Flughafen? Ham wa.

Flughafen BBIWir schreiben das Jahr 2012. Alle großen Städte dieser Welt sind mit modernen Flughäfen ausgestattet. Alle Städte? Nein! Eine von unbeugsamen Preußen bevölkerte Hippiekommune hört nicht auf, dem Trend zum Großflughafen Widerstand zu leisten. Nun, streng genommen besitzt diese Stadt, die hier nicht genannt werden möchte und deshalb im Folgenden als B. bezeichnet werden soll, bereits drei Flughäfen: eine gemütliche Bretterbude im Stadtteil Tegel, die dem Preußen der Ami nach‘m Krieg dagelassen hat, ein verteiltes Provisorium mit dem Charme eines Flüchtlingslagers in Schönefeld und den pompösen Tempelhofer Flughafen, welcher dermaßen vor Naziästhetik strotzt, dass er‘s sogar in einen Indiana-Jones-Film geschafft hat und prompt dichtgemacht sowie in die wahrscheinlich größte Freigrillfläche der Welt verwandelt wurde. Sinnig auch, aufsteigende Wurstdüfte bombardieren immerhin keine unliebsamen Nachbarstaaten.

Der Rest ist Geschichte: Weil alle bisherigen Flughäfen in B. nichts zum Angeben waren, beschlossen die gewählten Hausbesetzer aus dem Regierungsviertel, dass B. einen richtigen Männerflughafen von nie da gewesener Größe bekommen sollte, dessen astronomisch teuren Bau man sich trotz der unermesslichen Reichtümer dieser Stadt mit einem nicht weniger betuchten Landesnachbarn teilen wollte, der hier nur BRB. genannt werden soll.

In B. kennt man sich mit großen Prestigeprojekten bestens aus: dekadent große Hauptbahnhöfe mit freifliegenden Stahlträgern, Riesenräder am Zoo, die mittels geschickter Investitionen in windige Fonds unsichtbar gemacht werden, ein rein theoretisches S-Bahnnetz, keine große Unternehmung in B. welche die ansässigen kompetenten Planer nicht auf kreativste Art und Weise versumpfen lassen. Immerhin B.s Gründerväter waren vorausschauend, bedeutet B.s ausgeschriebener Stadtname doch schließlich »Stadt im Sumpf«. Und weil das so ist und man beim Flughafenbaby namens BER diesmal aber auch alles richtig machen wollte, war der Problem-BER nur die logische Konsequenz.

Ständige Verschiebungen im Bau, explodierende Kosten, abgesägte Chefplaner, ein charismatischer Obermotz, dem‘s niemand so recht übel nehmen mag, man könnte meinen, die Rede sei vom Todesstern. Doch wo im Film Darth Vader die Sache mittels Verbreitung von Angst und Schrecken gerade noch rechtzeitig geritzt kriegt, haut der Oberbürgermeister von B. lieber auf die Pauke und geht erst mal feiern. Was soll er auch sonst tun? Machen, dat et jeht? Und schließlich handelt es sich ja auch nur um ein klitzekleines Problem: nicht funktionierender Brandschutz. Pah, wer hätte denn auch je von einem abgebrannten Flughafen gehört? Das wird schon, das kann so schwer ja nicht sein. Seltsam nur, wenn man dann auf den Bildern aktueller Zeitungsberichte ständig Bauarbeiter sieht, die riesige Paletten mit Baumaterial und Stahlträger durch die Gegend wuchten. Ganz schön umfangreich, so‘n bisschen Brandschutz und deswegen braucht man auch gleich mal ein Jahr länger und ein paar Milliärdchen zusätzlich. Doch lieber ‘n bisschen mehr, aber dafür wat Jutet, nicht wahr?

Während die Welt nun den Atem anhält und ungläubig den Kopf schüttelt über so viel Unvermögen innerhalb der Grenzen einer einzigen Stadt - Ja, nicht mal einen Erstligaverein hat man da! - macht‘s der Einwohner von B. so wie der große Häuptling: Schulter zucken und erst mal einen trinken gehen. Soll‘n die andern sich ma nich so uffplustern. So blöde wie wir‘t brauchen, können die uns janich kommen!

Und er hat ja recht, der B.‘ler. Sollen die sich doch erst mal an die eigene Nase fassen, bevor sie versuchen, den armen Problem-BERen zu (z)erlegen. Erinnert sich noch jemand an die U-Bahn in der rheinländischen Domstadt mit den lächerlich kleinen Biergläsern? Die Chefplaner waren dermaßen von ihrem Projekt überzeugt, dass sie sogleich die ganze Stadt in den Untergrund verlegen wollten. Im Dunkeln kann man ja auch viel besser dem Sextourismus zur Karnevalszeit frönen. Resultat: Am Ende gab‘s zwar eine fesche U-Bahn mehr, dafür aber ein Stadtarchiv und ‘nen Kirchturm weniger. Helau, ach nee, alaaf!

Hohoho, und dann das Jahrhundertprojektle im beschaulichen Schwabenland ... Kostet inzwischen ungefähr so viel wie eine Umsiedlung der Menschheit auf den Mars, der konservative Ministerpräsident mit dem possierlichen Keksgesicht wurde durch einen weißhaarigen Biobauern ersetzt und der Schwabe hat nebenbei gelernt, wie man einen fachgerechten Guerillakrieg nach kubanischem Vorbild führt. Diverse Terminverschiebungen und eine hirnverbrannte Volksabstimmung später weiß alle Welt, dass sich »Schaffe, schaffe, Häusle baue.« nicht auf Bahnhöfe bezieht.

»Zehn Minuten!« Zwei legendäre Worte als Teil einer rhetorisch perfekten Rede, mit denen einst der weißhaarige König von Bayern geschickt umriss, weshalb ein irre schneller Zug vom Hauptbahnhof zum Flughafen eine dufte Sache sei. Viele technische Probleme und einen blöden Unfall später war »Made in Germany« Geschichte. Jetzt heißt für das Transrapid-Projekt eben »Made in China« und der frühere bayrische König sitzt in Brüssel und entbürokratisiert sein Büro.

Wäre Recherche nicht ein mühseliger Zeitvertreib, die Liste ließe sich ewig fortspinnen. Sollen se also ma nich anjeben wie Graf Koks vonne Jasanstalt, wie man in der Stadt im Sumpf zu sagen wüsste. Gut Ding will Weile haben und solange der neue Flughafen keinen reinlässt, bleiben in B. ja noch die Bretterbude, das Flüchtlingslager und ein doller Rasen zum Wurstgrillen zwecks Frustbewältigung. Und selbst, wenn der Problem-BER am Ende mal endgültig vor die Flinte kommen sollte und alle Welt wütend aufschreit, in B. liegen die passenden Worte auch dafür schon parat: Lass liejen, tritt sich fest.

9 Gedanken zu “Flughafen? Ham wa.

  1. Die dritte Startbahn in München hat auch bereits Millionen verschlungen. Und das, obwohl sie noch gar nicht gebaut wurde. Absurd oder? Ich hoffe sehr, dass die Startbahn nicht kommen wird. Ist eh schon so voll und laut in München geworden 🙁

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Da haben sich dann auch schon die Planer die Taschen vollgepackt. Ist denn der Flughafen in München so stadtnah, dass das so laut ist? Dann könnten ja zumindest die Mieten mal wieder sinken. (Wer's glaubt ... 😉 )

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