Teures Benzin

Der Irrsinn der Welt kennt keine Grenzen und ich muss mich wieder schwer wundern. Noch immer sind die Benzinpreise jenseits von Gut und Böse. Man hört von verzweifelten Tüftlern, die ihre Kleinwagen mit Müll betanken, was mich amüsiert, erinnert es doch an das Ende von »Zurück in die Zukunft«, ich lese auch von einigen, dass sie ihr Auto schlicht und einfach verkauft haben, um sich künftig auf den Drahtesel zu schwingen. Sehr löblich, das.

Und hier setzt der Irrsinn an. Denn liegt diese Lösung nicht irgendwie ziemlich nahe? Niemals in meinem bisherigen Leben habe ich ein Auto besessen. Inzwischen zählt mein Dasein siebenundzwanzig Lenze, folglich wäre ich seit über neun Jahren dazu berechtigt, mich motorisiert fortzubewegen. Habe ich niemals getan. Folge dessen, dass ich es nicht getan habe? Das Ausbleiben eines fetten Arsches. Einschränkung der Lebensqualität? Mitnichten.

Das ist ja immer ein bisschen die Argumentation derer, die nicht auf ihr Töfftöff verzichten möchten. Ich kann durchaus verstehen, dass Pendler auf ein Auto angewiesen sind. Gut, wenn man unbedingt chic im Grünen wohnen möchte, dann muss man in den sauren Spritapfel eben beißen. Ich kann auch nachvollziehen, dass es schwierig ist, eine eigene Familie ohne Automobil bei der Stange zu halten. Die ganze Bagage für den nächsten Urlaub in einen Bus zu wuchten ist vermutlich nicht der Weisheit letzter Schluss.

So Vieles kann ich verstehen, ja, aber Leute, die sich in einer mit meiner eigenen Lage vergleichbaren Lebenssituation befinden, kann ich nicht so ganz verstehen. Schimpfen und mosern über die Kosten muss schon sein, aber der Tank ist trotzdem voll. Ist ein bisschen wie bei denen, die meinen, es würde nicht mehr fürs Essen reichen, während sie in den Meckerpausen an der Fluppe ziehen. Vom Verlust der Mobilität ist da die Rede, von einer Beschneidung der Lebensqualität eben. Vom Untergang des Abendlandes geradezu.

Hm.

Für mich wäre die Tatsache, zusätzliche Steuern und Versicherungsbeiträge, eventuell eine Rate auf das überteuerte Vierrad, außerdem das teure Benzin und wiederkehrende Inspektionen irgendwie bezahlen zu müssen, eine deutlich größere Einschränkung der Lebensqualität, denn was ich an Mobilität hätte, würde im Portmonee definitiv sehr fehlen.

Ist das nicht alles reine Gewohnheit? Oder sehe ich das mal wieder völlig verquer? Erkenne ich des Pudels Kern einfach nicht?

11 Gedanken zu “Teures Benzin

  1. MysticRose

    Das stimmt. Dieses beschissen teure Medizin.
    Wenn man in Berlin wohnt, ist man zwangsläufig ja auch nicht auf ein Auto angewiesen, bei euch fahren ja jede zwei Minuten U-Bahnen, S-Bahnen, Züge oder was weiß ich. Denk mal an mich, ich bin ein Pampa-Bewohner. Bei uns fährt vielleicht zwei Mal am Tag ein Bus in die nächste Stadt und wieder zurück 😀
    Ich find die Benzinpreise auch unerhört teuer, aber ich arbeite auch schön in einer Zeitungsredaktion, damit ich mir ein eigenes Auto leisten kann 🙂

    Antwort
    1. Ich komme auch vom Dorf, wo in der Stunde maximal ein Bus fährt, wenn's hoch kommt. Ich bin zu Schulzeiten dann eben kurz vor sechs in den Bus gestiegen, weil der nächste Bus zu spät gefahren wäre, um pünktlich zum Unterricht zu kommen. Nach Hause bin ich gelaufen, tue ich auch jetzt jeden Tag, wo ich in der Großstadt wohne.
      Das ist alles eine Frage von Gewohnheit und vor allem Bequemlichkeit.

    2. Eben, finde ich halt auch, dass es meist Bequemlichkeit ist. Ich habe allerdings auch schon Orte gesehen, in denen fährt einfach gar nichts und die waren auch viel zu sehr auseinandergezogen, als dass man da mit Fußmärschen weit gekommen wäre.

      Aber oftmals ist's halt so.

  2. Sind das nicht auch die Leute, die Bundestrainer und Bundeskanzler in Personalunion sind?

    Also ich zähl mich mal zu den Pendlern, und darf daher meckern 😉 Aber ich trag meinen Teil mittels Fahrgemeinschaft schon zur persönlichen und benzintechnischen Kostensenkung bei.

    Antwort
    1. Öh, was ist jetzt genau mit denen?

      Fahrgemeinschaften sind ja auch schon 'ne Möglichkeit. Wird in den USA ja sogar gefördert. In Deutschland nicht so. Warum auch, wir sind ja 'ne Autonation und leben davon, dass viele Menschen möglichst oft viele neue Autos kaufen.

  3. Ich würde es als gefährlicher erachten, wenn ich mich dem Auto unterwegs bin als ohne. Hab zwar den Füherschein, aber nur weil meine Fahrlehrerin für mich den Prüfer angelogen hat. Egal, ich fahr nicht Auto, will nie Auto fahren, außer vielleicht in Norwegen durch die Gegend. Wo allerdings sogar auch Busse verkehren, bin ich an meinem allerletzten Arbeitstag (nach einer Nacht voller Wein und ohne Schlaf) sogar mit einem Bus wieder gen Heimat, also gen Flughafen gebracht worden. Und der Ort war mehr Pampa als vorstellbar. 1 730 Einwohner, angeblich.

    Was ich damit sagen will? Autofahren macht zwar manchmal mega Spaaaß, aber notwendig ist es wahrlich nicht. Ich lach die aus, die jammern und quetsch mich in die stinkende Bim. Danach hab ich wenigstens was zu erzählen!

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Sag ich ja, alles nicht nötig. Ich hock mich eh lieber in 'ne stinkende Bahn und lese nebenher. Und wenn die um mich herum zu laut palavern, hör ich halt Musik. Ich mag mich nicht auf 'ne Straße konzentrieren, klappt das doch schon nicht bei einem Gehweg.

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