Mehrwegflasche

Früher, als das Ozonloch noch größer und die Piratenpartei keine nennenswerte Kraft war, da gab's auf dieser Seite hier hin und wieder ein kleines Geschichtlein aus meinem persönlichen Fundus. Meist natürlich, weil mir gerade nichts Bloggenswerteres einfiel. Und eben auch, weil die Schreiberei nunmal mein Hobby war. Und ist. Und deswegen und weil mir gerade mal wieder nichts Besseres einfällt, lassen wir diese, ähm, Tradition doch einfach mal wieder aufleben.

Kürzlich entstanden ist die Fortsetzung zu meiner Kurzgeschichte »Eduard fasst sich ein Herz«, die ich auch nach Jahren noch sehr gern mag und die sich beispielsweise HIER nachlesen ließe. Da ich grundsätzlich eigentlich nicht so auf Fortsetzungen stehe, diese hier aber recht gelungen finde, sei sie an dieser Stelle mal unters eventuell mitlesende Volk geworfen.

 

Eduard auf Irrwegen

Eduard der Essig fühlte sich unbehaglich. Zwar spürte er kühle, glatte Fliesen unter seinem gläsernen Flaschenboden, auch hörte er in der Ferne eindeutig einen Wasserhahn tropfen, dennoch hatte er berechtigte Zweifel daran, dass dies hier die Küche war. Der Rückweg aus dem Vorratsraum war ihm doch gleich viel zu kurz erschienen. Eduard überlegte. Wenn der Weg sich falsch anfühlte und dies somit auch nicht die Küche war, dann konnte das nur bedeuten, dass er sich tatsächlich verirrt hatte. So viel Logik ließ sein von frischem Wein durchtränkter Essigverstand noch zu.

Und daran war nur Gisela schuld! Wäre sie nicht wieder einmal so unerträglich angesäuert gewesen, nur weil er am Abend zuvor das Fußballspiel im Radio auf der Anrichte hören wollte, statt mit ihr im Kühlschrank herumzuliegen, dann wäre es Eduard doch niemals in den Sinn gekommen, einfach zu verschwinden und sich im Vorratsraum mit den Weinen einen hinter die Flasche zu kippen. Sie verbrachten dauernd gemeinsame Kühlschrankabende miteinander, wo also war das Problem? Dass diese Milch immer so aus dem Karton fahren musste! Die Jungs aus dem Vorratsraum, die verstanden das natürlich. Aber sie waren schließlich auch Weine, wie Eduard selbst einst einer gewesen war. Ihnen konnte er alles anvertrauen, sie hörten ihm zu und wenn er besonders sauer und ätzend war, dann hatten sie immer ein, zwei Schlückchen für ihn übrig, die ihm halfen, sich wie ein süffiger, junger Wein zu fühlen. Und Gisela? Es war doch immer dasselbe mit ihr! Sie würde jetzt vermutlich erst recht schäumen, bis die Lasche platzte. Viel zu lange schon war Eduard weggewesen. Leider lagen Sauersein und Schäumen in der Natur von Milch und schließlich war Gisela genau das: eine Milch im formvollendeten Karton. Vielleicht hätte er sich nie auf diese Liaison einlassen sollen. Milch und Essig, das musste auf Dauer ja etwas Ungenießbares ergeben.

Leise irrte Eduard über die Fliesen. Irgendwo hier musste es auch wieder rausgehen. Der Boden unter ihm fühlte sich schmutzig an, die irgendwie stickige und unangenehm feuchte Luft drang sogar durch seine Essigausdünstungen und erhöhte sein Unbehagen zusätzlich. Plötzlich fiel es ihm ein: Das hier musste dieses ominöse Badezimmer sein, von dem hin und wieder bei der Spüle gemunkelt wurde. Eine üble Gegend, das sagten sie alle. Ja, dies war tatsächlich ein Ort, an dem sich Eduard nicht wohl fühlte - schlimmer noch - an dem er definitiv nichts zu suchen hatte.

»Ha... hallo?«, fragte er leise in die Dunkelheit hinein. »Ist hier irgendwer, der mir helfen kann? Ich ... ich glaube, ich habe mich ein bisschen verirrt. Ich suche den Weg in die Küche. Das ist da, wo der Kühlschrank steht.«

Stille. Nur der Wasserhahn tropfte fortwährend, weil ihm auch gar nichts anderes übrig blieb. Plötzlich setzte leises Tuscheln ein. Undeutliche Schemen huschten durch den düsteren Raum. Eduard schlug das Herz bis zum Flaschenhals. Tausend Augen schienen ihn jetzt von überall her neugierig zu beobachten. Fast schon schwappte ihm der Essig über den Flaschenrand, doch er würde jetzt nicht vor Angst auf den Boden machen. Er war zwar kein Wein mehr, aber er war immer noch ein Mann.

