen zu finden sind. Je oller, desto doller. Oder so.

Nachdem ich das, hm, für damalige Verhältnisse noch recht brisante Material also sitzend gesichtet und qualiätsgeprüft hatte, musste ich mich dringend entscheiden. Sollte ich die Hochglanzdamen wirklich opfern? Klar! Raaatsch, los ging’s. Dumm an der ganzen Sache war eigentlich nur, dass Hochglanzpapier relativ wischresistent ist. Nun gut, das Resultat war somit leider, dass ein Großteil der nackten Nymphen dran glauben musste. Uh!

Nach Beendigung meiner schändlichen Tat machte ich übrigens, dass ich rauskam. Nur für den Fall, dass das schnaufende Etwas zurückkommen würde, um seine nun arg geschmälerte Qualitätsillustrierte zu holen. Und gleich darauf konnte ich eigentlich schon drüber lachen. Und tue es bis zum heutigen Tag.

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