Was bleibt?

Was bleibt?Uh, acht Stunden Schlaf machen sich durchaus bemerkbar. Selten war ich so wach, was aber auch einfach am allgemein guten Wetter heute liegen könnte. Hat man in Berlin winters ja leider nicht allzu häufig. Ah ja, und die Kopfschmerzen nach dem Aufstehen, die wohl vom Kaffeemangel des Vortages herrühren, inzwischen dank zweier Tassen aber ausgemerzt sind, die muss man dabei auch vernachlässigen. Jedenfalls fühle ich mich topfit. Interessiert keinen, ist aber so. Kann natürlich auch daran liegen, dass meine bessere Hälfte gerade das Haus hütet und mir zu deutlich erholsamerem Schlaf verhilft. (Das Schnarchgeräusch, das letzte Nacht ab und an in mein Ohr kroch, lasse ich mal unter den Tisch fallen.) Ahem.

Frau Malloy verwies via Facebook auf folgenden Artikel: »Drüber hinwegkommen, damit fertig werden und das, was bleibt...«. Ein Thema, über das sich vermutlich hervorragend fabulieren lässt, wenn man nicht gerade ich ist, der sich verbal, wenn es um Herzensdinge geht, doch immer ein bisschen verkrüppelt vorkommt. Dennoch: Ein kleiner Versuch kann nicht schaden. Muss ja nicht zu persönlich werden, hier.

Was bleibt eigentlich nach einer gescheiterten Beziehung? Ein Haufen Devotionalien aus Zeiten glückseliger Zweisamkeit, eilig in Kisten verpackt, zugeklebt und nie wieder aus dem Schrank geholt? Ein dicker Packen Bilder, mal von Kameras, mal im Kopf, Erinnerungen an Dinge, die waren, die gut waren und eben auch an Dinge, an die man sich lieber nicht mehr erinnern möchte? Ein leichtes Schamgefühl, fußend auf der eigenen Naivität? Das alles, ja, das bleibt.

Aber was bleibt wirklich? Nun, hm, nichts. Letztlich bleibt nichts übrig. Es ist, als wären Dinge, die mal unendlich wichtig waren, nie gewesen. Seltsam auf den ersten Gedanken hin. Gefühle lassen sich eben nicht konservieren. Zumindest geht mir das so. Alles läuft ab wie ein Film, den man mal gesehen hat, an dessen Einzelheiten man sich aber nicht mehr wirklich erinnern kann, der deswegen wahrscheinlich auch gar nicht so gut war. Mittelmaß in der IMDB des Erlebten.

Was bei alledem jedoch erstaunlich gut überdauern kann, ist Wut. Keine bösartige, keine, die dazu führt, dass zunehmend über Axtmorde mit Beziehungshintergrund in irgendwelchen Zeitungen berichtet wird. Wut ist gesund, sie hilft beim Aufrappeln, beim Wiederentdecken des Selbst, sie hilft, überhaupt zu fühlen und gleichzeitig, sich vor Altem zu schützen. Heilsame Wut, ließe sich sagen.

Doch die Gefühle, die sind eben weg. Nicht mal mehr ein Schatten, sondern schlichtweg gelöscht. Die innere Festplatte ist formatiert. Vermutlich ist das ganze Thema gar nicht so komplex, wie es sich aufbauschen ließe. Ja, vermutlich ist es wie mit Schmerzen, die man erdulden musste und die im Nachhinein immer weniger schlimm in Erinnerung bleiben, als sie tatsächlich waren. Ohne das Schlechte abzustreifen, würden wir nichts Neues wagen. Ein natürlicher Schutzmechanismus, oder? Würden wir alles Erlebte in all seiner Intensität mit uns schleppen, die Last wäre doch kaum auszuhalten. Aus dem Jammern, dem Ächzen, dem Trauern wäre so gar nicht recht herauszukommen.

Und wer mag schon Jammerlappen?

20 Gedanken zu “Was bleibt?

  1. Es bleiben diese viele Erinnerungen die einem wie ein Traum erscheinen, die man im laufe des Tages immer mehr vergisst, obwohl man sich doch eigentlich so gerne daran erinnern würde, weil der größte Teil doch sicherlich schön gewesen sein muss.

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  2. Erstens: Ende erster Absatz: Woah, fies. ICH wäre beleidigt!

    Zweitens: Wut? Echt? Ich meine, ich kann mir vorstellen, dass das hilft, die Fehler der vergangenen Zeit für die Zukunft besser zu erkennen (nicht: vermeiden), aber... Mittelmaß? Ne IMDB-5? Eijeijei. Entweder bist du doch sehr abgeklärt oder die Beziehung wars.

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Erstens: War klar. 😉 Sie weiß aber hoffentlich, dass ich's nicht ernst meine. Ich bin ja das schnarchende Individuum.

      Zweitens: Ja, Wut. Wut im Bauch. Und das ja auch aus gutem Grund. Kommt halt immer drauf an, wie die Geschichte ausgeht, ne? Und abgeklärt bin ich, japp. Mit Mittelmaß als Nachgangsbetrachtung lebe ich persönlich am elegantesten. (BTW: Für mich ist Mittelmaß in der IMDB eher so was um die 6. Die 5 ist schon Richtung "grottig".)

      Drittens: Warum landest du bei mir im Spam? Proxy?

    2. Zu erstens: Ich bin wohl noch in der Phase, in der ich es schon süß finde, wenn er mich in seinem Blog erwähnt. Und beleidigt ... nicht wegen so was. 😉

    3. PhanThomas

      Beitragsautor

      Na sag ich doch! :-* Übrigens kann ruhig jeder wissen, wer du bist. Herrje, ich seh schon, demnächst gibt's hier mal 'ne Vorstellung deiner Person. 😉

  3. Hahaha und dann fragt man sich "Wie konnte ich nur?". Also nicht "man", nennen wir das Kind beim Namen, ICH frag mich das.
    Aber ich hab ein paar gute Ausreden, die ich lieber nicht beim Namen nenne, vor allem in der Zunehmenden Überwachung des Internet users. Auf jeden Fall war ich nicht immer bei vollem Verstand.
    Irgendwie bleibt nicht mal ein Film übrig, ich hab die Festplatte tatsächlich gelöscht und was übrig bleibt, das ist auf jeden Fall ein fettes Fragezeichen. Aber keine Reue. Nur eine weitere Erfahrung ohne der man vermutlich nicht der wäre, der man jetzt ist.
    Man kann alles mit ein bisschen Humor nehmen und sich freuen, dass man nicht allzu tief verletzt wurde. Und weiter geht das Spiel 🙂

    Antwort
    1. Das ist ja, was ich sage: Im Nachhinein wirkt alles viel weniger schlimm. Und dann kann man auch drüber lachen. Muss man auch. Und bereuen sollte man sowieso möglichst wenig, denk ich. Ansonsten verbittert man bloß. Irgendwann ist halt mal alles durch und es bleiben nur ein paar Bilder. Bei dem einen mehr, beim anderen offenbar weniger. 😉

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