Vom Ernst am Spiel.

Heute mal was thematisch für die meisten der hier reinschnuppernden Leserschaft vermutlich ziemlich Peripheres. Christian Schmidt, seines Zeichens ehemaliger stellvertretender Chefredakteur der PC-Spielezeitschrift GameStar, schrieb gerade erst eine Kolumne für Spiegel Online, die da lautet: »Mehr Geist bitte, liebe Games-Tester«. Da der Spiegel Texte ganz gern polemisiert und zugleich kastriert, gibt's beim Herrn Kaliban, alias Gunnar Lott, eine deutlich lesenswertere, weil ungekürzte Fassung des Artikels, der sich im Wesentlichen mit angestaubten Funktionsweise des hiesigen Spielejournalismus befasst.

Interessant geschrieben, bisweilen etwas ausufernd und zu esoterisch für meinen Geschmack, dennoch aber einen gehörig entzündeten Nerv treffend. Interessanter noch ist nämlich der darauf entbrannte Diskurs in den unzähligen Kommentaren und Gegenbetrachtungen. Da wäre hier etwa der sehr emotinal geratene offene Brief von Mick Schnelle, einem Urgestein der Branche, oder die sachlichere Kolumne von Alexander Laschewski-Voigt auf area-games oder auch die persönliche Beschwerde der von mir gern gelesenen Pia, vor einigen Jahren selbst Praktikantin bei der GameStar.

Puh, viel Feuer aus vielen Rohren. Ungemein interessant und offenbar auch ein drigend notwendiger Diskurs. In einem Kommentar habe ich selbst schon angemerkt, dass die Wahrheit wohl irgendwo zwischen den beiden Grundpositionen schlummert. GameStar lese ich selbst seit 1998. Seinerzeit gab es bei uns im Haus keine Internetverbindung. Spielezeitschriften boten mit ihren Tests, Videos und Demos die einzige Möglichkeit, mir ein Urteil über ein Spiel zu bilden, bevor ich 100 Mark meines zusammengeknauserten Taschengeldes für einen vermeintlichen Haufen Digitalschrott ausgab. Die Proposition der Kaufberatung ist den Fachzeitschriften in Zeiten erschwinglicher Standleitungen aber abhanden gekommen. Tests müssen sofort verfügbar sein, wenn ich sie lesen möchte. Da warte ich nicht erst zwei Wochen, bis ein Monatsmagazin erscheint, dass mich berät. Was bleibt, ist also der Spaß am Lesen. Und der fehlt leider allzu oft.

Angeblich ist der Faktor Internet nicht einmal der ausschlaggebende für den Rückgang der Auflagezahlen, aber doch, genau das glaube ich persönlich schon. Es liegt doch nahe, sich über ein Medium, das inzwischen ohnehin fest mit dem Weltnetz verbandelt ist, auch in selbigem zu informieren. Mein Denken hat sich, was das angeht, gewandelt. Ich war wohl mal Hauptzielgruppe der Spielefachzeitschriften, bin von Alters her und (wichtiger) auch medial gereift. Liegt doch nahe, dass es einem großen Teil der früheren Zielgruppe ähnlich geht. Auch die Spiele ändern sich, werden einfacher, zugänglicher, die Präsentation rückt in den Vordergrund, leider zu Ungunsten der Komplexität. Da braucht es deutlich seltener als früher zehn Seiten ausführliche Berichterstattung. Bei alledem hilft es vermutlich nicht, die Stellung zu halten, weiterzuschreiben wie bisher und zu ignorieren, dass die Welt der Spiele sich schneller wandelt als früher. Aber was weiß ich schon?

Ach, dieser Wandel immer.

Update: Ergänzend eine Gegenbetrachtung von Petra Fröhlich auf Spiegel Online.

2 Gedanken zu “Vom Ernst am Spiel.

  1. Piano

    Da gebe ich dir recht. Wandel ist ein gutes Stichwort. Einige Unternehmen scheinen das aber nicht begreifen zu wollen und harren ihrer Dinge. Wohin das führt, sieht man ja. Und was ich an Mick liebe, ist seine Ehrlichkeit. Von Freunden für Freunde, wie er so schön geschrieben hat 🙂

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  2. PhanThomas

    Ja, da verschließt man ganz gern Augen und Ohren gleichermaßen, wenn man erst mal betriebsblind geworden ist, glaub ich.
    Und Micks Beiträge lese ich auch gern, obwohl ich finde, dass die Argumente bei ihm manchmal etwas zu sehr hinter die persönliche Wertung fallen.

    Antwort

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