Angebot & Nachfrage

Gib mir mehr!Diese aktuelle Neiddebatte, die aus dem Wulff-Drama heraus entstanden ist, nervt doch ein bisschen. Überhaupt dieses Gejammere, den schnöden Mammon betreffend. Verdient jemand wie Günther Jauch zu viel Geld? Aber natürlich. Ist es in Ordnung, sich darüber zu ärgern? Nein. Unsere Wirtschaftsordnung basiert auf Angebot und Nachfrage. Wenn jemand wie Günther Jauch seine Arbeitsleistung anbietet, gibt es eben eine hohe Nachfrage. Nicht nur von den Sendeanstalten und Privatsendern, die ihn bezahlen, sondern vor allem von den Zuschauern, die ihn sehen wollen. Die Nachfrage ist hoch, den Günther gibt's nur einmal. Folge des zu geringen Angebots: Der Preis ist hoch. Günther Jauch freut das.

Mit einem Christian Wulff ist das übrigens kaum zu vergleichen. Erstens fragt der Verbraucher einen Bundespräsidenten nicht nach. Der Bundesbürger wählt ihn ja nicht einmal wirklich, sondern er ist Resultat eines parteiübergreifenden Geklüngels. Er ist also nicht Teil dieses wirtschaftlichen Mechanismus. Zweitens gibt es einen gehörigen Unterschied in der Behandlung: Ein Herr Jauch muss selbst dafür sorgen, dass er auch nach seiner Karriere liquide bleibt. Ein Wulff muss das nicht tun. Er wird für sein Nichtstun fürstlich bezahlt, dafür, dass er ein Staatsamt kurz bekleidet und es dabei gehörig beschädigt hat. Wenn Herr Jauch im hohen Alter nicht mehr im Fernsehen zu sehen ist und sein Vermögen versaufen sollte, dann kann er sich den Schnaps irgendwann nicht mehr leisten, falls er nicht vorsorgt. Er stürbe vermutlich als armer, versoffener Kerl. Wulff stürbe dagegen auch versoffen, so ihm etwa nach Alkoholismus wäre, mit dem gehörigen Unterschied aber, dass er den letzten Schnaps nicht klauen müsste. Der Schnaps wäre sicher. Die Rente nämlich sowieso.

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Leistung bedeutet nicht, dass Menschen danach bezahlt werden, was sie mit ihrer physischen Arbeitskraft zu leisten vermögen. Der Gerüstbauer leistet sicher mehr als ein Talkmaster im Abendprogramm: Er ruiniert sich körperlich nachhaltig, während er dazu beiträgt, dass andere Menschen ein Dach über dem Kopf haben. Der Wert der Leistung wird eben wiederum über Angebot und Nachfrage definiert. Wer da laut schreiend Ungerechtigkeit beklagt, sollte das ganze System in Frage stellen, statt nach staatlichen Regularien zu plärren. Denn dieses gehört meiner persönlichen Ansicht nach schon lange auf den Prüfstand.

Mit den Benzinpreisen verhält es sich übrigens ähnlich. Natürlich kontrollieren einige Oligopolisten den Ölmarkt. Natürlich hat das Fehlen zu vieler Merkmale eines vollkommenen Marktes Einfluss auf den Preis. Die Nachfrage ist aber nun mal auch hoch. Das bestimmt den Preis, hat Einfluss auf die Besteuerung, sorgt also für Stöhnen an der Zapfsäule. Wer den Preis drücken will, darf nicht mehr Auto fahren, bzw. sollte dies weniger tun. Das mag erst mal blöd klingen, schließlich lässt sich eine Wirtschaft nicht mal eben auf Pferdekutschen umlegen. Im privaten Verkehr schaut's aber doch so aus: Solange Car-Sharing-Modelle hierzulande belächelt und aus Bequemlichkeit auch kurze Wegstrecken motorisiert zurückgelegt werden, ist das Benzin noch nicht teuer genug. Alles Angebot und Nachfrage. Wird's nicht mehr gekauft, sinkt der Preis. So einfach. Kein Grund zum Jammern also.

