Vollzugriff im Namen des Staates.

So so, der CCC ist also an den Bundestrojaner gelangt, zumindest recht wahrscheinlich (auch wenn das jetzt erst mal von den entsprechenden Stellen abgestritten wird). Dass das Ding riesige Sicherheitslücken in die Rechner reißt, auf denen es installiert wird, war ja klar. Alles, was IT-technisch vom Bund initiiert wird, ist beschissen. Man denke an die Maut, man denke an den jämmerlichen Versuch, Ministerien mit Linuxrechnern auszurüsten und ach, wenn ich etwas länger darüber nachsinnen würde, mir fielen sicher noch weitere Beispiele für technisches Versagen auf ganzer Linie ein, wenn Vater Staat seine Finger im Spiel hat.

Pikant ist dann aber doch, was dieses Stück Dilettantentechnik kann: nämlich Vollzugriff auf die infizierten Rechner verschaffen. Nicht nur können Tastatur- und Mauseingaben gesteuert werden, nein es können auch Programme nachinstalliert werden oder, man denke weiter, beliebige Dateien abgelegt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Wenn ich also Schelm sein wollte, könnte ich so weit gehen, darüber zu spekulieren, ob man mit einer solchen staatlich eingesetzten Schadsoftware nicht auch unliebsamen Bürgern illegales Zeug auf die Rechner packen und sie dann dafür verknacken könnte.

In despotischen Ländern mag das ja Gang und Gäbe sein, aber für eine Bundesrepublik, die sich selbst als demokratisches und soziales Land mit Meinungsfreiheit und derlei Brimborium sieht, ist dieser kleine Skandal doch eine ziemlich eklige Sauerei. Und da wundern sich die Knallchargen aus den politischen Kadern von links bis rechts, wie eine vermeintlich bizarre Erscheinung wie die Piraten so großen Zulauf finden kann. Wenn da noch nach Gründen gesucht wird, dann haben die werten Damen und Herren ganz massiv einen gesellschaftlichen Grundkonsens verschlafen oder schlichtweg nicht verstanden. Wirklich traurig.

Übrigens hier noch eben ein so interessanter wie komplexer Artikel zum Thema aus der FAZ.

2 Gedanken zu “Vollzugriff im Namen des Staates.

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