Dicker Schinken, wenig nahrhaft.

Hin und wieder gebe ich ja auch mal Lesetipps heraus. Mitunter so gern, dass ich bereits überlegt habe, ein kleines Themenblog dafür zu eröffnen. Vermutlich tue ich das aber eh nicht. Nun, da man ja nicht immer alles toll finden muss und ich eigentlich reichlich wenig wirklich toll finde, heute mal ein Buch, das mich eher ein wenig angeödet hat: »Stimmen der Angst« von Dean Koontz.

Kurzer Handlungsabriss: Das junge Paar Martie und Dusty Rhodes führt genau solange eine harmonische Ehe, bis Martie von plötzlichen Ängsten und Zwängen heimgesucht wird: Sie ist wie aus heiterem Himmel vom Drang besessen, ihren eigenen Mann auf bestialische Weise ermorden zu müssen. Hilfe suchen die beiden schon bald bei Dr. Ahriman, einem renommierten Psychoklempner. Als (für den Leser weniger) unerwarteterweise Marties Freundin Susan, die selbst unter Ängsten leidet und nicht einmal mehr allein vor die Tür gehen kann, Selbstmord begeht, gerät die Welt der Rhodes vollends ins Wanken ...

Cover der aktuellen
Auflage

Liest sich fast schon spannend, oder? Ist es stellenweise auch, nur ausgerechnet auf den ersten ca. 150 der fast 800 Seiten nicht. Die zähe Durststrecke hätte man, so mein Gefühl, auf gut die Hälfte herunterkürzen können. Und als dann endlich ein Bösewicht die Bühne betritt, wird auch noch viel zu schnell dessen Identität verraten. Danach nimmt die Handlung aber ordentlich Fahrt auf, Langeweile beim Lesen ist eher die Seltenheit. Nur habe ich zwei grundsätzliche Probleme mit diesem Psychothrillerdingsbums aus der Feder des Herrn Koontz: Erstens nimmt man dem Erzähler die Geschichte nicht so recht ab. Der Roman befasst sich, ich kann es ja ruhig sagen, mit dem Thema der Gedankenkontrolle durch Hypnose. Nur kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass so etwas dermaßen einfach und banal funktioniert, wie es in diesem Buch beschrieben wird. Mein ausgeprägtes Gespür für die komplizierten Sachverhalte des Lebens sagt mir, dass Mister Koontz seinen Lesern hier einen ziemlich zotteligen Bären aufbindet. Zweitens bleiben die Charaktere recht blass. Die Guten sind sympathisch, die Bösen unsympathisch, die Motive sind klar und nachvollziehbar, etc. Dennoch wirken die Personen allesamt wie zweidimensionale Abziehbilder echter Menschen. Die Glätte der Protagonisten wirkt störend, hat man doch das Gefühl, sie seien nur Mittel zum Zweck. Kein Vergleich zu den ausgefeilten Persönlichkeiten in einem x-beliebigen King-Roman.

Was bleibt also? Ein Achthundertseitenschmöker, der streckenweise spannend erzählt ist, bei alledem aber ein schales Gefühl im Leserbauch hinterlässt. Dachte ich zuerst, mit Dean Koontz einen adäquaten Ersatz für meinen Allzeit-Favoriten Stephen King gefunden zu haben, muss ich nun doch revidieren: Absolut kein Vergleich!

9 Gedanken zu “Dicker Schinken, wenig nahrhaft.

  1. Luise

    Also wenn du schon so anfängst, dass dich dieses Buch angeödet hat, ja dann nimmst du einem gleich jegliche Lust, es sich duchzulesen.
    Dann doch eher Bücher, die du uns empfielst....

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  2. prophet

    Bücher jez, näh.
    Bücher.

    Ich habe verdammt lange kein (nicht berufsbezogenes Sach-)Buch mehr gelesen, es ist schrecklich. Ich sollte mal wieder, aber ich weiß nicht was. Dachte an Cyberpunk.

    Antwort
  3. PhanThomas

    @Luise: Hier wird niemand ausgetrocknet!
    @prophet: Ja, Bücher. 🙂 Du liest Fachbücher? Warum tust du so was Schreckliches? Ich habe es auch mal versucht, es hat nicht geklappt, also hab ich's dann doch sein lassen und versuche mich wieder an dem, was mir Spaß macht. Solltest du auch probieren.

    Antwort

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