»Hey Kumpel, hast dich ganz schön verlaufen, was? Komm doch mal rüber hier, los!«, rief eine raue Stimme von irgendwo hinter einem großen weißen Ungetüm, in dessen Mitte ein riesiges, gläsernes Auge prangte.

»Wer, ich?«, fragte Eduard zaghaft.

»Na wer denn sonst? Ja, genau du, die trübe Flasche, die da mitten im Raum steht wie bestellt und nicht abgeholt. Nichts für ungut, Bruder, schließlich bist du doch genau das, eine Flasche, oder? Ich meine, irgendwo sind wir doch alle Flaschen und du, mein Bester, bist sogar einer von uns! Das rieche ich auf zehn Kilometer Entfernung. Komm rüber, bevor irgendwer noch über dich drüber fliegt. Wäre doch schade um so viel, mhhh, Reinigungspotential.«

Eduard mochte den Klang der Stimme ganz und gar nicht. Sie klang wie jemand, der einem Kekse versprach und dann gar keine Kekse hatte. Dennoch trat er näher. Zum Teil aus Neugier, zum Teil vielleicht auch, weil mit dem Restwein vom Trinkgelage auch ein klein wenig Mut in ihm zurückgeblieben war. Vielleicht aber auch nur, weil er ausgesprochen dämlich war.

Er trat um das große weiße Ungetüm herum, das ihm mit seinem unverschämt großen Auge zu folgen schien und stand plötzlich vor einem ausgesprochen schrillen Typen, der zwar irgendwie auch eine Flasche war, die jedoch gar nicht aus Glas zu sein schien und die von Kopf bis Fuß ziemlich bunt zurechtgemacht war.

»Du ... du bist aber kein Wein oder so was?«, stammelte Eduard.

»Nein Mann, ich bin die englische Königin.«

»Im Ernst?«, staunte Eduard.

»Verdammt, bist du echt so dämlich? Nein Mann! Ich bin ein Reinigungsmittel. Hast du noch nie ein Reinigungsmittel gesehen? Ich gehöre zu den ganz ätzenden Typen hier. Lässt man mich erst einmal auf irgendwas oder irgendwen los, dann bleibt davon anschließend nicht mehr viel übrig. Mein Name ist Pablo, klar? Einfach Pablo. Wer bist du, Bruder?«

»Ich bin Eduard. Ich bin ein Essig, war allerdings mal ein guter Wein«, erklärte Eduard.

»Papperlapapp, Wein. Du bist ein Essig, du bist einer von uns, ein Reiniger, yeah, Baby. Deine Ausdünstungen riecht man doch von hier bis Mexiko.«

»So weit?«, staunte Eduard abermals.

»Gibt‘s doch nicht. Wo haben sie den denn aufgefüllt?«, murmelte Pablo. »Das sagt man nur so, Bruder. Kommst du mit rüber zu den Jungs? Da hinten stehen Sanchez, Rodrigo und Pepe. Wir sind alle vom gleichen Schlag und haben den Laden hier unter Kontrolle. Wer unser Freund ist, der kriegt alles, was der Arzneischrank hergibt: Baldrian, Aspirin, wenn‘s die Lieferung hergibt, sogar Penicillin und natürlich für die ganz harten: Valium! Na, wie schaut‘s aus, Bruder, steigst du ein auf ‘ne flotte Runde Natriumfluorid?«

»Auf was?«

»Zahn-pas-ta! Komm mit, ich stell dich vor.«

Eduard musste an Gisela denken. Sie würde das hier nicht gutheißen. Wahrscheinlich würde sie vor Wut klumpen, wenn sie erführe, dass Eduard sich mit irgendwelchen Badezimmergangs eingelassen hatte. Ein wenig gefiel ihm der Gedanke durchaus, es ihr einmal richtig zu zeigen und ihr die Zornesröte auf den Karton zu treiben, indem sie ihn mit Zahnpastaresten am Flaschenhals erwischte, doch seine ihm eigene Vernunft protestierte vehement: Das hier war nicht seine Welt.

»Du Pablo, also das ist jetzt alles ganz toll und ich fühle mich auch geschmeichelt, dass ihr eure Tabletten und eure Zahnpasta mit mir teilen wollt und so, aber das hier, also das ist nichts für mich, glaube ich.«

Pablo trat einen Schritt näher. Sein Gesicht, so man denn von einem sprechen konnte, hatte sich verfinstert und den aufgedruckten Werbeslogan unattraktiv verzerrt.

