Dachdecken vs. IT-Projekt

IT'ler at work ...Die Welt der IT ist eine seltsame. So zerbrechlich, so unkoordiniert, so völlig unverständlich. Unverständlich vor allem, wie sie überhaupt dauerhaft existieren, sich entwickeln kann. Aber ach, hierzu vielleicht ein kleiner Vergleich ...

 

Dachdecken vs. IT-Projekt also.

Nehmen wir das Haus gegenüber. Okay, das sehe gerade nur ich, aber es ist halt ein großes Haus mit großem Ziegeldach. Dieses Dach wurde vor ein paar Monaten neu gedeckt. Es gab also ein abgedecktes Dach, zu dem dann die Dachdecker kamen. Der Dachdecker meiner Wahl, nennen wir ihn schlicht Knut, blickte vermutlich hoch und dachte so was wie: Puh, ein großes Dach, viel zu tun. Fangen wir mal an.

Knut und seine Dachdeckerkollegen begannen also, das Dach zu decken. Man konnte dabei zuschauen, wie Tag für Tag weitere Teiles des Daches neu gedeckt wurden. Und irgendwann war es einfach, nun, fertig eben. Knut, der dachte sich womöglich so was wie: Wow, das war ganz schön viel Dach. Und weil wir ja durchaus vorurteilsbehaftet sind, dachte er ferner: Jetzt erst mal ein Bier.

Übertragen wir dieses Beispiel des Dachdeckens nun mal auf ein IT-Projekt. Wir starten dabei wieder beim abgedeckten Dach. Morgens rücken also die Dachdecker an, eine ganze Kolonne gleich, angeführt von einem wild gestikulierenden Herrn mit besonders opulentem Helm. Wir wissen nicht, was er erzählt, denn wir sehen ihn nur und hören nichts, aber das Gestikulieren, das hat er drauf, der Herr mit dem schönen Helm. Außerdem hat er einen Satz Pläne dabei, schwingt einen langen Zollstock und ist überdies frisch rasiert.

Stunden später sind aus der Kolonne kleine Trauben geworden, die herumstehen und sich eifrig unterhalten. Einige zeigen aufs Dach, andere zucken mit den Schultern, hier und da steht einer abseits und raucht. Der Herr mit dem chicen Helm hastet von Traube zu Traube und koordiniert. Sehr engagiert tut er das. Schließlich ist der Feierabend da. Die Trauben lösen sich auf, verlassen den Ort des Geschehens mit viel Detailwissen und genießen den Feierabend. Ins abgedeckte Gebäude regnet es hinein.

Spulen wir ein wenig vor: Ein paar Tage später ist aus der morgens anrückenden Kolonne ein kleiner Tross übrig gebliebener Dachdeckerschergen geworden, der missmutig zum Bau schlurft. Missmutig, weil es einfach nicht vorwärts zu gehen scheint. Der Herr mit dem chicen Helm ist noch da, hat nun aber eine Riege aus weiteren Herren mit fast genauso hübschen Helmen um sich geschart. Sie alle gestikulieren wild und koordinieren vor allem ihr Gestikulieren und ihre Koordination. Sie schwingen Pläne, fuchteln mit Zollstöcken und gehen dabei ausgesprochen tüchtig vor. Der Auftraggeber kommt vorbei, sieht das und denkt: Es tut sich was auf dem Bau. Die wenigen verbliebenen Arbeiter schauen sich derweil fragend an und tun halt irgendwas. Hier und da steht einer abseits und raucht. Tag für Tag. Ins abgedeckte Gebäude regnet es hinein.

Wir spulen weiter vor: Die Herren mit den schönen Helmen haben immer neue Gesichter, während die wenigen Arbeiter aus Frustration schon ziemlich krumm gehen, weil die Herren mit den tollen Helmen auf ihre Schultern springen von dort aus mit Zollstöcken gegeneinander fechten. Sie möchten doch nur ein Dach decken, doch bis auf ein paar Ziegel hier und da hat sich nichts getan. Erste Arbeiter überlegen, das Handtuch zu werfen und künftig in Irland Schafe zu hüten. Einige stehen abseits und rauchen. Das Feld der Arbeiter dünnt aus, Arbeitskräfte werden durch externe Spezialisten ersetzt, die teurere Zigaretten mitbringen, während der Wasserkopf aus koordinierenden Helmträgern wächst. Ins abgedeckte Gebäude regnet es hinein.

