Kein Kaffee? Kein Kaffee!

Kein Kaffee, verdammt!Ach, kein Kaffee mehr da. Was in meinen schlimmsten Träumen nicht vorkommt, hat sich heute ereignet: Ein Blick in die Kaffeedose brachte nur gähnende Leere ans Tageslicht. Der Koffeinpegel ist inzwischen so weit runter, dass ich kurz davor bin, Tee zu trinken. Habe mich vorhin beim Bäcker sogar dabei erwischt, wie ich sehnsüchtig zum Kaffeeautomaten linste. Aber einen Becher Ekelkaffee in der Eiseskälte auf dem Weg nach Hause schlürfen? Nee, auch nicht das Wahre. Spätis? Haben nur Bier, keinen Kaffee. Bier ist kein Kaffee, eine furchtbare Wahrheit, wie sie nur das Leben schreibt. Und wo ich schon beim Schreiben bin: Während ich in seliger Kaffeenostalgie schwelge und den Notstand ertrage wie ein Mann, hier noch ein wenig Uralt-Content zum Thema Kaffee. Quasi eine Geschichte aus meinem Leben. Ungelogen.

 

Evolution des Kaffeekonsums
Spätestens, seit sich die pseudo-coole Kaffeekette Starbucks wie die Pest auch in Deutschland ausgebreitet hat, ist das eigentlich doch recht biedere Getränk Kaffee eine Art Kult geworden - quasi der iPod unter den Getränken. Starbucks selbst verfolgt da eine ganz einfache Masche: Die verpassen nicht nur ihrem "schwarzen Gold", sondern sogar den Bechergrößen ziemlich sexy klingende Namen, schütten zusätzlich zum eigentlichen Kaffee ordentlich Sirup dazu, um den im Grunde doch recht langweiligen Schweiß-Geschmack zu übertünchen und ihre Mischung so für viele Teuros an das zahlende Kundenvieh verkaufen zu können. Sollte das mal nicht klappen wie erhofft, so kann man bei denen ja auch lecker Kuchen und Kekse nachstopfen. Und für die Sparfüchse unter den Kaffeetrinkern haben die auch eine Geheimwaffe: Wenn man nämlich genau hinsieht, steht auf den Tassen ganz dezent "Klau mich" drauf. Doch ach, eigentlich möchte ich hier gar nicht über Starbucks, sondern über Kaffee schreiben.

Warum Kaffee? Manchmal hab ich einfach das Gefühl, der hält mein Herz in Bewegung. Bis es so weit kam, war's allerdings ein weiter Weg. Als Kind gab's für mich nur Kinderkaffee, aber das war ja eigentlich nichts anderes als getarnter Kakao - gemacht für kleine Leute, die sich mal so richtig erwachsen fühlen wollten. Dann saß man nachmittags eben ganz geschäftig tuend mit den Eltern am Tisch und schlürfte sein Gesöff wie die Großen. Und ganz ehrlich, ich fand das noch ein ganzes Stück cooler, als in lässiger Schräglage Malzbier aus der Flasche zu nuckeln. Bis ich allerdings richtigen Kaffee schätzen lernte, sollten noch einige Jahre ins Land ziehen - glücklicherweise, denn hätte ich selbigen in dem zarten Alter schon zu schätzen gewusst, wären bestimmt nicht mehr viele Jahre ins Land gezogen.

Die nächste Begegnung mit dem Kaffeezauber hatte ich etwa im Alter von 16 im Krankenhaus. Während man da so liegt und eigentlich nichts zu tun hat, lernt man doch recht schnell, kleine Dinge zu genießen. Man freut sich über ein Nickerchen, anschließend fiebert man schon wieder dem nächsten Essen entgegen, nur um sich gleich darauf wieder eine Mütze Schlaf zu gönnen. Fehlt eigentlich nur noch Sex, und alle menschlichen Grundbedürfnisse wären gedeckt. Allerdings war meine Freundin damals gerade im Urlaub, und außerdem wirkte ein blutiger Schlauch im Knie zu dem Zeitpunkt nur bedingt als Aphrodisiakum. Vielleicht auch, um das fehlende Bedürfnis auszugleichen, ließ ich mir dann regelmäßig statt Tee lieber Kaffee ans Bett reichen. Nachdem ich jegliches Aroma in der Tasse mit jeweils zwei Päckchen Milch und Zucker entschärft hatte, freute ich mich über den suuuuper tollen Geschmack und fand es in meiner Unwissenheit völlig unverständlich, weshalb ich das Zeug daheim immer wie der Teufel die Kirche gemieden hatte.

Nun muss man natürlich kein Hellseher sein, um zu ahnen, dass ich, kaum zurück zu Hause, beim ungepanschten Kaffee meiner Mutter wieder den Mund verzog, als hätte man mir eine Tarantel in die Unterhose gesteckt. Fortan mied ich das Zeug, bis ich einige Jährchen später während des Studiums unter hohem Leistungsdruck und damit schließlich vor der Wahl stand: Kiffen, rauchen, saufen oder Kaffee? Nach einigem Probieren entschied ich mich für die meiner damaligen Ansicht nach gesündeste Variante. Doch wie bei den Drogen begannen mein Mitbewohner und ich auch beim Kaffee mit der Einstiegsvariante: Nämlich Milka-Schoko-Cappuccino... Yummy! Während der abendlichen Philosophierunden in der Küche kamen da bestimmt fünf bis sechs Tassen pro Kopf zusammen. Drei Monate später offenbarte jedoch die Waage, was der Hosenbund eigentlich längst deutlich gemacht hatte: Acht Kilo (!) mehr auf den Hüften waren eindeutig ein Grund zum Umstieg auf das harte Gesöff.

