Bar jeglicher Vernunft.

Kann mir eigentlich irgendwer mit gesundem Menschenverstand erklären, wofür diese beknackten Barcodes gut sind, die jetzt überall drauf zu finden sind und hinter denen sich meist nichts weiter als eine popelige URL zu irgendeiner mehr oder weniger informativen Internetseite verbirgt? Vor allem an Haltestellen für öffentliche Verkehrsmittel nehmen die kryptischen Dinger echt Überhand.

Ich sehe die Sache so: Um weiterführende Informationen zum Fahrplan zu erhalten, wobei ich mich frage, was, abgesehen vom Fahrplan an sich, der ja ohnehin aushängt, ich noch wissen wollen könnte, muss ich mit meinem internetfähigen Handy und seiner hochauflösenden Kamera, was selbstverständlich jeder besitzt, die angegebene Seite besuchen. So weit, so unnütz. Um die Sache etwas zu verkomplizieren oder um damit anzugeben, welch coolen Scheiß man drauf hat, reicht es aber nicht, die Adresse der Seite abzutippen, weil die nämlich genau nirgends steht. Klar, schließlich wäre das etwas, das man einer internetaffinen Omi Hilde eventuell noch erklären könnte.

Nein, nein, Omi Hilde darf das gefälligst nicht verstehen. Also klaube ich mein Handy aus der Tasche, in der es sein potenzzerstörendes Dasein fristet, hämmere anschließend wild auf den Tasten oder dem Touchscreen herum, um mich durch Legionen völlig unbrauchbarer Programme mit Fehlern, so dick wie Galapagosschildkröten zu wühlen und hoffe darauf, dass sich in diesem dekadenten Wust aus zusammengeschluderten Bytes irgendwo ein Barcode-Scanner versteckt. Gesucht und eventuell gefunden, heißt es nun, die erwähnte hochauflösende Kamera auf den Barcode zu richten und zu warten, bis das Handy meint, tatsächlich einen solchen gefunden zu haben. Funktioniert tatsächlich sogar recht zuverlässig, dauert aber je nach Lichtverhältnissen mitunter auch mal etwas länger, so dass man bei aller Unaufmerksamkeit Bus oder Bahn zwischenzeitlich eventuell verpasst hat.

Ende der digitalen Popelei: Das Handy zeigt eine Internetadresse an, die es aus dem Barcode herausgelesen zu haben meint. Toll. Wo steckt der Mehrwert? Wie erkläre ich das Omi Hilde? Und wer erklärt das mir?

6 Gedanken zu “Bar jeglicher Vernunft.

  1. prophet

    Die Dinger kann man verwenden, um sich am Flughafen damit zu authentifizieren. Statt der klassischen Bordkarte quasi. Habe ich einmal gemacht und funktionierte super.

    Die Dinger dafür zu verwenden, seine Webseite zu verbreiten, ist natürlich super Marketing, die Leute sind neugierig, was sie denn da entschlüsselt bekommen. Es hat was von Schlösser knacken und in Truhen wühlen. Sowas mögen die Menschen.

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  2. PhanThomas

    Wenn ich »Final Fantasy« oder »Zelda« spiele und in Truhen wühle, dann mag ich das. Wenn ich einen Barcode scanne und dahinter eine URL finde, dann fühle ich mich eher verscheißert. Aber dass Marketing längst nicht immer sinnvoll ist, ist ja nichts Neues ...

    Antwort

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