Des Kommas Kern.

Potzblitz, jetzt ging mir doch gerade ein Licht auf, das mich alles um mich herum vergessen und fast vom Thron fallen ließ. Folgendes trug sich in der Räumlichkeit des heiligen Lokus zu:

Ich habe Sätze in der wörtlichen Rede bis vor knapp zwei Jahren immer dann nicht mit einem Komma von einem nachstehenden Teilsatz abgetrennt, wenn es sich um einen Ausrufe- oder Fragesatz handelte. Zum Beispiel so was hier:

»Renn!« rief er.
Oder:
»Wie geht es dir?« fragte sie.

Ich hab das einstmals unter dem strengen Regime von Frau Bodemann gelernt, ganz bestimmt, oh ja. Doch dann - das sei falsch, hieß es plötzlich. Schlichtweg falsch, so falsch wie Bomben für den Frieden, und ich solle doch einfach mal ein Buch aufschlagen und das nachprüfen. Rechthaberisch wie ich war und noch immer bin, verneinte ich das, schlenderte guter Dinge, voller Vorfreude auf eine weitere Krönung des Rechthabens, dabei ein Liedchen pfeifend (Na gut, das ist gelogen.) zum Bücherregal und sah nach.

Komma! Komma, Komma, Kommakommakomma. Überall waren Kommas, die mir so entweder nie aufgefallen waren oder die jemand nachträglich in die Bücher gesetzt hatte oder ...

Uh! Das sind ja Momente, in denen ich mich tatsächlich frage, ob ich einem verfrühten Fall von Demenz anheim gefallen bin oder ob sich vielleicht nachträglich ein Fehler in mein Hirn geschlichen hat, mir vorgaukelnd, das mit dem fehlenden Komma sei immer schon richtig gewesen. Spontan fallen mir dann natürlich auch tausend andere Dinge ein, bei denen mein Verstand in der jüngsten Zeit nicht so ganz auf Trab war und - zack, schon bin ich wieder gedanklich bei der beginnenden Demenz.

Und dann eben: Ich habe dieses Buch vor mir und lese folgende Passage:
»Du bist also eine Göttin?« fragte Zweiblum aufgeregt.

Ha, da haben sie wohl das Komma vergessen, dachte ich und überflog spaßeshalber einige weitere Zeilen, vollgepackt mit wörtlicher Rede. Komma? Fehlanzeige!

Google ist mein Freund und so brachte mich ein wenig Internetrecherche nun endlich auf des Rätsels Lösung, die so banal ist, dass ich sie vermutlich einfach nie in Betracht gezogen habe, weil Banales nicht des PhanThomas Tagewerk ist: Ich hatte recht! Der alten Rechtschreibung zufolge gab es da, verdammt noch mal, kein Komma! Das kam erst mit der Verballhornung der deutschen Schreibe gegen Mitte bis Ende der seligen Neunziger. Und als Einundneunzigereinschulungsjahrgang (Huh!) musste ich eben zuerst die alte und später dann die so genannte neue Rechtschreibung erlernen.

Ein Umstand, der mich scheinbar nachträglich ähnlich konfus macht wie Linkshänder, die das Schreiben mit der rechten Hand erlernen mussten. Wenn das mal keine nachhaltigen Schäden meines Geisteszustandes zur Folge hatte!

Doch immerhin: Für den Augenblick ist der Sieg mein!

11 Gedanken zu “Des Kommas Kern.

  1. Citara

    Meine Dozenten haben immer gesagt, nutzen sie ihre Sprachkompetenz und entscheiden selbst ^^

    Ich als "halb und halb" Lerner bin in meiner Rechtschreibung ziemlich gemischt. Ein Komma zur Sprachstrukturierung? Aber gerne. Immhin hat die sogenannte neue Rechtschriebung auch viele entweder oder Regelungen eingeführt, die dem Sprachgefühl ganz gut tun.

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  2. PhanThomas

    @Jasmin: Das wäre ja auch wirklich ein Ding, oder? 😉

    @Citara: Ja, aber genau diese Wahlmöglichkeit macht's auch wieder arg schwammig und hat so die ganze Sprache ein wenig aufgeweicht. Ich meine, ich kann "Joghurt" schreiben, "Jogurt" geht aber auch und wer so was macht, dem kann ich nicht mal verbal eine reinhauen. :-/

    @Pia: Japp. Die haben mich so manches Mal um eine Eins in der Schule gebracht. Schlimm.

    @prophet: Immerhin gleicht sich das dann aus, oder? Anschließend kannst du ja keine Kommas mehr schreiben. Es sei denn, du hast den ASCII-Code im Kopf.

    Antwort

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