Zwielicht.

Ich schaue raus. Der Himmel erstrahlt im tiefsten Blau, das man in urbaner Atmosphäre geboten bekommen kann, nur hin und wieder huscht ein dünner Wolkenschleier über das malerische Farbmeer. Kaum sichtbar, irgendwie zwielichtig. So zwielichtig eben, wie auch die Menschen mir zu sein scheinen. Die meisten. Auch ich selbst. Wenn man wochenends mit netten Büchern über alte TV-Haudegen auf sonnenbeschienenen Terrassen herumliegt, hat man eben Zeit für derlei Gedankenkram, also guckt nicht so!

Man versucht ja immer, ein guter Mensch zu sein, einer, auf den man sich verlassen kann, einer, der da ist, wenn mal was ist. Doch je mehr man das tut, desto mehr geht letztlich schief, einfach, weil Dinge schief gehen können, weil das so ist, nicht erst seit Murphy. Jedenfalls so schief, dass man sich am Ende unheimlich bösartig vorkommt. Na ja, nicht wirklich unheimlich, zumindest aber ein bisschen bösartig. Und dann kommt man an den Punkt, an dem man gezwungen ist, irgendwie zu beweisen, dass man es gut meint, dass man kein Unmensch ist, aber meistens klappt auch das nicht so recht und so ist man letztlich eben doch der Unmensch. Lässt sich auf den erwähnten sonnenbeschienenen Terrassen übrigens ausgesprochen gut mit leben, ein Unmensch zu sein, sorgt aber hin und wieder auch für die eine oder andere Gedankenwallfahrt.

Nun ja, egal ist einem das alles, bis sich ein Wolkenfetzen vor die Sonne schiebt, der nicht so richtig da ist, aber irgendwie doch, weil er den Tag ein wenig verdunkelt, ohne dass er mit den Augen tatsächlich greifbar wäre. Er bildet keine Silhouette, er will sich nicht formen. Zwielichtig wie das Licht eben, das er verursacht. Und so stellt man dann fest, dass man selbst eigentlich gar nicht so böse ist, sondern eigentlich nur, hm, zwielichtig. Nicht gut, nicht böse, irgendwas dazwischen, etwas, das sich nicht formen will, so wie es die meisten anderen Menschen ebenso beschreibt. Und das fühlt sich eigentlich ganz gut an. Etwas, womit man sich nicht wirklich befassen muss, ein Fakt, der komplizierter wird, je mehr man ihn aufbläst, also sollte man vielleicht einfach davon absehen, das zu tun. Und dann wird der Wolkenfetzen ohnehin weitergeschoben und man aalt sich wieder in der Sonne. Und das ist schön. Einfach liegen, genießen, sein.

Edit: Danke an Dany für die Ergänzung:

Ja, der Bela, der weiß, wie man das geschmeidig ausdrückt.

9 Gedanken zu “Zwielicht.

  1. PhanThomas

    Och, liegen wir halt zu zweit auf irgendwelchen Terrassen. 😀 Obwohl deine da wohl ein wenig zu klein geraten sein wird, nehm ich an. Na ja, macht nix. 😉

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  2. Mo

    Also ich hab lieber 'nen Balkon. Hätte ich eine Terrasse, hätt ich den Parkplatz quasi vor der Tür. Nee, da schwebe ich doch lieber ein paar Meter drüber. 😛

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  3. Mo

    Tss, das ist immerhin ein Höhenunterschied von ein paar Metern. 😛
    Nebenbei ist vermutlich jede Terrasse größer als mein Balkon. *hust* (Aber zum Raussetzen und Sonne genießen während du im Büro hockst, reicht's. :P)

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  4. PhanThomas

    @PROPHET: Bei mir eher die Augenlider, was dann aber wieder an den Allergien liegen kann. Dreckspollen, verdammte.

    @Schatz: Ich sag doch, du musst mal von den Details abstrahieren. 😉

    Antwort

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