Technik von heute und Leute von gestern.

Einmal mehr durch Frau Malloy und ihre Lobhudelei bezüglich des kleinen Datensynchronisationstools »Dropbox« angeregt, einige Gedanken zum Thema IT-Gedöns und wie unser Leben davon versifft bereichert wird. Denn, so dachte ich eben, so nett das erwähnte Tool wie so viele andere alltägliche IT-Helferlein auch sein mag, von ganz oben betrachtet frage zumindest ich mich doch unweigerlich: Wozu das alles?

Ganz so alt bin ich zwar noch nicht, doch ich weiß auch noch, wie ich meinen ersten Schallplattenspieler bekam und den für eine ziemlich scharfe Kiste hielt. »Herr Fuchs und Frau Elster« bis zum Abwinken, Donnerwetter! Jedenfalls bin ich offenbar auch kein junger Stippie mehr. Und damalsTM, fernab von Internet und Co., da ließen sich noch keine Kalender synchronisieren, keine Daten (Allmählich hasse ich das Wort!) überall verfügbar machen, keine Mails checken, etc. pp. Und das Leben war irgendwie auch nicht schwerer, im Gegenteil: Wenn ich mir anschaue, wie drei, vier ausgewachsene Männer um ein kleines Telefon oder einen Computer herumstehen und wild durcheinanderbrabbeln, irgendwelche Funktionen checken und klicken und drücken und programmieren, nur um Kalendereinträge aus verschiedenen Anwendungen synchronisieren zu können, um bloß nichts doppelt eingetragen zu haben, dann frage ich mich schon ein wenig, wo wir gelandet sind.

Wenn wir aus dem Haus gehen, hat unser mitgeführtes Zubehör mehr Funktionen als Inspektor Gadgets Ausrüstung in seinen feuchtesten Träumen. Wir stellen jede Information irgendwohin ins Netz, geschützt durch ein kleines Passwort, und schimpfen gleichzeitig über den Datensammelwahn der großen Kraken Google, Facebook und Co. - ein Problem, das wir selbst überhaupt nur geschaffen haben. Skurril eigentlich. Dokumente, Termine, Bilder, Musik, den ganzen Scheißdreck hat man am besten auch parat, wenn man beim Aldi um die Ecke mal zu lange an der Kassen anstehen muss.

Ich sehe in Zukunft schon Leute vor mir, die auf der offenen Straße laut schreiend zusammenbrechen, weil ihr Handy gerade keinen Zugriff auf die heimische MP3-Sammlung hat. MP3 - früher hätte man dahinter am ehesten ein Zusatzformular für die Steuererklärung vermutet. Ach. Wenn die Leute könnten, würden sie vermutlich sogar das Klo synchronisieren, damit sie auch von anderswo daheim pinkeln gehen können. Was früher weltfremdes Zeug für Techniknerds mit dicken Brillen und dickeren Pickeln war, muss heute schon jeder Grundschüler verfügbar haben, um irgendwie noch gesellschaftsfähig zu sein.

Es gibt so Tage, da nervt mich das alles. Der ganze blöde Technologiedreck, den kein Mensch wirklich braucht. Manchmal wünsche ich mich zurück in die Zeit, in der man einfach Zettel schrieb, um sich Dinge zu merken und aus dem Haus ging, ohne eine Wolke aus Elektrosmog mit sich herumzuschleppen. Klappte ja auch irgendwie, wenn nicht sogar besser. Wenn ich sehe, wie meine Mutter heute noch einfach ihren Küchenkalender beschriftet und damit auskommt, dann finde ich das eigentlich schon beneidenswert. Aber ach, vermutlich ist das alles hier gerade nur dummes Geschwätz eines mürben und langsam in die Jahre kommenden Herrn. Nun ja, vielleicht sollte ich mich tatsächlich für ein paar Wochen in eine fortschrittsferne Berghütte zurückziehen.

3 Gedanken zu “Technik von heute und Leute von gestern.

  1. PropheT

    Wenn man den ganzen Tag mit Datacenter Technologie arbeitet kommt einem die ganze Gadget-Spielzeugkacke recht trivial vor, muss ich einfach mal zugeben.

    Solltest du auch mal versuchen. Das, oder Holzfäller in Nordnorwegen werden. Ich komm mit.

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  2. PhanThomas

    @PropheT: Es ist generell das Problem, dauernd mit dem ganzen Scheiß zu tun zu haben. Dann wünscht man sich auf eine große Wiese, mit 'nem lieben Hund und 'ner Herde Schafe und gut ist's. Aber Nordnorwegen, hm, wär ich auch dabei.

    @Mary: Ach was, Grönland! Komm doch mit nach Nordnorwegen. Aber das iPad bleibt daheim! 😉

    Antwort

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