»Was hast du gesagt? Du bist doch kein Bulle, oder? Sind wir dir nicht gut genug, du feiner Pinkel?«, keifte er mit drohender Stimme.

»Doch, doch, äh, ganz sicher schon. Ich mag auch deinen bunten Aufdruck«, stammelte Eduard und wich zurück. »Außerdem habe ich Frau und Kinder«, ergänzte er schnell noch, weil es ihm irgendwie klug erschien.

Pablo trat noch einen Schritt näher, dann, bevor er den Schatten des großen weißen Ungetüms mit dem riesigen Auge verließ, hielt er an. »Verschwinde bloß, du! Geh in deine aufgeräumte Heileweltküche zurück und lass dich hier nicht mehr blicken! Beim nächsten Mal taufen wir mit dir nämlich die Kloschüssel.«

Eduard hatte zwar keine Ahnung, was der böse Kerl damit meinte, aber es klang nicht nach dem Äquivalent zu einer Einladung zum Tee. Auch ein Essig wusste wenigstens ab und an, wann es Zeit wurde zu verduften. Dies war so ein Augenblick.

Auf seiner weiteren Suche nach einem Weg hinaus kam Eduard an einigen seltsamen Dingen vorbei, die ihm so in der Küche sicher nie begegnet wären. Auf einem Regal standen dicht gedrängt metallene Röhren, die gewissermaßen nach Flaschen aussahen und ihn von oben herab zu beobachten schienen. Sie trugen fremdartige Worte wie »Haarspray« und »Deodorant« auf sich. Komische Namen haben die hier, dachte Eduard.

»Was glotzt‘n so?«, rief ihm die Bürste zu, an der er vorbeikam und die ihn einfach nur interessiert hatte, weil sie nun einmal auf dem Boden stand. In der Küche stand niemals eine Bürste auf dem Boden herum, sondern lag allenfalls auf der Arbeitsplatte, doch Eduard hielt es für keine besonders gute Idee, ihr damit auf die unfreundlich gestellte Frage zu antworten.

Dann war da ein weiteres großes weißes Gebilde, seltsam geschwungen und scheinbar aus Keramik. Eduard kniff die nicht vorhandenen Augen zusammen und überlegte angestrengt. Ja, das musste diese berüchtigte Toilettenschüssel sein. Wie viele Weine waren schon zu Essig geworden und hatten sich anschließend ins Klo entleert, weil sie mit dieser Situation nicht klar kamen? Eduard hatte unzählige Geschichten gehört, eine grausiger als die nächste. Schnell hastete er weiter.

Er dachte an Gisela und wurde augenblicklich wieder ein bisschen wütend. Diese Milch konnte einen schon zum Oxydieren bringen. Mal hatte sie wunderbarste Laune, dann drehte man sich einmal weg und tat irgendwas Falsches, schon kochte sie über. Nur wegen ihr war Eduard jetzt in dieser prekären Lage und hätte er sich nicht so beobachtet gefühlt, dann hätte er ihr nur allzu gern ein paar laute Flüche zugerufen. Pah, dann musste sie jetzt eben auf ihn warten. Wenn‘s nach ihm ging, konnte sie warten, bis sie Käse ansetzte. Sollte sie doch die Laktoseintoleranz heimsuchen!

Ein langgezogener Pfiff riss Eduard aus seinen wütenden Gedanken. »Hey Süßer, so ganz allein unterwegs?«

»Was? Wo bist du?«, rief Eduard aufgeregt.

Eine wild geschwungene Flasche entglitt elegant dem Schatten. Sie hatte Ähnlichkeit mit Pablo und seinen Gangbrüdern, war ähnlich bunt, dabei aber kleiner und wohlgeformter.

»Bist wohl nicht von hier, was? Zumindest kenne ich dich nicht. Das hätte ich sonst an deinem Etikett erkannt«, säuselte die unbekannte Flasche. »Sag mir doch deinen Namen, Süßer, hm?«

»Ich ... ich bin der Eduard. Mal Wein, mal Essig, gerade, ähm, ziemlicher Wein, glaub ich. Jawohl«, stammelte Eduard in der Hoffnung, dass das irgendwie beeindruckend klang.

