So war das damals: Morrowind und ich

MorrowindAch, packt einen schon nicht die Muse, dann doch wenigstens die Muße, ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern. Dass ich eine recht, öhm, üppige Videospielevergangenheit habe, sollte ja gemeinhin bekannt sein. Kürzlich musste ich an Morrowind denken, den dritten Teil der inzwischen fünfteiligen The-Elder-Scrolls-Serie. Irgendwie schwirrte mir der grandiose Soundtrack durch den Kopf und - wie das eben so ist -, da waren sie wieder, all die Erinnerungen an eine selige Zeit vor dem röhrenden grauen Kasten.

Seinerzeit, das war so 2002, meine ich, also fast schon Retroware, war Morrowind ein ziemlicher Augenöffner. Also das wurde es, sobald ich mal über den Punkt hinweg war, dass das Spiel direkt nach dem Start sang- und klanglos abstürzte. Nach etlichen Treiberneuinstallationen und eingebüßten Nerven lief es dann. So verließ ich also zu Beginn des Spiels nach einer drakonisch langen Ladezeit das Unterdeck eines Bootes und stand mitten in dieser riesigen Welt.

Hach, und da war sie, diese erwähnte zauberhafte Musik! Für mich übrigens bis heute der schönste Titeltrack in einem Spiel überhaupt, ganz knapp vor dem aus Final Fantasy X. Uh, und diese Grafik! Zugegeben, die Charaktermodelle waren potthässlich, aber der Rest ... Ich konnte mich gar nicht sattsehen an der Landschaft. An diesem Wasser vor allem! Wo hatte man je zuvor so realistisch dargestelltes Wasser gesehen? Spiegelungen, feinste Wellen, man wollte sich sofort in die Fluten stürzen. Die seinerzeit aktuellen Grafikkarten ließen da ordentlich die Muskeln spielen.

Tja, und dann stand ich da. Das Spiel gab einem nicht viel vor, also schwamm ich erst einmal stundenlang durch die spiegelnden Seen, kletterte über ausgedehnte Hügellandschaften und genoss den Schauer, der mich durchfuhr, wenn ich nach langen Wanderungen ein lauschiges Dörfchen entdeckte, in dem die Schornsteine der Häuschen idyllisch vor sich hin qualmten. Irgendwann entdeckte ich außerdem, dass Morrowind tatsächlich auch so was wie eine Haupthandlung besaß, der man folgen konnte, wenn man sich viel Mühe gab und nicht dauernd vom Weg abkam, weil irgendwo ein nettes Wäldchen zum Erkunden einlud.

Und so sehr ich das Spiel damals liebte, witzigerweise habe ich es niemals durchgespielt. Mit all der spielerischen Freiheit kam nämlich auch die Tücke: Es konnte tatsächlich passieren, dass man sich in eine Sackgasse hineinspielte. Nicht, dass das ein Fehler der Programmierer gewesen wäre, oh nein, das war durchaus sadistische Absicht: Wer sich allzu böse verhielt, und das tat ich wohl, als ich für irgendeinen Auftraggeber in einen Keller ging und die dort lebenden Leute abmurkste, obwohl ich das nicht sollte (Die hatten angefangen! Echt!), kam, was ich nicht erwartet hatte: Der erwähnte Auftraggeber hatte mich erwischt und gab mir anschließend nicht den Gegenstand, den ich zum Fortführen der Haupthandlung brauchte. Prompt warf mir das Spiel eine freche Textmeldung auf den Bildschirm, die mir mitteilte, dass ich's gerade ordentlich verbockt hatte. Man wünschte mir noch viel Spaß in Morrowind, ohne dass ich die Haupthandlung noch hätte beenden können.

Hm, und dann wollte ich den Spielstand laden. Jenen, den ich das letzte Mal vor vielen Stunden gesichert hatte, weil ich vor lauter Erforscherei einfach vergessen hatte, zu speichern. Toll.

Anschließend gingen Morrowind und ich getrennte Wege. Kurzum: Das Spiel flog von der Platte. Aber gut, streichen wir die Erinnerung noch ein bisschen mit dem goldenen Pinsel. Drum hier noch schnell ein paar Impressionen, die mich in seliger Nostalgie schwelgen lassen:

5 Gedanken zu “So war das damals: Morrowind und ich

  1. Du hast ja keine Ahnung, wie übertrieben lange ich Morrowind gespielt habe. Die Karte war fast komplett aufgedeckt, die Skills alle auf Maximum, die Ausrüstung die beste im Spiel, die Quests alle erfüllt. Kaum ein Spiel hat mir soviel Lebenszeit genommen und dabei so wahnsinnig viel Spaß gemacht, auch nicht Oblivion. Dabei würde ich es heutzutage nur nochmal mit massivsten Grafikmods anfangen. Fuck Yeah Morrowind.

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Oh, ich war nicht allein, hehe. 🙂 Mir hat Morrowind auch mehr Spaß gemacht als Oblivion, obwohl letzteres ein wenig lebendiger war. Dennoch wirkte Morrowind organischer und es machte mehr Spaß, auf Erkundungstour zu gehen. Aber heute würde ich das Ding wohl auch nur noch mit Grafikmod spielen wollen. Da gibt's ja ganz hübsche inzwischen.

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