Saubere Städte, Kunst & Froschmenschen

GraffitiFakt ist, ich mag keine sauberen Städte. Natürlich habe ich nichts dagegen, eine gerade Strecke von mindestens zehn Metern geradeausgehen zu können, ohne meine Sohle zwischendurch in den Hinterlassenschaften eines Terriers wälzen zu müssen, aber so insgesamt verspüre ich doch eine Abneigung gegen allzu saubere Orte.

Mit sauberen Städten ist es so eine Sache. Sie erinnern mich unweigerlich an eine realgewordene Version Lovecraftscher Geschichten wie »Schatten über Insmouth«. Und wer weiß denn schon, ob Menschen aus allzu sauberen Orten nicht tatsächlich böse Froschmonster sind, die sich mittels gestohlener Häute als Menschen tarnen, um arglosen Besuchern das Fell über die Ohren zu ziehen? Denn Fakt ist auch, Bewohner sauberer Städte haben keinen Grund, sich über die Unsauberkeit ihres Orts zu beschweren. Sie haben damit mehr Hirnkapazität frei und freie Hirnkapazität bewirkt beim Menschen selten Gutes. Kurzum: Menschen aus sauberen Orten hecken ganz bestimmt was aus.

Ich habe übrigens auch gar kein Problem damit, wenn irgendwelche herumkrakelenden Hauswarte um den Block rennen, um mannshohe Ratten zu verscheuchen, die sich andernfalls eisenbahntunnelgroße Löcher durchs Mauerwerk direkt in meine Küche bahnen würden. Ich habe nichts dagegen, wenn Kaugummis von den Gehsteigen entfernt werden, was mir ärgerliche Artistik à la »Stock am Schuh« erspart. Aber gegen zu viel Ordentlichkeit habe ich dann doch was.

Wohnhäuser müssen nicht Reih an Reih pastellfarben gepinselt werden, bis sie aussehen wie zu groß geratene Eisportionen. Schlimmer noch: Hauswände brauchen auch keine neunmalklugen Wandtattoos, die von der Hausverwaltung wagemutig als Kunst bezeichnet werden. Kunst ist es nämlich, ein mäßig schönes Graffiti handwerklich halbwegs ordentlich und in immerhin drei Farben an eine Hauswand direkt neben der Eingangstür zu klieren, während die Bewohner gefühlt alle fünf Minuten ein und aus gehen - und das rund um die Uhr -, und sich dabei dann auch noch nicht erwischen zu lassen (siehe Bild oben). Ja, das ist Kunst, liebe Leute. Kein doofes Wandtattoo in Elefantengröße, das mir was über Zukunft und Gegenwart verklickern will. Bla bla.

Wie gesagt, ich mag keine sauberen Orte. Da wird nur unnötig viel ausgeheckt von bösen Froschmenschen. Und hier in der Gegend wird's in letzter Zeit einfach zu sauber. Ich kann das nicht gutheißen. Wenn demnächst die Nachbarn irgendwie komisch gucken und sabbern, dann zieh ich aber aus.

14 Gedanken zu “Saubere Städte, Kunst & Froschmenschen

    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Die Kunst bestand hierbei auch eher darin, nicht erwischt zu werden, denk ich. Vielleicht auch deswegen der leicht fahrige Stil.

    2. Man sieht aber oft genug handwerklich gute Bilder neben hingerotzten Drei-Buchstaben-Kritzeleien. Es liegt also nicht nur daran, wie offen die Stelle ist, sondern einfach daran, mit welcher Intention da gesprayed wird.

  1. Du bist aber auch schwierig zufriedenzustellen oder? 😀
    Ich finde Graffitis teilweise wahnsinnig kunstvoll. So viel Weisheit in ein Wort oder in einen Satz zu verpacken, da steckt mehr dahinter als ein "Schmierfink". Neben unserem haus hat jemand in schwarz einfach nur hingeschrieben "Ein Königreich für eine Idee". Ich finds so super, obwohls stilistisch nichts hergibt, die message zählt doch!
    Und IGITT diese Ratten klingen sehr uncool.

    Antwort
    1. Ich gebe zu, das mit den Ratten war leicht übertrieben. Ahem. Und das Graffiti da oben ist eher mäßig kunstvoll. Aber »Ein Königreich für eine Idee« find ich gut. 🙂 Man muss auf diese Dinger nur achten.

  2. ach das hab ich ja gar nicht gesehen! ja stimmt, aber die farben sind ganz nett.
    und ich könnte es trotzdem nicht, trotz seiner mäßigkeit. ich hab immer ganz simpel in grün gehalten wörter an mauern gesprayt. da muss wohl jeder mal durch 😉

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Hast du? Uh, also ich fand diese Farbe an den Fingern so furchtbar, dass ich selbige recht schnell davon ließ. Bin da auch nicht geschickt und kreativ genug.

    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Und so was fällt dir um halb fünf nachts ein? 😉 Also wir hatten damals nur schwarze Farbe. Und ich hab nur einen Baum angesprüht. Nicht so doll also.

  3. haha wie seltsam, ich dachte eigentlich, dass mit den froschmenschen hätte ich um halb 5 geschrieben und das davor am vortag.
    der arme baum!
    nein, aber ich bin an einem ort gewesen, wo eigentlich alle seltsam waren, aber ich anscheinend wieder auf eine zu andere art und weise. vielleicht pass ich mal irgendwo auch wirklich hin hm

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Klar passt du irgendwann mal irgendwo hin. Spätestens, wenn du älter wirst. Dann wird's viel zu anstregend, anders zu sein als alle anderen. Öh, denk ich.

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