Von Surface, Windows und dem Scheitern

Windows 8Ein paar Gedanken zum Tablet-Hype der letzten Woche. Microsoft hat sein eigenes Tablet vorgestellt, sinnigerweise unter dem Namen Surface. Genauso hieß nämlich schon das gigantische Tablet in Tischform, das die Firma bereits vor einiger Zeit präsentiert hatte.

Nun versucht man in Redmond also erneut, selbst in den Markt für Hardware einzusteigen und betont vehement, als wie wichtig man es erachte, Hard- und Software als eine Einheit zu konzipieren. Als Beispiel dazu führt man die Apple-Smartcover-ähnliche Hülle mit integrierter Tastatur an, die per Magnet an das Tablet angeklippt werden kann und anhand deren Farbe sich auch der Hintergrund des Tablets ändert. Chice Idee zwar, andererseits auch bezeichnend, dass Bill Gates seinerzeit den festen Verbund von Hard- und Software immer abgelehnt hatte. Außerdem: Erinnert sich noch jemand an den Microsoft Zune, den einstmals potenziellen iPod-Killer? Ja? Nein? Macht nichts, der Rest der Welt nämlich auch nicht.

Statt nur ein Modell herauszubringen, fokussiert man sich bei MS gleich auf zwei Tablet-Varianten, wobei mir persönlich nur die dünnere mit ARM-Architektur und Windows RT sinnvoll erscheint, während das Modell mit Intel-Architektur und echtem Windows 8 etwas klobig und damit eher wie ein verkappter PC daherkommt. MS-typisch ist, dass man sich irgendwie nicht entscheiden konnte, was genau man denn nun tun möchte. Nun ja.

Und dann Windows ... Mal ehrlich, Windows 8 ist für mein Empfinden kein großer Wurf. PC-Usern mutet man die kachelorientierte Metro genannte Oberfläche zu, die sich mit der Maus nur umständlich bedienen lässt und die zwar einigermaßen hübsch designt wurde, bei alledem aber Einfachheit und ein Gefühl für Wärme vermissen lässt. Dass der seit vielen Jahren bekannte Windows-Desktop als App immer noch mitkommt und auch Tablet-Usern zur Verfügung steht, ist auch wiederum nicht zu Ende gedacht, lassen sich doch dessen Elemente nicht mit den Fingern bedienen, weil sie zu winzig und für die Ansteuerung per Maus gedacht sind. Wenn man schon den Mut hat, etwas Neues zu kreieren, dann sollte man vielleicht auch bis zum letzten Schritt mutig sein, doch sei's drum.

Die Metro-Oberfläche, die sich aus einzelnen Kacheln zusammensetzt, welche wiederum die Anwendungen, jetzt natürlich Apps genannt, repräsentieren, kennt man so ja schon von Handys mit Windows Phone. Das Konzept ist mutig und, anders als Googles Android, kein dreister optischer iOS-Klon. Allerdings wirkt der Look sehr industriell, erinnert ein wenig an Konzepte von Sony, die irgendwann mal versucht haben, den Look der eigenen Produkte aus den Achtzigern des zwanzigsten Jahrhunderts in die digitale Neuzeit zu transportieren. Was fehlt, ist das Menschliche, die Einfachheit und der Charme, den Apple seinen Produkten angedeihen lässt. Der neue kühle Windows-Look wirkt einfach berechnend, geradezu maschinell und zieht daher eine klare Grenze zwischen Technologie und menschlicher Emotion. Ich persönlich halte das für den falschen Weg und die Verkaufszahlen der Telefone mit Windows Phone tragen dem ja auch Rechnung. Eleganz ist eben nicht gleich Eleganz.

Nun, man wird sehen, was sich im zweiten Halbjahr tut. Spannend wird es auf jeden Fall, was aus Surface und Windows 8 letztlich werden wird. Wenn ich wetten wollte, würde ich darauf setzen, dass die Microsoft-Strategie grandios scheitern wird und Steve Ballmer und Co. die nächsten Jahre damit verbringen werden, den hilflos dahinmäandernden Riesenkahn wieder auf Kurs zu bringen.

PS: Ach ja, das wird jetzt hier kein Technologie-Blog. Das Thema ist einfach interessant.

PPS: Ich selbst besitze ein iPad. Natürlich.

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