Gold und rot und alles neu.

Wenn mal alt wird, so wie ich quasi, dann fabuliert man ja ganz gern mal über das Wetter. Ein Thema, so langweilig wie die Farbe von Sandstein, und trotzdem wundert man sich jedes Jahr wieder über Umschwünge und Eskapaden des ewigen Zeitgenossen. So wie es derzeit eben auch der Fall ist, hat man uns doch scheinbar des Spätsommers beraubt und uns sogleich in herbstliche Gefilde katapultiert. 

Und weil ich ja so ein unheimlicher Wettermensch bin, der sich inzwischen bereits in den ersten Pullover der Saison eingemümmelt hat, spüre ich auch einmal mehr so ganz deutlich den Abgesang eines Lebensgefühls, das Ende einer Beschwingtheit, einer gewissen Leichtigkeit. Doch so blutrot und goldgelb wie so manches Laub es demnächst sein wird, so farblich intensiv schaut es auch in meiner Wenigkeit aus: das Herz voll Blut, der Kopf voller Gold, mitunter das Ganze auch umgekehrt.

Und während ich so dasitze, nicht so recht wissend, wohin ich die neue Empfindsamkeit einsortieren soll, frag ich mich doch irgendwie, was mich da schon wieder überrollt hat und warum man überhaupt dauernd von etwas überrollt zu werden scheint, ganz als würde die Bahntrasse des Lebens genau über das eigene Gemüt verlaufen. Ach, es ist eine Crux und zugleich doch so schön, dass ich rausgehen möchte, herbstliche Düfte der Melancholie einatmen und zugleich mit noch nicht einmal gefallenem Laub um mich werfen wie mit bunten Bausteinen.

4 Gedanken zu “Gold und rot und alles neu.

  1. DarthSilas

    Der regen ist ja noch halb so wild wenn nicht diese winterlich anmutende Kälte immer hinzukäme.

    Bei dem Laub schmeißen solltest du aufpassen das du wenn es soweit ist nicht allzu fröhlich jauchzt nicht das plötzlich drei Männer mit einer Zwangsjacke und einem Betäubungsgewehr auftauchen.

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  2. pferdigkuchenhon

    du kannst doch gar nicht überrollt werden, bist doch selbst die schnaubende lok, die mal gern durch bahnhöfe saust mit hochgehenden hüten.
    übrigens klingt das wirklich schön, nach nem zufriedenen typen der endlich akzeptiert, was man sowieso nicht ändern kann. ja ich rede vom wetter. winter kann übrigens auch schön sein, aber pscht das würd ich nie zugeben.
    liebste grüße
    wiiiiiiha

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  3. PhanThomas

    @Butterbemme: Kann ich mich derzeit nur anschließen. Sowas Verf**ktes aber auch!

    @DarthSilas: Sollen sie kommen, die Männer in weiß. Die mal ich auch noch bunt an, wenn's sein muss! 😉

    @Hottehü: Hihi, ich bin die erste Lok, die auch mal plattgefahren wird und dem Überfahrenden dann wütend hinterherschnaubt und pfeift, was das Zeuch hält. 😛 Abgesehen davon weiß ich nicht mal, ob's allein das Wetter ist, das mich da überrollt hat. Na ja, irgendwas überrollt einen ja immer, wenn man gerade meint, unüberrollbar zu sein. Dir auch liebste Grüße! 🙂

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