Götterbotenzorn

Amazon, selbsternannter Primus in Sachen Kundenservice, liefert mit Hermes aus. Argh! Nicht, dass sie das erst seit Kurzem tun würden, oh nein, das geht schon seit ein paar Jahren so und es ist immer ein bisschen russisch Roulette: Wenn man Glück hat, steht nach Versand der bestellten Ware DHL im System, wenn man Pech hat, ist es Hermes. Warum Pech?

Nun, mitunter kommen Pakete später bis gar nicht an. Später deswegen, weil angebliche Zustellversuche in eine Firma nach 22 Uhr stattfinden. »Der Empfänger wurde zum 1. Mal nicht angetroffen.« heißt es dann ganz lapidar im System. Logisch irgendwie, da ich nicht abends um zehn das Büro hüte (wie auch niemand sonst, versteht sich). Aber gut, kann passieren. Vielleicht war zu viel zu tun, Marderschaden am Transportfahrzeug, Kaffeekränzchen bei Oma, keine Ahnung. Weiß man ja nie, schließlich werden auch Logistiker von Murphy heimgesucht.

Schlimmer sind viel mehr andere Aktionen, die ich persönlich nur von Dienstleisterklitschen kenne, die nicht zur Deutschen Post gehören: Pakete können nicht geliefert werden, weil ich als arbeitender Bürger nicht daheim bin und weder Katze noch Hund oder Kaninchen zum Öffnen der Tür zur Hause vorhalte, und werden daher schließlich zur Selbstabholung in Göhlsdorf, Borkwalde oder in anderen Orten eingelagert, die zwar billigen Lagerplatz an Logistiker vergeben, sich dafür aber meinen Geographiekenntnissen entziehen und mangels Infrastruktur nur querfeldein per Pferd oder Wolf zu erreichen sind. Telefonische Nachfragen und Beschwerden beim Logistiker kosten dann für gewöhnlich so viel wie der heimliche Anruf bei einer Telefonsex-Hotline und Mails werden mitunter gar nicht erst beantwortet, weil vermutlich im verwaisten Kundencenter lediglich eine Opossumfamilie haust. Und wenn dann doch mal was pünktlich und problemlos kommt, sind Karton und Inhalt auch gerne mal von Zigarettenmief durchsetzt, weil der Lieferant, der mit seinem privaten VW Passat rumgurkt, Kettenraucher ist.

Speziell in Sachen Hermes passierte mir vor ein paar Jahren Folgendes: Ein Paket mit tatsächlich wertvoller Ware wurde einfach in den Hausflur eines von, nun, mitunter zwielichtigen Zeitgenossen bewohnten Hauses gestellt, wo es brav ausharrte, bis ich Feierabend hatte. Geklaut wurde es nicht, was ein ziemlicher Glücksfall war. Glücklich für mich, nicht für den genannten Logistiker. Denn der behauptete auf meine Beschwerde hin einfach, ich hätte einer Ablieferung im Hausflur per Unterschrift zugestimmt und sendete als Beweis eine Kopie meines vermeintlichen Autogramms mit. Sehr löblich, wenn's doch nur meine Unterschrift gewesen wäre. Zweihundert Puls hatte ich!

Da soll noch mal einer den Umstand loben, dass die Post kein Monopol mehr auf Pakete hat. Die Logistikratten, die seither aus ihren Löchern gekrochen sind, haben mir das Bestellerleben nicht gerade erleichtert.

Kleiner Tipp übrigens für alle, denen es ähnlich geht: Besorgt euch einen kostenlosen Zugang zur Packstation der Post. Dann nämlich muss zumindest Amazon den Revolver stecken lassen und die Sendung kommt auf jeden Fall mit DHL.

 

Nachtrag: Die Sendung ist inzwischen (verspätet) eingetroffen. Der arme Bote kämpfte sich durch Platzregen und kam tropfend wie ein frisch benutzter Teebeutel hier an. Schön, so viel Einsatz, dennoch korrigiert das nicht den Fauxpas der gefälschten Unterschrift. Da bleibe ich ja nachtragend.

6 Gedanken zu “Götterbotenzorn

    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      AmazonPrime kostet aber extra. Hmm.
      Und die Packstation hilft quasi in beiden Fällen, jepp. Nur muss man halt zur Post rennen, was mehr oder weniger blöd sein kann, je nachdem, wo die sich befindet.

  1. Herrlich geschrieben, ich musste teilweise beinahe laut auflachen 😀
    tjaja die post. ich bin schon immer froh, wenn sie mir nicht nur den gelben zettel dalassen zum selber abholen, sondern immerhin vorher mal anläuten. bei uns sind die teilweise sogar so freundlich, dass ich sogar morgens um 7 ein lächeln zusammenbringe, wenn ich im pyjama die tür öffnen muss!
    liebe grüße an die opossumfamilie, wenn du sie mal wieder sprichst 😉

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Das mit der Opossumfamilie hab ich von den Simpsons geklaut, muss ich ehrlicherweise zugeben. Kommen die Postboten mit den Paketen bei euch echt morgens um sieben? Das wär aber 'n Ding. Bei uns sind die mitunter recht spät dran, die feinen Herrschaften. Aber ist ja auch ein ziemlich stressiger Job eigentlich. Nun ja, freut mich, dich amüsiert zu haben. Ich hab derweil meine Lieferung erhalten. Alles gut also. 🙂

    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Hm. Man hat vermutlich doch irgendwie nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Mit der Post hatte ich so was zum Glück noch nie. Aber Paketdienste wie GDL, oder wie die heißen, puh, da könnt ich Geschichten erzählen ...

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