Damals, ja, damals.

Mitunter vergesse ich schon mal, dass ich ja im Fall von Langeweile dieses Blog-Dingens hier vollschreiben und so meine Mitmenschen mit eigentlich absolut unnützen Textbeiträgen vollsülzen kann. Da der Tatbestand der Langeweile gerade gegeben, das Jahr quasi so gut wie vorübergezogen und beides zusammen ein hervorragender Nährboden für ein wenig verbale Melancholie ist, werde ich jetzt dazu übergehen, unglaublich melancholisch zu sein. Ein Blick in die Vergangenheit des PhanThomas, für den früher so gar nichts schlecht und doch so vieles besser als heute war.

Ach, früher. Heute sitze ich hier, tippe auf meinem von Bratfett verschmierten MacBook, schaue mich hin und wieder um und seufze ob der Leere im Zimmer und vermutlich auch der grässlich missmutigen Musik wegen, die links neben mir aus den Lautsprechern dudelt. Damals, ja, damals, da hatten wir keine MacBooks, und deswegen tippten wir auch kein missmutiges Zeug. Ja, früher war alles irgendwie noch ganz anders.

Wenn mir nämlich früher langweilig war, dann saß ich nicht dumm herum und starrte ins MacBook, nein, ich saß dumm herum und starrte in den PC-Monitor - damals noch astreine Röhre, optischer Strahlentod mit unbefriedigender Maximalauflösung. Damals, da konnte ich morgens aufstehen, mich mit einer Schüssel Cornflakes (vorwiegend was mit Schokolade) stärken und dann die laut röhrende Mühle von einem Computer anwerfen, um zu spielen, bis ich viereckige Augen bekam. Damals, ja, damals, da bekamen wir wirklich noch viereckige Augen, bzw. fühlte sich das nach einem komplett verspielten Tag so an, wenn einem das nie abgelegte und verschwitzte Nachtzeug am Hintern festklebte und man erschöpft aber zufrieden feststellte, dass man den kompletten Tag mit Videospielen vergeudet, dafür aber dem Obermotz auch so richtig eins auf die Mütze gegeben hatte. Heute, ja, heute, da kriegt irgendwie niemand mehr was auf die Mütze. Ach.

Und wenn man auch das letzte Spiel bis zum Erbrechen gedaddelt hatte, dann lud man sich nicht einfach neuen Stoff aus diesem ominösen Internet, von dem damals so recht keiner was verstand und vom dem deswegen auch keiner redete, sondern man belud den CD-Player mit dem, was man so an Musik da hatte. Das war zumeist nicht viel, da MP3s noch nicht erfunden und CDs in D-Mark genauso teuer waren wie sie es heute noch sind. Zwei Silberscheiben konnten so schon mal zum Taschengeldkiller für einen ganzen Monat avancieren. Also hörte man eben dasselbe Zeug den ganzen Tag lang, aber das war egal, weil die Musik damals ja sowieso viel besser war als heute. Damals, ja, damals, da spielten die Bands noch der Musik und des Geldes wegen und nicht nur für Knete. Da hatten sie noch Einfälle, oh ja, und unsere Ohren hatten noch Spaß. Ach, früher, ja, das war was.

Uh, und hin und wieder, da gingen wir vor die Tür, und damals, ja, damals, da trieben wir Sport. Spielten Fußball, um des Fußballs willen und nicht, weil man in den Pausen die Kiste Bier leeren wollte, die eventuell neben dem Platz gebunkert stand. Denn damals, ja, damals, da tranken wir nicht einfach so, und taten wir's doch, dann wenigstens richtig kompromisslos - bis man kotzte und in wirklich jeder Ecke jemand lallend oder besinnungslos herumlag. Und damals, ja, damals, da schadete einem das noch nicht, denn schließlich ist aus uns noch so richtig was geworden. Kann man von der Jugend heute ja nicht mehr wirklich behaupten.

Und was redeten wir früher über Themen, von denen man heute so gar nichts mehr versteht. Das geht so weit, dass ich nicht einmal mehr weiß, worüber wir so redeten. Doch damals, ja, damals, da wurde uns bei all den wichtigen Gesprächen noch nicht einmal langweilig. Da war man noch bei der Sache und debattierte wie am Stammtisch, und niemand glotzte geistig abwesend auf sein Smartphone. Denn früher, ja, früher, da besaßen wir überhaupt keine Mobiltelefone, die wir in den Hosentaschen herumtragen konnten. Überhaupt, wir hatten ja nichts. Da waren wir zwar nicht dauernd erreichbar, aber dafür waren wir mangels Strahlung umso potenter.

Im Nachhinein muss man sich schon fragen, wie wir es bis ins Hier und Jetzt schaffen konnten. Schließlich konnte man jederzeit betrunken in der Wildnis enden, ohne jemanden anrufen oder zumindest mal die aktuelle Position per GPS ermitteln zu können. Irgendwie war man immer darauf angewiesen, dass jemand das Festnetztelefon benutzte oder persönlich vorbeikam, wenn man etwas unternehmen und nicht unbemerkt daheim verwesen wollte. Konnte man sich nicht leiden, gab's kein Cyber-Mobbing, sondern amtlich was auf die Fresse, und für alle friedlichen Fälle fiel einem doch immer irgendeine Beschäftigung ein. Und heute? Ja, heute bläst man sinnlose Blogs in die Welt hinaus und seufzt ihnen nach. Ich sag's doch: Damals, ja, damals, da war alles so viel besser.

3 Gedanken zu “Damals, ja, damals.

  1. Anonymous

    Luise:
    Damals,ja,damals, da war alles so viel besser.

    Seufzzzzz....in deinem Text liegt ja so viel Wahrheit.
    Was ist nur aus uns geworden?
    Dein Text beschreibt e haar genau und gibt einem viel Stoff zum nachdenken, vielleicht doch irgend etwas zu ändern...oder?

    Antwort
  2. Lychen :)

    Hihi,

    also bei mir ist das Heute deutlich besser. Damals hatte ich meinen Schatz nicht, meine Mistviecher nicht, konnte noch kein Geld verdienen, meine Eltern kamen ständig in mein Zimmer um zu überprüfen, ob ich auch wirklich lerne - Schön ist, was wir draus machen, dabei bleib ich 🙂 Aber ich kenn dich ja als eine der besten Meckerziegen hier im Lande und auch dein Blog ist mal wieder genial geschrieben.

    Was macht das Buch? Ich will es doch bald mal in Händen halten *g*

    Es grüßt und drückt dich fröhlich (und nur noch leicht schniefend)

    Eli

    Antwort
  3. PhanThomas

    @Luise: Ach, pass auf, in zehn Jahren sagen wir, heute wäre ja alles besser gewesen. Der Mensch streicht seine Erinnerung mit einem goldenen Pinsel, sagt man wohl in China, und ich denke, das stimmt auch. Ich mein das alles hier ja gar nicht so richtig ernst. 😉

    @Lychen: Ich alte Meckerziege, hihihi, geb dir da schon völlig Recht: Heute ist eigentlich alles besser. Seh ich ja auch so. Vielleicht weniger unbeschwert, aber die Möglichkeiten sind ganz andere, ach, und überhaupt, neue Perspektiven, Sachen, Dinge, Wesen. Na, du weißt schon! 😉 Uh, und du warst erkältet? Ach, ich auch. Dann mal schnell noch gute Besserung für den Restrotz!

    Antwort

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