14 Gedanken zu “Angebot & Nachfrage

  1. Ganz so einfach ist das mit der Nachfrage und dem Preis leider nicht. Oder zahlen wir etwa Unsummen für Handyverträge oder Internetflatrates. Die sind auch gefragt. Aber da heißts immer: Konkurrenz belebt das Geschäft.

    Wulff wer? Lebt der noch?

    Und Günther Jauch ist cool.

    Ich bin weg.

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Doch, so einfach ist das eben schon. Der Telefoniemarkt funktioniert längst, seit die Telekom ihr Monopol verloren hat. Da funktioniert der freie Markt. Das Angebot ist der Nachfrage entsprechend groß genug, die Konkurrenz drückt den Preis. Im Übrigen ist das Zeug aber immer noch zu teuer. Schau mal nach Österreich rüber. Da werd ich grün vor Neid, wenn ich das sehe.

      Und Wulff, joa, so schnell ist er vergessen. 😉

  2. Sehe ich genauso. Unsere Fußballer verdienen ja auch ein Wahnsinngeld, aber das ist eben so. Die Leute zahlen dafür, sie spielen zu sehen und deshalb bekommen sie auch die Kohle. Wenn niemand Fußball schauen wollen würde, würden sie auch weniger verdienen.

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Genau das ist es. Und Frauenfußball wird dagegen so schlecht bezahlt, weil die Zuschauerzahlen und damit eben auch die Werbeeinnahmen und alles, was das gegenfinanziert, viel geringer sind. Das ist nicht gerecht, klar, aber das hat einem ja auch niemand versprochen.

  3. Naja, aber Tatsache scheint ja zu sein, dass der Markt eben beim Benzin nicht funktioniert 🙁

    Und beim Fußball kann man das nicht auf Deutschland reduzieren, weil ja viel Geld aus dem europäischen Markt kommt. Lass mal Italien und Spanien mit ihren Schulden weg, da sähe alles schon ein bisschen anders aus. (glaub ich zumindest). Aber Pia, du bist da in dem Gewerbe näher dran als ich.

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Der Benzinmarkt ist auch ein Oligopol. Da gibt es Absprachen einiger weniger, die den Preis diktieren. Es gibt zu hohe Nachfrage, weil die Schmerzen beim Bezahlen noch nicht hoch genug sind. Und es gibt zu wenige Alternativen. Das ist halt auch schwer, da einen funktionierenden Markt zu erreichen, weil die Eintrittsbarrieren viel zu hoch sind. Leider.

      Bei den Fußballern stimmt's aber schon so: Vielen wollen sie sehen, also ist die Bezahlung hoch. Das gilt auch über Landesgrenzen hinweg. 🙂

  4. dich frisst der neid?? ist es bei euch denn wirklich noch teurer?
    aber ja stimmt schon, 7 euro für unlimitertes internet, 1000 sms und 1000 minuten is schon ziemlich heftig 🙂

    ich beneide niemanden, ich bin gerne ich. (wenn auch meist ohne geld) sollen die sich doch verkaufen!

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Noch teurer? Schau mal was das bei uns kostet! Das ist mindestens dreimal so teuer wie bei euch. Und dann wird auch noch die Leitung gedrosselt! Argh, da kommt schon wieder der Neid in mir hoch! 😀

    2. oh nicht doch neiden! das ist doch sündig und gelb steht nur den simpsons wirklich gut 😀
      ja ich bin der meinung, in dem heutigen zeitalter sollte dieses schnickschnack noch weniger kosten. aber hast recht, ich bin wohl verwöhnt mit den anscheinend besseren verhältniisen hier hihi

    3. PhanThomas

      Beitragsautor

      Deutlich bessere Verhältnisse, japp. Wahrscheinlich ist deswegen auch die Lebensqualität bei euch höher. Zumindest wird das ja gemeinhin behauptet. Und seit wann wird man denn gelb vor Neid?

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