»Mh, Eduard also. So ein strammer Bursche. Ganz aus Glas und ein so schöner, geschmeidiger, langer ... Hals. Du darfst mich Angélique nennen, Süßer.«

Eduard errötete ohne zusätzlichen Wein im Essig. »Ha... ha.. hallo Angelique.«

»Du hast die Betonung vergessen, Schätzchen, aber das macht nichts.«

»Bitte was?«

»Ach nichts.« Angélique tänzelte langsam um Eduard herum und zog den Kreis dabei immer enger. »Du gefällst mir, Jungchen. Wie schaut‘s denn aus? Hättest du Lust auf kleines, glitschiges Duschgelabenteuer? Bei all der heißen, feuchten Badezimmerluft ... Oh, ich habe ja solche Lust auf dich und ein auuusgiebiges Schaumbaaad.«

Eduard war fassungslos. Hatte ihm diese Dame gerade ein sehr freizügiges Angebot gemacht? Eine Liebesnacht mit einer Duschgelflasche? Das war mal was Neues. Oh ja, das war wahrscheinlich schon etwas ganz anderes, als eine Nacht mit Gisela, der Milch, bei der man dauernd aufpassen musste, was man sagte, damit sie nicht aus dem Karton platzte. Es war ... ja, es war ... ein Abenteuer! Und eigentlich war Gisela ja auch selbst schuld, wenn er sich jetzt hier ein bisschen vergnügte. Hätte sie nicht Ziegenkäse gespielt, wäre es so weit nämlich nie gekommen.

»Machst du das einfach so?«, fragte Eduard vorsichtig.

»Wie, einfach so, Schnuckel? Du meinst, für lau? Ha ha ha, steht bei mir irgendwo nymphoman drauf oder was?«

»Nein, da steht nur ph-neutral«, antwortete Eduard.

»Na siehst du, Herzchen. Pass auf, du schaust mal in deine Geldbörse und sagst mir, ob gleich fünfzig Mäuse von einer Flasche zur anderen wandern werden, schon kann‘s losgehen. Hier, darfst auch schon mal schnuppern.«

Angélique zog lasziv an ihrer Lasche, die mit einem vielversprechenden Ton nach oben schnappte, und neigte sich zu Eduard. Ein honiggelber Tropfen Duschgel quoll durch die Öffnung der Flasche an die Oberfläche und verströmte sofort betörendes Apfelaroma, das Eduard von ungezügelten Schweinereien träumen ließ, von Duschgel in Glasflaschen, von Apfelessig ...

Natürlich hatte er irgendwo noch fünfzig Euro. Die Jungs in der Vorratskammer waren immer sehr freigiebig und er war am Ende niemals viel Geld los. Er würde einfach das übrige Geld jetzt und hier ausgeben, er würde später eben nach Hause gehen und sagen, er hätte alles vertrunken, hätte seinen Freunden einen ausgegeben, weil man das unter Freunden nun mal so machte, und den Wein brüderlich aufgeteilt. Gisela würde sowieso immer noch mit sich und ihrem Ärger beschäftigt sein und überhaupt nichts merken. Er würde ...

... Gisela in die Augen sehen müssen. Er würde zu ihr treten müssen, so tun, als wäre nichts gewesen. Er würde sie sehen, würde dabei wie immer an prickelnde Kühlschranknächte und gemeinsame Kochabende mit ihr denken, an all die schönen Erlebnisse, die unschätzbaren Momente und jede einzelne Erinnerung wäre durchzogen von künstlichem Apfelaroma. War es das tatsächlich wert, dass eine Liebe nur wegen einiger Reibereien, die zwischen Essig und Milch durchaus entstehen mochten, ihre Unschuld und Reinheit für immer verlor? Das alles für ein schnelles Abenteuer?

Eduard dachte an Gisela. Sie tat ihm leid. Ja, sie war vermutlich gerade so wütend, dass sie selbst in einem Großkochtopf überkochen würde, aber gleichzeitig würde sie ihm vertrauen und sich auch um ihn sorgen. Da war es ganz egal, wie sehr sie sich auch gestritten haben mochten. Streit gehört in einer Beziehung dazu. Wo Licht ist, da ist immer auch Schatten und hier, das wusste Eduard jetzt ganz sicher, war eindeutig zu viel Schatten.

»Du Angelika, ich kann das nicht«, sagte Eduard nüchtern und wich von ihr zurück.

»Bitte was? Komm schon, mein Süßer, das hörte sich doch eben noch ganz anders an.«

»Nein, tut mir leid. Ich meine, du bist ein sehr schönes Duschgel, sofern ich das einschätzen kann, wo ich doch aus der Küche komme und so, aber das hier, das alles, das ist nichts für mich.«

»Das alles? Was ist nichts für dich?«, fragte Angélique genervt.

