Ausgelesen.

Nun, da mir inzwischen schon das Sommerloch attestiert wird, fühle ich mich doch, ja, sagen wir mal, ermutigt, ein wenig Content nachzureichen. Aber worüber schreiben, wo doch jedermann irgendwie im Fußballfieber steckt und ansonsten zumindest gefühlt eine große Blase voller Leere vorherrschend ist? Man könnte ja 'nen bisschen Fremd-Content anpreisen. Werd ich hiermit auch mal tun, denn nach einer ziemlich tatsächlichen Ewigkeit habe ich es doch wirklich geschafft, »Die Arena«, den ziegelsteingroßen und -schweren Roman des Altmeister Stephen King auszulesen.

Und meine Meinung? Nun, grandios! Die Rahmenhandlung ist so simpel wie effektiv: Über das gemütliche Städtchen Chester's Mill legt sich an einem nicht minder gemütlichen Tag unerwartet eine unsichtbare Barriere, quasi eine gigantische Tortenglocke. Da die rätselhafte Kuppel, von der kein Mensch weiß, wer oder was sie erschaffen hat, niemanden mehr in die Stadt hinein oder hinaus lässt, ist's schnell vorbei mit der kleinstädtischen Gemütlichkeit, und King-typisch dreht bald schon so ziemlich jeder am Rad. Allen voran der reichlich fundamentalistische und nicht minder kriminelle zweite Stadtabgeordnete »Big Jim« Rennie und dessen wahnsinniger Sohn »Junior«. Was sich hier so simpel liest, ist jedoch sehr komplex aufgezogen, denn der Roman kommt mit einer unglaublichen Fülle an unterschiedlichen Charakteren daher. Der Überblick will da erst einmal behalten werden.

Ebenso King-typisch ist die hanebüchene Auflösung des Geheimnisses um die Kuppel, und man fühlt sich doch ein wenig an das grausige Ende eines »Indiana Jones 4« erinnert [Nein, es steigt kein UFO auf!]. Sieht man davon ab, bekommt man jedoch einen Wälzer, der erstaunlicherweise trotz seiner 1.300 Seiten völlig ohne Längen auskommt. Das Gaspedal wird von der ersten Seite an durchgetreten, und trotz des Fehlens jeglicher Horrorelemente gehört Kings bissiges Statement zu Gesellschaft, Politik und Religion eindeutig zu den besten Romanen, die der »King of Horror« in den letzten Jahren auf den Markt geworfen hat. Wer also seinen Urlaub auf Balkonien verbringt und noch ein wenig Unterhaltung abseits digitaler Gefilde sucht, ist mit »Die Arena« meiner Meinung nach bestens beraten. Alle anderen warten am besten auf die Paper-Back-Variante, denn das Teil ist wirklich höllisch schwer!

5 Gedanken zu “Ausgelesen.

  1. Piano

    Boah, 1300 Seiten? Krass! Ich lese gerade oder gucke gerade alle Stephen King Comics. Das ist auch ganz phantastisch und macht wirklich Spaß. Ich liebe King. Danke für den Tipp. Nächste Woche hab ich eh Urlaub 🙂

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  2. PhanThomas

    @Eve: Wie gesagt, auf die Paper-Back-Version warten ist ohnehin sinnvoll. 🙂

    @Pia: Gehört zu seinen dicksten Romanen. Kann ich für 'nen leseintensiven Sommer nur empfehlen, obwohl mir da der Vorgängerroman "Duma Key" noch mehr zusagte (dt. "Wahn"). Ist allerdings weniger temporeich. Dafür insgesamt emotionaler gehalten. Und die Comics taugen was, ja? Ich hab mal in "The Stand", also den Comic, reingelesen und fand den stilistisch ziemlich genial.

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  3. Piano

    Die Comics sind wirklich super! Besonders "Der dunkle Turm" kann ich nur empfehlen. Richtig schön aufgemacht und spannend. Ich hoffe, diesen Wälzer gibt es mal als Hörbuch. Ich höre auch sehr gerne Stephen King. Seine Kurzgeschichten habe ich alle gelesen.

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  4. PhanThomas

    Ich lese gerade »Das Bild« und hab danach dann all seine Bücher gelesen. Wäre vielleicht wirklich 'nen guter Zeitpunkt, mir das mit den Comics mal zu überlegen. Aber erst, sobald ich meine Leseliste abgearbeitet habe. 🙂

    Die Kurzgeschichten sind meist auch sehr gut, find ich. Gerade die aus »Nachtschicht« fand ich sehr ansprechend.

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