Aktionswoche »Assoziatives Schreiben«: Erster Teil.

Ein Viertelstündchen Arbeitspausensurferei hat mich auf hier verlinkten Text des Herrn Kaliban aufmerksam gemacht und mir die Idee in den Kopf gepflanzt, mal wieder eine Blog-Aktionswoche zu starten. Zum Thema »assoziatives Schreiben« nämlich. Soll heißen, ich greife per Gedankenlasso eines der vorbeigaloppierenden Worte auf und schreibe dazu auf, was mir eben gerade so einfällt. Das mag einigermaßen sinnlos sein, füllt aber immerhin die Woche und lässt mich text- und blogtechnisch mit einem lupenreinen Gewissen zurück.

Assoziation heute: Fisch

Kürzlich gab's in der Kantine um die Ecke, die oft preiswert und manchmal lecker ist, Lachs. Also nicht den geschmacksfreien Seelachs aus recycelten chinesischen Wochenzeitungen, sondern richtigen Männerlachs. Und weil ich Lachs sehr gern mag, wählte ich, wie alle anderen Kollegen auch, Steak. Der Koch, ein höchst freundlicher Bursche, der auf skeptische Kundenblicke gern mal mit lieblos angerichtetem Sellerieeintopf oder angedeuteten Ohrfeigen reagiert, drohte sogleich damit, den Pangasius herbeizuschaffen - den Trendfisch, wie ich ihn nannte, oder auch die Schluckimpfung.

Denn ein kurzer Plausch zum Thema führte zum Ergebnis, dass man statt des Pangasius - artgerechte Haltung sei dank - eigentlich auch gleich eine Packung unbedingt verschreibungspflichtiger Tabletten vertilgen könnte. Dasselbe bei den allseits beliebten Gambas: Ob man nun tatsächlich gepelltes Krebsgetier futtert oder aber sich hundert Gramm Penicillin reinpfeift, macht allerhöchstens in geschmacklich feinsten Nuancen einen Unterschied und sonst eben gar nicht. Kein Wunder eigentlich, dass die Menschen immer älter werden, wenn Magen und Darm eine tüchtig werkelnde Reiseapotheke ergeben.

Aber weg von Weltgesundheitsbelangen und zurück zum Fisch. Kennt eigentlich noch jemand diese Nordsee-Restaurants? Ja genau, die, die man meistens übersieht, weil zehn Meter weiter entweder ein McDonald's oder ein Burger King seine frittierten Düfte in die Einkaufsmeilenbiosphäre hinausjagt. Wie dem auch sei, bei Nordsee, also da gibt's diesen Bremer. Ich weiß weder, was das Ding heutzutage kostet noch weiß ich, in welchen Gewässern dieser Bremer zu Hause ist, aber immerhin erinnere ich mich mit nicht abflauender Faszination an die absolute Geschmacksfreiheit des kompakten Fischsnacks. Dass selbst das ober- und unterhalb der Mogelfischpackung klebende Brötchen keinerlei Geschmacksknospen zu reizen weiß, lässt gar ein Geschmacksvakuum vermuten, welches der Umgebung dieser panierten Absurdität jeglichen Verzehrreiz zu entziehen scheint. Da aber Nordsee vermutlich mehr Anwälte für die Gourmetrezensentenjagd bereithält, als ich mir jemals leisten können werde, will ich es dabei belassen und gebe offiziell zu Protokoll, dass man alles andere bei Nordsee durchaus vertilgen kann.

Verweilen wir noch ein wenig beim Fischbrötchen. Mit Geschmack gibt's selbige auch an diversen Bahnhofsbäckerimbisscafés. Die Anzahl dieser hängt vermutlich direkt proportional mit dem Verspätungsgrad der Deutschen Bahn zusammen. Jeder weiß schließlich: Die verflixte Warterei macht verdammt hungrig und all die Signalstörungen, postmortale Menscheneintöpfe auf brückennahen Schienen und in umgekehrter Reihenfolge verkehrende Bahnhöfe sind mit leerem Magen noch deutlich weniger zu ertragen! Und wenn der Snickers, der seit anno dazumal im Automaten auf Adoption wartete, nicht langt oder der Automat tatsächlich keine Snickers mehr parat hat, dann stellt das bahnreisende Individuum sich auch gern mal für ein Fischbrötchen bei einem der genannten Cafés an. Hab ich kürzlich getan und nicht schlecht gestaunt, dass die doch tatsächlich dreifuffzig für ein wenig Weißbrot mit gewürfelten Fischresten haben wollten. Die nette Tante an der Kasse hat dann auch noch mal sicherheitshalber das verkleisterte Preisschild von der Auslagenscheibe gepopelt, um selbst kontrollierend die diabolische Summe zu prüfen.

Aber ob teuer oder Dutzendware, ob geschmacksentfremdet oder intensiv dünstend, die »frutti di mare«  aus Poseidons Lenden sind eiweißreich wie Mannes Liebessaft. Zumindest will es der Volksmund so. Und mag schon der frühere Eisengarant Spinat längst als Blender mit Blubb enttarnt sein, so will ich wenigstens dem weißbärtigen Käpt'n Iglo glauben, dass sein Klotzfischgold neben allerlei antibiotischen Ingredienzien auch ein bisschen was für bewusste Lebensführung mitbringt und zudem beim Muckiaufbau hilft. Weil gerade Letzteres ja auch den männlichen Wohlfühlfaktor und die weibliche Libido gleichermaßen steigert, hab ich auch nichts gegen Fisch und sollte selbiger beim nächsten Kantinengang im Angebot sein, nehme ich selbstverständlich Steak.

3 Gedanken zu “Aktionswoche »Assoziatives Schreiben«: Erster Teil.

  1. Anonymous

    Luise:
    "Eiweißreich wie Mannes Liebessaft"...hört, hört, hier spricht ein Kenner 🙂

    Ich kann aus meiner Erfahrung nur sagen, dass die Fischbrötchen an der Nordsee 100 Mal besser schmecken als irgendwo sonst.

    Einen schönen Sonntag und einen noch viel schöneren Geburtstag für Morgen.

    Antwort
  2. Thomas Meyer

    @Luise: Nein nein, ich bin kein Kenner, ich bin der Volksmund. Und hast du je den Bremer probiert?

    @Citara: Männliche Assoziationen führen IMMER zu Liebessaft. 😉

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du möchtest einen Kommentar hinterlassen, weißt aber nicht, was du schreiben sollst? Dann nutze doch den KOMMENTAROMAT! Ein Klick auf einen der Buttons unten trägt automatisch die gewählte Reaktion in das Kommentarfeld ein. Du musst nur noch die Pflichtfelder ausfüllen und den Kommentar abschicken. :)