Verkaufte Brüder und teure, tote Fische

Ich bin doch ein guter Mensch. Manchmal. Es war gestern, der Morgen war schön, die Sonne wagte sich trotz Winters an den sonst so scheiß grauen Berliner Winterhimmel und weckte offenbar mein sonst gerade morgens unvergleichlich grummeliges Gemüt. Außen an der Haustür hing ein Paketzettel, nicht von der Post, sondern von einem dieser anderen unmöglichen Versanddienste, die hier so herumwuseln. Bereits seit dem Vorabend hing der da und teilte dem Empfänger mit, dass seine »zooplus«-Lieferung in einem kleinen Laden um die Ecke abgegeben worden sei und dort auf ihn warte. Ich warf einen Blick auf den Namen des Empfängers und stellte fest, dass derjenige, dem der Wisch galt, ihn wohl kaum finden würde, wohnt dieser doch im Hinterhaus, während die Notiz an der Tür des Vorderhauses klebte. Die natürliche Faulheit des Postboten eben. Oder vielleicht auch nur das undurchsichtige Adresssystem deutscher Wohnhäuser, man weiß es nicht.

Ich ging also weiter, war schon auf der anderen Straßenseite und trottete Richtung Bus, als mir einfiel, dass »zooplus« ja wohl so was wie ein Online-Zoohändler ist. Herrje, dachte ich, was ist, wenn derjenige Fastnachbar Fische oder so bestellt hat? Meine Freundin bestellt ab und an bei diesem Versand ihr seltsames Krebsgetier, erinnerte ich mich. Nun, dann würden die armen Viecher wohl in ihrer Transporttüte ersticken, verhungern und vergammeln, irgendwo in dem kleinen Laden, in dem sie auf Abholung warteten. Vielleicht würde der Empfänger, der dann natürlich ein kleines Mädchen mit großen Kulleraugen an seinem Geburtstag wäre, fürchterlich weinen, weil die bunten Fische nie bei ihm ankämen, Fische die natürlich so selten und teuer wären, dass die Eltern bereits den kleinen Bruder des Mädchens dafür ins Ausland verkauft hätten.

Nein, beschloss ich, das würde ich nicht zulassen. Kleine Brüder sollten nicht unnötig verkauft werden und wehrlose Fische durften nicht in Tüten verenden! Ich ging also tatsächlich zurück, nahm den Zettel, ging (energisch) zum Hinterhaus und klingelte (ebenso energisch ... vermutlich). Hm, niemand da, also klemmte ich das Ding hinters Klingelbrett (energisch natürlich) und machte mich erst anschließend auf zur Arbeit. Bestimmt hatte ich währenddessen zwei, drei Busse verpasst, aber uh, das macht mir doch nichts, ich fühlte mich gut.

Und um die gute Tat ein wenig zu kompensieren, erzähle ich nun davon und preise mich selbst als Held des Tages.

9 Gedanken zu “Verkaufte Brüder und teure, tote Fische

  1. Bei Zooplus gibt's keine Fische. Und teures Getier, für das man kleine Brüder (ich hab nicht mal einen) ins Ausland verschachern müsste, auch nicht. Vermutlich war in dem Paket also Katzenfutter drin. 😀
    Aber auch Katzenfutter fängt auf Dauer bestimmt an zu stinken oder so. Und sollte es doch ein gewollt lebender Inhalt gewesen sein, so hast du ihm wohl das kostbare Leben gerettet, jap. Ich bin stolz auf dich. 😉
    (Vor allem auf die Kombinationskette, die dich auf den Gedanken gebracht hat, hihi.)

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  2. PhanThomas

    Beitragsautor

    Na vielleicht war es ja auch sehr, sehr teures Katzenfutter? Oder eine Katze. Verkaufen die Katzen? Katzenfische? Ach nee, keine Fische. Na ja, dann waren's bestimmt diese Krebstiere, nur eben unglaublich teure. Oder so. 😉

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  3. Es gibt aber Onlineversender, wo man sogar Welpen!! bestellen kann! Tierschützer gehen zum Glück enorm dagegen vor. Irgendwo sollte selbst das Internet seine Grenzen haben...

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    1. Ja, hab ich gelesen. Das find ich auch so gar nicht mehr schön. Eigentlich sollten generell keine Tiere im Online-Versand gehandelt werden. Außer vielleicht mit Selbstabholung. Und dann aber auch bitte nur mit allem drum und dran, wie's sich gehört.

  4. Jeden Tag eine gute Tat. Finde ich sehr schön!!
    Da kommt man doch ins grüblen, wann man selber so was das letzt Mal gemacht hat..mmh..

    Welpen-Versand??? Ich habe von einem Zoogeschäft in Düsseldorf, oder so, gelesen, dass die dort Welpen verkaufen, aber doch nicht versenden!! OMG...

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  5. Oh nein Welpen Versand ?! Also ob die Tiere nun in einem Paket oder bei einer Tierspedition sitzen macht dann wirklich keinen Unterschied mehr- beides nicht artgerecht. Am besten schaut man im Tierheim nach einem neuen Begleiter..die Tiere dort kriegen sonst meist keine 2.Chance

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