Damals, die Zweite.

In diesen besinnlichen Zeiten kann man prinzipiell ja gar nicht zu genüge in der Vergangenheit wühlen. Heute vielleicht mal mit ein paar Gedanken, die mir letztens beim Kaffeekochen so kamen. Warum beim Kaffeekochen? Vermutlich, weil ich dauernd Kaffee koche.

Eigentlich grenzt es an ein Wunder, dass ich ein so patentes Kerlchen geworden bin. Ich und, hm, vermutlich auch genügend andere derer, mit denen ich meine Kindheit so verbracht habe. Voller Toleranz, Akzeptanz und anderer wohlmeinender »anz«-Wörter. Wenn ich bedenke, mit welchen Vorurteilen und hinterwäldlerischen Ansichten ich als Dreikäsehoch so bombardiert wurde, wäre es eigentlich kaum verwunderlich, wenn ich heute als Redneck auf irgendeiner Veranda sitzend mit der Flinte auf dunkelhäutige Imigranten ballern würde.

Meine Eltern nämlich, aufgewachsen in der DDR und zeitlebens behütet vor anderem Kulturgut, taten so Einiges, um aus mir einen ausgewachsenen Rassisten zu machen - und das nicht mal böswillig, sondern einfach, weil sie's nicht besser wussten. Schwarze (Uh, nennt man die heute noch so?) waren grundsätzlich »Neger«, und überhaupt sollte man denen bloß nicht zu nahe kommen, weil die ja böse waren und seltsam rochen und überhaupt. Vermutlich dachte man das im Westen auch von den Ostdeutschen. Nun ja. Herrje, ich möchte nicht wissen, wie viele weitere Vorurteile mir zugetragen wurden, die ich heute einfach nur inzwischen vergessen habe. In der Grundschule tat man dann in der fünften oder sechsten Klasse Vieles, um uns zu vermitteln, dass der Ausländer von nebenan so bitterböse ja gar nicht sei. Eigens dazu gab's dann einen Kulturtag, an dem, öhm, einige afrikanischstämmige Gäste vorbeikamen. Hm, ich meine, mich zu erinnern, dass einer von denen später in der Zeitung war, weil er einem Trupp schlecht gelaunter Neonazis in die Arme gelaufen war. Bei denen hatte die elterliche Erziehung vermutlich gefruchtet.

Bei mir hat's glücklicherweise mit der richtigen Erziehung irgendwie von selbst geklappt, lange bevor man in der Schule darauf kam, was tun zu müssen. Lag vermutlich am Fernsehen. Politische Korrektheit im kapitalistischen Konsumapparat! Und da schimpfe noch einer auf die gute alte Flimmerkiste.

4 Gedanken zu “Damals, die Zweite.

  1. Butterbemme

    Ha, so einen Tag gabs uns auch. Bei uns war einer aus Nigeria oder so. Ich weiß sogar noch dass er Adenilo hier. Tja, damals als ich noch mit Wimpel zum Fahnenappell bin *gg*

    Antwort

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