Hart waren hier anfangs natürlich vor allem die Nebenwirkungen: zitternde und juckende Hände, Kopfschmerzen, Erschöpfung. Am Morgen danach meinte wiederum mein Mitbewohner gern: "Kaffee gibt dir heute die Energie von morgen." Eine größere Wahrheit hat der nie vom Stapel gelassen. Na ja, durch's Studium haben wir es trotz aller Koffeinschäden dann trotzdem irgendwie geschafft. Und spätestens, seit ich einen Bürostuhl warm halte, gehört der stündliche Kaffee sowieso zum guten Ton. Daheim sieht's am Wochenende nicht anders aus: Das geliebte Suchtmittel muss immer greifbar sein. Waren es anfangs noch viel zu starke Filterkaffeebomben, die ich jedes Mal so herunterzuwürgen versuchte, dass sie die Geschmacksnerven auf der Zunge umschifften, wechselte ich dann doch kürzlich auf eine dieser sexy-kurvigen Senseomaschinen - quasi der iPod unter den Kaffeemaschinen. Deren Sorten klingen zwar nicht so sexy wie die bei Starbucks, dafür kommen sie aber aus diesen abgefahrenen Pads, tun ihre Wirkung UND SCHMECKEN, und ich kann sie aus meiner geklauten Starbucks-Tasse trinken.

25 Gedanken zu “Kein Kaffee? Kein Kaffee!

  1. Ich kapier einfach nicht, wie man Dank seiner eigenen Unsortiertheit so leiden kann. Typisch Mann würde ich sagen. Die Frau von heute würde jetzt posten, wie sehr sie sich drüber ärgert, den Kaffee beim letzten Einkauf vergessen zu haben. Der Mann von heute weint ein bisschen und ergibt sich theatralisch seinem Schicksal. Herrje, wo sind wir nur hingekommen?! 😉

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Theatralik ist sowieso eine Erfindung des Mannes von Welt. Von daher würde ich sagen, hat sich eigentlich nie was geändert. Und, öh, so unsortiert bin ich gar nicht. Ich, äh, ich dachte, ich hätte noch eine Packung im Schrank. Okay, also doch irgendwie unsortiert. Ahem.

      PS: 4:11??? What the?!

    2. PhanThomas

      Beitragsautor

      Ach sooo, Tasks nennt sich das heute. Ich sehe, du bist auf dem besten Weg in die Chefetage. Wenn ich in die Kaffeeküche gehe, hab ich auch immer ein Meeting. 😉

    1. Du kümmerst dich ja auch um meine Cola-Vorräte. :-*
      Außerdem kümmere ich mich hier auch seeehr liebevoll um deine Kaffeevorräte - ich hab gestern die Dose abgestaubt. 😛 Und die Kaffeemaschine hat mittlerweile auch schon ihren eigenen Platz im Schrank statt obendrauf. So bin ich mit dir. 😉

      Übrigens bescheißt mich dein Kommentar-Benachrichtigungs-Ding hier schon wieder. Das verschweigt mir deine Antwort.

    2. PhanThomas

      Beitragsautor

      Na das ist doch schön. 🙂 Wenn du jetzt noch immer fleißig dran denkst, die Kaffeefilter rauszunehmen, wenn dein Vater da war ... 😉

      Und schau mal in deinen Spam-Ordner im GMX-Account. Ich werde gern mal aussortiert.

    3. PhanThomas

      Beitragsautor

      Uaaah, jetzt hat's deinen Kommentar versaubeutelt hier. 🙁 Was stand da?

      Ah, okay. Hab's in meiner Post noch gefunden. 🙂 Also reinschauen könnte man ja mal, bevor man die Maschine auf den Schrank stellt. 😛

      Na ja, und was die Kommentare angeht, hmm, weiß ich auch nicht. Komisch, das.

    4. Pff, hast du statt auf "antworten" auf "löschen" geklickt? 😛

      Ich hab gesagt, dass ich für die Verfehlungen anderer Kaffeetrinker nicht zuständig bin.
      Und dass die Hälfte der Kommentare bei mir ankommt, aber es fehlt immer genau die Hälfte, die mich interessiert. 😉

    5. PhanThomas

      Beitragsautor

      Ja ja, hatte ich doch schon gesehen. 😛 Auch komisch: Ich kann gar nicht beliebig oft antworten. Die Verschachtelung ist ja begrenzt. Doof.

  2. Ich habe in meinem bisherigen Leben nicht mehr als 5 Tassen getrunken und jedes Mal habe ich mein Gesicht aufs Neue verzogen...ich mag das Zeug nicht und ich mag es wirklich nicht. Im Grunde trinke ich überhaupt viel zu wenig, ganz gleich um was für ein Getränk es sich handelt.

    Ein wirklich toller Eintrag Thomas M.

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Na ja, nur Kaffee ist auch sehr, sehr ungesund. Du solltest lieber viel Wasser trinken. Oder eben was Vergleichbares. Das gibt Frische in der Rübe und ist gut fürs Gewebe. Spätestens, wenn du Sirup pinkelst, weißt du, jetzt wäre es Zeit, was zu trinken.

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