»Na alles eben. Auch du, du bist nichts für mich. Ich meine, du siehst gut aus, keine Frage, aber die Wahrheit ist, an dir ist doch gar nichts echt. Alles Plastik, gar nichts Natürliches. Nicht mal der Apfelduft, denn unsere Küchenäpfel, die riechen ganz anders. Und zu Hause, da wartet meine Gisela, an der ist sicher nicht alles perfekt, sie hat ziemlich deutliche Ecken und Kanten an ihrem Pappkarton, aber sie ist so ganz Natur und damit meine Welt und vor allem ist sie eben meine Gisela. Verstehst du das, Angelika?«

Angélique sah Eduard mit fragendem Blick an. »Dir sind fünfzig zu viel, oder?«

»Nein, das ist es nicht. Es ... es gehört sich einfach nicht. Sag mir doch bitte einfach, wo es hier raus geht, ja? Ich möchte nur wieder nach Hause. Zurück in die Küche.«

Angélique seufzte. »Ich sehe schon, du bist ein fürchterlicher Moralapostel. Dann geh nur, geh nach Hause! Einfach hier den Weg an der Dusche entlang, weiter geradeaus, so schnell wie möglich an der Waschmaschine vorbei, damit du Pablo und seinen Jungs nicht ins Netz gehst, und dann direkt dahinter nach links weg.«

»Ah ja«, sagte Eduard und stockte. »Was ist denn eine Waschmaschine?«

»Na das große weiße Ungetüm mit dem riesigen gläsernen Auge in der Mitte.«

»Oh, DAS ist das. Danke, Angelika. Und dir alles Gute für den nächsten, ähm, Kunden. Leb wohl!«

Damit nahm Eduard auch schon die sprichwörtlichen Beine in die Hand und machte sich auf den Rückweg.

»Vielen Dank. Und noch was, Süßer«, rief Angélique ihm nach.

»Ja?«

»Ich heiße nicht Angelika.«

»Oh, nicht?«

Eduard hastete durch das düstere Badezimmer. Vorbei an der Dusche und dann so leise und gleichzeitig so schnell wie möglich auch an der Waschmaschine vorbei, die nun, da sie einen Namen hatte, viel weniger unheimlich wirkte. Auch Pablo schien ihn nicht bemerkt zu haben, das war gut. Eduard hielt sich links und fand schließlich den Ausgang.

Endlich wusste er auch wieder, wo er war. Natürlich, von hier aus war alles ganz klar: Er war zu früh abgebogen. Jetzt befand er sich wieder im Flur. Er eilte den Gang entlang, vorbei am Wohnzimmer mit seinem wundervollen Wintergarten, weiter in Richtung Küche. Noch immer hatte er Gisela vor Augen, die beste Milch im ganzen Haus. Sollte sie ruhig wütend auf ihn sein, er würde sie trotzdem in die Arme schließen, die er nicht besaß, auch wenn sie nach ihm schlagen sollte.

Kurz vor der Küche stoppte Eduard. Er würde noch einmal umkehren, einen Zwischenstopp im Wintergarten einlegen und ein paar Blumen mitbringen. Er hatte heute Einiges falsch gemacht, beinahe hätte er sogar alles falsch gemacht, was man nur falsch machen konnte. Eduard lächelte. Es war ja noch mal alles gut ausgegangen und von jetzt an, beschloss er, würde er ganz sicher darauf achten, besonders viel ganz, ganz richtig zu machen.

2 Gedanken zu “Mehrwegflasche

  1. LadyTralaLy

    Huhu Thomas,

    Du weißt ja ich steh auf Deine Story. Also nein, sie steht auf meinem Bildschirm und da les ich sie und ach - Wäre ich nicht so eine Quarktasche, ich glaub ich würd mich in den Essig verschießen.

    Einfach begnadet diese Fortsetzung. Also begnadigt. Oder so.

    Lyschen (auf dem Weg zum 1. Sekt des Tages - Ja echt, ich hab noch keinen getrunken :p)

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Solange du dabei nicht auf dem Bildschirm stehst und so? Vor allem im Büro, das sähe sicher sehr komisch aus und könnte seltsame Fragen nach sich ziehen. Nicht, dass ich das erlebt hätte, aber nun ja.

      Und lieben Dank abermals. Möge der Sekt extrabekömmlich gewesen sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du möchtest einen Kommentar hinterlassen, weißt aber nicht, was du schreiben sollst? Dann nutze doch den KOMMENTAROMAT! Ein Klick auf einen der Buttons unten trägt automatisch die gewählte Reaktion in das Kommentarfeld ein. Du musst nur noch die Pflichtfelder ausfüllen und den Kommentar abschicken. :)