Klingelnde Telefone, alte Vasen & zerschundene Koksbarone.

Da ich ohnehin seit 8 Uhr wach bin, weil ein nicht wirklich notwendiger Bereitschaftsanruf mich aus der vielleicht schönsten Phase des REM-Schlafes riss, kann ich auch gleich was bloggen. Und weil ich noch müde bin und die zerschlagenen Gedankengänge erst einmal wieder in Formation bringen muss, kommt mir eine chice Kausalitätskette, die soeben zwischen Kaffeemaschine und Couch meinen unbewaffneten Verstand übermannte, gerade recht.

Als ich noch jung und bartfrei war, da sagte ich: Wenn ich mal groß bin, dann werd ich - nein, nicht Feuerwehrmann - Archäologe, werd ich. Gut, zuerst war es Paläontologe, aber auch nur, weil Dinosaurier eine Zeit lang verdammt cool waren. Dann aber kam Indiana Jones dazwischen. Ich war jung, glaubte alles, was das fesche Farbfernsehen mir erzählte, also wollte ich künftig Archäologe werden, durch die Welt reisen, Schätze aus Höhlen rauben, Steinkugeln und Pfeilen ausweichen, dabei meinen Hut festhalten, und ab und an einen fiesen Bösewicht verprügeln - in Anbetracht der Tatsache, dass es in den Indy-Filmen immer Nazis waren und es ja keine Nazis mehr gibt, vielleicht einen kolumbianischen Drogenbaron samt Gefolge oder so. Aber ob Dinoknochen oder Pharaoknochen, ich hätte jedenfalls gern im Dreck gebuddelt.

Dann traten zwei Ereignisse ein, die Reihenfolge tut dabei nichts zur Sache: Erstens hörte ich auf zu wachsen, was den Satz »Wenn ich mal groß bin ...« ziemlich ad absurdum führte und zweitens kauften meine Eltern einen Computer.

Der Rest ist Geschichte und heute bin ich deswegen IT-Consultant. Zugegeben, das ist nicht ganz so cool wie Indiana Jones und man verprügelt auch keine Koksbarone in Nazikostümen oder so, sondern nur in Gedanken die Kundschaft, aber man wird eben über das Bereitschaftshandy geweckt und so aus dem bereits erwähnten und viel gepriesenen REM-Schlaf gerissen.

Komisch irgendwie. Wäre ich doch Archäologe geworden, hätte mich heute vermutlich keiner geweckt, ich schliefe tatsächlich noch und müsste nicht befürchten, dass irgendein Handy klingelt. Ich hätte nie begonnen, dieses Blog zu schreiben und das verstreute Dutzend der hiesigen Leserschaft wäre von meinen Ergüssen verschont geblieben. Andererseits kann ich nun hier sitzen und von abenteuerlicher Prügelarchäologie träumen, ohne dass die langweilige Realität diese romantische Blase zum Platzen bringen kann. Gar nicht so übel, wenn man's genau nimmt, einmal gegen die Realität zu gewinnen. Drum sei's das an dieser Stelle auch gewesen, schließlich gilt es, Sanchez El Loco und seine Schergen zu vermöbeln und, öhm, alte Vasen auszubuddeln.

4 Gedanken zu “Klingelnde Telefone, alte Vasen & zerschundene Koksbarone.

  1. Anonymous

    Luise:
    Ein Stück mehr Thomas, nun hätten wir das also auch geklärt. Der "kleine" Thomas, wollte damals Archäologe werden. Gefällt mir 🙂 aber die Welt lässt sich auch ohne diese Beruf von dir Bereisen.

    Also, kauf dir den Hut und los gehts.

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  2. prophet

    Als ich jünger war, wollte ich nichts werden. Dann wurde ich nichts, aber musste IT machen. Jetzt mache ich IT und wünschte, ich wäre Archäologe geworden. Ich finde das super-interessant.

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  3. Thomas Meyer

    @Luise: Ja, sie ließe sich schon bereisen, aber ich bin ja gar nicht so der Reisefreund. Komisch eigentlich.

    @prophet: Huh, ich kann mich gar nicht entsinnen, ob ich jemals nichts werden wollte. Hm, seltsam, inzwischen finde ich den Gedanken, ich wäre schlicht nichts geworden, zumindest für kurze Momente recht sympathisch.

    @Pia: Danke schön! Und gleichfalls! 🙂 Aber ich hätte ja auch als Indy bloggen können. Du weißt schon, über alte Vasen und kolumbianische Drogenbarone und so.

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