Ein Jahr später. Das Dach des Gebäudes ist noch immer abgedeckt. Es gab Experimente mit andersfarbigen Ziegeln, aber bis auf einige Ansätze hier und da hat sich nichts getan. Das Dach sähe aus wie das Äquivalent eines gerupften Papageis, hätte die Dachdeckerfirma nicht inzwischen eine große Plane über den Tatort geworfen, der das Schlimmste verdeckt und ja auch irgendwie das Gebäude abdeckt und damit den Zweck eines Dachs erfüllt. Der Auftragnehmer guckt zwar komisch, unterschreibt aber schließlich zähneknirschend eine Abnahme mit Mängeln. Das Projekt ist damit im Wesentlichen beendet. Kleinere Nacharbeiten bleiben. Die Herren mit den hübschen Helmen strahlen zufrieden und werden befördert. Künftig werden sie wohl noch wunderbarere Helme tragen und goldene Zollstöcke schwingen. Ins Gebäude regnet es noch immer hinein, weil die Plane löchrig ist.

10 Gedanken zu “Dachdecken vs. IT-Projekt

  1. Was du meinst muss nicht IT-spezifisch sein sondern ist ein Projekt-Management-Vergleich. Wenn ich den Vergleich gezogen hätte, hätten sich die IT-Dachdecker erstmal die falschen Ziegel aufschwatzen lassen, die dann kostenpflichtig erweitert werden müssen, damit die Regen-abweisen-Funktion freigeschaltet wird. Am Ende ist das Dach zwar da, zerfällt nur immer mal wieder und drückt den Dachstuhl ein weil das Gewicht der Ziegel nicht mit dem Rest des Hauses abgestimmt war.

    Ansonsten schon ziemlich nah dran.

    Antwort
    1. Projektmanagement ist ja gerade in IT-Projekten besonders notwendig. Na ja, zumindest denkt man das. Anderswo scheint die Welt ja zu funktionieren. Hm, wobei sie das von außen betrachtet auch in der IT funktioniert. Aber an deinen Ergänzungen sehe ich: Du weißt, wovon ich rede.

  2. huäääh? diesmal hast DU mich verwirrt. aber nun gut, du wirst schon wissen, was du da tust, du machst das ja schließlich beruflich 😀
    ich bin froh, dass ich voraussichtlich weder mit deinem einen noch dem anderen zu tun haben werde. abgesehen vl von meinem eigenen dach und öh ja so zeuch...
    aber schafe züchten in irland klingt verlockend, das überleg ich mir dann doch noch 😉

    liebste grüße
    c, im trockenen sitzend

    Antwort
    1. Dass dir das mit den Schafen gefallen würde, dachte ich mir schon. 😉 Tja, und ansonsten sei bloß froh, dass du es NICHT verstehst. Wobei ich das so verwirrend doch gar nicht formuliert habe, oder?

    2. ich versteh das system prinzipiell nicht... wer sind denn die mit den schönen helmen? also abgesehen von den chefs blabla. ist das bei euch auch so? ich hab mir die welt des ITs immer als schöne, friedliche familie vorgestellt 😀 ein bisschen nerdy, aber das gehört ja dazu.
      schade irgendwie, dass die "Hähne" immer herrschen müssen.

      kikeriki!

    3. PhanThomas

      Beitragsautor

      Die mit den schönen Helmen sind die, die sonst besonders schöne und teure Krawatten tragen. Aber die trägt man beim Dachdecken ja nicht. Du musst dir das Dachdecken als IT-Projekt vorstellen. Sozusagen. Und ja, nerdy sind wir, und nein, friedlich ganz und gar nicht. Na ja, wir schon. Die mit den schönen Helmen oft nicht. 😉

    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Für den Dachdecker an sich ist das aber sicher sehr unbefriedigend, wenn das Ergebnis seiner Arbeit nur eine olle Plane mit Löchern ist. 😉

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