Bud in Berlin II.

Aller guten Dinge sind drei. Wenn ich schon die ersten beiden Male kläglich versagt habe, dann musste doch wenigstens das dritte Mal klappen, einmal Bud Spencer zu begegnen. So dann auch gestern Abend geschehen, nämlich im Babylon, einem wunderschönen Kino in klassischem Stil in Ostberlin. Eines von denen mit echter Loge und in denen es tatsächlich noch ärgerlich ist, wenn die dicke Frau mit dem großen Hut vor einem Platz nimmt. Doch ums Babylon soll es ja gar nicht gehen, sondern um Banana Joe, um das Nilpferd, um Bud Spencer eben.

Der war gestern angereist (übrigens eine Dreiviertelstunde zu spät, wie es sich für eine amtliche Berühmtheit gehört), um das erste Bud-Spencer-Festival in Berlin zu eröffnen. Und natürlich, um seine Autobiographie in Buch- und Hörbuchform anzupreisen. Beides hat er natürlich auch signiert und zwar nur diese beiden Dinge. Ausnahmen gab es nur für ein gigantisches Fanplakat, sowie für Bauch und Brust zweier Bekloppter, die sich das wenig spektakuläre »Bud« unbedingt eintätowieren lassen wollten. Nun ja, kann man machen. Für mich eher nichts, daher hab ich mich mit dem Kritzel in meinem Büchlein zufrieden gegeben. Man ist ja bescheiden, ahem.

Anschließend gab's noch eine etwas längere Gesprächsrunde zwischen Bud, einem Verlagsmenschen, Oliver Korittke, der das Hörbuch gelesen hat und übrigens auch anwesend war (der mir aber schnurzpiepegal war, zumal ich mich nicht an einen einzigen Film mit ihm erinnern kann) und natürlich all jenen aus dem Publikum (das sich aus erstaunlich vielen Frauen, einigen Nerds, einem Haufen Normalos und einer Handvoll Bud-Spencer-Look-alikes zusammensetzte), die unbedingt ihre Fragen an den alten Herrn loswerden wollten.

Und die Bezeichnung alter Herr ist noch geschmeichelt. Wenn man die vielen, vielen Filme gesehen hat, dann ist es doch erst einmal erschreckend, wie alt Bud Spencer tatsächlich geworden ist. Nun gut, mit 81 darf man auch alt aussehen, denke ich. Da hilft dann ohnehin kein Oil of Olaz mehr. Auch seltsam war es, das italienische Genuschle des gesetzten Fleischbergs zu hören, dessen Antworten auf alle ihm gestellten Fragen angenehm bodenständig wirkten. Aus dem Fernsehen kennt man ihn ja zumeist dann doch eher mit der grummelig sympathischen Stimme von Wolfgang Hess. Sehr ärgerlich in diesem Zusammenhang finde ich, dass selbiger nicht das Hörbuch gelesen hat, sondern der recht versnobt wirkende Oliver Korittke, dessen kurze Leseprobe nur wenig eindrucksvoll wirkte und den man ja nun so gar nicht mit dem bärtigen Ohrfeigenautomat in Zusammenhang bringt.

Alles in allem jedenfalls durchaus ein angenehmer Abend. Bud Spencer sehen und sterben? Nicht unbedingt, war aber ein schönes Gefühl, einmal im selben Raum mit dem alten Haudrauf gewesen zu sein.

9 Gedanken zu “Bud in Berlin II.

  1. Ich von und zu

    hihi, dann war es dir jetzt also doch noch gegönnt 😉

    Schön, schön...
    ich wär da zwar nicht so heiß drauf aber auf deiner Wunschliste hätte es bestimmt so einen Punkt gegeben, wie einmal im Leben Bud treffen. Als wie gesagt wenn es diese Liste gäbe, dann wäre ein Punkt nun abgehakt =)

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  2. PhanThomas

    @Butterbemme: Och, das war durchaus sehenswert.

    @Ich von und zu: Na ja, wir haben doch alle unsere Kindheitshelden und so, oder? Da gibt's bei dir bestimmt auch wen, den du gern mal sehen würdest. In meinem Fall ist also das zumindest mal erledigt. Und stimmt, es wäre was für die Punkteliste gewesen. Bei der Liste hätte ich nur Angst, sie irgendwann abgearbeitet zu haben, um dann festzustellen, dass ich immer noch nicht zufrieden bin.

    @Luise: Versuch's doch erst mal in diesem Leben. 😉 Darfst dann aber auch gern davon berichten.

    @prophet: Puh, dazu war er nicht mehr so richtig in der Lage, fürchte ich. Wobei man das ja nie so ganz weiß. In der Ruhe liegt die Kraft, sagt man. Hmmm ...

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  3. Ich von und zu

    Ich glaube eine solche Liste soll nicht zum Ziel haben das man nicht zufrieden ist sondern dass man an seinen Zielen festhält und sich nach und nach ein paar Wünsche erfüllt. Und wenn die abgearbeitet sind dann kommen eben die nächsten! UNd am Ende deines Lebens hättest du dann ein Buch voller Listen und könntest darin blättern 😉

    Stell ich mir ganz nett vor =)

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  4. PhanThomas

    @Ich von und zu: Da hast du wohl auch wieder recht. Vor allem das Darinblättern find ich gut, also die Vorstellung, mein ich. Andererseits sähe ich bei mir nur 'nen Haufen nicht abgearbeiteter Listen.

    @Pia: Oh, echt? Die wollte ich mir auch mal zulegen, aber dann hab ich gelesen, dass die Filme wohl teilweise sehr geschnitten sind, weil sie das Remastering einfach nicht auf die Reihe bekommen haben.

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