Wahl der Qual.

Berlin, Berlin. Wenn es in der Fußgängerzone nicht nach Scheiße stinkt, dann duftet es derzeit nach Frühherbst. Der einzigen Jahreszeit, die erträglich ist, quasi. Keine herumfliegenden Pollen und nicht die triste, graue und kalte Welt des Depri-Duos November und Dezember, die immer wieder mal Leute dazu treibt, vom »park inn« zu springen. Demnächst fällt dann noch herrlich buntes Laub von den Bäumen. Bis dahin sind's nur herrlich bunte Wahlplakate, die von Laternen purzeln und dann niedergetrampelt werden. Und vollgeschissen. Zu Recht!

Sind ja schließlich auch bald Wahlen, also hier in Berlin. Und wenn man sich die Slogans auf den bunten Bildchen ansieht, dann fragt man sich doch ernsthaft, wie durcheinander die politische Landschaft eigentlich noch geraten kann! Die Linke brüstet sich mit hervorragender Regierungsarbeit, mit stabilen Mieten (!) und gesunkener Arbeitslosigkeit (Gelogen!), während gerade die CDU sich als Partei des kleinen Mannes aufspielt und die hohen Mieten anprangert, bei alledem natürlich Lösungen über Lösungen verspricht (Noch mehr gelogen!). Aha. Sei links, wähle die Christdemokraten, hä? Kann man machen. Nee, geht gar nicht!

Die Grünen spielen sich als Verbessererpartei auf, die inzwischen alles angehen möchte. Ökogedöns ist von gestern, rückt in den Hintergrund, Realpolitik steht ganz vorn. Einen Bahnhof gibt's hier zwar nicht zu blockieren, aber dann fängt man halt klein an und stürzt sich auf die desolaten S-Bahnen. Klingt fast schon wählbar, wäre da nicht Frau Künast, die einem von jedem zweiten Wahlplakat angrinst und die man irgendwie ja doch nicht unbedingt häufiger sehen möchte als nötig.

Hätten wir noch die FDP. Klar, eine völlig irrelevante Ansammlung krawattentragender Inkompetenz und in Umfragen mitunter bereits hinter den Piraten angelangt - schöne neue Welt. Wie die immer noch auf drei bis fünf Prozent kommen können, ist mir absolut schleierhaft. Versucht sich jedenfalls wieder ein bisschen als Spaßpartei, ganz wie einst die große Bundes-FDP mit Westerwelle als Karnevalsprinz. Schreibt jetzt wieder lustige Slogans auf ihre quietschgelben Plakate.

Und die SPD? Kommt lediglich mit »Berlin verstehen« daher und drückt mit dieser Wortkargheit schon ziemlich genau das aus, wofür die Sozialdemokraten inzwischen insgesamt stehen: für nichts. Was eigentlich verstehen? Also was genau? Und wer versteht überhaupt die SPD? Antworten haben all die grinsenden kandidierenden Hartz-IV-Empfänger auf den Plakaten sicher nicht parat. So what?!

Berlin, Berlin, wat soll ick nur wähl'n? Ich hätte nicht gedacht, in meinen jungen Jahren schon politikverdrossen zu werden, doch ich glaube, ich bin dem Zustand schon beachtlich nahe gekommen. Vielleicht sollte ich wirklich einfach nur noch meinen Wahlzettel ungültig machen. Oder doch noch eine Partei gründen. Ach.

7 Gedanken zu “Wahl der Qual.

  1. Ich von und zu

    Meine Stimme hast du! Allein schon wegen den sauberen Socken 😉
    Ne aber im Ernst, ich trau dir mehr zu als diesen ganzen Luschen...
    Obwohl, vielleicht überlege ich es mir nochmal, schließlich bist du dann wohl ein vielbeschäftigter Mann den ich nicht mehr nachts um Hilfe bitten kann... Ach, egal! 😉

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  2. PhanThomas

    Ja, also mit der nächtlichen Virenbereinigung könnte es dann eng werden. 😉
    Ansonsten müsste ich aber eh noch an meinem Wahlprogramm arbeiten, denke ich. Ahem. Saubere Socken waren anno 2009 ja 'ne große Sache, aber heute verlangt die Weltöffentlichkeit ganz neue Wege. Vielleicht geputzte Schuhe oder so.

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  3. PhanThomas

    @Luise: Ich traue keinem mit Rindenhaut!

    @prophet: Hmm, ach so funktioniert Demokratie also. Aber stimmt, wenn ich so herangehe, weiß ich sogar, was ich wählen könnte. Immerhin.

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